Nährwertangaben: Kalorien in der Mogelpackung

15. Februar 2016
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Viele Verbraucher orientieren sich beim Kauf von Lebensmitteln an der Kalorienmenge. Dass die Portionsgröße auf der Packung varriiert, wissen die Wenigsten. Der Trick funktioniert: Kunden greifen unabhängig von der Portionsangabe zum Produkt mit der geringsten Kalorienangabe.

Käufer achten bei der Wahl von Lebensmitteln zunehmend auf Nährwerte wie Kalorien, Zucker oder Fett. Im Gegensatz zur vorgeschriebenen Nährwerttabelle auf der Rückseite der Packung kann der Hersteller bei den freiwilligen Angaben auf der Vorderseite des Produkts die Portionsgröße als Basis für Nährwertangaben variieren – je kleiner die Portion, umso geringer beispielsweise die dort angegebene Kalorienzahl. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun herausgefunden, dass Produkte, die an der Stelle kleinere Portionsgrößen verwenden, verstärkt gekauft werden.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von mehr als 1.500 Supermärkten in Großbritannien über einen Zeitraum von zwei Jahren aus. Während dieser Zeit führte der Händler eine freiwillige Nährwertangabe auf der Vorderseite der Produkte ein. Aus der Analyse der Konsumentenforscher geht hervor: Je niedriger die Angabe der Portionsgröße als Basis für Nährwertangaben, desto größer der Anstieg des Absatzvolumens nach der Einführung der Kennzeichnung. „Viele Konsumenten bewerten ein Produkt offenbar ausschließlich nach der angegebenen Kalorienzahl oder anderen Nährwerten und ignorieren dabei die Vergleichsbasis pro Portion“, erläutert der Leiter der Studie, Dr. Ossama Elshiewy. Nach Ansicht der Wissenschaftler dienen diese Angaben weniger der Aufklärung, sondern vielmehr der Vermarktung der Produkte.

Nährwertangaben als Instrument des Lebensmittelmarketings

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass kleinere Portionsangaben die Verbraucher, die Nährwertinformationen als Richtlinie nutzen, in die Irre führen können und somit für diese Gruppe eine Gefahr in Bezug auf ihre Ernährungsgewohnheiten darstellen“, so Dr. Elshiewy. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass die kleineren Portionsangaben tendenziell eher bei ungesünderen Produkten auftreten. Sie fordern deshalb eine Standardisierung bei der Angabe dieser Portionsgrößen.

Darüber hinaus soll die Forschung den Unterschied zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Nährwertangaben und Nährwertangaben als Instrument des Lebensmittelmarketing künftig stärker berücksichtigen. „Insbesondere Kennzeichen auf freiwilliger Basis können zur bewussten Manipulation der wahrgenommenen Kalorienmenge eingesetzt werden und sollten daher nicht mit verpflichtenden Nährwertangaben verwechselt werden“, so Dr. Elshiewy.

Originalpublikation:

Seduced by the Label: How the Recommended Serving Size on Nutrition Labels Affects Food Sales
Ossama Elshiewy et al.; Journal of the Association for Consumer Research, doi: 10.1086/684286; 2016

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3 Kommentare:

Dr. med. vet. Susanne Kaul
Dr. med. vet. Susanne Kaul

“Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die kleinieren Portionsangaben tendenziell eher bei ungesünderen Produkten auftreten”

Was noch fehlt ist der Hinweis, das diese Portionsangaben oft unrealistisch, ja gerade zu lächerlich klein sind. Ich könnte mich regelmäßig darüber schlapp lachen – wenn es nicht so traurig wäre.

Anstatt also zu versuchen, die Verbraucher aufzuklären immer Vergleichsgrößen pro 100 g/ ml/ etc zur Orientierung zu verwenden, was ohnehin nicht funktioniert, sollte man diese Werte pro Portion schlicht verbieten so der der Verbraucher auf die verpflichtenden Nährwertangaben schauen muss.

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Verbrecher!

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Dr. rer. nat. Frank Werner
Dr. rer. nat. Frank Werner

Soviel zur Erziehung der Kinder zu “Kompetenzen” anstelle zu Schreiben, Lesen und Rechnen

#1 |
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