Beratung: Hilfe, die Kunden kommen

11. März 2016
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Seit Jahren wünschen sich Studierende der Pharmazie mehr Praxisbezug. Jetzt greift Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe das Thema bei Krebserkrankungen auf – allerdings nur im medizinischen Bereich. Apotheker hat er nicht im Fokus.

Ende 2015 trafen sich Delegierte des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden (BPhD) in Münster zu einer Tagung. Schon lange fordern sie, die akademische Ausbildung grundlegend zu reformieren. Eine „Arbeitsgruppe Zukunft“ hat den Ist-Zustand erfasst, um daraus abzuleiten, wohin die Reise gehen wird. Nach wie vor bereiten Universitäten angehende Apotheker kaum auf ihren späteren Alltag in öffentlichen Apotheken vor, sondern verweisen lieber auf das praktische Jahr. Verbindliche Standards fehlen, von akademischen Ausbildungsapotheken einmal abgesehen. Langfristig führt kein Weg an Reformen vorbei.

Arzt oder Apotheker?

Das hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ebenfalls erkannt. Umso überraschender, dass er vor allem Mediziner auf dem Schirm hat. Im Rahmen des nationalen Krebsplans präsentiert Gröhe jetzt das Projekt „Kommunikative Kompetenzen von Ärztinnen und Ärzten in der Onkologie“. „Ärztinnen und Ärzte spielen eine entscheidende Rolle dabei, ihre Patienten in dieser Situation zu begleiten und über ihre Krankheit sowie mögliche Therapien aufzuklären“, sagt der Christdemokrat. „Je besser das Arzt-Patienten-Gespräch gelingt, umso eher sind Patienten in der Lage, aktiv am Genesungsprozess mitzuarbeiten.“ Deshalb sei es wichtig, „Ärztinnen und Ärzte schon im Medizinstudium besser auf die Gespräche mit ihren Patientinnen und Patienten vorzubereiten“. Gemeinsam mit Experten will er diskutieren, wie sich ein onkologisches Mustercurriculum in die medizinische Ausbildung einbinden lässt. Diese Überlegungen wären für Pharmaziestudierende ebenfalls wichtig, wie aktuelle Zahlen zeigen.

Steigender Beratungsaufwand

Das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) berichtet von einem steigenden Beratungsaufwand durch orale Zytostatika. In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl an abgegebenen Präparaten um zehn Prozent erhöht. Als Basis dienten Rezepte, die zu Lasten gesetzlicher Krankenversicherungen abgerechnet wurden. Im Jahr 2011 erhielten GKV-Versicherte rund 1,57 Millionen Packungen, im Jahr 2014 waren es bereits 1,74 Millionen Packungen. „Wenn Patienten ihre Krebsmedikamente eigenverantwortlich zu Hause einnehmen, ist die Beratung des Apothekers besonders wichtig“, sagt Dr. Andreas Kiefer, Vorstandsvorsitzender des DAPI und Präsident der Bundesapothekerkammer. „Patienten sollten umfassend über die Medikamente informiert sein, um den größtmöglichen Nutzen aus der Therapie zu ziehen.“ Das setzt aber voraus, dass Apotheker, allen voran junge Kollegen, neben pharmazeutischem Wissen die erforderlichen Soft Skills haben, um beim heiklen Thema gut zu beraten.

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