Erkältungssaison: Prophylaxe-Abstieg für Vitamin C

16. Februar 2016
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Statistisch betrachtet bekommen wir in unserem Leben 200 Erkältungen. Rhinoviren schützen sich trickreich gegen jegliche Prophylaxe- und Therapiemaßnahmen. Der Klassiker zur Vorbeugung ist Ascorbinsäure. Was sagt die evidenzbasierte Datenlage? Top oder Flop?

Ascorbinsäure hat im Körper viele Aufgaben. Es agiert als Antioxidans, hilft bei der Kollagenbildung für Sehnen und Gelenkkapseln, regeneriert Vitamin E, fördert die Eisenaufnahme und verhindert die Eisenoxidation, hemmt die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen aus Nitrit und Aminen im Magen. Es wirkt als Gefäßschutz, beeinflusst Stickstoffmonoxid und reguliert den Glukosestoffwechsel.

Bei leichten Defiziten (Vitamin-C-Plasmakonzentrationen um 20 µmol/l) kommt es zu unspezifischen Frühsymptomen wie verminderter körperliche Leistungsfähigkeit, erhöhter Erschöpfung und Reizbarkeit. Plasmakonzentrationen unter 10 µmol/l (0,17 mg/dl) gelten als manifester Vitamin-C-Mangelzustand. Die Folge sind Schleimhaut- und Hautblutungen und das Vollbild eines Skorbuts.

Mangelzustand ist selten

Obwohl zur Verhinderung von Skorbut eine tägliche Vitamin-C-Aufnahme von 10 mg ausreichend erscheint, liegt die empfohlene Zufuhr deutlich höher. „Die empfohlene Zufuhr für Vitamin C ist bei uns leicht über die Ernährung realisierbar“, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Nach den Daten der Nationalen Verzehrstudie II erreichen oder überschreiten in Deutschland alle Altersgruppen die empfohlene Zufuhr.

In Anlehnung an das Vorgehen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurden die Referenzwerte für die Vitamin-C-Zufuhr im Jahr 2015 überarbeitet. Dadurch haben sich die Referenzwerte für Säuglinge, Kinder und Jugendliche und geringfügig auch die für Erwachsene geändert.

  • Für Säuglinge wurde ein neuer Schätzwert von 20 mg Vitamin C pro Tag statt vorher 50–55 mg pro Tag festgelegt.
  • Der Referenzwert für Stillende beträgt nicht mehr 150 mg Vitamin am Tag, sondern 125 mg.
  • Auch für Kinder und Jugendliche haben sich niedrigere Werte ergeben.
  • Statt der für Männer und Frauen früher gleichermaßen geltenden empfohlenen Zufuhr von 100 mg Vitamin C pro Tag erhöhte sich der Referenzwert für Männer auf 110 mg, für Frauen reduzierte er sich auf 95 mg.
  • Für Raucherinnen und Raucher wird eine empfohlene Zufuhr von 135 mg für Frauen und 155 mg für Männer pro Tag angegeben.

Der entscheidende Faktor für die Geschlechtsunterschiede in der Metabolisation von Vitamin C ist das Körpergewicht. Daher wird der Vitamin-C-Bedarf der Frauen anhand des Bedarfs der Männer und in Bezug zum Körpergewicht abgeleitet. Raucher haben höhere Stoffwechselverluste und niedrigere Vitamin-C-Konzentrationen im Blut als Nichtraucher. Ihr Umsatz an Vitamin C ist um 40 Prozent höher als bei Nichtrauchern.

Unter hohen Dosen kann die Niere leiden

In den meisten Fällen ist es nicht sinnvoll, Ascorbinsäure in Mengen über 1–1,5 g als Einzeldosis einzunehmen. Mit der steigenden verabreichten Vitamin-C-Menge sinkt die Resorptionsrate. Es kommt zu einer Herunterregulation der Transportproteine in den Epithelzellen des oberen Dünndarms. Bei der Nahrungsaufnahme beziehungsweise Einnahme von Ascorbinsäure werden bis 180 mg/Tag zwischen 80–90 % resorbiert, bei einer Dosis von 1 g/Tag etwa 65–75 %. Bei 3 g/Tag sinkt die Resorptionsquote auf etwa 40 % ab.

