Arzttermine: Viel Trugschluss unter dieser Nummer

2. Februar 2016
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Trotz zahlreicher Proteste der Ärzteschaft sind Terminservicestellen mittlerweile am Start. Standesvertreter wünschen sich, Hermann Gröhe (CDU) hätte die Bedarfsplanung optimiert – oder Maßnahmen gegen unzuverlässige Patienten getroffen.

Am 25. Januar fiel in allen Kammerbezirken der Startschuss für Terminservicestellen. Laut GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) müssen KVen Facharzttermine innerhalb von vier Wochen an Patienten mit einer entsprechend gekennzeichneten Überweisung vermitteln. Um den Datenabgleich etwas zu vereinfachen, steht ihnen eTerminservice zur Verfügung: ein Tool der KV Telematik GmbH. Sollten alle Vermittlungsversuche scheitern, bleiben noch Konsultationen im Krankenhaus. Macht dieses Prozedere Sinn? Das bezweifeln Standesvertreter aus vielen Kammerbezirken.

Per Hausarzt zum Termin

„Natürlich kommen wir dem gesetzlichen Auftrag zur Einrichtung einer Terminservicestelle vollumfänglich nach und werden sie so effizient wie möglich umsetzen“, sagt Walter Plassmann, Vorstandvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. „Doch sind wir davon überzeugt, dass eine solche zentrale Terminvermittlungsstelle hier in Hamburg keine signifikanten Vorteile für die Patienten mit sich bringen wird.“ Schon jetzt erhalten Patienten in dringlichen Fällen Facharzttermine schneller, als von Hermann Gröhe vorgesehen – durch Vermittlung ihres Hausarztes. „Deshalb empfehlen wir den Patienten, auch in Zukunft ihre Termine auf die herkömmliche, bewährte Methode zu vereinbaren und auf die Terminservicestelle nur im absoluten Notfall zurückzugreifen“, erklärt Plassmann.

Vom Ende der freien Arztwahl

Viele Menschen haben aber den Wunsch, von bestimmten Ärzten behandelt zu werden. „Dieses Problem wird die Terminservicestelle nicht lösen können, weil der Tag der Kollegen ja auch nur 24 Stunden hat“, gibt Dr. Andreas Gassen zu bedenken. Er ist Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, gibt ihm Recht: „Wenn ein Patient einen Termin bei dem Arzt seines Vertrauens haben möchte, dann wird ihm die Terminservicestelle nicht weiterhelfen können.“ Da die meisten aber genau dies möchten, geht die KV Hamburg davon aus, dass  Terminservicestellen tatsächlich nur in Anspruch genommen werden, falls Eigenbemühungen von Patienten scheitern, einen Termin beim Wunscharzt zu bekommen. Hofmeister gibt zu bedenken, dass hier die freie Arztwahl partiell außer Kraft gesetzt werde. An vermeintliche Privilegien der Besserverdiener glauben Standesvertreter nicht. Gassen: „So viele Privatpatienten gibt es gar nicht, dass sie die Termine für gesetzlich Versicherte in relevanten Umfang blockieren können.“

„Den Unsinn selbst bezahlen“

Das tun Kassenpatienten schon selbst: „Unsere aktuellen Zahlen belegen, dass wir im Laufe des letzten Jahres zum Beispiel von rund 56.000 Augenarztterminen sprechen. Oder von 80.000 Terminen beim Gynäkologen. Oder mehr als 21.000 beim Hautarzt, knapp 34.000 beim HNO-Arzt und rund 57.000 Termine beim Orthopäden“, erzählt Dr. Eckhard Starke. Er ist Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Starke erklärt die gigantischen Zahlen mit „einzelnen Patienten, die sich mehrfach bedienen“ – ohne gesetzliche Sanktion. Sein Resümee: „Rechnet man jetzt noch die rund zehn Prozent nicht abgesagter Termine dazu, wird deutlich, dass nicht die Zahl vermeintlich zu wenig zur Verfügung stehender Termine das Problem ist, sondern das Verhalten vieler Patienten.“ Stünden die Termine zur freien Verfügung, wären alle Terminservicestellen arbeitslos. Er kritisiert, anstatt sinnvolle Steuerungsmaßnahmen zu konzipieren, nehme der Gesetzgeber niedergelassene Ärzte in die Pflicht. „Und lässt uns – und das ist wirklich die Krönung – diesen Unsinn auch noch selbst bezahlen.“

