Sehvermögen: Bewegungsmelder geben ihr Bestes

9. März 2016
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Vieles aus unserer Umgebung spielt sich im Augenwinkel ab. Doch das Sehvermögen nimmt aufgrund der schlechten Auflösung in der Peripherie schnell ab. Nun zeigt sich, dass wir dort die Bewegung einer anderen Person besser wahrnehmen können als bisher gedacht.

Das menschliche Sehvermögen nimmt in der Peripherie schnell ab, weil die Auflösung dort geringer wird. Vieles nehmen wir daher nur verschwommen und ungenau wahr. Gilt das auch für überlebenswichtige Informationen wie die – möglicherweise feindseligen – Handlungen von Personen? Was wir über die Bewegungen einer Person aussagen können, wenn wir sie nicht direkt anschauen, haben sich Forscher aus Tübingen genauer angeschaut.

Treten, Winken, Händeschütteln

Laura Fademrecht vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik hat Versuchspersonen in eine virtuelle Umgebung versetzt. Die Probanden saßen während des Experiments vor einer drei Meter hohen, gebogenen Panorama-Leinwand, die ein Blickfeld von 230 Grad abdeckt. Durch die übergroße Leinwand wirkte das visuelle Feld so groß wie im realen Leben und die Probanden hatten das Gefühl, in der Szene anwesend zu sein. Die Versuchspersonen schauten geradeaus, während Avatare in Form lebensgroßer Strichmännchen am Sichtfeldrand verschiedene Bewegungen ausführten. Dabei maßen die Forscher auch per Eyetracking, ob die Probanden ihren Blick nach vorne richteten und nicht an die Seite schweifen ließen.

Im Anschluss sollten die Versuchsteilnehmer angeben, ob die Handlung positiv oder negativ war, beziehungsweise welche Bewegung ausgeführt wurde. Das Repertoire der Strichmännchen reichte dabei von Faustschlägen, Ohrfeigen und Treten über Winken und Händeschütteln bis zur angedeuteten Umarmung. Zur Kontrolle zeigten die Wissenschaftler auch animierte Strichmännchen mit gänzlich bedeutungslosen Bewegungen, indem sie die Bewegung der Arme und der Beine vertauschten: Die Arme des Avatars führten die Beinbewegung aus und umgekehrt. So entstand eine ähnliche Bewegungsenergie, jedoch keine erkennbare Bedeutung.

Auch erstarrte Bewegungen werden gut erkannt

Die Teilnehmer erkannten Handlungen, die 45 Grad von der Blickrichtung, d. h. zwei bis drei Handbreit von der Nase entfernt präsentiert wurden, mit gleicher Genauigkeit wie Handlungen in direkter Blickrichtung. Die gute Erkennungsleistung lag nicht an der Bewegung selbst– das konnten die Forscher mit anderen Experimenten ausschließen. Die Probanden erkannten selbst bewegungslose Bilder der Avatare besser als andere statische Objekte, wie etwa simple geometrische Formen.

„Diese Studie zeigt, dass wir menschliche Handlungen in der Peripherie besser wahrnehmen als bisher gedacht“, erklärt Fademrecht, und vermutet zudem, dass hinter dem guten Abschneiden der Probanden evolutionäre Anpassungen stecken könnten: „Handlungen anderer Menschen aus den Augenwinkeln erkennen zu können ist vermutlich deshalb so wichtig, weil wir dadurch frühzeitig erkennen, ob eine sich nähernde Person gute oder schlechte Absichten hat.“

Originalpublikation:

Action recognition in the visual periphery
Laura Fademrecht et al.; Journal of Vision, doi: 10.1167/16.3.33; 2016

13 Wertungen (4.77 ø)

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2 Kommentare:

Dr. Gerd Kruse Zahnarzt/Hypnose
Dr. Gerd Kruse Zahnarzt/Hypnose

Da hat jemand eine olle Möhre ausgegraben. Das ist schon in meiner Hypnoseausbildung in den Achtziger Jahren geübt worden, unfokussiert zu sehen, um Reaktionen des Hypnosianten besser zu erkennen.

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Diese Erkenntnis ist auch nicht gerade neu. Unsere frühen Vorfahren mussten sich auf alle Sinne verlassen können, wenn sie auf der Pirsch waren. Bewegungen oder Umrisse von (Fress)feinden am Rand des Gesichtsfeldes wahrzunehmen und richtig zu interpretieren war überlebenswichtig. Das lernte man schon in den Achtzigern im Biologie-Leistungskurs. Neu ist vielleicht nur, dass man das jetzt besser messen kann.

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