Gesundheitsreform: Spicken bei den Nachbarn

11. März 2016
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Politiker versuchen bereits seit Jahren, unser Gesundheitswesen zu reformieren. Vergleiche mit Nachbarländern zeigen jetzt, dass wichtige Ansätze fehlen, etwa eine Basisversicherung für alle oder Qualität als Wettbewerbskriterium.

Wettbewerb im Gesundheitswesen ist per se nichts Negatives, sondern gut für Patienten: Diese These haben Professor Dr. Thomas Wüstrich, Timo Blenk und Dr. Nora Knötig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht. Ihre Arbeit entstand an der Fakultät für Betriebswirtschaft, Universität der Bundeswehr, München. Als Vergleich zogen die Forscher geglückte Reformbemühungen aus der Schweiz und aus den Niederlanden heran. Ihr Fazit: Deutschland könnte viel von den unmittelbaren Nachbarn lernen, auch wenn so manche Reform politisch wenig populär wäre.

Kleine Fische, große Zahlen

Wenig überraschend stellt die Arbeit Krankenhäuser und Arztpraxen beziehungsweise Krankenversicherungen in den Fokus. Dazu einige Zahlen: In 2014 gaben GKVen 205,33 Milliarden Euro aus. 32,7 Prozent gingen an Kliniken, 16,0 Prozent an Ärzte, und 14,9 Prozent waren für Medikamente bestimmt. Reine Verwaltungskosten schlugen mit 4,9 Prozent zu Buche. Sowohl die Niederlande als auch die Schweiz setzen in erster Linie bei der ambulanten und stationären Versorgung an, wobei auch Kostenträger nicht ungeschoren davonkommen.

Gleiche Basis, individueller Zusatz

Das eidgenössische Gesundheitssystem zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Dazu gehört die Grundversorgung über einheitliche Basistarife. Wer in der Schweiz wohnt, muss sein Scherflein beitragen – ohne Wenn und Aber. Politikern ist es in der Folge gelungen, weitaus mehr Bürger an der medizinischen Grundversorgung teilhaben zu lassen. Durch Reformen haben sich Beiträge für fast alle Patienten verringert. Das neue System bietet viele Wahlmöglichkeiten, um Versicherten mehr Eigenverantwortung zu geben.

Auf dem freien Markt stehen viele Angebote bereit, um individuelle Risiken abzusichern oder um speziellen Wünschen Rechnung zu tragen. Als Beispiele nennt die Untersuchung alternativmedizinische Leistungen, die medizinische Versorgung im Ausland, Zahnbehandlungen oder Kuren. „Grundsätzlich schafft die schweizerische Differenzierung in Basis- und Zusatzversicherung die Voraussetzung für die Überwindung der Dualität von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen“, schreiben Thomas Wüstrich, Timo Blenk und Nora Knötig. Davon ist Deutschland meilenweit entfernt.

Gut gesteuert

Heimische Gesundheitspolitiker könnten sich auch von eidgenössischen Managed-Care-Modellen eine Scheibe abschneiden. Die große Mehrheit aller Schweizer hat bereits entsprechende Verträge paraphiert, um in den Genuss wirtschaftlicher Vorteile zu kommen. Wüstrich, Blenk und Knötig sehen darin einen Garanten für niedrigere Kosten, aber auch für mehr Innovation.

Wettbewerbliche Elemente hätten letztlich zu höheren Ausstattungsstandards und zu mehr Service geführt, lautet ihr Resümee. Einheitliche Rahmenbedingungen helfen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Bei neuen, innovativen Arzneimitteln halten die Autoren eine stärkere Kostenkontrolle für erwägenswert.

Qualität überzeugt

Auch in den Niederlanden gehört Managed Care in Form von hausärztlichem „Gatekeeping“ zur Regelversorgung. Durch neue Reformen haben Gesundheitspolitiker mehr Wettbewerb zwischen Leistungserbringern, aber auch zwischen Krankenkassen gefördert. Gesetzliche Versicherungen bekamen größeren Spielraum, um anhand von Qualitätskriterien selbst zu entscheiden, mit wem sie Verträge abschließen.

