Gebissenswisse bei Parodontitis

31. März 2016
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Pneumonie, Niereninsuffizienz und zahlreiche weitere gesundheitliche Störungen stehen im Verdacht, durch Parodontitis begünstigt zu werden. Sogar Krebs scheint mit der Entzündung des Zahnhalteapparates im Zusammenhang zu stehen.

Zahlreiche Studien belegen, dass parodontale Entzündungen zu systemischen Erkrankungen führen können – und umgekehrt. Bei einer Parodontitis handelt es sich um eine komplexe, multifaktorielle entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates.

Schlechte Zähne = schlechte Niere

Viele Menschen, die unter einer chronischen Niereninsuffizienz (CKD) leiden, zeigen auch eine schlechte Mundgesundheit. 85 Prozent der Betroffenen leiden an Parodontitis. An der britischen Aston University in Birmingham wird derzeit eine Studie durchgeführt, die überprüfen will, in wie weit sich eine Parodontitis auf die Gefäße von CKD-Patienten auswirkt. Vermutlich steigert eine Parodontitis bei CKD-Patienten das ohnehin schon gesteigerte Risiko für kardiale Erkrankungen um ein Vielfaches. Die pathogenen Keime gelangen über Schleimhautdefekte in der Mundhöhle in den Blutkreislauf. Dort steigern sie das Risiko für Ablagerungen in den Gefäßwenden und stören die Hämostase. Bei allen Studienteilnehmer wird ein Jahr lang die Qualität ihrer Blutgefäße untersucht.

Erste Zwischenergebnisse [Paywall] wurden nun publiziert. Von den 13.784 Probanden hatten 861 (6 Prozent) eine CKD. Die 10-Jahressterblichkeit dieser Kohorte stieg von 32 Prozent auf 41 Prozent mit einer Parodontitis als Co-Morbidität.

Schlechte Niere = schlechte Zähne

In ihrer Dissertation untersuchte Dr. Marion Siepmann, Universität Dresden, die Mundgesundheit von Dialysepatienten. Der Zustand der terminalen Niereninsuffizienz bedingt eine beeinträchtigte, schlechtere Immunantwort auf Entzündungen und Infektionen. Mangelernährung und das urämische Milieu führen zusätzlich zu einer Veränderung der Immunabwehr. Eine schlechte Mundhygiene mit vermehrt auftretender Parodontitis könnte den systemischen Entzündungszustand bei Dialysepatienten noch verstärkt. Die terminale Niereninsuffizienz hat ebenfalls Auswirkungen auf den oralen Gesundheitszustand: Veränderungen der Mundschleimhaut, Xerostomie, Veränderungen der Zahnhartsubstanzen und des Kieferknochens. Diese können ihrerseits die Kaufähigkeit negativ beeinflussen und den Zustand der Malnutrition noch verstärken.

Das Resümee der Promotionsarbeit wirkt alarmierend: Dialysepatienten weisen eine schlechtere Mundhygiene auf, haben mehr fehlende und kariöse Zähne sowie einen schlechteren Parodontalstatus. Sie leiden häufiger an einer generalisierten Parodontitis. Es ergeben sich Hinweise, dass eine längere Dauer der Dialysepflichtigkeit sowie eine schlechtere Dialyseeffizienz das Auftreten einer generalisierten Parodontitis begünstigten.

Atemberaubende Zahnkeime

Eine Studie von Sharma et al. [Paywall] deutet an, dass parodontale Erkrankungen das Risiko von Lungenentzündung und COPD erhöhen. Die indische Studie untersuchte 200 Teilnehmer, die Hälfte davon waren hospitalisierte Patienten mit Atemwegserkrankungen wie COPD, Lungenentzündung oder akuter Bronchitis. Patienten mit Atemwegserkrankungen hatten eine schlechtere parodontale Gesundheit als die der Kontrollgruppe.

Ähnliche Daten über eine Assoziation von Parodontitis mit einer erhöhten Mortalität durch Lungenentzündung hatten japanische Forscher bereits 2008 veröffentlicht. Awano et al. [Paywall] zeigten an 697 Studienteilnehmern, dass gegenüber einer mundgesunden Kontrollgruppe das Mortalitätsrisiko für Pneumonie um das rund 3,9-fache erhöht war, wenn zehn oder mehr Zähne Taschentiefen von mehr als 4 mm aufwiesen.