Mehr Kollegen gleich mehr Termine

„Nur beseitigt eine Terminservicestelle nicht die Ursachen, denn sie schafft keine neuen Termine“, ergänzt Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. „Dies könnte nur dann der Fall sein, wenn es entweder mehr Ärzte gibt oder die Ärzte mehr Termine vergeben.“ Metke stört sich an „gesetzlich ausdrücklich gewollten“ Begrenzungen. Bei fachärztlichen Internisten, einer Gruppe mit langen Wartezeiten, dürfe sich schon seit Jahren kein einziger zusätzlicher Arzt niederlassen. Ende 2015 gab es im Kammerbezirk zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für 8,5 Augenärzte, sieben Frauenärzte, 13,5 Hautärzte und zwei Kinderärzte, und auch nur in wenigen Landkreisen. Kein Einzelfall: „Wir haben schon jetzt zu wenig Nervenärzte, Schmerztherapeuten, Rheumatologen und Augenärzte, um der Patientennachfrage gerecht zu werden“, berichtet Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein. Metke ergänzt: „Der Gesetzgeber gibt zusätzlich vor, dass die Ärzte in jedem Quartal nur ein Kontingent an Patienten zugewiesen bekommen. Behandeln sie mehr, können sie diese Patienten nicht abrechnen. Heute behandeln die Fachärzte insgesamt etwa 15 Prozent ihrer Patienten ohne Vergütung.“

„Phantomdebatte“ in Deutschland

Bei ihrer Argumentation erhalten Standesvertreter Unterstützung von zentraler Stelle. Die Organisation der wirtschaftlichen Staaten (OECD) bescheinigte Deutschland Ende 2015 kurze Fristen bei der Vergabe von Arztterminen. „Im internationalen Vergleich führt Deutschland eine Phantomdebatte über die Wartezeiten“, moniert der stellvertretende Generalsekretär der OECD Stefan Kapferer. Er stört sich eher an der sinkenden Zahl von Hausärzten.

98 Wertungen (4.7 ø)

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33 Kommentare:

Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Als Betroffener fällt einem das Lachen zu diesem Thema schwer.
Einige Patienten meinen sich inzwischen alles herausnehmen zu können. Bsp. von heute. Pat M.C., männlich, Mitte 40 , der deutschen Sprache kaum mächtig, kommt mit Ehefrau zur MRT Besprechung. Seit Anfang Okt. 2015 Beschwerden rechter Ellenbogen ohne Trauma. Arbeiter mit Hebe/ Tragebelastungen über 20 kg. Erstkontakt Mitte Nov, Rö o.B., Sono o.B., typische Ansatztendinose radial, keine Funktionseinschränkung, keine Kraftminderung Ellenbogen, kein übertragener Schmerz aus HWS. Behandlung mit Lokalinfiltration, Spange ; TENS, Übungsbehandlung. AU durch Hausarzt. Ko Ende Nov: keine Besserung: Corticoid lokal, KG mit Elektrotherapie, Radiäre ESWL und Rö Reizbestrahlung besprochen. MRT eingeleitet zur Diagnoseabsicherung. Befund: Tendinose, Vd. Partialruptur der Extensorenplatte. wg. MRT Befund unter anderem OP mit Pat diskutiert. Pat, unzufrieden weil man ihn nicht gleich beim Erstkontakt längerfristig AU geschrieben hat (muss schwär arbeide…) und nicht am ersten Tag gleich einen Gips angelegt hat. Jemand hat ihm wohl vorher den MRT Befund verdolmetscht (Ruptur!! Isch gefährlisch!!). Du (wir sind nicht verwandt) bisch schlechde Arzt- das A. wort wird beherrscht- gehe jetzt zu andere Kollega.
Ich kann ja die Patienten verstehen, das manches ganz, ganz schwer zu verstehen ist. Eine AU ist keine berufsfördernde Maßnahme. Wer die Sprache nicht beherrscht hat als einziges Kapital seine Arbeitskraft. Mit solchen Patienten macht man dann zig Termine, nimmt sich Zeit und gibt sich Mühe zu helfen. Eigentlich für die Katz. Der gute Mann muss jetzt sicher zur 2. Meinungseinholung und hat ein schweres psychisches Trauma erlitten. Vielleicht findet sich ja jemand der einen Beschwerdeeintrag auf einem Internetportal für ihn schreibt. Hoffentlich kann die Terminservicestelle ihm einen geeigneten Kollegen vermitteln der die Weiterbehandlung übernimmt. Ich steige an dieser Stelle aus. Natürlich sind wir zum Teil an den Problemen selbst Schuld. Ich hätte ihn ja 6 Wochen krank schreiben können, eine Castschiene anlegen für 3 Wochen und mir das eigentlich nicht zwingend notwendige MRT sparen können. Der Radiologe hätte vielleicht seinen Befund ein wenig zurückhaltender schreiben können. Eine nicht durchgängige Darstellbarkeit des Sehnenursprung M. Flexor digitorum longus hätte es auch getan. Bei einer Op findet man diese Partialrupturen in der Regel nicht vor sagt da meine Erfahrung. Wir geben uns einfach zu viel Mühe mit den Patienten. Nicht das Beste ist immer erforderlich, sondern das notwendige und ausreichende. Aber man lernt ja nicht aus.