Hier sehen die Autoren für Deutschland wichtige Impulse, weil es „trotz regionaler Ungleichgewichte tendenziell ein Überangebot an niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern gibt“. Außerdem arbeiten unsere Nachbarn stärker mit Gruppenverträgen als Steuerungsinstrument. Versicherte wechseln aufgrund finanzieller Anreize ihre Kasse – ein wichtiges Instrument des Wettbewerbs.

Geheimnisvolle Beiträge

Dieser Aspekt ist auf Deutschland jedoch nur eingeschränkt übertragbar, wie Untersuchungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen. So wussten lediglich 18 Prozent etwas zur neuen Beitragssatzregelung. Obwohl fast alle Kassen seit Anfang 2015 individuelle Zusatzbeiträge erheben, haben nach eigenem Bekunden magere 17 Prozent davon gehört. 20 Prozent denken, dass dieser Obolus als pauschaler Fixbetrag erhoben wird. Angesichts dieser Wissenslücken erstaunt nicht wirklich, dass monetäre Anreize kaum zum Kassenwechsel führen.

Weniger als zehn Prozent gaben bei der Umfrage an, ihrer GKV eventuell den Rücken zu kehren. Nur drei Prozent hatten konkrete Pläne. Trotz dieser Einschränkungen zeigen die Niederlande eine interessante Perspektive auf. Beim Nachbarn hat sich die Transparenz für Versicherte deutlich verbessert, etwa durch unabhängige Vergleichsportale und durch neutrale Rankings. Dem Nachbarn geht es nicht nur darum, Konkurrenz zu schaffen. Politiker wollen ein deutlich höheres Serviceniveau erreichen.

„Überwindung der Dualität“

Und die Moral von der Geschicht’? Seit Einführung des Kassenwahlrechts für gesetzlich Versicherte hat sich die Zahl an GKVen von mehr als 1.200 auf 123 verringert. Momentan läuft viel Konkurrenzkampf auf Ebene der Zusatzbeiträge ab. Der erhoffte Qualitätswettbewerb ist ausgeblieben, lautet ein Fazit.

„Was den Wettbewerbsparameter Versorgungsqualität angeht, so ist hier zunächst an eine Ausweitung der selektivvertraglichen Gestaltungsoptionen zu Lasten kollektivvertraglicher Vereinbarungen zu denken“, schreiben Wüstrich, Blenk und Knötig. „Zur Stärkung des Solidarprinzips und zur Hebung weiterer Effizienzpotenziale ist eine Überwindung der bisherigen Dualität von PKV und GKV zu erwägen.“

69 Wertungen (3.28 ø)

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27 Kommentare:

Gast
Gast

Medizinische Leistung gibt es nicht zum 0-Tarif
und da vieles heute fast inflationär zur “Krankheit” erklärt wird, besonders von Psychologen, muss auch aus Kostengründen bei “solidarischer” Finanzierung die Eigenverantwortung mit gefordert werden.
Das ist in der Schweiz und in manch anderem Land sicher besser als bei uns.
Und wenn aus Kostengründen bei der Kollektivfinanzierung eine Bezahlung politisch auf das dringend notwendige beschlossen wird, so kann man nicht von den Anbietern verlangen, z.B. den Homöopathen oder TCM-Aktören, dass sie sich freiwillig für überflüssig erklären. Das muss schon die Politik selbst tun
und davor drückt sie sich.
In Finnland, einer reinen Staatsfinanzierung, wird z.B. die Bezahlung der Zahnmedizin nur bis zum 18.Lebensjahr gewährt, wer dann immer noch nicht zahngesund oder “saniert” ist, muss das dann selbst bezahlen.

#27 |
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Erwin Müller
Erwin Müller

zur Info an Hrn. Sanwald: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2014/04/29/wenn-aerzte-dispensieren-steigen-die-kosten

schon irgendwie verwunderlich – oder doch nicht?

