Zöliakie-Diagnose: Wer trennt die Spreu vom Weizen?

29. Februar 2016
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Droge, Dickmacher, Quelle aller Krankheiten – über Weizen und speziell das darin enthaltene Gluten wird seit einiger Zeit heftig diskutiert. Kein Wunder also, dass sich glutenfreie Lebensmittel wie geschnitten Brot verkaufen. Doch für wen macht eine Eliminationsdiät wirklich Sinn?

Spätestens seit Bücher wie „Die Weizenwampe“ die deutschen Bestsellerlisten erobert haben, wird viel über die vermeintlich schlechten Eigenschaften des Weizens gesprochen. Zahlreiche Menschen berichten davon, wie sie dank einer glutenfreien Ernährung Gewicht verloren haben und von allerlei psychischen und physischen Leiden von Migräne über Neurodermitis bis Fibromyalgie geheilt wurden.

Tatsächlich beträgt in Deutschland die Prävalenz der beiden klassischen Weizen-abhängigen Erkrankungen, Zöliakie und Weizenallergie, lediglich 0,3 % bzw. 0,1 %. Beides sind immunologische Erkrankungen: Für die Zöliakie sind Autoantikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebe-Transglutaminase (TG2) ebenso charakteristisch wie eine typische duodenale Histologie mit entzündlichem Infiltrat, Kryptenhyperplasie und Zottenatrophie. Betroffene, die an einer symptomatischen Zöliakie leiden, berichten typischerweise von abdominellen Beschwerden wie Dyspepsie oder Flatulenz. Aber auch Anämie, Osteoporose, Vitamindefizienzen oder neurologisch-psychiatrische Probleme können Symptome einer Zöliakie sein. „Im Grunde ist zöliakietypisch, dass nichts typisch ist, sondern dass man die Krankheit als ‚Chamäleon der Medizin‘ bezeichnen kann“, erklärt Prof. Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie am Krankenhaus Porz am Rhein in Köln. „Es stehen nicht unbedingt immer die klassischen Durchfallsymptome im Mittelpunkt des Beschwerdebildes, sondern es ist eine Vielzahl extraintestinaler Manifestationen möglich.“

Im Unterschied zur Zöliakie sind bei der Weizenallergie IgE– und/oder T-Zell-vermittelte Reaktionen gegen verschiedene Weizenproteine charakteristisch. Typische Symptome treten in Mund, Nase, Augen und Rachen auf (Schwellung, Jucken, Kratzgefühl) ebenso wie an der Haut (atopisches Ekzem, Urticaria), der Lunge (Atemnot, Asthma) oder dem Gastrointestinaltrakt (Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Diarrhoe).

Die neue Volkskrankheit: „Glutensensitivität“

Immer mehr Menschen scheinen nun an einer neuen Form der Weizen-abhängigen Erkrankungen zu leiden, der sogenannten Glutensensitivität. Uneinigkeit besteht bereits beim Namen – die Erkrankung ist auch unter den Bezeichnungen „Weizen-Gluten-Unverträglichkeit“, „Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität“, „zöliakieunabhängige Weizenempfindlichkeit“, „Nicht-Zöliakie Weizen-Protein-Sensitivität“, „Gluten-sensitives Reizdarmsyndrom“ und „Non Celiac Gluten Sensitivity“ (NCGS) bekannt. „Bis vor wenigen Jahren wurde dieses Phänomen von den meisten Ärzten abgestritten und die Patienten als ‚Spinner‘ abgetan. Diese Einschätzung hat sich jedoch grundlegend verändert“, so Holtmeier.

Da zuverlässige diagnostische Biomarker noch fehlen, ist es schwer, genaue Zahlen zur Häufigkeit dieser Erkrankung zu ermitteln. Beschrieben worden sind bisher Prävalenzen von 0,5 % [Paywall]. Das Problem besteht vor allem darin, dass die Glutensensitivität bislang eine Ausschlussdiagnose darstellt. Sicher ist nur, dass es sich weder um eine allergische noch eine autoimmune Erkrankung handelt, zu deren typischen Symptomen gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Schmerzen oder Durchfälle gehören. Doch auch Kopfschmerzen und Migräne, Lethargie und Müdigkeit, Aufmerksamkeitsdefizitstörungen und Hyperaktivität, Muskelbeschwerden sowie Knochen- und Gelenkschmerzen können auftreten.

Ursache ungeklärt: FODMAPs statt Gluten?

Während der Begriff „Glutensensitivität“ vermuten lässt, dass eine Reaktion auf das im Weizen enthaltene Gluten die Ursache der Beschwerden ist, deuten neuere [Paywall] Ergebnisse darauf hin, dass entweder Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) und/oder fermentierbare Oligo-, Di- & Monosaccharide und Polyole (FODMAPs) eine wesentliche Rolle spielen könnten. Tatsächlich scheint es wahrscheinlich, dass es sich bei dem gemeinhin als Glutensensitivität bezeichneten Krankheitsbild um eine heterogene Gruppe von Erkrankungen handelt, zu der sowohl die echte Glutensensitivität als auch die FODMAP-Sensitivität gehören könnten. Aus diesem Grund verwendet die aktuelle S2k-Leitlinie Zöliakie bewusst den Begriff „Weizensensitivität“.

Herausforderung Diagnosestellung

In den meisten Ländern Europas und Amerikas beträgt die Prävalenz der Zöliakie etwa 1 %, doch Schätzungen [Paywall] zufolge bleibt bei etwa 80 % der Betroffenen die Erkrankung undiagnostiziert – häufig sind dies ältere Menschen und Patienten mit nicht-klassischer oder asymptomatischer Zöliakie. Außerdem kann es dauern, bis die Diagnose Zöliakie gestellt wird: Die diagnostische Latenz beträgt etwa 4 Jahre.