#33 |
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Studentin der Pharmazie

Herr Dr. Lorenz, ich muss herzlich lachen und pflichte ihnen bei! Allerdings muss man beide Seiten vertsehen! Der Patient ist kein Arzt und der Arzt ist kein Patient! :-D

#32 |
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Kann meine Vorredner zum Großteil nur unterstützen. Ich würde so manchem Gesundheitspolitiker mal ein Praktikum bei uns an der Anmeldung wünschen. Nach nicht mal zwei Tagen würde er dort mit einer Kalaschnikow sitzen und zwar geladen.
Da ist jeder Patient todsterbenskrank, der erst in ca. zwei Wochen einen Termin bekommt. Unsere Mitarbeiterinnen werden wüst beschimpft. Wir bieten dann an, falls kurzfristig ein Patient ausfällt, könnten wir ihn auch früher einladen. Rufen wir dann an, bekommen wir Kommentare wie: “Sind Sie verrückt? Bin jetzt gerade beim Abendessen, beim Fensterputzen, meine Serie im Fernsehen läuft gerade, muss jetzt Kaffee trinken usw.”
Da fragt man sich doch allen Ernstes, was die ganze Hysterie soll.
Ich persönlich bin in der Hinsicht vollkommen ernüchtert und glaube, daß die ganze Aktion nichts weiter als ein Strohfeuer ist. Jeder Arzt versucht, zu tun, was möglich ist. Manchmal wartet man lange auf Patienten, bis sich herausstellt, die haben 5 Termine gleichzeitig vereinbart. Dann gehen sie dahin, wo es am schnellsten ging. Sagen aber den/die anderen Termin/e nicht ab, ist ja nicht nötig, obwohl darauf hingewiesen wurde. Kein Verständnis mehr dafür. Sollen sich doch sonstwohin vermitteln lassen. Die Erfahrung zeigt sowieso: wenns um eine operative Konsequenz geht, fordern die meisten Operateure ohnehin eine neue Untersuchung an, weil ihnen die Qualität der anderen Bilder nicht reicht. Patient hat also keinen einzigen Tag gewonnen.
Wenn ich dem Patienten dann sage: stellen Sie sich 2 Pommesbuden nebeneinander vor. Eine hat eine Schlange, eine nicht. Wo würden Sie was zu Essen kaufen wollen?

#31 |
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Dr. med. Paul Alexy
Dr. med. Paul Alexy

Es lebe die sozialistische Medizin. In ein paar Jahren wird der GKV-Patient vermutlich sowieso nur zu dem Arzt gehen können, der mit der Kasse einen Rabattvertrag abschließt.

#30 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

@25. Keine Ahnung wo Sie wohnen. In meiner Region existiert dieses Problem nicht. Wenn mich ein Hausarzt anruft und um eine dringliche Vorstellung eines Patienten bitten, bekommt dieser einen Termin am selben Tag, allerspätestens nächsten Tag. Da Frage ich aber schon nach ob das noch reicht. Die Termine sind dann in der Regel in meiner persönlichen Freizeit und werden nicht mehr bezahlt, da das Budget bereits überschritten ist.
Brauche ich einen dringlichen Termin für einen Patienten beim Neurologen oder MRT bekomme ich diesen maximal binnen 7 Tagen. Das hat aber auch damit zu tun das ich für die abnehmenden Kollegen vertrauenswürdig bin und absolut nie dieses Privileg missbrauche. Umgekehrt verlange ich auch von den zuweisenden Kollegen, dass sie sich von der Dringlichkeit persönlich überzeugt haben. Das ist doch eigentlich selbstverständlich. Klar kann man auch mal daneben liegen. Dann muss man sich eben kümmern. Das sind absolute Scheindiskussionen. Wartezeiten von mehr als 4 Wochen bei MRT, Neurologen etc. für Erstuntersuchungen/ Abklärungen existieren in Schwaben nicht. Ich kann nicht sagen wie es in MVP ist. Das Problem das man zu wenig Zeit für den einzelnen und seine Probleme hat bestreite ich nicht. Das liegt aber nicht an den niedergelassenen Ärzten. Die Klinikärzte können das Problem sowieso nicht lösen. Die haben genauso wenig Zeit, können ja nicht mal ihre stationären Patienten versorgen. Haben keine Zeit mehr für Visiten, weil sie mit Bürokratie vollgemüllt sind. Von den Ambulanzen brauchen wir nicht reden. Die Patienten wenden sich mit Schrecken ab. 4 Std auf den Arzt warten der dann keine Zeit , keine Nerv hat und das Problem des Patienten nicht nachvollziehen kann sind Standard. Ich wünsche den Krankenhausgängern viel Spaß und gute Nerven.
Klar muss ein Arzt und nicht der Laie entscheiden ob etwas dringlich ist oder nicht. Das kann der Hausarzt sehr wohl. Probleme machen eigentlich nur die zunehmende Zahl von Menschen in diesem Land mit hysterisch-hypochondrischen Persönlichkeitsstörungen. Da kann ein Einzelner einem schon mal einen halben Tag Sprechstunde völlig zerlegen. Dem ist es ja egal ob wegen ihm mehrere andere unter die Räder kommen und man sich um die nicht mehr sachgerecht kümmern kann. Auch ein Arzt ist nur ein Mensch mit begrenzter Leidensfähigkeit. Deswegen spreche ich mit den Betroffenen so offen wie möglich. Mit vielen kann man einen guten Kompromiss finden. Wenn es nicht klappt muss man sich von diesen Patienten trennen zum Selbstschutz und Schutz seiner anderen Patienten.

#29 |
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Dr. med. Burkard Kinkel
Dr. med. Burkard Kinkel

Wichtigtuerei der Politik, vorbei an der Realität und die KV macht mit und wirft so das Geld zum Fenster raus – wie halt immer.
Statt eine ordendliche Gebührenordnung zu schaffen, die den Leistungen der Kollegen gerecht wäre, wird wieder mal eine “andere Sau ” durchs Dorf getrieben.
Es ist unfassbar, was sich ein Arzt gefallen lassen muss, damit er für die gesetzlichen Krankenkassen tätig werden darf. Wen wundert da die Unterversorgung, den in diesem System macht ärztliches Tun wirklich keinen Spass mehr seiner Berufung nachzugehen schon gar nicht.

#28 |
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Danke, Herr Kollege Högel!
Genau da liegt das Problem! Der Arzt wird nicht für seine Arbeitszeit bezahlt, sondern für seine “Maschinen”. Eine Gesundheitsreform ist nötig, aber eine, wo die Ärzte nur nach der gearbeiteten Zeit bezahlt werden. “Fachwissen” ist selbstverständlich – und das bringt ein jeder mit.

