Morbus Crohn: Einmal Eisen vom Tropf, bitte

25. Februar 2016
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Morbus Crohn- und Colitis ulcerosa-Patienten leiden oft unter Eisenmangel. Therapien sind häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Eine intravenöse Eisensupplementierung erwies sich nun als hilfreich – vor allem für Morbus Crohn-Patienten – da die typischen Nebenwirkungen ausblieben.

Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat untersucht, wie sich das Mikrobiom bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf orale oder intravenöse Eisengaben verhält. „Die Eisenzufuhr hatte sowohl oral als auch intravenös einen sehr deutlichen Einfluss auf das Mikrobiom des Darms“, sagt Professor Dirk Haller von der Technischen Universität München. Diese Beobachtung sei insofern bemerkenswert, weil die intravenöse Gabe den Eisengehalt im Darm wiederum nicht beeinflusste.

Sensibles Mikrobiom

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die zwei häufigsten Formen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen und nicht heilbar. „Der Charakter dieser Krankheiten ist wesentlich komplexer als bei Infektionen. Wir wissen nicht, welche Bakterien in welcher Gemeinschaft beteiligt sind“, erklärt Haller. Die Studie habe bestätigt, wie sensibel das Mikrobiom des Darms auf eine Eisenzufuhr reagiert – besonders bei Patienten Morbus Crohn.

Bisher war nur bei Versuchen mit Mäusen eine deutliche Veränderung der Darmflora durch eine Eisenersatz-Therapie nachgewiesen worden. Eine Humanstudie fehlte bisher. Die 72 Probanden der Studie waren an einem kanadischen Krankenhaus ausgewählt worden: 31 Morbus Crohn-Patienten, 32 leiden an Colitis ulcerosa und 19 aus anderen Gründen an Anämie. Die eine Hälfte der Teilnehmer wurde oral mit Eisensulfat behandelt, die andere Hälfte erhielt Eisen intravenös. Vor und nach der Therapie wurden Stuhlproben genommen und die Bakteriengemeinschaften sowie Stoffwechselprodukte gemessen.

Intravenöse Eisensupplementierung ist hilfreich

Die kurzzeitige Eisenbehandlung führte in dem kurzen Behandlungszeitraum zu keiner Verschlimmerung der Darmerkrankung. „Trotzdem kann der Schluss gezogen werden, dass vor allem Morbus Crohn Patienten mit einer instabilen Darmflora von der intravenösen Eisensupplementierung profitieren, weil bei der intravenösen Gabe in der Regel auftretende Nebenwirkungen offenbar ausgeschlossen werden können,“ so Haller.

Originalpublikation:

Oral versus intravenous iron replacement therapy distinctly alters the gut microbiota and metabolome in patients with IBD
Thomas Lee et al.; Gut, doi: 10.1136/gutjnl-2015-309940; 2016

24 Wertungen (4.54 ø)

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8 Kommentare:

Urologe
Urologe

was sol der Unsinn mit dem heiligen Mikrobiom?
Es geht hier um die Behandlung der Eisenmangelanämie.
Dabei soll bitte gerade bei M. Crohn auch das B12, Folsäure und einige fettlösliche Vitamine nicht vergessen werden.

#8 |
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Heilpraktikerin

Ich kann dem nur zustimmen ,ein Risiko hat man überall in der Medizin.Aber ganz langsame i.v.Injektion oder als Infusion macht meistens kein Problem. Natürlich Tachykardie anaphylaktische Schock kann auch passieren aber bei was für einem anderenMedikament denn nicht! Da ich auch HP bin kann ich sogar mit z.B.Apis .obwohl ja laut Spezialisten hier nichts drinnen ist einen allergischen Schock auslösen.

#7 |
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Gast
Gast

Und wann schmeißt der Herr Hirn vom Himmel und lässt die Autoren der “Rote Hand Briefe”, die uns vor wirklich jeder sinnvollen Therapie von Eisen bis zur Pille unnötig warnen, in den wohlverdienten Ruhestand gehen? Ihrer Hände Arbeit sind Erdhügel. Sie schaffen lediglich Haftungsproblene. Wahrscheinlich tragen die alle Bärte, denn zum Rasieren müsste man in den Spiegel schauen.

#6 |
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Gast
Gast

man muss aufpassen vor allem beim ersten Mal. Die iv Gabe ist solch ein Segen , das ein relatives Risiko in Kauf genommen wird

#5 |
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Cand.med Kenan Demiroglu
Cand.med Kenan Demiroglu

Und wie sieht es mit den gefürchteten potentiellen Nebenwirkungen der iv Substitution bis hin zum allergischen Schock mit letalen Folgen aus?

#4 |
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Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Die schlechte Verträglichkeit von oralem Eisen bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ist
seit Jahrzehnten bekannt und eine Indikation für die intravenöse Eisengabe. Die Interferenzen
mit dem Mikrobiom sind wissenschaftlich eine neue Erkenntnis und von großer Bedeutung
bezüglich entzündlicher Schübe.

#3 |
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Gast
Gast

Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Eisen i.V. habe ich mir schon vor 20 Jahren geben lassen, weil ich die orale Gabe wegen abdominellen Schmerzen nicht toleriert habe. Es hat mir sehr gut geholfen.

#2 |
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Und die Lebensqualität steigt deutlich !!

#1 |
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