Nicht resorbiertes Vitamin C wird von der Dickdarmflora hauptsächlich zu Kohlendioxid und organischen Säuren abgebaut. Große Vitamin-C-Dosen können deshalb Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Bauchschmerzen auslösen. Auch die Begünstigung von Nierensteinen (Oxalatsteine) ist möglich. Bei Präparaten, die ihre Wirkstoffmenge verzögert abgeben, sogenannte Retard- oder Depotzubereitungen, ist die Resorption zuverlässiger. Auch wenn der Ascorbinsäurespiegel im Serum bei hohen Dosen nur kurzfristig ansteigt, kommt es in den Leukozyten zu einer deutlichen Ascorbat-Anreicherung. Bei der intravenösen Gabe lassen sich erheblich größere Spiegel im Plasma messen.

Männer, die hoch dosiertes Vitamin C einnehmen, entwickeln doppelt so häufig Nierenkonkremente wie Männer, die keinerlei Vitaminpräparate nahmen. Vitamin C wird renal ausgeschieden, teilweise als Oxalat. In diesem Zusammenhang wurde immer wieder vor der Gefahr von Nierensteinen bei hohen Dosen Vitamin C gewarnt. In einer schwedischen Studie von Thomas et al. wurden 23.355 schwedische Männer im Alter zwischen 45 und 79 Jahren prospektiv elf Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit entwickelten 31 von 907 Männern (3,4 Prozent), die Vitamin C einnahmen, erstmals Nierensteine. Bei den 22.488 Männern, die keinerlei Vitaminpräparate schluckten, gab es 405 solcher Diagnosen (2,0 Prozent). Auch wenn der Einfluss von Alter, BMI und diversen Nahrungsbestandteilen berücksichtigt wurde, ergab sich für die Anwendung von Vitamin C (1 g/d) nahezu eine Verdoppelung des Risikos für Nierensteine (relatives Risiko 1,92). Dieses Risiko war dosisabhängig.

Bei Anwendern hoch dosierter Vitamin-C-Präparate sind demnach pro 100.000 Personenjahre 147 erstmalige Nierensteindiagnosen zusätzlich zu erwarten. Das entspricht einer Neudiagnose pro 680 Anwender und Jahr. Die Studienautoren von Karolinska-Institut in Stockholm weisen allerdings darauf hin, dass der Risikoanstieg nicht notwendig auch für Frauen gilt, da sie generell seltener Nierensteine entwickeln als Männer. „Derzeit ist kein Nutzen von hochdosiertem Vitamin C belegt. Daher erscheint es vernünftig, Patienten dahingehend zu beraten, dass sie auf solche Hochdosispräparate verzichten, ganz besonders dann, wenn sie schon einmal Nierensteine hatten.“

Das entspricht auch der Einschätzung, die Dr. Robert H. Fletcher von der Harvard Medical School in Boston in einem begleitenden Editorial [Paywall]  beschreibt. Die Hoffnungen, mit Vitamin C Krebs oder kardiovaskuläre Erkrankungen oder auch nur Erkältungen zu kurieren oder zu verhüten, hätten sich nachweislich allesamt zerschlagen.

Vitamin C und Erkältung

Seit der Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling in den 1970er Jahren in einem Buch die angebliche Wirkung von hoch dosierten Vitamin-C-Präparaten zum Schutz vor Erkältungen anpries, gilt das Vitamin als das Anti-Erkältungs-Vitamin schlechthin. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fasste die Ergebnisse von mehr als 30 Studien zur Wirksamkeit von hoch dosiertem Vitamin C (mehr als 200 Milligramm pro Tag) zusammen. In den Studien zur prophylaktischen Einnahme nahmen die Probanden Vitamin C über einen Zeitraum von zwei Wochen bis fünf Jahren täglich ein. In der Allgemeinbevölkerung ergab sich kein Nutzen für Vitamin C. Die Probanden der Vitamin-C-Gruppe waren im Untersuchungszeitraum ähnlich häufig erkältet wie die in der Placebogruppe.

In den analysierten Studien verringerte sich die Krankheitsdauer bei Kindern um rund 14 Prozent, bei Erwachsenen um etwa 8 Prozent. Erwachsene benötigen also etwa sieben bis zwölf Stunden und Kinder etwa einen Tag weniger Taschentücher. Die Erkältungssymptome fallen mit Vitamin-C-Prophylaxe etwas geringer aus als bei Placebo-Einnahme. In der praktischen Konsequenz für den Patienten ist der Unterschied allerdings eher zu vernachlässigen. In den aussagekräftigsten Studien mussten die Patienten drei Monate lang prophylaktisch Vitamin C einnehmen, um Effekte nachweisen zu können.