AGEs triggern Diabetes

In den 1950er-Jahren gab es bereits erste Studien zum Thema Parodontitis und Diabetes. Das wachsende Interesse an dieser Problematik ist auch auf die rasante Zunahme der Diabetesinzidenz weltweit zurückzuführen. Bei einem erhöhten Blutglukosespiegel werden unterschiedliche Proteine glykolysiert und es bilden sich „advanced glycated endproducts“ (AGEs). Endothelzellen, Fibroblasten, Monozyten und Makrophagen besitzen Rezeptoren für diese AGEs. Die Interaktion mit diesen Rezeptoren induziert intrazellulär oxidativen Stress und die Aktivierung von Transkriptionsfaktoren. Dadurch wird die Produktion von Entzündungsmediatoren und Enzymen verstärkt.

Nicht nur im Plasma und Gewebe, sondern auch in der Gingiva und im Parodontium von Diabetikern wurde eine vermehrte Akkumulation von AGE nachgewiesen [Paywall]. Diabetikern weisen im Vergleich zu Stoffwechselgesunden ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis und ein fünfzehnfaches für Zahnverlust auf. Das dentale Risiko korreliert mit dem HbA1c-Wert und dieser wiederum mit dem Schweregrad der Parodontitis. Metaanalysen zeigten, dass sich eine nicht-chirurgische Parodontitistherapie positiv auf die metabolische Einstellung von Typ 2-Diabetikern auswirkt. Nachgewiesen wurde bei einem Ausgangs-HbA1c von 7-10 % eine Senkung des HbA1c-Ausgangswertes um 0,4-0,8 Prozentpunkte. Die Sterberate von Diabetikern mit schwerer Parodontitis ist gegenüber zahngesunden Diabetikern neunfach erhöht. Diabetiker mit schwerem Zahnfleischschwund sterben doppelt so häufig wie Zahngesunde an einer ischämischen Herzerkrankung.

Erst Zahnschaden, dann Herzschaden?

Studien zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Parodontalerkrankungen und der koronaren Herzkrankheit [Paywall] haben gezeigt, dass parodontale Erkrankungen in gleichem Maße als Risikofaktor für Myokardinfarkt oder Schlaganfall angesehen werden müssen wie Hypertonie, Hyperlipidämie, Übergewicht, fortgeschrittenes Alter und auch Diabetes. Darüber informiert die Bundeszahnärztekammer ihre Mitglieder in einer Broschüre.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Yvonne Jockel-Schneider der Zahnklinik in Würzburg verglich bei ihren Patienten sowie bei Zahngesunden den Zustand ihrer Blutgefäße. In der Gruppe mit Zahnfleischproblemen  waren die Gefäße deutlich weniger elastisch und zeigten mehr Ablagerungen. Die Probanden erhielten eine professionelle Zahnreinigung, um die parodontale Entzündung abklingen zu lassen. Nach dem Beobachtungszeitraum von 12 Monaten hatte sich die Mundgesundheit erheblich verbessert. Die Blutungsneigung war gesunken, die Pulswellengeschwindigkeit nahm um bis zu 1 m/s ab und der Blutdruck sank. Die Tatsache, dass der CRP-Wert ebenfalls niedriger war, ist ein Indiz dafür, dass eine systemische Entzündung das Bindeglied zwischen Zähnen und Blutgefäßen ist. Bei den Patienten, deren parodontaler Status sich nicht gebessert hat, wiesen die Gefäße eine unverändert hohe Gefäßsteifigkeit auf.

Kein AHA-Erlebnis

„Für eine kausale Beziehung zwischen kardialen Ereignissen und einer Parodontitis gibt es keine wissenschaftlichen Beweise“, stellt hingegen die Fachgesellschaft AHA (American Heart Association) fest. „Nicht selten wird suggeriert, dass eine verbesserte Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis auch der Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen dient. Solche Behauptungen sind haltlos.“

Das ist die Meinung eine Expertengruppe aus Kardiologen, Zahnärzten und Infektiologen der AHA. Zwischen Parodontitis und atherosklerotischen Gefäßveränderungen konnte ein Zusammenhang belegt werden. Jedoch handelte es sich meist um Beobachtungsstudien, die keine Aussage über die Kausalität zuließen. In einigen Studien hatte eine Parodontitis-Behandlung günstige Auswirkungen auf systemische Entzündungsmarker wie CRP und auf die Endothelfunktion. Die Studienergebnisse sind jedoch nicht frei von Widersprüchen. Bei Parodontitis und atherosklerotischen Gefäßerkrankungen liegen oft die gleichen Risikofaktoren wie Rauchen, höheres Alter und Diabetes vor. Vermutlich treten deshalb parodontale und kardiale Erkrankungen in Koexistenz auf.

