K(l)eine Pille, große Wirkung

4. Juli 2011
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Ist es medizinisch vertretbar, Placebos zu verschreiben? Laut einer Empfehlung der Bundesärztekammer ist der Einsatz von Placebos zumindest teilweise sinnvoll. Die DocCheck Marktforschung hat sich unter den Ärzten nach den Reaktionen erkundigt.

Prof. Dr. Robert Jütte, federführend für den BÄK-Arbeitskreis „Placebo in der Medizin“, fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand zusammen: „Mit dem Einsatz von Placebos lassen sich erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen verringern und Kosten im Gesundheitssystem sparen.“ Die Einschätzungen in der Ärzteschaft sind dagegen geteilt, wie die Befragung durch die DocCheck Marktforschung ergeben hat.

Schöner Schein: Placebos werden häufig verordnet

Das Ergebnis der Befragung unter 164 Medizinern, darunter Allgemeinmediziner, Internisten, Schmerztherapeuten und Psychiater: Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer halten es für sinnvoll, ihren Patienten bei leichten Beschwerden Placebos zu verordnen. Allerdings hat laut der DocCheck Umfrage nur genau die Hälfte aller Befragten im abgelaufenen Quartal Placebos verordnet. Dass der Einsatz von Placebos in Zukunft an Relevanz gewinnt, erwarten immerhin 50 Prozent der befragten Mediziner. Ein mögliches Einsatzgebiet von Placebos sehen knapp drei Viertel der Teilnehmer, die Placebos verordnen, in der Therapie von Patienten mit psychischen Auffälligkeiten. Ebenfalls für möglich hält die überwiegende Mehrheit einen Behandlungsversuch mit Placebos auch bei chronischen Schmerzen oder Schlaflosigkeit.

Im Grunde gilt jedoch: Weiß der Patient, dass er nur ein Placebo erhält, so kann oft die gewünschte therapeutische Wirkung nicht erreicht werden. Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: Auf die Frage, ob die Patienten über die Behandlung durch ein Placebo informiert werden müssten, antworteten alle Teilnehmer der Umfrage mit Nein.

Effekt auf das Vertrauen

Kritische Stimmen sehen darin ein mögliches Vertrauensdilemma. „Nicht nur, dass dieses Vorgehen verwerflich und unverantwortlich wäre, wenn der Patient dadurch Schaden nimmt. Es unterminiert auch langfristig jedes Vertrauen in die ärztliche Behandlung.“, so schildert Meike Csicsáky von der DocCheck Marktforschung die
Reaktion eines Psychologen. „Andere Stimmen vermuteten schließlich einen „Persilschein für Homöopathen““, so Meike Csicsáky weiter, „und ein Kommentator wurde in dieser Richtung auch noch genauer: „Für den Glauben waren bisher die Kirchen zuständig.“

25 Wertungen (4.24 ø)
Medizin
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12 Kommentare:

Rettungsassistent

@11:
Aber selbstverständlich ist das ernst gemeint!
Unter http://news.doccheck.com/de/article/203063-homoeopathie-spassattacke-auf-die-verduenner/ finden Sie die Vorgeschichte (Vorsicht: 455 Postings!).
Ich will diese Diskussion nicht noch einmal durchkauen und biete daher einen Selbstversuch (nennen Sie es meinethalben “Arzneimittelprüfung”) mittels Tuberculinum GT D30 von DHU an. Dieses Mittel wurde mir empfohlen als ich fragte, welches Homöopathikum ich nehmen müsste um eine maximale Wirkung bei einem gesunden, schlanken, halbwegs sportlichen Mittvierziger zu erzielen. Da seitens der Homöopathie ja immer so großer Wert auf Heilanekdaten, beschönigend auch “Erfahrung” genannt, gelegt wird, möchte ich auch mal eine Erfahrung damit machen und auch teilen.
Also, was passiert der allgemeinen pseudomedizinischen Meinung der Homöopathen nach wenn ich das oben genannte Placebo (bei Fragen der Dosierung und des Zeitraums bin ich völlig leidenschaftslos und richte mich da ganz nach ihren Empfehlungen) einnehme?
Bitte keine endlosen Diskussionen, ich will das durchziehen bevor auch dieser Thread im Archiv landet.