Therapeutische Einnahme

Noch enttäuschender ist die Evidenz für die therapeutische Anwendung von Ascorbinsäure, wenn die Beschwerden schon bemerkbar waren. In der Zusammenfassung aller entsprechenden Studien mit einer Mindestdosierung von 1000 mg Ascorbinsäure pro Tag verkürzt sich weder die Erkältungsdauer noch die Schwere der Symptome. Selbst bei einer Dosissteigerung auf 4 oder gar 8 Gramm waren die Ergebnisse nicht überzeugend.

Wirksam unter Extrembelastungen

Nur eine Subgruppe profitiert von der Gabe von Vitamin C: Menschen mit Extrembelastungen. In Studien, die den prophylaktischen Einsatz von Vitamin C bei Ultramarathonläufern in Südafrika, Kindern in einem einwöchigen Skilager in den Schweizer Alpen und kanadischen Soldaten bei einer Übung im Winter in der Subarktis untersuchten, reduzierte die prophylaktische Einnahme von Vitamin C die Häufigkeit einer Erkältung etwa um 50 Prozent im Vergleich zu Placebo. In dieser besonderen Gruppe sinkt das Risiko für eine Erkältung von 22 bis 68 Prozent auf 11 bis 49  Prozent.

Drei von fünf Studien bei Menschen mit starker körperlicher Belastung untersuchten Dosierungen von weniger als 1 g pro Tag. Demnach spielt für die Häufigkeit von Erkältungen die Dosierung einer prophylaktischen Anwendung keine wesentliche Rolle.

Werbelyrik weit verbreitet

Beim meistverkauften Erkältungsmittel Deutschlands (IMS Pharma Trend, Absatz MAT 07/2015) wirbt der Hersteller voll Marketinglyrik mit dem Slogan „Ascorbinsäure (Vitamin C) – unterstützt das Immunsystem“. Deutlich bescheidener und zurückhaltender die Fachinformation einer Zubereitung mit Acetylsalicylsäure und Vitamin C: „Die wasserlösliche Ascorbinsäure ist Bestandteil des Schutzsystems des Organismus gegen Sauerstoffradikale und andere Oxidationsmittel endogenen oder exogenen Ursprungs, welche eine besondere Rolle im Entzündungsprozess und in der Leukozytenfunktion spielen. Sowohl in vitro als auch ex vivo Experimente zeigen, dass Ascorbinsäure einen positiven Effekt auf die menschliche Leukozytenimmunantwort hat.“

Auch Professor Dr. Ronald Eccles, Direktor des Common Cold Centres in Cardiff, Vereinigtes Königreich, bewertet Vitamin C recht nüchtern: „Vermutlich ist das von geringem Nutzen, um Erkältungen zu verhindern, zumal die meisten Menschen keinen Mangel an diesem Vitamin haben.“ Das offizielle Portal der Deutschen ApothekerInnen sieht es ähnlich: „Zu Vitamin C und Erkältungen gibt es auch eine aktuelle Zusammenschau wissenschaftlicher Studien. Diese belegt, dass Menschen die Häufigkeit von Erkältungen nicht verringern, wenn sie vorbeugend Vitamin C einnehmen. Geringe günstige Effekte kann es bei der Erkältungsdauer geben. Das gilt aber nicht, wenn man erst bei Einsetzen der Symptome zu Vitamin-C-Tabletten greift.“

DGE bestätigt geringen Nutzen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung resümiert in einer aktuellen Pressemitteilung wie folgt: „Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten in hohen Dosen (≥ 200 mg/Tag) Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung vorbeugen oder heilen kann.“ Weiter heißt es: „Demzufolge besteht kein Anlass für eine routinemäßige Einnahme eines Präparats. Lediglich bei Personen unter schwerer körperlicher Belastung oder in kalter Umgebung könnte sie gerechtfertigt sein, bei ihnen wurde ein verringertes Risiko durch die Einnahme von Vitamin-C-Präparaten festgestellt.“

Säure gegen Zucker

Auch wenn Vitamin C als Erkältungsmittel enttäuscht, ist es sinnvoll – besonders für bestimmte Risikogruppen wie Diabetiker. Im Vergleich zu gesunden Personen haben Diabetiker erheblich reduzierte Vitamin-C-Spiegel im Plasma. Glukose und Vitamin C konkurrieren aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit um den zellulären Transport.

