Arzneitransport: Nanopartikel auf der Goldwaage

26. Februar 2016
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Nanopartikel neigen zu Verklumpungen, wenn sie sich einander nähern. Bleiben sie jedoch allein oder bilden kleine Anhäufungen, so eignen sie sich als Medikamententransporter. Das Konzentrationsverhältnis von Gold-Nanopartikeln und Hämoglobin ist dafür ausschlaggebend.

Wissenschaftler des Leibniz-Institut für Neue Materialien ( INM) fanden heraus, dass das Protein Hämoglobin das Zusammenklumpen einzelner Gold-Nanopartikel beeinflusst. Wenn sich Nanopartikel einander nähern und anziehen, werden daraus entweder große Flocken, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind, oder jedes Nanopartikel bleibt für sich alleine. Das war bisher die Meinung der Forscher – ganz oder gar nicht. Dass dies nicht die einzigen Möglichkeiten sind, zeigten die Forscher: Sie entdeckten, dass auch ein Zwischenzustand möglich ist – Nanopartikel, die sich zu mikroskopisch kleinen, nicht sichtbaren Anhäufungen zusammenlagerten.

Verklumpungsgefahr bei Medikamententransport

„Gerade für die Medizin sind diese Ergebnisse interessant“, meint Tobias Kraus, Physikochemiker am INM. Nanopartikel würden heute zum Beispiel verwendet, um Medikamente zielgenau an ihren Wirkungsort zu bringen. „Dies ist nur möglich, wenn die Partikel nicht verklumpen, auch nicht zu mikroskopisch kleinen Partikeln. Nur dann können sie sich zum Beispiel durch die feinen Verästelungen der Blutgefäße bewegen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass besondere Vorsicht geboten ist, da theoretisch verklumpte Nanopartikel vorliegen können, obwohl man es nicht sieht “, sagt Kraus.

In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass das Konzentrationsverhältnis von Gold-Nanopartikeln und Hämoglobin ausschlaggebend dafür ist, ob große Flocken oder mikroskopisch winzige Anhäufungen entstehen. In Mischungen mit hohen Konzentrationen an Nanopartikeln und wenig Hämoglobin sowie in Mischungen mit sehr wenigen Partikeln und viel Hämoglobin entstanden mikroskopisch winzige Verklumpungen. Bei anderen Konzentrationsverhältnissen verklumpten die Partikel komplett und bildeten sichtbare, dunkle Flocken. Für ihre mikroskopischen Untersuchungen nutzen die Wissenschaftler Licht, Röntgenstrahlen und Elektronen. Damit konnten sie sowohl die Struktur der mikroskopisch winzigen Klumpen, als auch die Struktur der großen Flocken aufzeigen.

Originalpublikation:

Formation mechanism for stable hybrid clusters of proteins and nanoparticles
Sebastian T. Moerz et al.; ACS NANO, doi: 10.1021/acsnano.5b01043; 2015

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