Ungeborenes: Arrhythmien meist harmlos

6. Juni 2013
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Bei zwei von hundert Ungeborenen stellen Frauenärzte fest, dass das Herz des Kindes unregelmäßig schlägt: es stolpert, schlägt zu schnell oder zu langsam. Mittels einer Ultraschalluntersuchung können Mediziner klären, ob eine Therapie im Mutterleib notwendig ist.

„Bei über 90 Prozent der Herzrhythmusstörungen handelt es sich um zusätzliche Herzschläge, die vom Fetus problemlos toleriert werden“, erklärt Professor Dr. med. Christoph Berg, stellvertretender Leiter der DEGUM-Sektion Fetale Echokardiografie. Nichtsdestotrotz sollten Ärzte Auffälligkeiten abklären: Andere seltenere Rhythmusstörungen könnten für das Ungeborene gefährlich werden und zum Beispiel zu einer Herzinsuffizienz führen, berichten der Experte und seine Kollegen der Universitäts-Frauenkliniken Köln und Bonn.

Zusätzliche Herzschläge nicht immer besorgniserregend

„Die Ergebnisse lassen darauf schließen, warum das Herz des Fötus ins Stolpern gerät“, so der Experte. In den meisten Fällen können die Ärzte die besorgten Eltern beruhigt nach Hause schicken: „Ab der 36. Schwangerschaftswoche haben 1,7 Prozent aller Föten zusätzliche Herzschläge“, so Berg. Supraventrikuläre Extrasystolen stören zwar kurzeitig den normalen Rhythmus, aber nach kurzer Zeit schlägt das Herz wieder regelmäßig.

Nicht grundsätzlich harmlos

Jedoch sind nicht alle Herzrhythmusstörungen harmlos: So können kreisende Erregungen zwischen Vorhöfen und Kammern zu sehr schnellen Herzfrequenzen führen und für das Kind gefährlich werden. Auch eine Bradykardie ist manchmal lebensbedrohlich. Im schlimmsten Fall kann der Kreislauf des Kindes gänzlich zusammenbrechen und das Kind in der Gebärmutter sterben.

Das Überleben sichern

Ob eine medikamentöse Therapie notwendig ist, müssen die Ärzte im Einzelfall entscheiden. Wichtig ist es auf jeden Fall, der Ursache der Rhythmusstörungen auf den Grund zu gehen. Die fetale Echokardiografie ermöglicht es den Medizinern, die Entwicklung der kleinen Herzen zu verfolgen und, falls nötig, schon vor der Geburt eine Behandlung einzuleiten. „Ziel ist es stets, das Überleben des Kindes bis zur Geburt zu sichern“, erklärt Mitautorin Professor Dr. med. Annegret Geipel, Vorstandsmitglied der DEGUM. Danach könnten die kleinen Patienten mit Medikamenten oder mittels eines Schrittmachers behandelt und, falls nötig, operiert werden.

Originalpublikation:
Diagnostik und Therapie fetaler Rhythmusstörungen. Teil 1 – Methoden der Rhythmusdiagnostik, Extrasystolen und Bradyarrhythmien
C. Berg et al.; Ultraschall in Med, DOI: 10.1055/s-0032-1330341, 2013

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