Rauchstopp: Der Zug ist abgefahren

4. März 2016
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Der Gesetzgeber macht Nikotinkonsumenten das Leben schwer. Um vom Laster loszukommen, helfen zumindest im Tierversuch zwei bekannte Antidementiva: Donepezil und Galantamin. Bei Menschen bleiben noch einige Fragezeichen.

Ende Februar hat der Bundesrat einer Gesetzesinitiative von Schwarz-Rot zugestimmt. Künftig dürfen E-Zigaretten und E-Shishas nicht mehr an Konsumenten unter 18 Jahren verkauft werden. Politiker dehnen bereits bestehende Abgabe- und Konsumverbote für Tabakwaren auf elektronische Produkte aus. Das Jugendschutzgesetz griff bislang nur bei klassischen Waren. Zur Begründung berufen sich Politiker in erster Linie auf Gefahren durch Nikotin. Zustimmung erhalten sie von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Health Professionals reicht das Maßnahmenpaket aber nicht aus. Sie fordern neben Werbeverboten staatlich finanzierte Entwöhnungsprogramme.

Ratten mit Suchtpotenzial

Um vom Nikotin loszukommen, setzen Ärzte auf Verhaltenstherapien, Nikotinagonisten und gegebenenfalls auf Antidepressiva beziehungsweise Neuroleptika. Nikotin kommt in Form von Kaugummis, Pflastern, Mikrotabletten oder Sprays zum Einsatz, um Entzugssymptome zu lindern. Jetzt berichtet Heath D. Schmidt von der University of Pennsylvania über weitere Möglichkeiten. Seine Idee: Bei Patienten mit Alkohol- oder Methamphetamin-Abhängigkeit hatten bereits mehrere Arbeitsgruppen mit Cholinesterase-Inhibitoren experimentiert.

Schmidt testete Donepezil und Galantamin, zwei Antidementiva, im Tierexperiment. Sie hemmen im Gehirn das Enzym Acetylcholinesterase. Acetylcholin aktiviert auch Rezeptoren, die beim Nikotinkonsum zum Einsatz kommen. Erhielten Ratten Donepezil oder Galantamin, zeigten sie weniger Interesse an einer frei zugänglichen, verdünnten Darreichungsform von Nikotin. Gastrointestinale Effekte schließen Forscher aus.

Raucher mit Rätsel

Anschließend machte Schmidt die Probe aufs Exempel. Er rekrutierte 33 Raucher und gab ihnen Galantamin beziehungsweise Placebo. Unter Verum verringerte sich der Konsum um 2,3 Zigaretten pro Tag (Vergleich: 1,3 Zigaretten pro Tag weniger). Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Bei Donepezil blieb die erhoffte Wirkung aus. Schmidt spekuliert, dass Galantamin zusätzliche Effekte am nikotinischen Acetylcholinrezeptor zeigen könnte. Folgen für den Willen zur Abstinenz hält er auch für denkbar. Jetzt ist die Zeit reif für Studien mit größeren Teilnehmerzahlen.

26 Wertungen (4.58 ø)

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6 Kommentare:

Gast
Gast

mein Mann war mal Kettenraucher,vier komplette Packungen Marlboro am Tag.
Aufhören oder Rücksichtnahme fehl am Platz.Selbst im geschlossenen Auto wurde alles zugequalmt trotz Kindern.Es gab viel Streit deshalb.Jeder grippale Infekt war bei ihm dann eine Lungenentzündung.Eines tages hörte er auf.Von heute auf Morgen.Einfach so.Er merkte selber,dass es ihm schadet.Er brauchte keine Nikotinpflaster oder anderen Schnickschnack. Heute ist er überzeugt,dass er mit dem LAster des dauernden Rauchens nicht mehr leben würde.Er ist seit ca 20 Jahren Nichtraucher.Einfach,weil er es so wollte.Das geht.Ohne wenn und aber.

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Gast
Gast

Ich meine, es sind immer noch zu viele,
hinzu kommt das passiv-Rauchen.
Vielleicht sollte man mehr darauf hinweisen, dass in den Zigaretten viel radioaktives Polonium steckt,
Strahlenangst ist doch weit verbreitet.

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Dr. Christian Möws
Dr. Christian Möws

Gäbe es eine wirksame medikamentöse Therapie mit deren Hilfe z. B. 95% der Raucher dauerhaft zu Nichtrauchern würden – wer glaubt, dass diese jemals den Markt erreicht? Philip Morris macht im Jahr ca. 30 Mrd. USD Umsatz, weil diese Therapie am Markt nicht verfügbar ist.

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Lasst die Raucher rauchen.
Wer wirklich aufhören will, der schafft das auch ohne das ganze Brimborium

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Danny Koumvroglou
Danny Koumvroglou

Oh, bitte lasst mich in Ruhe rauchen; dafür fahre ich weder Ski noch Skateboard, meide eigentlich alle Extremsportarten, kraxle nicht auf Berge, tauche nicht, untersuchte keine Höhlen, muss also nicht gerettet werden. Nutze Ampeln, fliege nicht, fahre selten Auto und esse keine Erdbeeren außerhalb der Saison. Ich laufe täglich mit meinen Hunden min 3 Std, sorge für genug Entspannung und Freude im Leben – ich bin seit über 40 Jahren Kettenraucher, meinen Lungen geht es gut, keine Durchblutungsstörung, aber ein Schleudertrauma vom ständigen Kopfschütteln. Ich lebe im Rhein Neckar Kreis, zwischen BASF und Benckiser, wer schützt mich denn davor?

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Gast
Gast

pro Tag????
man muss sofort komplett aufhören!
Den Willen dazu verschafft keine Tablette

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