Doch selbst wenn endlich die Diagnose „Zöliakie“ gestellt worden ist, heißt das noch nicht, dass diese auch richtig sein muss. Eine jüngst in Clinical and Translational Gastroenterology veröffentlichte Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass bei ca. 40 % der Personen mit einer vorausgegangenen Zöliakie-Diagnose diese sich nach einer Neubewertung in einem tertiären Versorgungszentrum als falsch erweist. Bei den Patienten mit fraglicher Diagnose wurde sogar in 78 % der Fälle eine Fehldiagnose gestellt. Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine beträchtliche Anzahl an Ärzten die gegenwärtigen diagnostischen Kriterien für eine Zöliakie nicht kennen.

Diagnosealgorithmus Zöliakie

Entsprechend der S2k-Leitlinie Zöliakie sollen bei einem klinischen Verdacht primär die Gewebe-Transglutaminase-IgA-Antikörper oder die Endomysium-IgA-Antikörper mittels spezifischem Antikörpertest untersucht werden. Zudem sollte das Gesamt-IgA im Serum bestimmt werden, um einen IgA-Mangel auszuschließen, da in diesem Fall die Antikörpertests trotz Vorliegens einer aktiven Zöliakie negativ ausfallen könnten. Abgeraten wird dagegen von der Bestimmung von Antikörpern gegen deamidierte Gliadinpeptide. Ungeeignet sind zudem die Antikörperbestimmung gegen natives Gliadin ebenso wie Speichel- und Stuhltests. Wichtig ist, dass die Diagnostik unter einer glutenhaltigen Ernährung erfolgt. Sollte der Patient bereits eine Glutenkarenz begonnen haben, empfiehlt sich eine Glutenbelastung. Zur Sicherung der Diagnose wird bei positiver Serologie eine histologische Untersuchung der Dünndarmschleimhaut empfohlen. Ergibt sich unter einer glutenfreien Diät eine serologische Besserung, gilt die Diagnose Zöliakie als sicher.

Da die Zöliakie häufig mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow) oder Autoimmunhepatitis assoziiert ist, empfiehlt es sich, bei Zöliakie-Patienten eine erweiterte Autoimmundiagnostik durchzuführen.

Wenn nicht Zöliakie, was dann?

Lässt sich eine Zöliakie ausschließen und liegt der Verdacht auf eine Weizenallergie vor, empfiehlt die Leitlinie folgende Diagnostik:

  • Führen eines Beschwerdetagebuchs
  • Bestimmung von spezifischem IgE gegen Weizen
  • Haut-Pricktest mit Weizen

Erst wenn sowohl Zöliakie als auch Weizenallergie durch negative Zöliakie-Serologie, normale Dünndarmhistologie, negatives spezifisches Weizen-IgE und negativen Pricktest auf Weizen ausgeschlossen werden konnten und auch der Ausschluss anderer Diagnosen (bspw. Reizdarmsyndrom) erfolgt ist, kann der Verdacht auf eine Gluten-/Weizensensitivität gestellt werden.

Glutenverzicht für alle?

Bei Zöliakie und Glutensensitivität führt eine glutenfreie Ernährung in der Regel zu einer Besserung der Symptomatik. Bei einer Weizenallergie muss dagegen lediglich auf Weizen verzichtet werden, ebenfalls glutenhaltige Getreide wie Gerste und Roggen können aber den Speiseplan bereichern, sodass diese Ernährungsform als weniger restriktiv empfunden wird. Doch auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen kann eine glutenfreie Diät zu einer Besserung gastrointestinaler und/oder systemischer Symptome beitragen. Hierzu gehören beispielsweise das Reizdarmsyndrom, Lupus erythematodes, Dermatitis herpetiformis Duhring, rheumatoide Arthritis, Typ-1-Diabetes, Thyreoiditis und Psoriasis.

Dafür, dass eine glutenfreie Ernährung auch für die gesamte Allgemeinbevölkerung einen gesundheitlichen Nutzen hat, gibt es dagegen keine Evidenz. Im Gegenteil: Weizen ist ein wertvoller Lieferant von gesundheitsfördernden Ballaststoffen wie Oligofruktose und Inulin, und es gibt Hinweise darauf, dass ein Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms negativ beeinflusst. Gluten scheint zudem einen positiven Einfluss auf die Blutfette und den Blutdruck zu haben. Außerdem kann eine Glutenkarenz zu einer Mangelversorgung mit Thiamin, Riboflavin, Niacin, Folat und Eisen führen.

Ähnlich sieht dies auch Prof. Holtmeier und betont, dass Getreideprodukte einen unverzichtbaren Beitrag zu einer bedarfsgerechten Versorgung der Normalbevölkerung mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen leisten. Gleichzeitig räumt er ein, dass es rund um den Weizen und die damit assoziierten Krankheiten noch einiges zu untersuchen gibt. „Zweifellos gibt es Forschungsbedarf, um besser zu verstehen, wie und warum Zöliakie bzw. Glutensensitivität entstehen, damit wir unseren Patienten noch besser helfen können“, so Holtmeier. „Das unqualifizierte Schüren einer Weizenhysterie ist dabei jedoch nicht hilfreich.“

127 Wertungen (4.37 ø)

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41 Kommentare:

Dr. med. V… Stigge
Dr. med. V… Stigge

@ Herrn Licht #34 und Frau Wach #36
Vielen Dank, dass Sie auf die Bedeutung von Bewegung und Ernährung und die modernen Unsitten verweisen. Natürlich kann eine gesunde Lebensweise nicht jede Krankheit verhindern. Aber sie gegen das leichtfertige Schlucken von Medikamenten helfen.

