Adipositas: Gq-Sperre schürt Verbrennungsprozess

14. März 2016
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In Fettzellen von Mäusen und Menschen findet sich ein Schalter, mit dem sich überflüssige Pfunde verbrennen lassen. Wird das Gq-Protein mit einem Hemmstoff blockiert, verwandeln sich weiße Fettzellen in energiezehrende braune Fettzellen.

Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Alexander Pfeifer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn beobachtete, dass in braunen Fettzellen besonders viele Rezeptoren vorkommen, die an das Gq-Protein koppeln. Das Gq-Protein nimmt eine wichtige Funktion in der Informationsübermittlung wahr. Die Wissenschaftler aktivierten in den Mäusefettzellen das Gq-Protein, daraufhin verschlechterte sich die Zahl und die Qualität der braunen Zellen.

„Wird dagegen Gq mit einem Hemmstoff blockiert, dann reifen mehr braune Fettzellen heran“, sagt Katarina Klepac aus Pfeifers Team. Das Gleiche gilt für die beigen Fettzellen. Sie können sich aus weißen in braune Fettzellen umwandeln und sind ebenfalls an der „Verbrennung“ überflüssiger Energiespeicher beteiligt. Ist in ihnen das Gq-Protein blockiert, bilden sich mehr braune „Fettverbrenner“.

Umwandlung funktioniert auch bei menschlichen Fettzellen

Funktioniert die Hemmung der Gq-Proteine nur in Mäusezellen oder auch in menschlichen Fettzellen? Das Forscherteam vollzog die zuvor an den Nagerzellen durchgeführten Experimente auch an menschlichen Fettzellen nach, die sie im Labor heranzüchteten. „Auch bei humanen Fettzellen zeigte sich, dass sich daraus braune Fettzellen viel besser entwickeln konnten, sobald die Gq-Proteine blockiert wurden“, sagt Pfeifer.

Dies könnte dem Forscher zufolge ein vielversprechender potenzieller Ansatzpunkt für die Entwicklung von Wirkstoffen sein, die die Fettverbrennung bei adipösen Patienten ankurbeln. „Bislang gibt es keine Medikamente, die direkt die Umwandlung weißer in braune Fettzellen im Menschen bewirken“, sagt Pfeifer. Es werde noch länger dauern, bis geeignete Wirkstoffe auf dem Markt verfügbar seien.

Originalpublikation:

The Gq signalling pathway inhibits brown and beige adipose tissue
Katarina Klepac et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms10895; 2016

26 Wertungen (4.85 ø)

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4 Kommentare:

gast
gast

#2, nicht #4 natürlich

#4 |
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gast
gast

völlig richtig #4 !!!! In Physik in der Schule lernt man (früher) den ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Und der lautet salopp, das weder Energie aus den NICHTS entstehen kann, noch dass man Energie vernichten kann.
Sie kann nur umgewandelt werden. Nach dem zweiten Hauptsatz immer von einer “höherwertigen” in eine “niedrigerwertigen” Form (Entropiezunahme).
Die niedrigste ist die Wärme.
Kalorien kann man also nicht einfach so in einigen Zellen verschwinden lassen.
Deshalb wurde auch gemessen, dass man bei gleicher Bewegung (Training) im Winter mehr Gewicht verliert als im Sommer.

#3 |
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Gast
Gast

Bei den “braunen Fettzellen” handelt es sich nicht um “Verbrennung überflüssiger Kalorien” sondern um biologisch sinnvolle Wärmeerzeugung.
Also eine Sackgasse wie auch die (gefährlichen!) Versuche mit Schilddrüsenhormonen.
Ich schätze dass mancher Mensch beim “Abbrennen” dann rotglühend werden müsste.
Es geht nun mal kein Weg vorbei an der verminderten Kalorienaufnahme.

#2 |
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Wenn dieser Weg mal beschritten werden kann/wird, werden viele adipöse Menschen aufatmen können. Niemand ist gern dick, und viele essen weniger als ihre schlanken Mitmenschen.

#1 |
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