Nach den Ergebnissen der EPIC-Norfolk-Studie, einer Untersuchung an 2.898 Männern und 3.560 Frauen, Alter: 45–74, bessert sich der korrelierte HbA1c-Wert mit steigender Vitamin-C-Aufnahme. Dieser Wert ist quasi das Zuckergedächtnis und ist biochemisch betrachtet verzuckertes Hämoglobin. Je geringer der Wert, desto besser ist der Diabetiker eingestellt. Personen mit niedrigem HbA1c-Wert (< 7 %) haben signifikant höhere Vitamin-C-Plasmaspiegel als solche mit einem hohen HbA1c-Wert (+/- 7 %). Eine Erhöhung der Vitamin-C-Plasmaspiegel um 20 mmol/l reduziert das Risiko einer Überzuckerung um ein Drittel.

Um herauszufinden, welchen Einfluss die Ernährungsumstellung auf kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes hat, haben Savory und Mitarbeiter Daten der ADDITION-Cambridge-Studie ausgewertet. Die meisten Zusammenhänge zeigten sich bei Patienten, bei denen ein höherer Vitamin-C-Wert als zu Studienbeginn gemessen wurde. Die Steigerung dieses Parameters stand in signifikantem Zusammenhang mit der Reduktion von BMI, Taillenumfang, HbA1c und dem kalkulierten kardiovaskulären Risiko.

Vitamin C hat sicherlich zahlreiche Wirkungen und ist gut verträglich, bei seinem augenscheinlichen „Hauptjob“ als Anti-Erkältungsvitamin versagt es allerdings.

167 Wertungen (4.23 ø)
Allgemeinmedizin, Medizin

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32 Kommentare:

Solange nicht zwischen synthetischer, gentechnisch hergestellter Ascorbinsäure und natürlichem Vitamin C unterschieden wird, erübrigt sich jegliche Diskussion.
Wie lange brauchte Englands Royal Navy, um die Erkenntnis, dass Zitronen gegen Skorbut helfen, umzusetzen? Wie lange die königliche englische Handelsmarine?

#32 |
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i.A. von Prof.Dr. MMD
i.A. von Prof.Dr. MMD

# 29 thomas götzinger
Sicher gibt es Patienten die zu Nierensteinen neigen, das betrifft aber nicht nur die Vitamin C – Einnahme.
Wir verordnen dann bei gewisser Disposition Basentabs pH Balance Pascoe Tabletten

#31 |
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thomas götzinger
thomas götzinger

vit.c ist das erste und wichtigste antioxidans nach vielen anderen.

#30 |
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thomas götzinger
thomas götzinger

ascorbinsäure ist das synthetisierte vitamin c das nierensteine verursachen kann?
linus pauling der vit.c erforschte nahm bis zu 10g/tag.
es gibt aber auch organisches vit.c da wir menschen ja auch org. sind?

#29 |
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Piet
Piet

Skorbut war doch kein Vitamin C Mangel aber eine Vergiftigung wobei Vitamin C da Antidot war!?

#28 |
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i.A. von Prof.Dr. MMD
i.A. von Prof.Dr. MMD

# Gast 15 (Eine andere Frage: Ist die Hochdosis- Vit. C – Therapie gegen Krebs unumstritten oder gibt es auch hier widersprüchliche Meinungen, evtl. Studien?
Sicher ist Vitamin C – kein Antitumormittel und in der Schulmedizin umstritten. Sicher ist jedoch, dass man vor und nach der Chemotherapie dem Patienten die Lebensqualität erheblich verbessern kann, allerdings nur mit der Parenteralen Anwendung. Wir kennen keine seriöse Studie die eine evinzierte Aussage hinsichtlich Heilung, wenn überhaupt machen kann.