Wenn Mundbakterien am Knochen nagen

Patienten mit einer ankylosierenden Spondyloarthritis weisen ein 6,8-fach erhöhtes Risiko für eine Parodontitis auf. Auch bei rheumatoider Arthritis (RA) im Kindes- und Jugendalter besteht eine erhöhte Gefahr, eine Parodontitis zu entwickeln.

In einer Studie wurden insgesamt 40 RA-Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei einer Gruppe wurde eine nicht-chirurgische Behandlung des Zahnfleisches durchgeführt, bei der anderen nicht. In der behandelten Gruppe nahmen bei den Probanden die Beschwerden der rheumatoiden Arthritis ab. Mithilfe des Funktionsbogens DAS 28 wurde Veränderungen erfasst. Unter anderem nahm die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Konzentration des proinflammatorischen Faktors TNF-α ab.

Erst Keime, dann Krebs?

Eine Studie von Michaud et al. [Paywall] untersuchte den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Krebserkrankungen. Um die Effekte der Parodontitis von denen des Rauchens, einem Hauptrisikofaktor für die Parodontitis, trennen zu können, wurden nur die Daten von männlichen Nichtrauchern ausgewertet. Die 19.933 Probanden waren bei Studieneinschluss zwischen 40 und 75 Jahre alt, eine Parodontitis war bei 9,7 Prozent bekannt. An einer fortgeschrittenen Parodontitis mit starkem Zahnverlust litten 3 Prozent der Teilnehmer. Im Vergleich zu Männern mit gesundem Zahnhalteapparat lag die Krebsrate bei Parodontitis um 13 Prozent und bei fortgeschrittener Parodontitis um 44 Prozent höher. Karzinome in Lunge, Blase, Oropharynx, Ösophagus, Niere, Magen und Leber traten bei Männern mit Parodontitis um 33 Prozent häufiger auf.

Die stärksten Risikozunahmen im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Parodontitis wurden für Blasen-, Speiseröhren- und Kopf-Hals-Tumoren festgestellt. Diese Krebserkrankungen waren fünf- bis sechsmal so häufig wie bei Männern mit gesundem Parodontium. Die Studienautoren vermuten, das Parodontitis Krebs fördert und nicht umgekehrt. Ob diese These belastbar ist, ist in Anbetracht der relativ geringen Probandenzahl fraglich.

Kostenträger zahlen nicht

Obwohl eine Parodontitis zahlreiche Erkrankungen triggern kann, übernehmen die Kostenträger die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung nicht. Weder gibt es hierfür eine entsprechende Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses, noch sei die chronische Parodontitis eine lebensgefährliche Erkrankung, so urteilte das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg in Stuttgart. „Ohne Empfehlung des Bundesausschusses gebe es keine rechtliche Grundlage für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Nun wurde das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) beauftragt, eine „Bewertung der Systematischen Behandlung von Parodontopathien“ zu erarbeiten.

Gregor Bornes ist Sprecher der Patientenvertretung im Unterausschuss Zahnmedizin im gemeinsamen Bundesausschuss und macht sich dafür auf mehreren Ebenen stark, dass bei einer Parodontitis eine professionelle Zahnreinigung im Leistungskatalog der Kostenträger auftaucht. Damit Ihre Patienten auch Morgen noch kraftvoll zubeißen können.

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17 Kommentare:

Gast
Gast

@Dr. med. Annette Preiss-Heinzel, danke für den Link,
Ernährung und auch die erforderliche Mundpflege ist ein ganz dunkles Kapitel in Geriatrie und Alters-Pflegeheimen in der “westlichen Welt”, auch im Akutkrankenhaus selbst. Dabei dominiert die Unterernährung.

#17 |
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in Zeile 7 / 8 von “Schlechte Zähne = schlechte Niere” steht “…stören die Hämostase” – offenbar ein Schreibfehler: sollte wohl “führen zur Hämostase” heißen. Oder?

#16 |
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Gast
Gast

@Rüdiger Schöning, nicht stenkern! Mediziner empfehlen den (richtigen) Gebrauch der Zahnbürste selbstverständlich.
Nur darf man doch bitte noch über Ursache und Wirkung diskutieren!!!
Vermutlich kann man keinen Magenkrebs mit der Zahnbürste heilen.
Schön wärs ja. Da kann ich Sie ja durchaus verstehen.
Ärzte müssen in ihrem Studium ja auch “banale” Naturwissenschaft lernen, die kann man heute in Laiendiskussionen natürlich nicht mehr voraussetzen.
mfG

#15 |
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Rüdiger Schöning
Rüdiger Schöning

Merkwürdig daß sich immernoch so viele Mediziner gegen den korrekten Gebrauch der Zahnbürste (und weiterer Hilfsmittel) wehren und jede Studie in Frage stellen, die andeutungeweise die Kausalität von Parodontitis und Schlaganfall, KHK etc. belegen könnte.