#26 |
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In der Schweiz ist das System vorbildlich. Der Patient wählt eine Franchise,
die er selbst bezahlt ,dadurch reduziert er den Krankenkassenbeitrag.
Er ist Privatpatient erhält eine Rechnung oder der Arzt rechnet direkt mit den Krankenkasse ab. Da der Verdienst in der Schweiz erheblich über dem deutschen
Niveau liegt ,sind die Leistungen der Kassen , da im System mehr Geld ist,
excellent. Eine bürokratische Regulationswut gibt es nicht. Die Ärzte dispensieren
in der Regel selbst und die Patienten erhalten so ,ohne Apothekenaufschlag, günstiger Medikamente. Da alle gut entlohnt werden, sind alle mit der Arbeit
zufrieden ,was sich natürlich auf das Arzt-Patientenverhältnis positiv auswirkt.
Eine Arzthelferin , die 7 200 € im Monat verdient und noch ein 13.Jahresgehalt
bekommt, arbeitet eben hochmotiviert.

#25 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Die Beiträge zu der Niederlande sind für mich sehr interessant (Von Frau Schuurmann und Herrn Drs Marian van der Maten).
Könnten Sie beide bitte links (auf deutsch) zum Nachlesen zu Ihren genannten Informationen nennen?

Vielen Dank.

#24 |
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@Gast
Nein, bei der PKV ist es ein Problem zwischen Arzt und Patient. Wenn der Patient mit der Leistung nicht zufrieden ist, zahlt er einfach die Rechnung nicht. Dann muss der Arzt klagen und der Pfusch wird öffentlich. Ganz einfach. Genauso wünsche ich es mir für die GKV Patienten.

#23 |
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Gast
Gast

noch mal zu#21 (Nur) der Privatpatient erfährt also IMMER was der Arzt berechnet.

#22 |
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Gast
Gast

Johannes Georg Bischoff mit Psychiatern kenn ich mich zwar nicht aus,
aber es gibt die GOÄ und der Vertrag wird mit dem Patient geschlossen, nicht mit der PKV, leider.
Und das Problem entsteht immer zwischen Patient und PKV!

#21 |
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Das Wichtigste wäre, dass der Patient, erfährt was der Arzt oder das Krankenhaus in Rechnung gestellt hat, und die Kasse erst zahlt wenn der Patient sein O.K. gibt, so wie es bei der PKV der Fall ist. Diese Intransparenz bei der GKV ist Unerträglich, kostentreibend und kontraproduktiv
Desgleichen würde sich die Qualität der Behandlung, gerade in der Psychiatrie, schlagartig erhöhen. Was hier teilweise als “Heilbehandlung” verkauft wird, ist eher ein Fall für Schmerzensgeld als für eine Kostenerstattung.
Siehe z.B:
http://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-psychiatrisches-krankenhaus-emmendingen
Manche Psychiatrien, wären dann ganz schnell finanziell am Ende. Dann könnte man denen die gute Arbeit leisten auch mehr bezahlen.

#20 |
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Dr.med. Peter Goergler
Dr.med. Peter Goergler

DANKE für den interessanten Länder-Vergleich! Tatsächlich ist die Überregulierung und das langsame “Kragenzudrücken” für Ärzte (und andere Gesundheits-Leistungserbringer) in unserem nicht armen Land alles andere als motivierend für den Nachwuchs, selbständig einen Beruf im Kassengesundheitswesen zu ergreifen. Traurig, daß viele Gesundheits- minister/innen branchenfremd waren bzw. sind – und die nicht Branchenfremden auch nicht viel besser. Als letzte “gute” Gesundheitsministerin betrachte ich Frau Süßmuth, lang ist´s her….
Persönlicher Zusatz: Seriöse Naturheilverfahren als Ergänzung in der Praxis sind für mich als Arzt eine befriedigende Möglichkeit, einerseits (mit Einschränkungen) eine “Medizin mit Herz” zu betreiben – zum Wohle von mir selbst und meinen Patienten – und andererseits dazuhin präventiv im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung, also für die Gesellschaft, wirken zu können. Vernünftig wäre – da dies sogar noch großenteils Kosten spart – solche Medizin auch offiziell kassentechnisch angemessen zu erstatten. Aber vielleicht ist´s sogar besser, daß dies nicht geschieht – denn “Was nix kost´, ist nix wert”….

