Krebszellen: Enzym-„Messies“ horten DNA-Schäden

3. Februar 2016
Teilen

In vielen Krebszellen sind die sogenannten KDM6-Enzyme mutiert. Dadurch häufen sich DNA-Schäden in den Zellen. Untersuchungen an embryonalen Stammzellen ergaben, dass die Schäden nicht die Stammzellen selbst betrafen, sondern nur jene Zellen, die aus ihnen hervogingen.

Die Molekularbiologen Matthias Becker und Professor Albrecht Müller von der Universität Würzburg interessieren sich für die Gruppe der so genannten KDM6-Enzyme. Diese sind bei Blasenkrebs, Leukämien und anderen Krebsformen sehr oft mutiert und funktionieren dann nicht mehr richtig. Wie sich die Mutationen in den Krebszellen genau auswirken, ist bislang unbekannt. Doch die Würzburger Wissenschaftler haben jetzt erste Hinweise gefunden: Offenbar tragen die Mutationen dazu bei, dass sich DNA-Schäden anhäufen.

Das haben Experimente gezeigt, die Beckers frühere Doktorandin Christine Hofstetter durchgeführt hat. Die Biologin hemmte die Aktivität aller KDM6-Enzyme in embryonalen Stammzellen von Mäusen und in embryonenähnlichen Strukturen.

Als Folge der Enzymhemmung starben die embryonenähnlichen Gebilde ab; in ihren Zellen fanden die Forscher eine massive Anreicherung von DNA-Schäden. Bei den embryonalen Stammzellen selbst traten diese Auswirkungen überraschenderweise nicht auf: Weder die Genaktivität noch die Überlebensfähigkeit der Zellen veränderte sich.

Werden KDM6-Enzyme gehemmt, sterben embyronenähnliche Zellgebilde ab. Ein Comet Assay zeigt, dass die Hemmung DNA-Schäden massiert: Je größer der „Schweif“ um eine Zelle, umso größer die Schäden. © Matthias Becker

Werden KDM6-Enzyme gehemmt, sterben embyronenähnliche Zellgebilde ab. Ein Comet Assay zeigt, dass die Hemmung DNA-Schäden massiert: Je größer der „Schweif“ um eine Zelle, umso größer die Schäden. © Matthias Becker

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass es beim Umgang mit DNA-Schäden in Stammzellen und in den daraus hervorgehenden, sich differenzierenden Zellen einen fundamentalen Unterschied gibt“, sagt Becker. Diesen Unterschied wollen die Molekularbiologen jetzt weiter untersuchen.

Bei den untersuchten KDM6-Enzymen handelt es sich um Lysin-spezifische Demethylasen 6. Im „Normalbetrieb“ entfernen sie Methylierungen an der Aminosäure Lysin 27 des Histons H3 – das führt zur Aktivierung von Genen. Histone sind Proteine, die im Zellkern für die platzsparende Verpackung der DNA sorgen. Außerdem beeinflussen sie die Genaktivität in einzelnen Abschnitten der DNA.

Originalpublikation:

Inhibition of KDM6 activity during murine ES cell differentiation induces DNA damage
Christine Hofstetter et al.; Journal of Cell Science, doi: 10.1242/jcs.175174; 2016

9 Wertungen (3.67 ø)
Forschung, Medizin, Onkologie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.



Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: