Olympiade: Gefahr aus heiterem Himmel

2. Februar 2016
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Große Sorgen vor den olympischen Spielen 2016: Nicht nur Sportler sind am Start – auch Aedes-Mücken werden in Rio de Janeiro so manchen Stich machen. Nach jahrelanger Passivität wächst die Angst vor Infektionen mit Zika-Viren.

Gestern hat die Weltgesundheitsorganisation WHO aufgrund von Zika-Viren den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Barbados, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guyana, Guatemala, Guadeloupe, Guyana, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Saint Martin, Surinam und Venezuela gelten als besonders gefährdet. Jetzt sind Organisatoren der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro in Sorge. Das Auswärtige Amt empfiehlt, „Schwangere sollten möglichst von nicht zwingend notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen Abstand nehmen“. Während einer unvermeidbaren Reise sei auf die „konsequente Einhaltung persönlicher Mückenschutzmaßnahmen“ zu achten.

Folgen mit Fragezeichen

Zu welchen gesundheitlichen Folgen eine Infektion tatsächlich führt, ist noch unklar. Professor Dr. Christian Drosten von der Gesellschaft für Virologie (GfV) bezeichnet Mikrozephalien bei Neugeborenen als „besorgniserregend“. Kollegen aus Brasilien hatten 270 Fälle von Mikrozephalie bestätigt, aber bei 462 weiteren Verdachtsfällen das Vorliegen einer Mikrozephalie ausgeschlossen. Bei 3.448 kleinen Patienten stehen noch weitere Untersuchungen an. „Beim Zika-Virus sind derzeit noch zu viele Aspekte unverstanden, um von einer direkten Verursachung der Mikrozephalie zu sprechen“, so Drosten. „Wir wissen beispielsweise, dass es nicht bei jedem Kind, dessen Mutter in der Schwangerschaft eine Zika-Virus-Infektion durchgemacht hat, zu Fehlbildungen kommt.“ Auch bei früheren Ausbrüchen in anderen Ländern sei dieses Phänomen nicht aufgetreten. „Der Verdacht auf eine Fruchtschädigung bei Infektionen mit dem Virus während der Schwangerschaft liegt nahe“, erklärt Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Außerdem untersuchen Experten, ob ein Zusammenhang zwischen Zika-Infektionen und dem Guillain-Barré-Syndrom besteht. Das kann dauern. Als Sofortmaßnahme plant die Regierung, bis zu 220.000 Soldaten zu aktivieren. Sie sollen am 13. Februar mit einer Kampagne zur Mückenbekämpfung beginnen.

Keine Gefahr für Deutschland

Davon profitieren alle Beteiligten – über Reisende wurde das Virus schon in andere Länder eingeschleppt. Wie das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin weiter berichtet, gab es in Deutschland seit 2013 zehn Infektionen. Fünf der Betroffenen hätten sich seit Oktober 2015 in Lateinamerika angesteckt. Im Zuge von Fernreisen gelangen auch Vektoren wie Aedes aegypti oder Aedes albopictus nach Europa. Christian Drosten gibt trotzdem Entwarnung: „Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln.“ Seine Erklärung: „Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus.“ Für ihn steht die Entwicklung einer Impfung im Fokus. Dafür hat die Europäische Union zehn Millionen Euro an Forschungsgeldern ausgelobt.

25 Wertungen (3.36 ø)

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7 Kommentare:

Urs
Urs

Viola Stuppe, die medizinische Begründung für den Zusammenhang der Mikrozephalie-Epidemie und Boostrix wird in einer ungewollte TH1-Stimulierung vermutet.
In der aktuellen Fachinfo zu Boostrix steht, dass “ausreichende Humandaten bezüglich Anwendung von Boostrix während der Schwangerschaft nicht verfügbar sind”.
Das widerspricht Ihrer Aussage, dass es in Bezug auf dieses Medikament jahrzehntelange Erfahrungen in Bezug auf mögliche Fehlbildungen gibt.
Die Impfempfehlung wurden angepasst, z.B. durch das BAG 2013, ohne dass neue Studien neue “Humandaten” hervorgebracht hätten.
Ich denke, das ist doch schon ein Grund, dass mal zu hinterfragen?
Man kann natürlich auch alles als Verschwörungstheorie abtun. Machte man bei Contergan ja auch so.

#7 |
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Gast
Gast

pardon, natürlich Viola Stuppe,

ich muss mich für mein idiotisches automatisches Rechtsschreibe-Programm entschuldigen,
das sich einfach nicht ausschalten lässt.
Demnächst werden unsere EDV-Betriebssysteme auch noch vorschreiben, was wir inhaltlich kommunizieren dürfen.

