Post-Ebola-Syndrom: Unruhe nach dem Sturm

11. März 2016
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Haben Patienten eine Infektion mit Ebola-Viren überstanden, geht ihr Leidensweg oft noch weiter. Das bislang wenig beachtete Post-Ebola-Syndrom schränkt sie stark ein. Infektionsrisiken kommen mit hinzu – nicht jeder vermeintlich Genesene ist virenfrei.

Pauline Cafferkey, eine schottische Krankenschwester, hatte sich Ende 2014 bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone mit dem Ebola-Virus infiziert. Ärzte entließen sie Ende Januar 2015 als geheilt. Seither musste sich Cafferkey wegen Komplikationen zwei weitere Male in stationäre Behandlung begeben, was britische Medien mit großem Interesse begleiten. Bislang existierten zu diesem Post-Ebola-Syndrom nur Einzelfallberichte.

Allerlei Beschwerden

Janet T. Scott, Forscherin an der Universität Liverpool, hat jetzt 44 Überlebende der Ebola-Epidemie untersucht. Ihre Patienten kamen aus Freetown, Sierra Leone. Sie litten besonders häufig an Schmerzen des Bewegungsapparats (70 Prozent), an Kopfschmerzen (48 Prozent) sowie an okulären Symptomen (14 Prozent). Scott bewertet muskuloskelettale Schmerzen als Folgen einer Myositis oder Rhabdomyolyse durch Ebola. Wie es zu Augenproblemen kam, konnte die Wissenschaftlerin nicht erklären. Weitere Daten kommen vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS). Health Professionals nahmen im Rahmen ihres PREVAIL-Studienprogramms (Partnership for Research on Ebola Virus in Liberia) frühere Ebola-Patienten unter die Lupe. Bei PREVAIL III standen 82 Patienten im Fokus. Sie litten ebenfalls an Kopf- und Muskelschmerzen. Besonders auffällig waren neurologische Befunde wie auffällige Reflexe und Zittern. Depressionen kamen in Einzelfällen noch hinzu. Grund genug für die Autoren, eine langfristige medizinische Betreuung zu fordern.

Wirklich virenfrei?

Und es gibt noch weitere Gründe die Patienten länger zu betreuen, Stichwort Ansteckungsrisiko. Ärzte berichten von einem Patienten, der nach überstandener Ebola-Infektion wegen einer Uveitis behandelt wurde. Virologen fanden in seinem Blut keine Hinweise auf Erreger. Neun Wochen später ließen sich im Kammerwasser des Auges immer noch virale Gene nachweisen. In einem anderen Fall enthielt das Ejakulat Monate nach Therapieende noch virales Material. Weitere Forschergruppen kommen zu ähnlichen Resultaten. Selbst zwölf Monate nach der vermeintlichen Genesung fanden sie in jeder zehnten Probe Ebola-Erbgut. Experten warnen deshalb vor möglichen Ansteckungsrisiken trotz negativer Bluttests.

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