Körpergröße: Das Krebsrisiko wächst mit

5. Februar 2016
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Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen der Körpergröße und bestimmten Krankheitsrisiken. So ist die Krebsmortalität bei großen Menschen höher als bei kleinen. Generell werden die Menschen stetig größer, dies könnte mitunter am Milchkonsum liegen.

Die Körpergröße ist weitgehend genetisch festgelegt, dennoch beobachtet man in den vergangenen Jahrzehnten weltweit eine stete Zunahme bei Kindern und Erwachsenen: Die Kinder sind im Erwachsenenalter fast immer deutlich größer als ihre Eltern. Die größte Zunahme der Körpergröße über die letzten Jahrzehnte findet man in den Niederlanden. Holländische Männer sind mittlerweile 20 cm größer als sie es vor 150 Jahren waren. Interessanterweise ist in den Niederlanden auch der Pro-Kopf-Konsum von Milch und Milchprodukten weltweit am höchsten. Diese Beobachtungen nahmen die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) zum Anlass, die Ursachen und medizinischen Auswirkungen dieser Zunahme im Größenwachstum zu analysieren.

Körpergröße beeinflusst Sterblichkeit

Die Untersuchung zeigt, dass die Körpergröße einen wichtigen Einfluss auf die Sterblichkeitsrate bestimmter Volkskrankheiten hat, und zwar unabhängig von Körperfettmasse und anderen modulierenden Faktoren. Bisherige Studien belegen anschaulich, dass große im Vergleich zu kleinen Menschen ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes haben, aber ein erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. „Epidemiologische Daten zeigen, dass pro 6,5 cm Körpergröße das Risiko für kardiovaskuläre Sterblichkeit um sechs Prozent sinkt, dafür aber die Krebsmortalität um vier Prozent steigt“, erläutert Prof. Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Die Forscher gehen davon aus, dass eine zunehmende Körpergröße Ausdruck eines Überangebots von hochkalorischer Nahrung reich an tierischem Eiweiß in verschiedenen Stadien des Wachstums ist. Dadurch könnte bereits im Mutterleib eine lebenslange Programmierung stattfinden, die bislang vor allem für das insulin like growth factor 1 und 2 sowie das IGF-1/2-System belegt werden konnte. Eine Aktivierung dieses Systems führt u.a. dazu, dass der Körper empfindlicher wird für die Wirkung des Insulins und, dass der Fettstoffwechsel günstig beeinflusst wird. „Entsprechend zeigen unsere neuen Daten, dass große Menschen insulinempfindlicher sind und einen geringeren Fettgehalt in der Leber haben, was ihr niedriges Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes mit erklären kann“, schlussfolgert Prof. Norbert Stefan vom DZD.

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Körpergröße beeinflusst Erkrankungsrisiko wichtiger Volkskrankheiten. © N. Stefan/DZD

 

Körpergröße bei Prävention stärker berücksichtigen

Diese Erkenntnisse passen zu publizierten Daten, die nahelegen, dass große Menschen einen relativen Schutz vor Fettstoffwechselstörungen haben. Aber gerade diese Aktivierung des IGF-1/2-System und anderer Signalwege könnte zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten,vor allem Brustkrebs, Dickdarmkrebs, schwarzer Hautkrebs, führen, indem das Zellwachstum dauerhaft gefördert wird vermuten die Autoren. Es resultieren somit zwar positive Auswirkung für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, aber negative Auswirkungen für die Entstehung von Krebs.

Die Wissenschaftler plädieren dafür, den Faktor Größenwachstum und Körpergröße mehr als bislang bei der Prävention der genannten Volkskrankheiten einzubeziehen. Diesbezüglich sollten Ärzte besonders dafür sensibilisiert werden, dass große Menschen, obwohl sie weniger häufig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes auffallen, ein erhöhtes Risiko für Krebskrankheiten haben. Schließlich kommt der Ernährung, vor allem in der Schwangerschaft und im Kindes- und Jugendalter, eine bislang unterschätzte Bedeutung zu.

Originalpublikation:

Divergent associations of height with cardiometabolic disease and cancer: epidemiology, pathophysiology, and global implications.
Norbert Stefan et al.; The Lancet Diabetes & Endocrinology, doi: 10.1016/S2213-8587(15)00474-X; 2016

23 Wertungen (3.43 ø)

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6 Kommentare:

Hausarzt, Kinderarzt
Hausarzt, Kinderarzt

wir geben nur nicht so viele Antibiotika wie die wenigen Tierärzte

#6 |
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elisabeth scheichl
elisabeth scheichl

bei hunden schon lange bekannt…..manchmal lohnt sich der blick in die tiermedizin…..

