Hämmern, sägen, bohren: Unfallchirurgie

15. Juni 2011
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Die Unfallchirurgie ist kein leichtes Fach - trotzdem ist es für Martina Mühe das einzig wahre. Die Ärztin erzählt im 7. Teil der Facharzt-Reihe, wieso sie sich für gerade dieses Gebiet entschieden hat.

Dr. Martina Mühe ist Unfallchirurgin. Im Rahmen der DocCheck Campus News Facharzt-Reihe, erzählt sie, wie sier zur Unfallchirurgie gekommen, was sie besonders an diesem Fach fasziniert und wieso man gerne auch mal als “Metzger” bezeichnet wird.

Liebe Martina, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, etwas über Deinen Werdegang zu berichten. Wie kamst Du denn eigentlich zur Medizin und zur Unfallchirurgie im Speziellen? Warst Du familiär vorbelastet?

Martina:
Primär hatte ich erstmal nichts mit Medizin am Hut, als ich 1981/82 in Bochum anfing zu studieren, denn die Studienwahl ging nach dem Abitur zu Gunsten von Biologie aus. Erst später wagte ich den Quereinstieg in die Medizin und wechselte an die Universität Freiburg. Ich war froh, einen Platz ergattert zu haben, da grade die Zulassungsbedingungen verschärft wurden. In meiner Familie bin ich medizintechnisch allerdings völlig unbelastet: meine Eltern haben mir sogar anfangs vom Medizinstudium abgeraten, mit der lustigen Begründung, dass ich ja schließlich Vegetarierin bin – das habe ich nie völlig verstanden.

Der Entschluss später im Fachgebiet der Unfallchirurgie tätig zu sein war auch nicht sofort da, zumal ich mit diesem Bereich während des Studiums außer in Famulaturen keinen übermäßigen Kontakt hatte. Erst gegen Ende des Studiums und vor Beginn des damals noch verpflichtenden AIP (Arzt im Praktikum) kam der Gedanke, Unfallchirurgie zu machen. Alternativen wären Gynäkologie, Radiologie, Rechtsmedizin gewesen, aber aufgrund der damals angespannten Stellensituation wäre es mir nicht möglich gewesen, zeitnah nach dem Studium in einem der genannten Bereiche eine bezahlte Stelle zu bekommen. Nach dem Studium war ich quasi auf das Geldverdienen angewiesen. Und so wurde es im AIP bereits die Unfallchirurgie.

Wie waren dann Deine ersten Erfahrungen in diesem Bereich?

Martina: Ich war positiv überrascht, durfte relativ rasch eigenständig arbeiten und fühlte mich wohl. Die Tatsache, dass man durch “einfache Reparaturen” relativ schnell Erfolgsergebnisse bei den Patienten sehen konnte gefiel mir gut; ebenso wie die manuelle Tätigkeit an sich.

Nun bist Du angestellt in einer Klinik der Grund- und Regelversorgung. Hat der Weg in die (eigene) Praxis je eine Alternative für Dich dargestellt?

Martina: Eher nicht, Praxisarbeit empfinde ich, um es pauschal zu sagen, eher als langweilig. Es gibt wenig anspruchsvolle Eingriffe, die in Praxisräumen durchführbar sind, so dass der Arbeitsalltag am Ende doch von relativ simplen, immer wiederkehrenden Standardeingriffen geprägt ist. Mir würde auch der interdisziplinäre Austausch mit den Kollegen der anderen Fachbereiche fehlen. Ich sehe mich eher als Teamplayer und mag die kollegiale Zusammenarbeit.

Das ist witzig, denn eigentlich sind Chirurgen ja als sehr eigenwilliges Völkchen verschrien, bisweilen auch mal eher ruppig… mag vielleicht damit zusammenhängen, dass der Arbeits- und Erfolgsdruck in diesem Fach sehr hoch ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich während dem Studium auf einer chirurgisch geführten Wachstation gejobbt habe und der Bauchchirurg – muss man zur Ehrenrettung der Unfallchirurgen sagen – morgens während der Visite wortlos zum Patienten ging, scheinbar wahllos Plaster und Drainagen zog und im Hinausgehen dem Patienten zurief: “Ach, meine Name ist XYZ, ich bin hier der Metzger”.

Martina: Ich weiß, dass es solche Kollegen gibt, aber mein Weg ist es nicht. Schließlich kommt man dadurch nicht schneller zu seinem Ziel, also wofür aufspielen und aufregen? Außerdem schön an der Tätigkeit im Krankenhaus ist, dass man auch fächerübergreifend up to date bleiben muss (internistischbauchchirurgischgefäßchirurgisch). Man profitiert hier ungemein von der Erfahrung der Kollegen und kann auch mal unter Supervision Neues ausprobieren.

Wichtige Frage für angehende junge Ärzte: Wie schaut es aus mit Perspektiven, Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeiten?

Martina: Die Arbeitszeit regelt der jeweilige Tarif- bzw. Arbeitsvertrag; klar häufen sich bei besonders Engagierten (oft unbezahlte) Überstunden mit der Zeit an. Jobs gibt es sicherlich genug. Mediziner werden ja heutzutage in jedem Fach gesucht, wobei man sagen muss, dass die Ausbildung je nach Krankenhaus heutzutage an der Basis nicht mehr so breit ist, wie es noch vor 10-15 Jahren war. Das ist auch dem Arbeits-, Erfolgs- und Gelddruck geschuldet, wie Du oben schon richtig erwähnt hast.

Eine abschließende Frage: wenn Du die Wahl hättest, würdest Du dann wieder in die Unfallchirurgie gehen?

Martina: Ja, auf jeden Fall. Es macht mir immernoch so viel Spaß, dass ich mich glatt wieder dafür entscheiden würde.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

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