#27 |
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Die Probleme der oft langen Terminvergaben sind durch das “Budget” verursacht. Wenn das Budget voll ist, wird jede weitere zusätzliche Behandlung nicht mehr vergütet. Nicht nur das, es entstehen sogar zusätzliche Kosten. D.h. ich schließe besser die Praxis. Aus diesen Gründen haben viele Praxen einen “Budgeturlaub”.
Es gab einmal ein System, bei dem je nach Überschreitung des Budgets eine prozentuale Minderung bestand. Je höher die Überschreitung,desto höher die Minderung, aber es wurde immer noch ein Betrag erstattet. Dieses alte System
könnte meiner Meinung nach die Lage teilweise entschärfen.
Mit freundlichen Grüßen

Dr.med. Arno Högel
Augenarzt in Ruhe

#26 |
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Patient
Patient

Na das ist ja schön, dass da mal wieder die Schuldigen gefunden wurden: die bösen Patienten, die sich mehrfach bedienen (ohne dass das nachgewiesen wurde). Fakt ist, dass auch die Terminvermittlungsstellen keine Termine herzaubern. Ich habe diesen Service zweimal in Anspruch genommen: einmal als ich ein MRT brauchte um abzuklären, ob neurologische Verschlechterungen von einem weiteren Bandscheibenvorfall über oder unter dem Implantat in swe HWS her rühren würden und einmal für einen Kardiologietermin. Beide Male konnte der Service keinen früheren Termin herschaffen als ich mit anrufen der Praxen auch schon versucht hatte. Diesmal zum Glück ohne Folgen, aber wenn die Bandscheibe tatsächlich aufs Rückenmark gedrückt hätte, hätt eine OP nach 3 Monaten wohl auch nicht mehr viel rausreißen können, so bin ich damals zu meiner Cervicalen Myelopathie gekommen. Hat einfach bisschen lang aufs Rückenmark gedrückt. Wenn der erste Arzt die Beschwerden nicht ernst nimmt (ja, wenn man schon vorher meint, der Patient wär ein Hypochonder und deswegen nicht richtig untersucht, kann man schon mal böse falsch liegen), dann steht man vor dem nächsten Problem: zweite Meinung…. ja schön….. bloß wo…. also wieder hinten anstellen. Das dauert dann nochmal drei Monate. Da half es dann auch nichts mehr, dass der Neurologe, bei dem ich dann nach insgesamt mehr als einem halben Jahr endlich einen Termin ergattert hatte, mir dann direkt in derselben Woche einen OP-Termin besorgte. Mit den Folgen darf ich mich jetzt rumschlagen, die bleiben für immer. Hätte ich direkt bei den ersten Beschwerden einen Termin bekommen und hätte der Arzt mich dann auch tatsächlich vernünftig untersucht, dann hätte ein bleibender Schaden evtl. vermieden werden können. Kann mit der neuen Vermittlung nicht passieren? Oh doch! Das Ganze nun ein paar Jahre nach der OP mit Vermittlungsstelle in ähnlicher Folge bei ähnlchen Beschwerden, diesmal auf der anderen Körperseite (die mir heilig ist, da es ja die einzige ist die noch funktioniert). Einen schnelleren Termin konnte die Vermittlungsstelle nicht her schaffen. Im übrigen auch nicht beim Kardiologen, wo ich nach einem Klinikaufenthalt weitergehend untersucht hätte werden sollen. Im Februar angerufen, Termin für Dezember. Wer wirklich ein Herzproblem hat, könnte bis dahin vielleicht einfach mal tot umgefallen sein. Aber das macht ja nichts, diese Fälle landen ja in keiner Statistik. Sollte man mal machen, eine Statistik führen von all den Todesfällen oder bleibenden Schäden, die auftreten, während jemand auf der Warteliste eines niedergelassenen Arztes stand. Dann wüsste man mal über welche Hypochonder man so redet. Und diese Hypochonder können dann mit den Folgen selber zusehen, wie sie klar kommen. Denn da sie ja nicht untersucht wurden, können sie nicht nachweisen, dass der bleibende Schaden nicht aufgetreten wäre, wenn sie gleich bzw. richtig untersucht worden wären. Wer reguliert solche Schäden? Keiner nämlich. Sozialamt. So läuft das.