@ Herrn Bolland #33
Ist der Kranke also nach Hippokrates an seinem Leiden selbst schuld, weil er “gesündigt” hat?
Vielleicht hilft nach Hahnemann (similia similibus curentur) bei Glutenunverträglichkeit eine D24 Prolamine-Gluteline oder besser gleich D24 Triticum?

#41 |
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Naturwissenschaftler

@ Andreas Rheinländer:
Da haben Sie Frau Aho-Ritter Unrecht getan, weil Ihren Artikel nicht vollständig gelesen. Im Absatz unter der Überschrift:
“Die neue Volkskrankheit: „Glutensensitivität“”
steht doch genau die Bezeichnung des von Ihnen als fehlend monierten Krankheitsbildes:
“…Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität“,…”

#40 |
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Student der Humanmedizin

Der Artikel lässt ein wenig vermissen, dass es mittlerweile noch ein weiteres Krankheitsbild gibt. Die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität (NZNWWS).

Auf dem Board Klinische Immunologie habe ich dazu einen kurzen Beitrag verfasst: http://news.doccheck.com/de/blog/post/3471-lebensmittelunvertraeglichkeit-nicht-zoeliakie-nicht-weizenallergie-weizensensitivitaet-nznwws/.

#39 |
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Weitere medizinische Berufe

Hallo Herr Steinke

Sorry – so sollte es nicht rüberkommen!

Natürlich habe ich auch die Fälle, die entweder eine echte Zöliakie – echte Weizenallergie und auch eine “echte” Glutenproblematik” haben. Hier ist eine ausführlicheund seriöse Beratung wichtig. Aber es gibt eben auch die, bei denen die von mir beschriebenen Fakten vorliegen.

#38 |
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Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

Guten Tag Frau Wach. Möglich. Mir sind diverse Fälle bekannt, die eine sehr gute “Esskultur” praktizieren und dennoch Weizen auch in kleinen Mengen nicht vertragen. Nachdem ich nun alle Beiträge gelesen haben, drängt sich mir der Verdacht auf, dass Einige das Thema als Modeerscheinung sehen, in Verbindung mit Psychosomatik. Das ist sehr schade, da dann alles wieder unter dem Dogma der nie lügenden Statistik fällt. Dabei ist Statistik nur ein Hilfsmittel und kein Wahrsager. Bedauerlicherweise werden viele Erkrankungen dann über Jahrzente als psychosomatisch eingestuft und falsch, oder nicht behandelt…….

#37 |
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Weitere medizinische Berufe

Aus der eigenen Praxis für Ernährungstherapie kann ich berichten, dass oft weder Weizen – noch Gluten – noch sonst eine “Allergie” eine Rolle spielt, der Betroffene isst ganz einfach “schrottig”! Wenn keine Esskultur – Essstruktur mehr vorhanden ist, wenn “to go” gegessen und getrunken wird, das Kauen vergessen wird, zum und beim Essen getrunken wird, Gemüse und Salat Fremdworte sind…. Wie soll dann der Darm auf Dauer vernünftig arbeiten können?
Wenn ich dann mit den Damen und Herren ein “Experiment” durchführe:
4 Wochen nach meinen Vorgaben essen – siehe da, sie fühlen sich deutlich besser und fitter, Blähungen etc. werden weniger – aber die Konsequenz: Da müsste der Patient ja eigenverantwortlich werden, etwas ändern! Die Schuld auf “Gluten” – “den ignoranten Arzt” oder die “inkompetente Ernährungswissenschaftlerin” zu schieben ist halt einfacher!!

#36 |
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Gast
Gast

http://www.dzg-online.de/medizin.6.0.html
da kommt man zur seriösen Fachinfo für Ärzte für ICD K 90.0 K52.2 und K 90.41

#35 |
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Medizinjournalist

Also suchen wir jetzt ein Medikament für eine weitere eingebildete Krankheit. Warum nur verschwinden all die Beschwerden, wenn man statt Rauchen und Trinken und sitzen, Nichtrauchen und Nichttrinken und rennen praktiziert. Ich darf vermuten, dass das evolutionäre Gehirn, wenn es überwiegend artgerechte Haltung in seinen Protokollen vermerkt, auf Einbildung von Krankheiten verzichtet – oder sollte ich besser sagen, dass es eben dann keinen Grund hat, Aufgeregtheit zu initialisieren, die doch nur ein Hilfeschrei im Dunkeln ist, bei all den außen gelagerten Einflüssen auf das individuelle Wohlbefinden jedes einzelnen zivilisierten Erdbewohners. Die evolutionären Einrichtungen sind nicht lesbar wie Beipackzettel. Hört man seinem Körper zu, weiß man ihn auch zu verstehen. Nervosität und Unruhe endet im Fitnessstudio oder beim Volleyball oder Badminton oder Radeln oder Schwimmen abrupt. Freilich gibt’s da auch was von Ratiopharm. Dumm nur, dass alle Mittelchen nur bis zum Niveau des letzten Wohlseins aufhelfen. Das ist nichts weiter als eine prächtig funktionierende Treppe – bergab natürlich! Bei Anstrengungen, die atemlos machen, baut der Körper auf und hievt sich selbst auf ein neues Niveau, das man freilich wieder verlieren kann. Drei – viermal die Woche atemlos sein, sorgt für ein Auf-und-Ab, bei dem Treppengewinn entsteht – natürlich bergauf.