#19 |
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Dr. med. Jan-Sebastian Schlenzig
Dr. med. Jan-Sebastian Schlenzig

eine Frage: wenn ich die Aufschlüsselung der GKV-Ausgaben wie oben dargestellt zusammenrechne, komme ich auf 68,5%: wer bekommt die restlichen 31,5 % ?
MfG Dr. Schlenzig

#18 |
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Dr.Paul
Dr.Paul

Herr van den Heuvel,
möchte sicher, dass alle einen Fiat 600 fahren müssen.
Selbstverständlich mit der Qualität eines Audi A8.
Schon die jetzige erste Legislaturperiode von Herrn Nicht-Mediziner Gröhe war eine einzige Katastrophe von Überregulierung.
Und Krankenkassen in Deutschland sollten verpflichtet werden, im Sinne ihrer zahlenden Kunden nicht gegen die Ärzte, sondern mit den Ärzten zusammen zu arbeiten.
Danke Herr
Reinhard Rodiger,
Apotheker selbstverständlich nicht zu vergessen.

#17 |
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Sehr geehrter Herr Hemmi,
Der Staat muss “die verantwortliche Instanz für Arbeit, Wohlstand, Glück” seiner Bürger sein. Die Gesundheit der Bürger muss Priorität haben.
Dafür werden unsere gewählte Politiker hoch bezahlt.
Unsere Gesundheitsversorgung ist besser als in der Schweiz oder Holland, nur soll
noch verbesset werden.

#16 |
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Apotheker

Vorweg zu den fehlenden 31%. Das sind Heilmittel,Krankengeld,Transportkosten etc. Das ist wohl definiert.
Manged care ist in erster Linie(Vorbild USA) eine Methode zu Lasten der Leistungserbringer Gewinne zu realisieren, die dann an die Eigner und nicht an die Patienten gehen.Nur gebündelte Macht kann der Kassenmacht pari bieten.So kann man darin auch eine Umverteilung von Kassengewinn zu Managed care-Gewinn sehen.Da eine Machtbalance zu den Kassen politisch nicht angestrebt wird (haut euch lieber selber) , ist das Ergebnis die Schaffung neuer Machtmonopole, die jede unabhängige Personengesellschaft aushebeln.

Das ist kein Wettbewerb, das ist Erpressung.Was die Qualität angeht. So ist sie beliebig gestaltbar.Etwa der reine Bezug von Menge zu Qualität.Wenn ein bestimmtes Mengenziel zur Erreichung einer bevorzugten Bezahlung nicht erreicht wird, entfällt ein Teil der Bezahlung. Oder es wird eben mehr gemacht als nötig.Die Beispiele sind Legion: Amputationen Sectio,Hüften,Knie,Frühchen-Versorgung etc

Es gibt kaum ein Land, in dem mehr Angst vor nicht bezahlbaren Kassenbeiträgen besteht wie es in der Schweiz der Fall ist.Hier ist Audünnung der Grundversorgung und Steigerung der Zusatzversorgung die Ursache.Das einzig sinnvolle ist, dass alle zahlen.Nur eben teurer für alle.

Die Niederlande haben das Problem weithin mit einer Verknappung der Zahl der Leistungsträger gearbeitet.Praktisch nor knappe ambulante, Krankenhausorientierte Versorgung. Da wird die economy of scale genutzt.
Der Preis ist erschwerter Zugang und keine Wahlmöglichkeit für die Patienten.
Die Ausgangsbasis ist also drastisch reduzierter Wettbewerb.Da gibt es nicht viel zu verdienen.Folglich fehlen die Interessenten.