Die Sache mit den Terminen in Krankenhäusern gabs da zwar noch nicht, aber gerade die Patienten, die eben nicht zum Hypochonder neigen, rennen da nicht hin, weil sie ja nicht einschätzen können wie dringend ist jetzt der Termin beim Kardiologen eigentlich. Manchmal kann der Hausarzt hilfreich sein, manchmal weiß der es aber auch nicht, weil man es ohne die Untersuchung einfach nicht sagen kann, wie hoch das Risiko ist. Und ich bin mir sicher, die Krankenhäuser sind begeistert, ihre so überreichen personellen Ressourcen jetzt auch als Ersatz für die ambulante Versorgung einsetzen zu dürfen *Ironie off* Das machen sie ja bereits in der Notaufnahme und versorgen akute Fälle, die eigentlich bei nem niedergelassenen Chirurgen versorgt werden könnten, aber eben nur theoretisch, weil da eben kaum noch einer unterkommt. Wieviele Gelder bekommen die Kliniken zusätzlich für diese Aufgabe, wieviele Ärzte dürfen sie einstellen, um dem auch noch gerecht zu werden?

Ja, es stimmt, ein Hausarzt hat Möglichkeiten, seinen Patienten Termine zu verschaffen. Aber das funktioniert auch nicht immer. Meiner ist jedenfalls mehrfach schwer gefrustet gewesen, weil es nicht geklappt hat, zeitnahe Untersuchungen zu organisieren. In absolut deutlcih erkennbaren Notfällen geht das schon mal, wenn da ne brisante Diagnose gestellt wurde. Aber all diejenigen, bei denen die Diagnose eben von den Untersuchungen abhängt, tragen das Risiko selber. Für “vielleicht” springt kein Radiologe früher aus dem Bett (meine dringenden Termine fanden alle vor den Sprechzeiten statt, so viel zu “wir haben genug Termine”). Also warten und hoffen. Oder den Patienten wegen jeder möglichen ernsteren Verdachtsdiagnose, die zeitnah abgeklärt werden sollte, in die Klinik einweisen. Diese ganzen “da-geht-es-schneller-Einweisungen” belasten wohl nicht unser Gesundheitssystem, nur die Patienten, die zu oft zum Arzt gehen (wenn sie dann mal was Ernstes haben, heißt es wieder, warum sind Sie nicht gekommen? …. man darf doch bitte bei der Bewertung nicht vergessen, dass Laien den Ernst der Lage oft auch einfach nicht einschätzen können, dazu sind Fachleute ja da, das zu tun). Jetzt wird es dann vielleicht keine Einweisung mehr geben, sondern einen ambulanten Termin in der Klinik, aber es ist eine Frage der Zeit, wann diese Ressourcen dann auch wieder erschöpft sind und die Patienten in der Klinik dann länger auf ihre Untersuchungen warten müssen, weil die ambulanten Patienten ja auch noch wo unter kommen müssen. Wirklich durchdacht finde ich das nicht. Und warum immer noch keiner glaubt, dass es zu wenig niedergelassene Ärzte gibt, weiß ich auch nicht. Das mag in manchen Städten so sein, in unserer ländlichen Region sind die Wege sowieso sehr weit und die Auswahl an Ärzten klein. Und die sitzen voll bis unters Dach. Jedes Jahr verschwinden welche, machen ihre Praxis zu. Und die, die weiter machen, sind frustriert, die Patienten verwalten zu sollen statt zu versorgen. Ich hab gedacht, ich habe mich verhört, als ich mitbekam, dass die Kassen es honorieren, wenn mein Arzt bei Patieten KEINE Blutuntersuchungen macht. Ja das ist echt schlau. Keine Untersuchung, heißt auch dass Erkrankungen nicht entdeckt werden und was nciht entdeckt wird muss auch nicht therapiert werden und was nicht therapiert wird kostet kein Geld…. In diesem System noch mit Freude am Patienten zu arbeiten, muss echt nicht leicht sein. Es wundert mich nicht, dass sich keiner niederlassen will. Nötig wäre es aber. Vielleicht würde der eine oder andere Hypochonder dann nicht seiner Erkrankung zum Opfer fallen.

