Alkohol-Abusus: Darm mit Schirm

8. März 2016
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Ethanol führt nicht nur durch Stoffwechselprodukte zu unerwünschten Folgen für die Leber. Neue Forschungsansätze rücken derweil ein schützendes Darmprotein in den Fokus. Dieses könnte langfristig neue Ansätze zur Prophylaxe bieten.

Viele Gläschen in Ehren bleiben aus medizinischer Sicht nicht folgenlos. Langfristig kommt es durch Alkohol-Abusus zur Fettleber, Steatohepatitis, Leberzirrhose und zum Leberzellkarzinom. Dahinter verbergen sich nicht nur metabolische Entgleisungen. Jetzt entdeckten Wissenschaftler einen weiteren Mechanismus der Schädigung. Im Mittelpunkt stehen Darmzellen.

Gewebe in Nöten

Bernd Schnabl von der San Diego School of Medicine hatte in einer früheren Arbeit bereits gezeigt, dass Alkohol in Zellen des Dünndarms die Bildung von REG3 drosselt. Das antimikrobielle Peptid bindet an Peptidoglycane und wirkt gegen grampositive Bakterien. Eine verminderte Ausschüttung beeinflusst auch die bakterielle Population im Darm.

Jetzt fand Schnabl einen weiteren Mechanismus. Ohne REG3 kommt es beim Alkoholabusus schneller zur Steatohepatitis als Vorstufe der Leberzirrhose. Transgene Mäuse ohne entsprechenden Abschnitt im Erbgut entwickelten rasch eine entzündliche Fettleber, nachdem sie Ethanol erhalten hatten. Tiere mit REG3-Überexpression profitierten von einem gewissen Schutzeffekt.

Blinde Passagiere

Bernd Schnabl schreibt als Erklärung, ohne antimikrobiell wirksame Proteine könnten Bakterien die Darmschleimhaut leichter passieren. Ihr Weg führt über die Pfortader bis zur Leber. Dort kommen Kupffer-Zellen als immunologische Feuerwehr zum Einsatz. Diese hochspezifischen Makrophagen könnten langfristig auch Lebergewebe in Mitleidenschaft ziehen, spekuliert Schnabl. Er konnte bislang keine Beweise vorlegen, dass dieser Mechanismus tatsächlich beim Menschen abläuft.

Dennoch gibt es heiße Spuren. In Biopsien der Darmschleimhaut von Patienten mit Alkoholabhängigkeit kommen mehr Bakterien vor als bei gesunden Probanden. Bleibt als Idee, die Konzentration von REG3 im Darm pharmakologisch zu erhöhen, um Leberzellen indirekt zu schützen. Doch das ist Zukunftsmusik.

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