#27 |
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Prof.Dr. MMD
Prof.Dr. MMD

Das Vitamin C sicher kein Antivirustatikum ist, denke ich ist allen Medizinern bekannt.
Zur Prophylaxe bei Erkältungskrankheiten, darüber kann man diskutieren. Bei dieser Diskussion ist jedoch eines zu bedenken zwischen der oralen( die wir als nicht sehr Sinnvoll halten, jedenfalls nicht in der Therapiebei schweren Erkrankungen.) sowie der Parenteralen Medikation bestehen große Unterschiede, besonders was die Therapeutische breite anbelangt.
Nicht zu vergessen die Raucher und imunsuppremierten Patienten, wo in der Regel fast immer ein Vitamin C Bedarf besteht.
In der parenteralen Anwendung von 2- 3-mal pro Woche per Infusion 7,5mg z.B. „ Pascorbin®“, haben wir sehr gute Erfahrungen machen können.

#26 |
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Andreas Müller
Andreas Müller

Schon seit einiger Zeit lese ich die DockCheck News nicht mehr um mich ernsthaft zu informieren, sondern allenfalls um mich zu unterhalten. Die Qualität vieler Berichte ist zu einfacher Meinungsjournalismus, schade.

Andreas Müller

#25 |
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Tja, “was lernt uns das nun”? – “Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitten”: Mein Fazit: Prophylaktisch täglich Obst essen. Bei einer Erkältung kann man dann ja mal ein paar Tage lang 500 – 1000 mg zusätzlich nehmen – davon dürfte man noch keine Nierensteine bekommen. Und wer kontrolliert schon regelmäßig den Plasmaspiegel (auf den es natürlich ankommt). Aber 7.500 mg per infusionem? – Abgesehen davon, dass man erst mal jemanden finden müsste, der so mutig ist und das geben kann: da würde ich persönlich streiken.
Übrigens: wie sieht die Community eine (regelmäßige) Prophylaxe mit Vitamin D25 (Colecalciferol): hat mit mein Hautarzt empfohlen. Ich soll 4.000 Einheiten täglich nehmen (vermutete Malabsorption altersbedingt, bin 78!) – nehme aber derzeit nur die Hälfte (Weltkind: siehe oben). Kontrolle jährlich: Plasmaspiegel 49,7, (Normbereich 30 – 100). – Okay?

#24 |
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Bossbernd
Bossbernd

“In den meisten Fällen ist es nicht sinnvoll, Ascorbinsäure in Mengen über 1–1,5 g als Einzeldosis einzunehmen. Mit der steigenden verabreichten Vitamin-C-Menge sinkt die Resorptionsrate. Es kommt zu einer Herunterregulation der Transportproteine in den Epithelzellen des oberen Dünndarms.”???
Na und? 40% von 3g ist, glaub ich, deutlich mehr, als 90% von 180mg, oder?

#23 |
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“Vitamin C (Ascorbinsäure):
32% der Männer und 29% der Frauen erreichen die empfohlene tägliche Zufuhr von 100 mg Vitamin C NICHT.”
Dies ist ein Originalzitat aus der Nationalen Verzehrstudie (NVS II)!!! Bitte lesen Sie nicht nur die für die Journalisten fertig aufbereiteten Statements der DGE oder Des MRI oder BFR
Soviel zur optimalen Versorgung der Bevölkerung
Menschenaffen, deren Vitamin-C-Spiegel direkt nach der Gefangennahme gemessen wurde benötigen zwischen 20 und 35 mg Vitamin C /kgKg um gesund zu bleiben.
Wir haben die Fähigkeit zur endogenen Vitamin-C-Synthese im Laufe der Evolution verloren.

#22 |
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# zu Gast AT
# zu Gast AT

Wenn Vitamin C wirklich so zerstörerisch wirken soll, wie hier angedeutet wird, wäre dann auch die Frage zu beantworten, warum Patienten bei den zu erwartenden Stammzellgewinnung unter einer oralen Therapie u.a. mit Vitamin C statt der erwarteten 40 Stammzellen das 10-fache produzieren? Oder im Rahmen eines wie o.g. genannten multifaktoriellen Ansatzes eine Absenkung der Leukozyten bei einer chron. lymphatischen Leukämie von 190 000 auf 100 000 erreicht wird bei klinischer Stabilität?
Wie viel braucht und verbraucht ein chronisch Kranker an Vitamin C? Wie viel Vitamin C brauchen und verbrauchen wir während der Grippesaison oder unter erhöhtem physischem und psychischem Stress? Diese Antworten stehen noch weiterhin offen.
Mit isolierten Betrachtungen müssen wir auf Grund der hohen Komplexität unserer Biochemie, den vielfältigen Belastungsfaktoren und dem eminent wichtigen Einfluss unserer Psyche und des immer wieder staunend festzustellenden klinischen Verlaufes sehr vorsichtig umgehen.
Wir sollten in unserer Medizin wieder lernen, genau zu hinterfragen, zu dokumentieren und zu kontrollieren. Dies ist ein wichtiger Teil unserer Medizin.
In diesem Sinne wünsche ich eine weitere fruchtbare Diskussion.