#34 |
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Dr. med. Axel Bolland
Dr. med. Axel Bolland

Herr Kollege Lorenz,
Sie vergessen eines dabei, dass der Weizen durch die Entwicklung der Agrarindustrie seit Anfang 1960 massiv verändert worden ist. Erst seit den 60ger Jahren muss man über Bio nachdenken.
Gluten wird auch bei MS, Diabetes, Hepatitis, nephrogener Hypertonie, u.a. diskutiert. Warum wehren Sie sich dann gegen einen möglichen Zusammenhang bei M. Hodgkin? Es wäre doch sinnvoller all diese Fälle auf den Zusmmenhang mit Gluten zu untersuchen. Hippokrates sagte zu seiner Zeit: “Die Nahrung ist das Medikament Nr.1” und er sagte auch: “Krankheit entsteht aus den vielen kleinen Sünden wider die Natur und bricht scheinbar auf einmal hervor.” Wenn wir die Zusammenhänge erkennen können und einen Faktor eliminieren, dann können wir präventiv viel erreichen. Die Menschen in Deutschland haben nie so viel Brot und Brötchen gegessen, wie heute. Die Dosis machts. Glutenarm ist für viele ein weg geworden.

#33 |
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Nach einer kurzen Recherche entpuppt sich Weizen als das zweitälteste Getreide der Welt (ca. 7800 bis 5200 v. Chr., nach der Gerste).
Würde es signifikant für Non Hodgkin-Lymphome verantwortlich sein, würden dann heute soviele Milliarden Menschen auf dieser Kugel leben? Ich halte diese Behauptung für etwas, was ich nach dem Standesrecht nicht aussprechen darf. Jeden Morgen ein Brötchen, dann Exitus via Lymphom?
Ist die Signifikanz nicht eruierbar, könnte man vielleicht auch verweisen auf die alten Veröffentlichungen, wonach Selbstbefriedigung zu Rückenmarksschäden führt… Unterirdisch!

#32 |
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Dr. med. Axel Bolland
Dr. med. Axel Bolland

Lieber Herr Kollege Raabe,
wenn Sie wütend sind und sich ärgern hat das nichts mit mir zu tun. ich habe wohl ein Knöpfchen gedrückt. Heilfasten ist aus meiner Erfahrung die preiswerteste Diagnose und sehr erfolgreich. davon verstehe ich sehr viel. Wichtig ist, dass es den Menschen gut geht. Ihre Diagnosemöglichkeiten nutze ich gelegentlich nebenbei und sehe viele Fehldiagnosen. Yin/Yang sagt uns, dass es nichts 100% gibt. Der Mensch wählt seinen Weg und ich berate ihn dabei. Viele zufriedene Patienten, sogar Familien über 4 Generationen werden von mir seit 3 Jahrzehnten begleitet. Die Erfolge geben mir Recht.
Mit dem Betrieb meinte ich unser Hotel, nicht meine Praxis. Was Sie da über Ganzimmun und mich schreiben stimmt nicht. Ist auch egal. Mitleid ist ist meiner Definition nach der Zweifel daran, dass das Göttliche richtig handelt. Sie brauchen kein Mitleid mit mir zu haben. “Ein jeder ist seines Glückes Schmied.” Ihre Diagnosen sind für den Verstand gemacht unnd wer so was braucht geht zu Ihnen in die Praxis. Wer gleich gesund werden will, möglichst ohne Medikamente, kommt zu mir. Die Menschen werden geführt. Also lssen wir ihnen die Wahl. Beide Wege haben ihre Berechtigung und uns beide gäbe es nicht, wenn die Menschen nicht zwischen Yin und Yang wählen dürften.
Die Wahl zwischen den Diagnosen Zöliakie und oder Glutenintoleranz macht den Menschen nicht gesund. Der Gedanke an Verzicht = Mangel mcht ihn krank. meiden ist für mich das positive Schlüsselwort, die grundsätzliche Entscheidung zu einer gesünderen glutenfreien Ernährung, möglichst ohne Glyphosat und aus biologischer Landwirtschaft.

#31 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

lieber Herr kollege Bolland,
Neid ist bei mir nicht im Spiel, eher Bedauern.Bedauern und Wut darüber, dass die kirre gemachten Patenten vor einer sauberen Diagnosestellung zu einer glutenfreien Ernährung wechseln und dann wieder die gastroenterologischen Vertragsärzte fragen, ob sie eine Zöliakie oder “nur” eine NCGS hätten. Vor einer Diagnostik wieder glutenhaltig essen wollen sie aber nicht. Sie verkennen leider, dass die Diagnostik zeitlich vor der Therapie erfolgen muss.
Da sie aber über mevidere und ganzimmun diagnostics für IgG 4 Labor sogar im Internet 20 % Webekostenerstattung anbieten und sich hier noch als einer der erfolgreichsten Betriebe Deutschlands brüsten,tun sie mir eigentlich nur noch Leid.

#30 |
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Dr. med. Axel Bolland
Dr. med. Axel Bolland

Lieber Herr Kollege Raabe,
“lassen” Sie sich ruhig auf Studien und Statistiken. Ich baue auf Erfahrung auf. Ich glaube nicht, dass Sie mir in diesem speziellen Fall folgen können. Sie können die Arbeit ruhig in der Presse zerreissen. Die Hauptsache ist, dass ich Menschen erreiche, die sich durch sowas nicht blenden lassen und es einfach ausprobieren. Ich will und brauche niemand zu überzeugen. Auch Sie nicht. Recherchieren Sie im Internet und Sie werden den Zusammenhang Non Hodgekin und Gluten auch bei anderen namhaften Kollegen finden. Sie mögen lieber mit chemotherapie behandeln. Sei es drum. jeder bekommt die Patienten, die zu ihm passen. Ich behandle zumindest komplementär naturheilkundlich.
Zu Wellness-Geschwafel! Ist da vielleicht Neid im Spiel. Wir gehören zu den erfolgreichsten Betrieben Deutschlands. Na, ds ist doch was, oder.