All das sollte dazu anregen, darüber nachzu denken, inwieweit die Ware Gesundheit zu stark kommerzialisiert werden soll unter der nicht mehr zutreffenden Maske von Wettbewerb.Es ist nur noch eine Kapitalschlacht zu Lasten der Menschen.

Zur Machtverteilung in Deutschland. Wir haben zwar 123 Kassen. Was nicht gesehen wird, ist, dass eine Vielzahl davon regionale AOK-Verbünde sind, die einzeln gezählt werden,aber 40 Nachfragemacht generieren. Dann gibt es noch ein paar wenige Grosse (2-3) und viele kleine.Nur in Deutschland ist der Machtmissbrauch der Kassen völlig ohne Gegengewicht und politisch gebilligt.Das soll kein Argument für weitere Blutsauger sein.Aber das Dualsystem mildert diesen Effekt eher.Fakt ist: es gibt keinen nennenswerten Wettbewerb unter den wenigen verbliebenen.Lediglich Werbungsgeld für gesunde Kunden wird unkontrolliert ausgeworfen und viele Vorstandsbezüge drastisch erhöht.

Also der erste Schritt wäre eine Begrenzung des Machtmissbrauchs der Krankenkassen.Es darf nicht sein, dass Amputationen besser bezahlt werden als Pflege,Kontrolle und Hinsehen.Es wird zum Wirtschaftlichkeitsgebot, hier das besser bezahlte zu wählen.Das ist die Schieflage, die sich durch alles zieht.

Umsicht,menschengemässe Behandlung,Risikominderung und Kontaktnähe sind bei Wettbewerb der harten Art nicht gefragt.Da vermisse ich eine nernste Debatte

#15 |
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Gast Hans Hemmi, Slowenien
Gast Hans Hemmi, Slowenien

Möglicherweise liegt noch ein weiterer nicht untersuchter Grund, ausserhalb der direkten Gesundheitsvorsorge, für unterschiedliche Antriebsmuster; nach meiner Erfahrung sehen viele Deutsche Staatsbürger, im Gegensatz zur Schweiz, den Staat als verantwortliche Instanz für Arbeit, Wohlstand, Glück und letztendlich auch für die Gesundheit.

#14 |
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drs Marian van der Maten
drs Marian van der Maten

Es gibt kein perfektes System, wo allen zufrieden sind. Ich bin auch aus der Niederlande, möchte gerne eine Nuance anbringen zu den Bemerkungen von Frau Schuurman. Bis 18 Jahr sind alle Kinder kostenfrei mitversichert (auch für Zahnbehandlung). Ab 18 Jahr werden sie als Erwachsen gesehen (wie zBs auch für das Finanzamt). Es gibt kein Eigenanteil für Hausärzte, Schwangerschaft, bestimmte chronische Krankheiten. Mit mehrere Kinder über 18 Jahre ist alles mehr teurer, auch Versicherungen. Wenn es da Problemen gibt, kann man finanzielle Unterstützung bekommen (der ‘Zorgtoeslag’). Ist alles nicht perfekt und immer günstig, aber das System bietet Transparence und Eindeutigkeit für ALLEN. Übrigens, alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlen über ihre Einkommenssteuer noch ein Inkommen-abhängiges Anteil, dieses Jahr 6,75% und 5,5%. Wahlfreiheit von Ärzte gibt es schon, nur geringer als hier in Deutschland. Obwohl auch hier, ohne Privat Versicherung, die Freiheit sehr begrenzt ist. In der Niederlande hat der Versicherer auch den Pflicht die Anbieter zu kontrollieren und zu selektieren auf Qualität und Preis. Es könnte auch zum Vorteil sein für ihre eigenen Versicherten: eine bessere Qualität.