Egal ob es die schon in den 60er Jahren belegte Bacteriämie beim Kauen (und natürlich auch beim Zähneputzen) eines Parodontistiskranken ist oder neuere Studien – es wird versucht, die Eigenverantwortung bei der Parodontitisentstehung zu verleugnen.

Klar, es gibt genetische Prädispositionen – aber ohne Plaque entsteht trotzdem keine Parodontitis! Und wenn Plaque zu lange nicht erfolgreich entfernt wurde, braucht’s halt PZR oder gar eine invasive Parodontitistherapie – Punkt!

#14 |
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Dr. med. Annette Preiss-Heinzel
Dr. med. Annette Preiss-Heinzel

Sorry, der korrekte Link wäre auch dieser gewesen:http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11943036

#13 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Liebe Frau Preiss-Heinzel,
in der Studie steht nichts von einer Reduktion von Pneumonien, es ist nur von einer Reduktion der Bakterien im Mundraum die Rede.

#12 |
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Eine einfache Erklärung wäre, wenn die Studie an vermeintlichen Nichtrauchern durchgeführt wurde, die aber doch heimliche Raucher sind.
Gerade in den USA ist Rauchen sehr stigmatisiert

#11 |
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Dr. med. Annette Preiss-Heinzel
Dr. med. Annette Preiss-Heinzel

Zum Thema Japaner kann ich noch hinzufügen, dass dort eine Studie http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18502972
(J Dent Res. 2008 Jun;87(6):594-8. Professional oral health care reduces the number of oropharyngeal bacteria. – Ishikawa A1, Yoneyama T, Hirota K, Miyake Y, Miyatake K.) zum Pneumonierisiko mit vs. ohne professionelle Zahnreinigung bei Pflegeheimbewohnern einen signifikant positiven Effekt nachgewiesen hat.
Insgesamt kann ich die Lektüre des Buchs “Der alte Patient in der zahnärztlichen Praxis” von Frauke Müller und Ina Nitschke empfehlen (erschienen im Quintessenz-Verlag)

#10 |
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Arzt
Arzt

Neht euch ein Beispiel an den Japaner, die gehen viel öfter zum Zahnarzt und leben länger.
Da gibt es dann auch weniger Scheidungen.:-)

#9 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Der Autor, Herr Bastigkeit, erwähnt eine Studie von Frau Jockel-Schneider aus Würzburg.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25084111
Die von Herrn Bastigkeit erwähnte Zahnreinigung taucht im Abstract des Artikels NICHT auf. Ich weiss nicht wo er das her hat. Vielleicht steht es irgendwo im Kleingedruckten und der Autor, oder jemand anders, der den Artikel vollständig gelesen hat, klärt mich auf.

#8 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Bei einer ähnlichen Diskussion hatte ich auch schon mal in die Runde gefragt:
Gibt es eine Studie, die den Nutzen von ambulanter professioneller Zahnreinigung auf irgendwelche internistischen Erkrankungen zeigt?
Oder zumindest den Nutzen zeigt für einen längeren Zahnerhalt?
Damals konnte keiner irgendwas benennen. Vielleicht diesmal?
Das solche Studien nicht verblindet und placebokontrolliert sein können, ist klar.

#7 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Tja, das ist ein Dilemma: Wem der augenscheinliche Zusammenhang und die Erfahrung nicht reicht, der sollte prospektive Studien treiben, doppelverblindet und placebokontrolliert. Viel spaß mit der Ethikkommission….
Als spezialisierte Tier-Zahnarztpraxis führen wir in unserer Praxis regelmäßig Gebißsanierungen bei alten und multimorbiden Hunden und Katzen durch. Die Tierbesitzer berichten uns (völlig unwissenschaftlich natürlich) bei der Nachbesprechung eine Woche postOP (professionelle Gebißreinigung, Zahnextraktionen nach Röntgenbefunden, bakteriologische Sanierung) regelmäßig eine wesentliche positive Veränderung des AZ und generelle Vitalisierung. Regelmäßig hören wir den Begriff:”…ist wieder wie ein junger Hund!”
Bei diabetischen Katzen ist es auch wissenschaftlich erwiesen, daß nach Zahnsanierungen spontane Remissionen auftreten, so daß vor jeder Insulineinstellung eine Gebißsanierung durchgeführt wird. Ein Teil der Patienten braucht dann kein Insulin (mehr). UNsere Tiere sind allesamt Privatpatienten und zahlen also selbst (gern, weil sie das Ergebnis sehen!). Es ist schon bedenklich, daß die “Gesundheitskassen” derartig mauern …