#29 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

Lieber Kollege Bolland,
ihr Buch macht mich neugierig. Auch Herr Davis hat als Kardiologe ohne fachspezifische Erfahrung mit seiner “Weizenwampe” viel Staub aufgewirbelt. Eine naturheipraktische Privatpraxis ist allerdings nicht die beste Referenz für ein Thema, das die betroffene Gruppe der laxen Zöliakiepatienten als Non Hodgekin-Risiko einstuft. Als endoskopierender Internist, Allergologe und selbst Betroffener werde ich aber vielleicht eine Rezension darüber schreiben. Wenn ich schon lese “glutenarm essen” bekomme ich die Krise. Vielleicht bekommen die Zöliakiepatienten dann auch nur ein bischen Krebs. Also wohl wieder nur Wellness-Geschwafel unter meizinischem Deckmäntelchen.

#28 |
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Heilpraktikerin

Herr Raabe, Patienteninfos (siehe Link), egal von wem, sind keine Grundlage für eine fachliche Diskussion.
Man kann immer Argumente für oder gegen finden, wenn man sucht.

Ich kenne die Info und auch den Hergang der Entscheidung gegen den Test durch die Allergologenvereinigung und den Inhalt des englischsprachigen Originalpapiers, auf welches sich diese Entscheidung gründet. Wenn Sie wirklich Interesse daran haben, dann lesen Sie bitte beide Papiere (englisches und deutsche Übersetzung) und urteilen danach …

Wenn erhöhte IgG-Antikörper, wie in der Patienteninfo beschrieben, normal beispielsweise bei “Viel Milch” sein sollen, warum habe dann beispielsweise ich selbst keine erhöhten IgG-Antikörper, andere Menschen hingegen schon? Auch ich esse und trinke viel, einschließlich Milch.
Warum helfen laut veröffentlichten Studien in PubMed die Eliminationsdiäten nach IgG einem signifikanten Anteil der Patienten mit Darmproblemen? Warum kann ich dieses in meiner Praxis immer wieder beoachten? Wenn es doch lt. Allergologen nicht so sein darf?

Die Studien sind für mich besser zur Evaluierung geeignet als eine Patienteninfo, die rechtfertigt, warum die teure Diagnostik nicht machen will.

Herr Raabe, ja, ich versuche Sie zu überzeugen. Gerade weil ich Sie und Ihre Antworten, insbesodere auch die zur Genetik, schätze. Vielleicht probieren Sie es irgendwann einfach mal aus für eigene Erfahrungen.
Ein Vorscreen (Pooltests) kostet übrigens nur ca. 27,- Euro. Nicht gleich hunderete von Euros für einen Test hinlegen, sondern nur, wenn es wirklich notwendig ist.

#27 |
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Dr. med. Axel Bolland
Dr. med. Axel Bolland

Ich habe in den Jahren 1998 – 2005 ein erstes Buch über Gluten geschrieben, das damals niemand interessierte. Man sprach damals schon von einer Modeerscheinung. Inzwischen habe ich ein neues Buch dazu geschrieben, das im Verlag Mediengruppe Oberfranken Fachverlage demnächst erscheinen wird. Titel voraussichtlich “Gluten”. 33 Jahre Erfahrung mit 10 tausenden Fastern bilden die Basis. Die weitüberwiegende Mehrheit hat sich durch Selbsterfahrung davon überzeugen können, dass sie gluten- und auch Kuhmilchkaseinfrei besser und gesünder leben. Laborwerte haben nur in begrenztem Fall den Verdacht der Glutenintoleranz bestätigt. Das Fasten war im Ergebnis effektiver.
Ich subsummiere der Einfachheit halber für meine Patienten alles unter dem Thema Glutenintoleranz. Wie viel sie lassen müssen erfahren sie selbst. Die Mehrheit isst glutenarm. Ich empfehle immer Rückbesinnung an die Zeit vor 1960. Brot und Milch waren qualitativ wesentlich besser.

#26 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

man kann Anbietern glauben, die damit Geschäfte machen, oder sich auf die Leitlinien der Evidenz basierten Medizin verlassen. zB:
http://www.allergologenverband-brandenburg.de/index.php?option=com_content&view=article&id=35:allergologenverbaende-warnen-vor-unserioesem-test-auf-igg&catid=8&Itemid=104
und Glauben hilft gar nicht. Da sollte man in die Kirche gehen

#25 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Wenn die Gluten-Krank-Patienten jung sind, keine Medikamente einnehmen und viel Glutenreiches essen, will ich gern glauben, was im Artikel zu lesen ist, sonst würde ich erst einmal die im Laufe eines Lebens einzunehmenden Medikamente überprüfen.
Klaus Fischer, Kelkheim

#24 |
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Doris Hofheinz
Doris Hofheinz

Sofern die Kritik an IgG-Bestimmungen – ich meine hier 1 – 4 – aufgrund eigener Erfahrung bei Patienten beruhen, lasse ich dies stehen – o. k.
Leider erlebe ich meist Kritik, die sich auf KEINE eigenen ehandlungserfahrungen beruhen. Es wird weitergesagt, was man gehört hat, was publiziert wurde.
Diesen Therapeuten, egal od Arzt oder Hp, möchte ich empfehlen, sich mal darauf einzulassen, selbst zu prüfen, ob das, was so vermittelt und behauptet wird auch von der Praxis bestätigt wird.
Ich selbst erlebe so manches “Wunder”durch Eliminationsdiät – diese eigene Erfahrung, das Wohlergehen von Patienten kann mir niemand nehmen.
Übrigens kann man Laborwerte auch kontrollieren – da kommt es dann zum Schwur.