Vielleicht noch ein Beispiel zum Qualität: es gibt in der Niederlande das FTO, übersetzt Farmaco-therapeutische-Beratung. Mehrmals im Jahr treffen Hausärzte sich mit Apothekers und besprechen aktuelle Themen (wie neue Medikamenten oder Nebenwirkungen) und (sehr wichtig) benchmarken Verschreibungen von den Hausärzte. Ziel ist dabei nicht weniger oder günstigere Medikamenten zu verschreiben, aber bessere Qualität zu realisieren. Das Institut für Verantworte Medizingebrauch spielt da eine aktive Rolle.

#13 |
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Selbstst. Apothekerin
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Prinzipiell guten Thema … aber: Rechenfehler … gleich im ersten Absatz fehlen unerklärt 31,5% … das macht den ganzen Artikel unglaubwürdig.

#11 |
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Dr. Irene Boos
Dr. Irene Boos

Die Versicherungsprämien seien in der Schweiz gesunken? Nein, Fehlinformation! In der Basisversicherung ohne Extras, dem sogenannten “Billigheimer” – der weniger leistet als eine vergleichbare deutsche GKV, und Zahnbehandlung sowieso grundsätzlich nicht! – ist der Beitrag für 2016 um 10 bis 15% gestiegen und kostet für eine Person mittleren Alters nun mindestens 200 SFr pro Kopf pro Monat, bei einem jährlichen Selbstbehalt von 2000 SFr pro Kopf. Eltern mit zwei Kindern kommen kaum unter 900 SFr monatlich, und es gibt keinen Arbeitgeberanteil! In Deutschland nicht machbar.

#10 |
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Dr. Sandra Single
Dr. Sandra Single

Nicht zu vergessen: es gibt in der Schweiz keine quasi kostenlose Mitversicherung von nicht berufstätiger Ehefrau und Kindern !! Deren Beiträge tragen (auch) ihren Teil zu den Krankenkasseneinnahmen bei.

#9 |
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Verehrter Herr GAST, Sie haben uneingeschränkt recht. Herrn Römer sei gesagt, Sie verkennen Henne und Ei!!

#8 |
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Qualität fängt schon bei den Mitarbeitern und Einhalten des Arbeitzeitgesetzes an. Es gibt keine effektive Kontrollen durch die Aufsichtsämter!
Kliniken, die sich an das Gesetz halten und sich um das Wohl ihrer Mitarbeiter und damit auch der Patienten kümmern, haben eine wirtschaftlichen Nachteil gegenüber den Kliniken, die das eben nicht machen.
Wenn maschinelle Ausstattung zum Qualitätskritrium wird muss man sich immer Fragen, wer die Maschine bedient.

32,7% Kliniken, 16,0% Ärzte (Praxen?!), 14,9% Medikamente und 4,9% Verwaltung macht zusammen 68,5%!

Was ist mit den restlichen 31,5% = 64,68 Milliarden Euro 2014 passiert?

#7 |
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Medizinisch-Technische Assistentin