#25 |
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Gast
Gast

Die Terminservicestelle und das Abziehen von Geld aus dem Honorartopf ist nichts als ein weiterer Versuch, möglichst viele Ärzte davon zu überzeugen, auf keinen Fall in die ambulante Versorgung des deutschen Volkes einzusteigen. Es interessiert keinen Menschen in der Politik, ob die Bevölkerung unzufrieden ist. Es geht eigentlich nur darum, so zu tun, als würde man etwas tun . In Wahrheit möchte man gar nicht, dass die Patienten Termine beim Arzt bekommen, denn dann bekommen Sie womöglich auch noch Medikamente, und dann wird es noch teurer. Der große rosa Elefant im Gesundheitswesen ist die Tatsache, dass man mit 30 Jahren arbeiten nicht 90 Jahre gutes Leben finanzieren kann. Also denkt man sich ununterbrochen Dinge aus, um mit den Menschen nicht über die Realität reden zu müssen. Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Beruf. Es ist noch keine einzige Gesundheitsreform gekommen, die irgendetwas gebracht hätte. Und das wird auch so bleiben.

#24 |
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Medizinjournalistin

Einige der Kommentatoren sehen es ganz richtig: Ein treusorgender Hausarzt beschafft seinem Patienten einen Facharzttermin, wenn dieser notwendig ist.
Herr Gröhe und seine Berater haben einmal mehr bewiesen, dass sie das Elend nur verwalten können. Der Mensch ist nun mal kein Auto, das sich irgendeiner Werkstatt zuteilen lässt.

Die Sache ist ein Riesenproblem für Borreliosepatienten, die in den Augen der KVen sowieso eingebildete Kranke sind, die einen an der Waffel haben und am einfachsten mittels Liquorentnahme zur Raison gebracht werden können. Au weia.

#23 |
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Dr. med. Sabine Geier-Nelles
Dr. med. Sabine Geier-Nelles

#15 In den 25 Jahren meiner Tätigkeit hat es mehrere sog. Reformen gegeben.
Und was ist das Fazit? Mit jeder wurde es schlechter. Für mich ergibt sich die Frage:
Was kommt als nächstes?

#22 |
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Dr. Detlef Menges
Dr. Detlef Menges

Wer Terminservicestellen (allein der Begriff ist schon purer Sarkasmus) wünscht, freut sich in ein paar Jahren auch über Rabattmarken…

#21 |
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Gast
Gast

# 19 : Es war eigentlich so gedacht, daß es nur angerissen werden sollte und sich die Angesprochenen – so sie es wahrnehmen können – selbst Gedanken machen könnTe vielleicht war es aber gerade deshalb unzulänglich.
Den mangelnden EQ bzw. die Balance IQ/EQ sowie etwa Empathie halte ich z. B. für ein flächendeckendes Riesenproblem in allen Gesellschaftsbereichen, doch da kann bzw. könnte sich in der Tat Jeder schlau machen..

#20 |
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Gast
Gast

@16: Ich geh auch immer in irgendwelche Diskussionen, kacke kräftig auf den Tisch und erkläre die Umstehenden dann für bescheuert, wenn sie sich die Nase zu halten. Ich kann mir zusammenreimen was gemeint ist und finde darin auch Wahrheit, den Beitrag hätte man trotzdem etwas ausführen können.