#23 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

ok, unter sreenen verstehe ich die Reihenuntersuchung quer durch die Bevölkerung so wie bei der PKU. Da ist das gut und sinnvoll. Beim HLA DQ2 und DQ8 kann ich nur die Anlage zur CD mit Risikobestimmung 1/3 zu 2/3 differenzieren mehr nicht. Das ist dann bei (noch) beschwerdefreien Kindern von CD-Patienten und sich glutenfrei sich Ernährenden wie Lady Gaga uU. sinnvoll, weil die CD Diagnostik (noch) nicht greift oder durch eine vorzeitige gf Ernährung verbaut wurde. Das ist es auch was gg den K#16 spricht: Keine einfache Unterscheidung mehr zwischen CD und NCGS und damit Risikoabschätzung für Non Hodgkin Lymphom bei Diätfehlern etc.

#22 |
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Gast
Gast
#21 |
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Gast
Gast
#20 |
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Gast
Gast

Wie Julia Bergis halte ich auch die gentechnisch veränderten Weizensorten verantwortlich für die Zunahme der Unverträglichkeiten. Man sollte lieber auf Biobrot zurückgreifen oder auf “alte Getreidesorten” ausweichen. Wenn sich insbesondere Patienten mit Autoimmunkrankeiten ohne Weizenverzehr besser fühlen, sollte man dies akzeptieren und nicht als Spinnerei oder Modewelle abtun. Ich bin mir sicher, daß die Wissernschaft die passende Erklärung für die (bisher Zöliakie-Ak -seronegativen) Symptome, noch in naher Zukunft liefern wird. Ein Beispiel für das verspätetet Verstehen eines Autoimmungeschehen mit chronischer Urtikaria und “Histaminunverträglichkeit” (=ein Begriff, der leider immernoch umstritten ist) ist z.B. auch die Tatasache, daß TPO-Ak bei Hashimoto selbst an Mastzellen binden können und eine Pseudoallergie mit Urtikaria auslösen können. Mit der klassischen leitliniengerechten Diagnostik ist man hier auch nie weiter gekommen, bis es nun mal erforscht wurde. Der einzige Weg scheint die Senkung der TPO-Titer durch konsequenten Seleneinnahme (200µg/d) zu sein.

Es dauert leider sehr lange bis in der Medizin erforschtes Wissen für allle gleichermaßen in Lehrbüchern und natürlich auch in Leitlinien verankert wird. Kollege die die entsprechenden Fortbildungen nicht besuchen, bleiben leider auf dem “alten” Stand.

#19 |
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Dr. Heike Freese
Dr. Heike Freese

Das war missverständlich ausgedrückt: ich meinte die serologische Diagnostik als ersten Baustein der Diagnosefindung. Und diese ist inzwischen einfach und über jedes Standardlabor verfügbar. Natürlich bestehen bereits Leitlinien, aber sie müssten halt gelesen werden……Und eine Abweichung sollte eigentlich begründet werden….Bei uns im Raum betreiben ein solches “Screening” allenfalls die endokrinologischen Praxen. Eine Transaminasenerhöhung zieht eine umfangreiche Hepatitisdiagnostik nach sich, aber Zöliakie in den seltensten Fällen.
Im Übrigen bleibe ich bei der schlechten Bewertung der journalistischen Aufarbeitung mit falschen Zahlen…..

#18 |
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Gast
Gast

es lohnt sich,wenn man Probleme mit dem Darm hat,es einfach auszuprobieren.
Zwei Monate komplett auf Weizen und Getreide verzichten und dann mal drei Tage frische Baguette zum Frühstück.Was passiert dann?Dazu muss man keinen Arzt konsultieren denn das weiss man dann ziemlich schnell,was gut für einen selber ist.Allerdings muss man dann auch keine Glutenfreien Brote verzehren.Das ist doch quatsch.Wenn ich das nicht vertrage dann ess ich eben andere Sachen.Wenn ich keine gebratenen und frittierten Produkte vertrage,weil ich Probleme mit dem Darm habe,dann lass ich das ebenfalls sein.
So jedenfalls kann man sehr gut weiterkommen.

#17 |
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Heilpraktikerin

Herr Raabe,
soweit mir bekannt, dürfen Sie als Arzt den Genscreen rechtlich durchführen, wenn der Patient zustimmt. Ich finde ihn insofern sinnvoll, als Patienten ohne die entsprechende genetische Disposition praktisch keine Zöliakie bekommen können. Glutensensitiv können sie aber dennoch sein.
Nicht jeder HLA DQ2-Träger bekommt Zöliakie, sondern nur ein kleiner Teil. Sie haben recht, wenn Sie die genetische Testung deshalb sehr gut abwägen. Sie ist eher ein Ausschlusshilfsmittel als ein Diagnosemittel bzw. nur Ergänzung.

Welche jur, Bedenken haben Sie?

#16 |
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Heilpraktikerin

Sehr geehrter Herr Raabe,
wie Sie diese Testts ansehen, ist völlig irrelevant. Hier etwas zur Studienlage, weit entfernt von komplett.
Wenn Sie mit Ihrem Zusatzbudget den Patienten damit nicht helfen wollen, kommen sie weiter zu mir ;-) Ich habe damit ausgezeichnete Erfahrungen seit vielen Jahren. Mir auch recht, wenn Sie Ihren Job für Ihre Patienten machen, der ebenfalls ein guter ist.
Vielleicht schauen Sie sich das doch mal an, Sie waren ja immerhin willens, mir wenigstens zu antworten.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15361495
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1774883/
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15984980
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17229899
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23216231
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25842400
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22825366
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22429360

#15 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

zu K#13
Es gibt keinen Zeitpunkt zum screenen.Die homozygoten HLA DQ2 Genträger mit dem höchsten Risiko haben im Alter von unter 2 Jahren erst zu unter 1% Zöliakie. Die kumulative Inzidenz bis zum 5. Lebensjahr steigt dann auf fast 30 %. Ich könnte also nur ein Gensreen machen. Das ist juristisch aber nicht möglich
Aber die Schweden sind für mich auch Vorbild mit ihrer Zöliakie-Histologie-Datenbank. Erhöhte Transaminasen oder andere Autoimmunerkrankungen sind aber nach den guidelines auch bei uns heute Indikation zur Diagnostik. Die S2k-Leitlinie muss bloß einer mal lesen.

#14 |
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Gast
Gast

Anzumerken bleibt, dass die angegebene Prävalenz der Zöliakie keineswegs der tatsächlichen entspricht. Die angegebenen Zahlen sind veraltet. Die Zöliakie gehört in Deutschland immer noch zu den arg unterdiagnostizierten Krankheiten, da sie weder von der Pharmaindustrie beworben noch aktuell auf breiter Front erforscht wird. In der breiten Ärzteschaft dominiert leider noch immer die irrige Meinung, es handele sich ausschließlich um unterernährte Kinder mit Diarrhoe. Dies entspricht zwar mitnichten den Tatsachen, hält sich aber hartnäckig. Ein Screening auf Zöliakie findet in Deutschland in der Regel weder bei erwachsenen Patienten mit Diabetes Typ 1, Autoimmunthyreoditis, rheumatischen Erkrankungen noch bei Anämien unklarer Genese statt. Ganz zu schweigen von Fatigue oder gar psychischen Erkrankungen. Die Zeiträume von zu Arztkontakten führender Symptomatik bis zur Diagnosestellung beträgt auch in unserem Land häufig mehrere Jahre, obwohl ein Laborscreening so einfach wäre. Verglichen mit anderen Ländern (allen voran Italien und Schweden) sind wir in diesem Punkt Entwicklungsland.
Im übrigen wird in aktuelleren Publikationen allein die Prävalenz im Kindes-und Jugendalter mit 0,9% angegeben.(vergl. Dtsch Arztebl Int. 2015 Aug 17;112(33-34):553-60. The prevalence of celiac disease in children and adolescents in Germany.
Bei der Annahme einer Zunahme durch Krankheitsentwicklung in höherem Alter kommt man mit einer Schätzung sicher auf über 1%.
Artikel, die hier mit veralteten Zahlen daherkommen, bringen die Betroffenen nicht weiter, sondern verhindern eine Verbreitung neuerer Kenntnisse.
Froh sein kann man über die (Mode-)Erscheinung der Glutensensitivität, da sie die Zöliakie wieder etwas in die Aufmerksamkeit der Kollegen bringt!

#13 |
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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

liebe Eva Li, dann haben sie falsch verhandelt, mir als Vertragsarzt mit KV-Zusatzbudget Allergologie hat man in dem Bewußtsein der Kenntnis, dass ich das IgG bei Nahrungmittel als Verfechter der EBM und Mitglied des Allergologenverbandes als schwachsinnig ansehe den Test zur Abrechnung von IGeL ausdrücklich angeboten. Wer das als aprobierter Arzt !! macht, ist für mich ein Betrüger. HP und Gurus ohne Approbation können natürlich machen, was sie wollen. Das ist keine Diffamierung sondern EBM. Ich habe auch nichts gegen Gesundbeter und Pastoren. Jeder bekommt seine Klientel, die er verdient

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Bernd Michael Botterbrodt
Bernd Michael Botterbrodt

Ich frage mich gerade: Habe ich jetzt eine psychosomatische oder symptomatische Allergie gegen “bellende” Heilpraktiker?

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Heilpraktikerin

Zur Information an R. Raabe:
Sie bewegen sich nahe an einer Diffamierung.
Als HP habe ich kein finanzielles Interesse, einen Labortest auf IgG zu machen. Dabei kommt nämlich kein Cent rüber, nur Aufwand! Haben Sie das gewußt?
Im Gegenteil, für den Anteil am Budget des Patienten, das für die Labordiagnostik drauf geht, kann ich ihn nicht mehr slbst behandeln.
Darüber sollten Sie einmal nachdenken, bevor Sie etwas oder jemanden schlecht reden. Beschäftigen Sie sich bitte mit der Studienlage, bevor Sie etwas Derartiges behaupten. Ich kann PubMed hier sehr empfehlen.
Fachlicher Austausch wäre für alle Beteiligten hilfreicher.

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Heilpraktikerin

Glutensensitivität erst nach Ausschluss anderer Diagnosen, z.B. Reizdarm?
Reizdarm ist bereits eine Ausschlussdiagnose, die besagt, dass keine andere Diagnose möglich ist.

Weiter kommt man, wenn wirklich erst auch Antikörper auf glutenhaltige Getreide als IgG, IgG4 und LTT ausgeschlossen werden. Es gibt eine ausreichend positive Studienlage zu dieser Antikörperdiagnostik.
Auch gibt es Anti-Gliadin-sIgA. Bei Patienten mit erhöten Werten bringt der Verzicht auf Gluten deutliche Verbesserung des Befindens.

Schwierig wird es, weil durchaus nur eine der Antikörperarten erhöht sein kann und man zum Ausschluss der Glutensensitivität erst einmal alle getestet haben muss. Dazu sind diese Tests reine Privatleistungen, da sie von den GKV nicht erstattet werden.
Solange das so ist, wird das Thema Glutensensitivität immer ein kontroverses Diskussionsthema sein.

Anders herum rate ich nicht zum Verzicht auf Gluten, wenn all diese Tests kein Ergebnis gebracht haben.