Ich kann hier nur für die Niederlande sprechen. Für den Bürger gibt es nur Nachteile. Krank sein ist dort sehr teuer. Jeder über 18 Jahren hat an den Krankenkosten einen verpflichtenden jährlichen Eigenanteil zu leisten von z.Z. 385€. Egal, wie hoch das Einkommen ist, auch Sozialhilfeempfänger. Es wird immer wieder in den Verbrauchermagazinen drüber berichtet, dass in ärmeren Familien mit mehreren meist chronisch Kranken, wichtige Medikamente (z.B. Insulin) und Behandlungen nicht in Anspruch genommen werden, weil die Menschen es schlicht weg nicht finanzieren können.
Es gibt keine Familienversicherung. Jeder über 18 Jahren muss selbst krankenversichert sein. Können Sie sich vorstellen, welche monatlichen Kosten eine Familie mit mehren über 18jährigen Kindern in Schulausbildung/Studium hat?
Zahnbehandlung ist nicht im Basispaket enthalten und muss extra versichert werden.
Jeder Versicherer schließt jährlich eigene Verträge mit den Medizinischen Institutionen ab. Das kann bedeuten, dass man auf einmal nicht mehr ins wohnortsnahe Krankenhaus kann, weil kein Vertrag mehr damit besteht, sonst bleibt man auf 60% der Kosten sitzen. Nur wenn man als Notfall eingeliefert wird, ist das anders. Oder der Logopäde muss auf einmal gewechselt werden. Leider konnten die einzelnen Versicherungen im Dezember noch nicht den Wechselwilligen sagen, mit wem denn Verträge im neuen Jahr bestehen würden. Eine echte Wahlfreiheit besteht dann nicht mehr. Arztwahlfreiheit so wie hier besteht somit auch nicht.
Immer wieder wird berichtet, dass die Versicherer hohe Gewinne machen, die aber nicht an die Versicherten zurückgegeben werden. Im Gegenteil, der Eigenanteil steigt von Jahr zu Jahr.
Wir ärgern uns hier über unsere “hohen” Krankenkassenbeiträge, aber wenn ich es mit den Niederlanden vergleiche, ist es für uns unterm Strich hier billiger, es sei denn, man ist jung, niemals krank und kann sich nicht privat versichern.

#6 |
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Mitarbeiter Industrie

Nunja, was dabei herauskommt, wenn die ärztliche Selbstverwaltung über Qualität entscheidet, offenbart sich ja gerade in der aktuellen Misere unseres Gesundheitssystems.

#5 |
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Gast
Gast

Wenn man diesen Artikel liest, bekommt man den Eindruck, die Schweiz hätte so etwas wie unsere gesetzliche Versicherung. Das hat sie nicht. Sie hat ein überwiegend privatwirtschaftliches Versicherungssystem, indem es einen Basistarif gibt, der landläufig “drittklass” genannt wird, was in der Schweiz niemanden stört, weil es keine Wertung enthält. Es hat etwas mit der Frage, ob man in seinem Kanton oder auch in anderen Kantonen behandelt wird und wie viel Betten im Krankenzimmer im Krankenhaus stehen zu tun. Dieses System wird nicht über prozentuale Beiträge vom Einkommen finanziert wie bei uns. Es ist eher einem flächendeckenden Privatversicherten System vergleichbar. Analog dazu müsste man bei uns die gesetzlichen Krankenkassen abschaffen, dann könnten die privaten billiger sein und man müsste die Rahmenbedingungen für die drittklass Versicherung festlegen. Die Honorare bei den Privatversicherungen könnten dadurch sinken, denn im Moment finanzieren diese ja unser Gesundheitswesen, was man daran erkennen, dass die Versorgung dort kränkelt, wo ist keine Privatpatienten gibt.

#4 |
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Thomas Hoppe
Thomas Hoppe

Ein Artikel, der jedem Gesundheitsökonomen aus der Seele spricht: Qualität, Wettbewerb und Effizienz – das ist die Zukunft! Die Schlüssel dafür stehen oben.

Thomas Hoppe, Halle

#3 |
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Apotheker

Leider konnte man dem Artikel nicht entnehmen, wie den “Qualität” definiert wird. Im Großen und Ganzen ging’s doch wieder nur darum, für die Krankenkassen a) Geld aufzutreiben und b) an deren Ausgaben zu sparen.

Wo in der Überschrift “Qualität” drauf steht, darf man doch im Artikel dann auch genauere Ausführungen zu “Qualität” erwarten.

#2 |
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Gast
Gast

Widersprüchliche Rosinenpickerei.
Die Schweiz ist TEURER, nicht billiger!
Lassen Sie sich da mal ein Kniegelenk einsetzen.
In Holland bekommt man schlicht weniger Leistung.
Konsequent ist dann das frühzeitige Ableben im teuren Alter mit leichter Nachhilfe,
zur Not auch gegen den Willen des Patienten (kommt vor!).
Das mit der “Qualität” sollten bitte Ärzte selbst entscheiden.

#1 |
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