Gibbon-Leukämievirus: Genomrätsel gelöst

17. Februar 2016
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Bei der Entschlüsselung des kompletten Erbguts aller fünf bekannten Stämme des Gibbon-Affen-Leukämievirus (GALV) zeigte sich, dass Teile der Virengenome durch Selektion geformt wurden. Dies geschah vermutlich in Folge des Selektionsdrucks durch das Immunsystem der Wirte.

Die Gibbon Affen Leukämieviren (GALVs) gehören aufgrund ihrer Verwendung im Gentransfer und in der Gentherapie von Krebs zu den wichtigsten retrovirale Vektoren. Doch trotz ihrer herausragenden biomedizinischen Bedeutung blieb die Bestimmung der gesamten Genome von allen fünf identifizierten Stämmen bis jetzt unaufgeklärt. Auch die Evolutionsgeschichte wurde erst jetzt beschrieben. Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung haben das Erbgut aller fünf bekannten GALV-Stämme vollständig entschlüsselt. Dabei kamen die Methoden der gezielten Anreicherung von DNA und die Hoch-Durchsatz-Sequenzierung zum Einsatz.

Selektionsdruck zwingt Viren zur Anpassung

Bisher wurden GALVs nur von in Gefangenschaft lebenden Primaten, in erster Linie Gibbon Affen isoliert. Und dass, obwohl man stark annimmt, dass sich der ursprüngliche Wirt unter den Nagetieren oder Fledermäusen befindet. Die Erforschung der Stammesgeschichte anhand einer neu erzeugten Genomsequenz der GALVs ergab, dass vier der von Gibbons isolierten Virenstämme in enger Verwandtschaft zum Wollaffenvirus stehen. Der Wollaffenvirus stammt wahrscheinlich von einem Gibbon.

Insgesamt bilden die GALVs eine Schwestergruppe der bekannten Koala-Retroviren (KoRVs). Die ausführliche Untersuchung der Evolutionsgeschichte von GALV ergab, dass GALV und KoRV einen selektiven Druck auf Proteine des Wirtes ausüben. Dies lässt vermuten, dass das Immunsystem des Wirtes die Viren zwingt sich anzupassen. Interessant ist, dass diese Selektionsdrücke besonders bei krankheitsauslösenden Viren auftreten. Dabei handelt es sich um onkogene GALV-Stämme und um exogene KoRV-Stämme. GALV gehört zu der großen Gruppe der krankheitserregenden Gammaretroviren, die in verschiedenen australischen Säugetieren vorkommen. Mit GALV verwandte Viren werden regelmäßig in anderen Wildtierarten wie Nagern und Fledermäusen entdeckt. Das Verständnis um die Diversität und Evolution der krankheitserregenden Viren ist von entscheidender Bedeutung. Nur mithilfe der Erkenntnisse um die Entstehung und Ausbreitung solcher Viren ist eine erfolgreiche Bekämpfung möglich.

Originalpublikation:

Episodic diversifying selection shaped the genomes of gibbon ape leukemia virus and related gammaretroviruses.
Niccolò Alfano et al.; Journal of Virology, doi: 10.1128/JVI.02745-15; 2015

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1 Kommentar:

Thomas Krekel
Thomas Krekel

Diversität und Evolution, jo may, gibt’s die da auch noch. Da sinn mei doch wieder mool a stückle weiter, net wor, oder doch net????!!!

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