#6 |
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Gast
Gast

Hallo verehrte Frau@Viola Suppe, grämen Sie sich nicht, wenn es um Impfen geht,
sind auf doccheck doch immer die “Daumen runter -Kolonnen” unterwegs,
gute Argumente zählen weniger.
Auch das AIDS-Virus stammt ja angeblich ursprünglich von Affen und hat sich irgendwann hat auch zum ersten mal an den Menschen gewöhnt.
Es dauerte recht lange, bis man das auch mental mal einigermaßen in den Griff bekam. Eine Impfung gibt es dagegen bis heute nicht. [Kommentar von der Redaktion gekürzt.] wo bleibt hier “big pharma”?

#5 |
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Detlef N. Ledermann
Detlef N. Ledermann

Ergänzung zu der Meldung von eben, nach Art der Propagandamedien.
Doch hier ist ein interessante Aufklärung zu dem Virus, die ich nicht vorenthalten will.

https://www.youtube.com/watch?v=fsG5bWJS0hk

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Apothekerin

@Dr. Eckardt: Die Fallzahlen sind offenbar im Vergleich zu früheren Ausbrüchen weit größer. Weiterhin ist eine Mutation des Virus denkbar, wäre ja nichts ungewöhnliches.

@Dr. Eisenmann-Stock: Boostrix enthält kein Quecksilber, so wie fast alle modernen Impfstoffe.
Und wenn Aluminium-Adsorbat-Impfstoffe ein gesundheitliches Problem darstellen würden, auch in Bezug auf Fehlbildungen, wäre das aufgrund ihrer jahrzehntelangen Anwendung in Europa längst bekannt – Studien haben derartige Verdachtsmomente längst entkräftet, als Ärztin sollten Sie das wissen.

Ohnehin ist eine Schädigung durch die winzigen Aluminium-Mengen in einer Impfstoffdosis, die ein- bis zweimalig im Leben (im Falle von Boostrix, das eine einmalige Auffrischimpfung im Erwachsenenalter ist) oder alle 10 Jahre (im Falle von Tetanus-Diphterie-Impfstoffen ohne Pertussis) gegeben wird, geradezu lächerlich unplausibel – insbesondere wenn man den Vergleich mit den natürlicherweise täglich(!) durch die Nahrung aufgenommenen Aluminiummengen zieht.

Was die einsetzende Boostrix-Anwendung seit 2014 angeht – ich weiß nicht ob das den Tatsachen entspricht, aber selbst wenn, Korrelation ist nicht gleich Kausalität! Die Unterscheidung dieser beiden Begriffe ist für Verschwörungstheoretiker aller Art offenbar immer wieder mental herausfordernd.

Zum Weiterlesen, in Bezug auf die Historie der Verbreitung des Zikavirus: http://blogs.discovermagazine.com/science-sushi/2016/01/31/genetically-modified-mosquitoes-didnt-start-zika-ourbreak/#.Vq73KEBycua.twitter

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Dr. med. Inge Eisenmann-Stock
Dr. med. Inge Eisenmann-Stock

ein heikles thema, das ich noch etwas erweitern darf,
auch wenn das alte zank-thema damit auch auf den tisch kommt
aber daran wird gerade gearbeitet – für viele Mrd. die die industrie bekommen wird: das Impfen

habe folgendes gefunden:
“Dabei ist die Beweislage für die (Allein-)Schuld des Zikavirus mehr als mager. Angelika Müller (efi-online.de) und andere haben deutliche Hinweise dafür gefunden, dass die seit Oktober 2014 in Brasilien einsetzenden Schwangerenimpfungen mit dem Dreifach-Impfstoff Boostrix des Herstellers GSK die wahre Ursache für den Ausbruch sind. Die ersten Fälle von Neugeborenen-Mikrozephalie wurden im Mai 2015 bekannt, also etwa ein halbes Jahr später.”
mal sehen, was ein neuer Hg/Al Giftcoktail-Impfstoff noch so bringt
nix für ungut, die diskussion ist entfacht.
grüssle

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Toxikologin

Fraglich ist für mich, wie eine Erkrankung, die seit etwa 70 Jahren bekannt ist und bis vor kurzem quasi ungefährlich war, plötzlich solch verheerende Folgen haben soll. In Ländern, im denen die Tigermücke bisher heimisch war, müssten doch dann schon früher häufiger Mikrozephalien aufgetreten sein.

#1 |
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