#21 |
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Heike Praeuer
Heike Praeuer

#zu Gast 15
Aktuelle Pilot Studie 2013 Universität Iowa Cancer Chemother Pharmacol 2013(S765- 775) Vitamin C Hochdosis 100 gr. Vitamin C Infusionstherapie
Aktuelle Studie Vitamin C und Brustkrebstherapie (Vollbracht C, In Vivo, 2011) die CTX bedingte Nebenwirkungsrate wie Nausea, Appetitlosigkeit, Fatigue, hämorrhagische Diathese signifikant verringert. Die Nebenwirkungen waren nahezu doppelt so hoch in der Kontrollgruppe, wie in der Vitamin C Gruppe (Update Zeitschr. Orthomol Med 2013, 4: 9-14)

#20 |
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Heike Praeuer
Heike Praeuer

Wahrscheinlich heißen Sie Klaus Samer.

#19 |
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Gast
Gast

Ich hätte schwören können, dass ich bei einer Dosierung von 7, 5 gr. vor allem eins bekomme, nämlich Durchfall und mich dadurch bei einer Erkältung auf gar keinen Fall besser fühle. Wie kann das sein??

#18 |
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Klaus Samer
Klaus Samer

Linus Pauling hat sich ,wenn ich mich recht entsinne, Vitamin C grammweise verabreicht, zu glauben das er deswegen so alt geworden bin überlasse ich den Vitamin C Jüngern hier unter Kommentatoren.
Für Vitamin C Ergänzung zur Nahrung gilt, bis auf wenige Ausnahmen, die gleiche Antwort wie auf die Frage wie wirkt Homöopathie ? Sie wirkt nicht.

#17 |
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Heilpraktikerin Gertraud Schmid
Heilpraktikerin Gertraud Schmid

zu #12. Vitamin C gemeinsam mit etwas Orange oder Obst gegessen bewirkt mehr, wie man immer wieder lesen kann.

Der Debatte möchte ich gerne noch hinzufügen, dass es nicht DIE Erkältung gibt und dass (selbstverständlich) nicht alle Vitamin C Präparate gleich sind.
Es ist eine prophylaktische Einnahme zu unterscheiden von einer therapeutischen Intervention. Für beide Maßnahmen gibt es Indikationen, die sich in der aktuellen Symptomatik verbunden mit der Anamnese und ggf Laborwerten zeigen.
Eine gießkannenartige Einnahme der Bevölkerung zu empfehlen, ist etwas ganz anderes; da finde ich eher Contra-Argumente als Pro-Argumente.

#16 |
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Gast
Gast

Eine andere Frage : Ist die Hochdosis- Vit. C – Therapie gegen Krebs unumstritten oder gibt es auch hier widersprüchliche Meinungen, evtl. Studien ?