Vielleicht ist es eine Anregung, diese Tests stufendiagnostisch doch mal in Erwägung zu ziehen? Ich habe damit sehr gute Erfahrung gemacht.

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R.Raabe, Internist ZB:Allergologie
R.Raabe, Internist ZB:Allergologie

Für die Betroffenen hat sich vieles positiv duch die Lebensmittelinformastionsverordnung vom 13.12.14 in der Umsetzung verbessert. In der Diagnostik liegt bei den Gurus und HP noch vieles im argen bes duch die so beliebte “Gelddruckmaschine” IgG-Test, die nur falsch neg. Fehlinformationen liefert. Die Ärzteschaft ist nicht informiert ua. deshalb, weil es mit Ausnahmen von Falk keine pharma-unterstützte kulinarisch interessante Fortbildung gibt, es sei denn der Kollege ist DZG-Mitglied. Erst wenn sich der Algorithmus der Diagnostik und der gesonderte ICD-Code K90.41 für die NCGS, besser NCWS durchgesetz hat, wird sich auch auf ärztlicher Seite einiges bessern

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Quellenangaben? Wissenschaftlicher Nachweis der “Glutensensitivität”?

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Julia Bergis
Julia Bergis

Mein Mann hat eine echte, histologisch bewiesene Zöliakie, die erst im Alter von 33 Jahren von uns selbst diagnostiziert wurde. Selbst der OA der die Gastroskopie durchführte meinte etwas belustigt, die Duodenalschleimhaut sehe doch normal aus. In der Histologie zeigte sich dann MARSH 3.
Notgedrungen beschäftige ich mich seither intensiv mit dem Thema und koche auch glutenfrei (was kein Problem ist). Meiner Meinung nach ist die Zunahme der Weizen/Glutenassoziierten Erkrankungen einmal in der größeren Aufmerksamkeit auf dieses Gebiet, andererseits aber auch durch die seit Jahrzehnten angestiegene Glutenmenge pro Weizenkorn (hat sich vervielfacht durch Züchtung, da positiv für Backeigenschaften) zu finden. Zudem ist den meisten Backwaren noch reines Gluten zugesetzt zur besseren Backbarkeit. Kein Wunder dass bei solch einem Zuviel Unverträglichkeiten zunehmen.

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Gast
Gast

“Doch für wen macht eine Eliminationsdiät wirklich Sinn?”
Das ist ein Anglizismus. Richtig ist HAT Sinn (Sinn haben) im Deutschen.
Muss ja nicht falsch im Header stehen (kleiner Scherz).

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Petra Ostermeier
Petra Ostermeier

Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Auch in meiner Praxis kommt immer wieder die Frage nach Glutenintoleranz. Ich bin allerdings mittlerweile überzeugt, dass es weniger der Weizen oder das Gluten an sich ist, meiner Meinung nach sind der verstärkte Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel und billig eingekaufte Mehle, Backmischungen usw. ebenfalls mit Schuld an Unverträglichkeiten. Doch so lange die Menschen immer weniger für die Lebensmittel bezahlen wollen und SB-Backhäuser mit Billigprodukten werben, wird die Situation mit allergischen Reaktionen im Verdauungsapparat m. E. nicht weniger werden.

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Dr Holger Fehr
Dr Holger Fehr

Problematisch ist der Nachweis von tTG- und Gliadin-IgA bei Patienten, die schon länger eine glutenfreie Diät einhalten.
Eine relativ schonende Möglichkeit zum Nachweis einer Zöliakie ist dann eine kurze dreitägige Provokationsphase mit Nachweis Gliadin-spezifischer T-Zellen mittels FACS oder ELISPOT (u.A. Picascia et al, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26633487) an Tag 6.
Allerdings ist meines Wissens nach noch kein kommerzieller Test hierfür verfügbar.

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Heilpraktiker

Weizen hat während der Industriealisierung viele andere wertvolle Getreidesorten verdrängt. Vielleicht kommen durch die Abneigung gegen billige Weißmehlprodukte nun wieder mehr ältere Sorten in den Vordergrund. Einseitige Ernährung war noch nie gut und tu der Landwirtschaft auch nicht gut.

Sowohl die Bestimmung von spezifischem IgE als auch der Haut-Pricktest
gegen Weizen halte ich für eine recht sinnlose Maßnahme da die diese Test´s fast immer falsch negativ / falsch positiv sind.
Übrigens spielt es in vielen Fällen keine große Rolle ob es sich um eine labortechnisch nachgewiesene oder eine psychosomatische Allergie /Unverträglichkeit.. handelt.

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Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

Eine Hexenjagt gegenüber dem Weizen ist sicherlich nicht zielführend, da der Weizen wie beschreiben, durchaus positive Eigenschaften hat. Gleiches gilt meiner Ansicht nach für den “Glutenverzicht für alle”: Meiner Meinung nach ist wäre dies alles andere als eine gute Idee. Allerdings kann ein konsequenter Gutenverzicht beim Typ 1 Diabetes, positive Auswirkungen auf den Blutzucker haben, sofern hier das Gluten als Auslöser des Problems identifiziert worden ist. Die Hexenjagt gegenüber dem Gluten hat aber auch folgende Vor- und Nachteile: Das Angebot an “glutenfreien” Lebensmitteln ist stark angestiegen, sodass die Beschaffung leichter ist. Gleichzeitig sind die Preise für diese Lebensmittel etwas gefallen. Ebenso gleichzeitig sind die Toleranzwerte gestiegen: 0,02% Gluten in Lebensmitteln, gelten als “glutenfrei”. Wer komplett auf Gluten verzichten muss – auch wenn es nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung ist – hat Nachteile, weil sehr viele “glutenfreie” Lebensmittel, nicht wirklich glutenfrei sind.

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