Tumorwachstum: Fehlgeleiteter „Verkehrspolizist“

1. März 2016
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Ein neu entdeckter Hemmstoff könnte in Zukunft dazu dienen, die Tumorentwicklung bei bestimmten Krebserkrankungen einzudämmen. Der Hemmstoff hat es dabei vorrangig auf das Leseprotein Spindlin1 (Spin1) abgesehen.

Epigenetik beschreibt die Regulation von Genen, die bestimmt, ob einzelne Abschnitte der Erbinformation abgelesen werden oder nicht. Dabei werden die Histon-Methylgruppen in die Umgebung von bestimmten Genen gesetzt oder dort abgespalten. Sie dienen ähnlich einer Ampel als Start- oder Stoppsignal für die Aktivität einzelner Gene: Leseproteine binden an diese Histon-Methylgruppen und vermitteln als eine Art Verkehrspolizist die Aktivierung oder die Stilllegung zellulärer Prozesse.

Die Forscher der Albert-Ludwigs-Universität und des Universitätsklinikums Freiburg haben nun mittels biochemischer Tests erstmals einen neuen Hemmstoff für Spindlin1 (Spin1) gefunden. Dieses Leseprotein stimuliert bei einigen Krebserkrankungen das Tumorwachstum. Tests in gesunden Zellen und in Krebszellen haben gezeigt, dass der Hemmstoff A366 die Bindung von Spin1 an das Startsignal blockiert, sodass das entsprechende Gen nicht aktiviert werden kann.

Der Hemmstoff A366 blockiert den "Verkehrspolizisten" Spin1. © Manfred Jung/Universität Freiburg

Der Hemmstoff A366 blockiert den „Verkehrspolizisten“ Spin1. © Manfred Jung/Universität Freiburg

Die Wissenschaftler wollen den neuen Wirkstoff nun weiter verbessern, um eine therapeutische Anwendung der Blockade von Spin1 zu ermöglichen.

Originalpublikation:

Identification of a small-molecule ligand of the epigenetic reader protein Spindlin1 via a versatile screening platform
Tobias Wagner et al.; Nucleic Acids Research, doi: 10.1093/nar/gkw089; 2016

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1 Kommentar:

Gefeu
Gefeu

Vielleicht sollte auch über die Wachstumbeschleuniger für unsere Fleischlieferanten Hausschwein nachgedacht werden. Treffen diese Beschleuniger auf tumorverdächtige Zellen der Fleischkonsumenten, ist es nicht verwunderlich, dass manche Gesundheitswächter vor dem Fleisch- und Wurstkonsum warnen müssen.
Auch GMO’s enthalten derlei Substanzen, damit sie dem Glyphosat standhalten, mit dem sie berieselt werden. Ist es nicht besser, diese Sachen aus der Nahrungsmittelerzeugung wegzulassen, als immer neue Waffen mit neuen Giften gegen die anderen Gifte entwickeln zu müssen?

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