#15 |
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Gast
Gast

Die zitierten evidenzbasierten Studien haben einen ewig langen Bart! Sie werden nicht praxisrelevanter dadurch, dass man sie immer wieder wiederholt. Es wird immer nur darüber gesprochen, dass (Zufuhr-) Dosierungen bis 200 mg bei Vitamin C in der oralen Anwendung in der Wirkung begrenzt sind. Zufuhr ist aber nicht gleich Plasmaspiegel! Die eigentlichen therapeutischen Wirkungen sind vom erreichten Plasmaspiegel abhängig! Der wird aber kaum gemessen – hier liegt ein großes Manko der nationalen Verzehrsstudie. Der Plasmaspiegel ist bei oraler Gabe sicher zu niedrig um therapeutische Wirkungen zu sehen. Geben wir Vitamin C intravenös (siehe HP Th. Hahndorf) sehen wir die gewünschten Effekte, weil der Plasmaspiegel so hoch ist, dass er letztlich Wirkung zeigt. Hier gibt es heute genügend “Evidenz” welch hochinteressante Wirkung Vitamin C dann entfalten kann. Zum Thema “Nierenschäden” durch Vitamin C: diese “Gefahr” lässt sich durch gute Versorgung mit Magnesium und Vitamin B6 reduzieren. Ein Umstand der in den erwähnten Studien nicht berücksichtigt wird. Bei verantwortungsvollem Umgang mit Vitamin C kann hier auch bei Sichtung aller relevanten Studien weitgehend Entwarnung im Hinblick auf unerwünschte Nebenwirkungen gegeben werden. Gerade bei echter Grippe zeigt diese Arbeit einen hochinteressanten Ansatz, der sich zu 100% mit meiner praktischen Erfahrung deckt: Vitamin C Is an Essential Factor on the Anti-viral Immune Responses through the Production of Interferon-α/β at the Initial Stage of Influenza A Virus (H3N2) Infection. Kim Y1, Kim H, Bae S, Choi J, Lim SY, Lee N, Kong JM, Hwang YI, Kang JS, Lee WJ. Immune Netw. 2013 Apr;13(2):70-4.
Das LPI der Universität Oregon empfiehlt übrigens mindestens 400 mg orales Vitamin C täglich in der Prophylaxe. Eine gute Vitamin C Versorgung (auch mit therapeutischen Hochdosisgaben) zeigt beim Diabetiker, bei Patienten mit Katarakt, bei kardiovaskulären Patienten, bei Krebspatienten und vielen anderen Patienten hochinteressante positive Effekte (für die ansonsten oft teuere, wirkungsfragliche und nebenwirkungshäufige Xenobiotika versucht werden). Gerade bei den banalen Erkältungskrankheiten ist es doch so, dass wir kaum etwas anderes haben als die guten alten Hausmittel. Dazu gehört eben auch Vitamin C, daher finde ich es schade, dass es mit so großer Regelmäßigkeit schlecht geredet wird. Das interessante dabei ist, dass das “Schlechtreden” immer durch Theoretiker (s.o.) der Anwendung nicht durch Praktiker erfolgt!?! Noch am Rande ein gutes Hausmittel im Erkältungsfall (nicht zur Prophylaxe!): 3 TL Klosterfrau Melissengeist in heißer Zitrone (= Vitamin C) vor dem Schlafengehen für max. 3 Tage.

#14 |
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Heilpraktikerin Gertraud Schmid
Heilpraktikerin Gertraud Schmid

Danke für den Artikel!
Vor über 10 Jahren gab es in der Deutsche Ärztezeitung einen winzigen Artikel, der beschrieb, dass eine heiße Zitrone vor einem zuckerhaltigen standardisierten Mahl den anschließenden Anstieg des Blutzuckers bei Diabetikern verringern kann. Danach kam keine weitere Meldung zu dem Thema, sogerne man mehr darüber gelesen hätte.
Erhöhte Blutzuckerwerte gehen einher mit gestörten Redox-Vorgängen. Wenn man die freien Radikale misst, die Lipidperoxidation und andere geeignete Blutwerte ansieht, kann man dies aufzeigen. Antioxidantien sind also therapeutisch wichtig, sekundäre Pflanzenstoffe vervielfachen die Antioxidantienwirkung. Diese Spur zu verfolgen, lohnt sich.

#13 |
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Dr. med. Erich Hahner
Dr. med. Erich Hahner

Ich gehe davon aus, daß die geprüfte Ascorbinsäure aus Erdöl!!! synthetisiert wird und damit der zur Resortion nötigen sek. Pflanzenstoffe entbehrt; dies lernte ich vor 60 Jahren im Studium! Stimmt’s noch??? Danach wären natürl. Vit C besser wirksam!

#12 |
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Heike Praeuer
Heike Praeuer

Studie hin oder her.
Bei mir helfen schon zwei Vitamin C Infusionen bei einer angehenden Erkältung .
7,5 gr. Vitamin C sind für mich optimal. Da ist mir egal , ob der Trend einen Abstieg in der Prophylaxe zeigt oder nicht. Dann bin ich eben nicht trendy…..

#11 |
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Dr. med. Gerd Brunner
Dr. med. Gerd Brunner

Kleiner Nachtrag zu T. Hahndorf. Vielleicht kennen Sie die alte Regel, dass eine Erkältung/grippaler Infekt ohne Behandlung 1 Woche und mit Behandlung 7 Tage dauert. Insofern beeindrucken mich ihre Therapieerfolge ungemein.

