Alkoholismus: Dopamin mit Rückfall-Garantie?

8. März 2016
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Nach längeren Abstinenzphasen weisen Alkoholiker erhöhte Dopamin-Werte in den für die Verhaltenskontrolle wichtigen Hirnregionen auf. Diese Befunde könnten dabei helfen, den Zusammenhang zwischen erhöhtem Dopamin und dem Rückfall besser zu verstehen.

Bei Alkoholismus wechseln sich häufig Perioden der Trunkenheit mit Abstinenzphasen ab, in denen die Betroffenen versuchen, auf Alkohol zu verzichten. Am Ende dieser Phasen steht dabei oft der Rückfall, wodurch die Sucht nur vertieft wird. Während dieser Zyklen finden viele Veränderungen im Gehirn statt. Besonders wichtig ist dabei der Neurotransmitter Dopamin, der die Signalübertragung in Belohnungszentren im Gehirn vermittelt.

Alkoholabstinenz mit hyperaktivem Effekt

Wenn sich gelegentlicher Alkoholkonsum zu einer Sucht entwickelt, verändern sich auch die Bindungsstellen für Dopamin, über die der Botenstoff seine Wirkungen vermittelt. Diese Veränderungen untersuchten Dr. Natalie Hirth und ihre Kollegen, indem sie Gehirnproben von verstorbenen Alkoholikern mit denen von Menschen verglichen, die in ihrem Leben wenig oder gar keinen Alkohol getrunken hatten. Dabei fanden die Wissenschaftler Hinweise auf deutlich erhöhte Dopamin-Spiegel in bestimmten, für die Verhaltenskontrolle wichtigen, Bereichen des Gehirns der Alkoholsüchtigen. Durch ergänzende Versuche an alkoholabhängigen Ratten konnten die Forscher die Humanstudien bestätigten und weitere detaillierte Erkenntnisse gewinnen. Es zeigte sich, dass die Dopamin-Mengen im akuten Entzug stark vermindert sind. Doch wenn die Tiere über einen längeren Zeitraum keinen Alkohol erhielten, stiegen die Dopamin-Werte deutlich über das Normalniveau. Dies hatte unter anderem den Effekt, dass die Tiere hyperaktiv wurden.

Aufgrund ihrer Ergebnisse glauben die Forscher, dass Dopamin beim akuten Alkoholentzug verringert ist und dann stark ansteigt, wenn die Alkoholiker die Abstinenz länger durchhalten. „Diese Erkenntnisse könnten sowohl den initial verminderten Antrieb und die gesenkte Stimmungslage im frühen Entzug erklären, als auch die später häufig bei Suchtpatienten auftretenden Symptome von Rastlosigkeit und gestörter Impulskontrolle“, ergänzt Prof. Kiefer, Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. Auf diese Befunde aufbauend können nun Verhaltensexperimente entworfen werden, um den Zusammenhang zwischen erhöhtem Dopamin und dem Rückfall in die Alkoholsucht besser zu verstehen. Letztendlich sollen so Wege gefunden werden, um den Rückfall gänzlich zu verhindern und damit den erkrankten Menschen helfen, die Sucht endgültig zu überwinden.

Originalpublikation:

Convergent evidence from alcohol-dependent humans and rats for a hyperdopaminergic state in protracted abstinence.
Nathalie Hirth et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1506012113; 2016

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Forschung, Medizin, Neurologie

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Das “Wissen” reicht allerdings, dass der Gewohnheitstrinker, nicht nur psychische (Sucht)-Probleme hat sondern organische Stoffwechselprobleme.
Im Vordergrund stehen dabei die Akut-Risiken der Abstinenz bis zur Epilepsie.
Der Weg zurück zum normalen Stoffwechsel ist also rel. lang und erfordert nicht selten medikamentöse Unterstützung.
Weitertrinken gilt heute als Kunstfehler.

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Gast
Gast

Glauben heisst nichts wissen!!

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