#5 |
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Gast
Gast

An kardiovaskulären Erkrankungen sterben in Deutschland jährlich grob 300.000,
an Krebs nur 200.000,
also 3:2 für den Größeren mit “Eiweißmast”.
Groß sollte man bitte nicht mit dick gleichsetzen, das verfälscht die Sache wieder.

#4 |
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Heilpraktiker

@ 1 lieber Gast, das kann so nicht stehen bleiben … Studien an Überhundertjährigen (als Indikator einer höheren Lebenserwartung) zeigen, dass die 100+jährigen tendenziell eine geringere Körpergröße haben als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Mit zunehmender Körpergröße durch Eiweißmast tauchen eben noch weit mehr Gesundheitsprobleme auf als hier thematisiert, die letztlich limitierend wirken.
Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen dem reichlichem Konsum tierischen Proteins bzw. Milch und diversen Erkrankungen, speziell auch Krebs, an sich lange bekannt.
Groß und stark sein schützt nicht vor Kranksein!

#3 |
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Größenwachstum, BMI, KOF, Krebsrisiko und Milchmädchenrechnung!
Nicht nur die Körpergröße, auch der BMI und damit die Körperoberfläche (KOF) nehmen weltweit individuell und kollektiv zu. Und damit das Krebsrisiko. BMI und KOF können über eine einfache Formel online berechnet werden.
Mehrere prospektive Studien legen ein Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Größenwachstum nahe. Im Zusammenhang mit der „Womens Health Initiative“ (WHI) gingen G. C. Kabat et al. der Frage nach, inwieweit die Körpergröße bei postmenopausalen Frauen unterschiedliche Tumorrisiken und -lokalisationen beeinflusst [„Adult Stature and Risk of Cancer at Different Anatomic Sites in a Cohort of Postmenopausal Women“, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev; 22(8); 1–11].
Bei 144.701 Frauen, die im Rahmen der Women’s Health Initiative im Mittel 12 Jahre lang beobachtet wurden, fanden sich an 19 verschiedenen Lokalisationen insgesamt 20.928 Krebserkrankungsfälle [„144,701 women participating in the Women’s Health Initiative and risk of all cancers combined and cancer at 19 specific sites. Over a median follow-up of 12.0 years, 20,928 incident cancers were identified.”]
Die Hazard Ratio reichte signifikant von einem 13 Prozent höheren Risiko für Brustkrebs bis zu einem 29 Prozent höheren Risiko bei multiplem Myelom und Schilddrüsenkrebs in Abhängigkeit von der Körpergröße [“range of HRs: 1.13 for breast cancer to 1.29 for multiple myeloma and thyroid cancer”]. Der „Body Mass Index“ (BMI) konnte bei dieser Analyse nicht berücksichtigt werden.
Doch in den letzten 100 Jahren sind in hochindustrialisierten Ländern durch die Verbesserung der Ernährung und n i c h t allein durch Milch oder Milchprodukte früher eintretende hormonelle Reifungsprozesse bei Frauen (und auch Männern) bzw. ansteigende Körpergrößen zu beobachten.
Auch der Body-Mass-Index (BMI) und damit die Körperoberfläche (KOF) nehmen ebenso individuell wie kollektiv zu. So wie in großen Populationen von Menschen mehr Krankheitsinzidenzen und höherer medizinischer Versorgungsbedarf bestehen als in kleineren Populationen, bestehen große Patientinnen und Patienten individuell aus mehr Körperzellen, die potenziell entarten und einen Tumor induzieren können, als Kleinere.
Nimmt man dazu den weltweit in hoch industrialisierten Ländern ansteigenden durchschnittlichen BMI, steigt die Zell- und Substanzmenge der betroffenen Patienten weiter an.
BMI- und KOF- Berechnungen können individuell z. B. nach der Mosteller-Formel über die Uniklinik Jena berechnet werden. Besonders bei Krebserkrankungen der Hautoberfläche (Basaliom, Spinaliom, Karzinom, Melanom etc.) ist die Zunahme der KOF in Abhängigkeit vom BMI von Bedeutung:
45 kg bei 150 cm Größe bedeuten BMI 20 kg/cm² und KOF 1,37 m²
55 kg bei 155 cm Größe bedeuten BMI 22,89 kg/cm² und KOF 1,54 m²
75 kg bei 160 cm Größe bedeuten BMI 29,3 kg/cm² und KOF 1,83 m²
100 kg bei 170 cm Größe bedeuten BMI 34,6 kg/cm² und KOF 2,17 m²
140 kg bei 185 cm Größe bedeuten BMI 40,91 kg/cm² und KOF 2,68 m².
Extreme Adipositas und Größenwachstum lassen gegenüber kleineren, noch normgewichtigen Menschen die Körperoberfläche fast v e r d o p p e l n.
Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (BMI 27,14 kg/cm² – KOF 2,06 m²)

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Gast
Gast

Mit anderen Worten, größere Menschen haben mehr Vorteile als Nachteile.

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