Quecksilber: Fisch mit Füllung

19. Februar 2016
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Wer häufig Seefisch verspeist, nimmt viel Quecksilber auf. Trotzdem verringert sich das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen, berichten Wissenschaftler. Ihre Studie wirft jedoch etliche Fragen auf. Empfehlungen lassen sich nicht ableiten.

In den letzten Jahrzehnten haben sich unzählige Labors weltzweit mit Omega-3-Fettsäuren befasst. Die Datenbank PubMed listet knapp 22.000 Veröffentlichungen. Viele Papers gehen der Frage nach, welche Auswirkungen der regelmäßige Verzehr von Thunfisch, Krebsen oder Hummer auf unseren Körper hat. Konsumenten nehmen nicht nur ungesättigte Fettsäuren, sondern auch größere Quecksilbermengen auf. Es handelt sich vor allem um organische Derivate wie Methylquecksilber. Diese entstehen aus anorganischen Quecksilbersalzen und reichern sich in der Nahrungskette an. In Fischen liegt Methylquecksilber als Komplex mit der Aminosäure Cystein vor. Jetzt wollte Martha Clare Morris vom Rush University Medical Center in Chicago wissen, ob Menschen von Meeresfrüchten langfristig profitieren – oder mit negativen Folgen zu rechnen haben.

Gehirne sagen die Wahrheit

Morris wählte das Memory and Aging Project als Basis. Senioren werden dabei bis zu ihrem Tode begleitet. Postum untersuchen Wissenschaftler deren Gehirne. Daten zum Fischkonsum erfassten sie über Fragebögen. Wenig überraschend: Wer häufiger Meeresfrüchte verspeiste, hatte mehr Quecksilber im Gehirn. Zu neurologischen Schäden führte das Schwermetall aber nicht. Demgegenüber standen mehrere wünschenswerte Effekte. Der Konsum von Fisch war mit weniger Beta-Amyloid– und Tau-Proteinen assoziiert, zwei Markern für Morbus Alzheimer. Demenzen anderen Ursprungs fand Moris auch seltener. Als Indikator wählte sie Makro- und Mikroinfarkte.

Fragen über Fragen

Bleibt als Fazit: Die Veröffentlichung liefert Anhaltspunkte für weitere Arbeiten. So profitierten nur Menschen mit dem Risikogen ApoE4 von Fischmahlzeiten. Supplemente zeigten zumindest in der Studie keinen besonderen Effekt. Ab welcher Quecksilberkonzentration der Schaden vielleicht doch überwiegt, bleibt offen. Genaue Anhaltspunkte könnten prospektive, randomisierte Studien liefern.

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Forschung, Pharmazie

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