#12 |
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THP und Bachblüten-Praktitioner Ute Reinisch
THP und Bachblüten-Praktitioner Ute Reinisch

@ 7/8:
Tub leitet sich ab vom Trüffel Tuber Macrosporum. Er reift von September bis Mitte November, hat eine glatte Oberfläche, meist dunkelrot bis schwarz. Er riecht nach Bärlauch und schmeckt, wenn er gekocht wird süßlich angenehm ¿ Sorry, oder war die Frage ernst gemeint?

#11 |
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Mitarbeiterin von DocCheck

Sehr geehrter Herr Boehm,
es handelt sich hier nicht um ein Selbstzitat, sondern um eine falsche Autornennung der Redaktion. Der Fehler wurde inzwischen behoben.

Viele Grüße,
das DocCheck News-Team

#10 |
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Seit wann zitiert man sich selbst in einem Artikel und dann gleich 2x?

Gibt es bei Ihnen keine ausgebildeten Journalisten, die da ein Auge darauf haben?

#9 |
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Rettungsassistent

Sorry, sollte D30 heissen.

#8 |
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Rettungsassistent

@6:
Gerne!
Habe aus einem solchen Vorschlag aus einer früheren Diskussion (die leider ins Archiv geschoben wurde bevor ich den Versuch starten konnte) noch eine Flasche Tuberculinum D3 flüssig hier (extra dafür bestellt). Sind 20 ml drin, was müsste passieren, wenn ich die leer trinke?

#7 |
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THP und Bachblüten-Praktitioner Ute Reinisch
THP und Bachblüten-Praktitioner Ute Reinisch

@4: Vorschlag: Selbstversuch! 3 Tage Placebo-Pillen – 3 Tage Allium Cepa (gewöhnliche Küchenzwiebel) homöopathische Globuli. Tipp: Halten Sie Tempos bereit!

#6 |
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Prof. Dr. Dieter Böning
Prof. Dr. Dieter Böning

Man sollte bei Placeboeinsatz nicht die Moralkeule schwingen. Auch bei Scheinmedikamenten ändern sich z. B. physiologische Reaktionen in den Schmerzübertragungswegen und daher ist ein Therapieversuch nicht verwerflich, bei dem der Patient nicht ganz genau über die Wirkungsweise aufgeklärt wird.

#5 |
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Rettungsassistent

@3:

Worin genau soll denn der Unterschied zwischen Homöopathie und Placebo liegen?

#4 |
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Naturwissenschaftler

Da ist mir dann schon Homöopathie lieber ….

#3 |
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Ute Rittermeier
Ute Rittermeier

Für die zunehmend verbreitete Mentliät, gegen oder für jegliche Beschwerden eine Pille zu geben oder zu fordern und einzunehemen sind Placebos für alle Fälle genial. Sie schaffen “Abhängigkeiten” jeglicher Art en masse.
Sie führen allerdings auch zu Vertrauens-Missbrauch.
Aber wie wäre es schlichtweg mit Zuwendung zur Aktivierung von Ressourcen und Selbstheilungskräften ???Für das Selbst-Bewusstsein eines/r jede/n PatientIN wundervoll!!! und Selbst stärkend.

#2 |
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Frau Karin Domann
Frau Karin Domann

Für mich wäre das ein eklatanter Vertrauensbruch und ein persönlicher Angriff auf meine “Zurechnungsfähigkeit”, wenn mir ein Arzt Placebos verschreiben würde. Außerdem, wie soll das gehen? Gibt es bereits in der Apotheke Medikamente, die keinerlei Wirkstoffe enthalten? Oder gibt der Arzt dan etwas aus seinem Musterschrank? Also,für mich wäre das absoluter Betrug und unverantwortlich.e

#1 |
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