#10 |
  8
Michael Meyer-Jenin, Heilpraktiker
Michael Meyer-Jenin, Heilpraktiker

Bei Erkältungsinfekten zu dem Vit. C abends noch Zink geben. Das kann den Infekt zwar auch nicht stoppen, doch der Verlauf wird milder und kürzer.

#9 |
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Dr. med. Gerd Brunner
Dr. med. Gerd Brunner

“Ich infundiere Patienten mit grippalen Infekten möglichst ab dem ersten Tag der Symptome täglich 7,5g Vitamin C über mindestens 6 Tage. In den meisten Fällen kann das weitere Zunehmen der Erkältungssymptomatik so unterbrochen werden.”

…und Ihrem Konto tut es auch noch gut. Vielleicht wundern Sie sich auch noch, warum Heilpraktiker bei Medizinern keinen guten Ruf haben.

#8 |
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Dr Munir Kassid
Dr Munir Kassid

das war sehr lehrreich……danke……dr.med.mk

#7 |
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Den Unsinn der DGE können Sie getrost vergessen. Der Vit.C-Bedarf der Linse ist höher als die lächerlichen mg der DGE, die Ziehe synthetisiert 12-17 Gramm Vit.C/Tag heisst es… Die Nierensteinstory ist ebenso längst widerlegbar, wenn Sie den Magnesiumstatus der Patieten korrigieren (wir reden hier nicht über Medikamente, keine typische RCT-Konstellation möglich, auch wenn es manchen schwerfällt). Wir setzen i.v. Hochdosistherapie ein und haben gute Erfolge bei Zoster, Infekt und Burnout (Serotoninsynthese, Katecholaminsynthese, Steroidsynthese etc) in der Onkologie in US und auch D bis 100g mit bezrächtlichem Benefit. Dieser alte Kaffee hier ist keine Zeile wert. Ebensowenig wie die Ergebnisse der bescheuert desingten WHI Studie oder SPRINT-Studie oder ACCORD-Studie oder SELECT-Studie etc etc. Bitte zum Wert der meisten grossen Pharmastudien das aktuelle Gøtzsche-Werk lesen und nicht ohne grösstes Skepsis alte Fehler wiederholen!

#6 |
  6

…interessant wäre, ob bei Diabetikern eine regelmäßige Substitution sinnvoll ist.

#5 |
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Karsten Schloesser
Karsten Schloesser

Ich schwöre auch auf meine ausgepresste Zitrone und ein Stück der Schale (Bio) der Flavanoide wegen. Aber ehrlich, statistisch signifikant oder nicht, es hilft den Menschen, was ihnen gut tut (Zwiebelsaft, Erkältungstee, Bier mit Honig, Streicheleinheiten), wenn es nicht hilft kommen sie wieder und sind halt richtig krank.
Ich liebe Studien, weil sie uns Mediziner darauf hin weisen wie wenig wir eigentlich tun.
Krank macht uns die fehlende Zeit für uns selbst, die Hetze des Alltags und das gnadenlose Gefühl etwas zu verpassen.

#4 |
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Dr. med. Roland Hunecke
Dr. med. Roland Hunecke

Wenn bei der Beurteilung von Therapieeffekten mit den “persönlichen guten Erfahrungen” argumntiert wird frage ich mich immer, was da im Medizinstudium und bei der Zulassung dazu schief gelaufen ist.

#3 |
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Es ist mir schon lange aufgefallen, dass die Ergebnisse der “evidenz”basierten Medizin in einem völligen Wiederspruch zu den täglichen Beobachtung in der ärztlichen Praxis stehen, komisch… Allenfalls werde ich meine Diabetiker weiterhin ernährungsmedizinisch Beraten und den Menschen mit Erkältung die stark Vitamin C haltige Camu Camu Beere und Sanddorn empfehlen, weil es sich hundertfach bewährt hat. Ich habe halt keine Zeit um Studien zu machen, vielleicht mit 67…

#2 |
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Heilpraktiker

Ich infundiere Patienten mit grippalen Infekten möglichst ab dem ersten Tag der Symptome täglich 7,5g Vitamin C über mindestens 6 Tage. In den meisten Fällen kann das weitere Zunehmen der Erkältungssymptomatik so unterbrochen werden.

#1 |
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