#6 |
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Dr. med. Herbert Schultz-Gora
Dr. med. Herbert Schultz-Gora

Koexistenzen und Koinzidenzen müssen auf Kausalitäten abgeklopft werden, aber ohne tragfähige pathophysiologische Kausalkette bleiben nur VERMUTUNGEN. So erscheint es mir als erfahrener Arzt am wahrscheinlichsten, daß ein krankes Paradontium eben ein Hinweis für ein Individuum ist, das in einem gefährdeten bis schlechten Geamtzustand ist. So kann man das kranke Zahnfleisch als ein Alarmzeichen verstehen und schauen, ob da jemand nur schlecht für sich sorgt, indem er sich schlecht ernährt und die Körperpflege vernachlässigt. Wenn man der Frage nachgeht, warum er das tut, wird dabei vielleicht auch eine schlechte psychosoziale Befindlichkeit deutlich und vielleicht hat er schon einen Prädiabetes entwickelt und eine latente KHK. Jetzt herausfinden zu wollen, was von diesen Symptomen von was kommt, erscheint mir ziemlich wohlfeil. Ich würde dafür plädieren, bei den Symptomen anzufangen, die am leichtesten zu greifen sind. Das könnte das Paradontium sein. Danach kommt für mich die Frage nach der Lebenszufriedenheit und nach “Belastungen” und natürlich gehört der HbA1c geprüft und eine KHK ausgeschlossen, Entzündungsparameter und Tumormarker gemessen. Das alles muß mit einer Psychotherapie einhergehen, wenn die Zufriedenheit niedrig ist und die Belastungen hoch sind, denn wenn es in der “Vorstandsetage” nicht hinhaut, kann die “Firma” generell nicht gut laufen.

#5 |
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In Sachen Parodontitis und Folgeerkrankungen im Zahnhalteapparat rollt gerade ein riesiges zahnmedizinisches Problem auf uns zu! Statt frustran nach kausalen Zusammenhängen zwischen den einzelnen “Entzündungsbaustellen” im Körper zu suchen, sollte man besser das Problem „Entzündung“ im gesamten Körper in den Fokus nehmen! Wer die systemische Entzündung beherrscht, kann auch deren Manifestationen beherrschen und damit „mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen“. Dafür müsste man nur bereit sein, über den Tellerrand zu schauen und Unrecht zu haben über das, was man im Studium und während der Ausbildung gelernt hat. Anstatt jeden un-konventionell gelösten Fall von Parodontitis als Spontanheilung zu entwerten, wenn keine doppelt verblindeten Studien existieren, schlage ich vor, den Fokus eher auf das zu richten, was offensichtlich schon mal funktioniert hat. Mit altem Denken erzeugt man jedenfalls keine neuen Ergebnisse. Sonst wären ich selbst und viele meiner Patienten heute immer noch “inflammatorische Flaggschiffe“.

#4 |
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Monika Metz
Monika Metz

Was tun außer regelmäßig putzen, spülen, die Zwischenraumbürsten für zwischendurch nutzen?
Was war zuerst da…was bedingt das andere? Eine gute Frage.

Mein Zahnstatus verschlechterte sich mit dem “Auftauchen” des Morbus Crohn.
Eine jetzt erfolgte Zahnsanierung hat weder den Nebenhöhlen, noch den Gelenken noch dem Bauch bisher eine Besserung gebracht.

#3 |
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Noch wichtiger als die Behandlung ist natürlich die Prävention.

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Dr. Claudia Schroeder
Dr. Claudia Schroeder

Wie schön wäre es, wenn sich aus diesem schon länger bekannten Faktum für unsere Patienten endlich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen uns Parodontologen und den Hausärzten/Internisten bzw. angrenzenden Fachdisziplinen entwickeln würde! Ein Wunschtraum, der schon seit Jahren in meinem Kopf ist, aber leider nicht seitens der Mediziner umgesetzt wird. Vielleicht jetzt….? Ich als Parodontologin nehme die Herausforderung gerne an.

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