#19 |
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Pardon, es fehlt mir schwer, derb-deutsche Ausdrücke zu vermeiden. Viele Neuerungen der Gesundheitspolitik sind nur als gequirlte(r) …. Unsinn zu bezeichnen. Die Lawinen von Gesundheitsreformen, die uns, nämlich alle Betroffenen und nicht nur die Ärzte, überzogen haben, führten nur zu Verschlimmbesserungen.
Ohne Marxist zu sein, es ist dieses Zitat: »Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt« das die Situation der gesundheitlichen Betreuung, der gesundheitlichen Daseinsfürsorge in den letzten Jahrzehnten negativ verändert hat, unsere berufliche Einstellung und unsere Berufsauffassung eingeschlossen. Wir sind geworden, wie Medien und Politik uns haben wollten. Wer hat eigentlich die Vokabel „Generation Y“ geprägt? Facharztmangel, Wartezeiten, Ärztepfusch, Medizinskandale (Herzschrittmacher, Organtransplantation…..): Wo bleibt das historische Kurzzeitgedächtnis! Haben wir den KO-Katalog eingeführt, der die allgemeinärztliche, auch internistische Kompetenz und damit auch die Kapazität einer qualifizierten Basisdiagnostik (z.B. Endoskopie, Echokardiographie, Herzschrittmacherkontrollen u.a.) einschränkt oder war das nicht 1992 Herrn Seehofers Idee?? Wohl doch! Waren es nicht die Sozialgerichte und Zulassungsausschüsse der KV´en, die Bedarfszulassungen mit aller Macht trotz langer Wartezeiten auf spezialisierte Basis(!)diagnostik verhindert haben. Sind es nicht letztlich auch unsere verehrten Fachkollegen, die Angst haben, Ihnen könnte trotz aller Arbeit die Butter vom Brot genommen werden und die entsprechende Anfragen der KV beantworten mit „ja, aber doch sofort, aber gleich! Mit Geld allein kann das Berufsbild eines Hausarztes auf dem Land nicht schöner und vor allem nicht interessanter werden, wenn es nur als Lotse im Gesundheitswesen, als Scheinselbstständiger der Krankenkassen (Schein kann auch ein Vordruck sein) und nicht auch mit denkbaren und notwendigen Qualifikationen ausgestattet wird. Terminvergabe auf dem weiten Land scheitert doch nicht nur an der fachärztlichen Kapazität sondern auch an den logistischen Möglichkeiten der Patienten, die den Weg zum Spezialisten wie auch immer bewältigen müssen!
Schade nur dass wir so viele ungehörte Selbstgespräche führen. Es kommt nicht nur darauf an, die Situation zu interpretieren, nein, wir müssten sie auch verändern. Fachrzt für Innere Medizin seit 1987

#18 |
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an #15: Lieber Herr Hagen, Sie haben vergessen, unseren Universalminister Seehofer zu nennen.
Mit freundlichen Grüßen

#17 |
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Gast
Gast

Die Daumen runter bei # 13 zeigen auf, daß hier Selbstkritik ( – fähigkeit ) vergessen wurde, obwohl sie enthalten war bzw. nicht zugelassen werden kann/darf.

#16 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

An Gast: Und die lieben Patienten mögen an ihren hypochondrischen Persönlichkeitsstörungen arbeiten und nicht aus jeder Bagatelle einen medizinischen Notfall aus Bequemlichkeit machen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Mit Beschimpfungen kommt man nicht weiter. Fakt ist das wir kein Terminangebotsproblem haben in diesem Land sondern eine Überinanspruchnahme. Und zwar mit vielschichtigen Gründen. Auch Erwerbstreben von Ärzten, auch mangelhafte Kostenbeteiligung der Patienten an den verursachten Leistungen. Es gibt natürlich auch einige wenige strukturelle Engpässe. Bsp.: internistische Rheumatologen. Warum? 1. neue aufwändige Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahren. Eines der Fächer mit den größten Fortschritten in den letzten 20 Jahren. Von der Politik ignoriert, weil nur die horrenden Kosten gesehen werden. 2. Von Patienten und willfährigen Überweisen zugemüllt, weil jede Fingerpolyarthrose beim Hochbetagten angemeldet wird. Es könnte ja auch Rheuma sein. Eigentlich eine ganz einfache Ausschlussdiagnostik. Kann jeder Hausarzt, ggf. plus Röntgenbild. Auch die Endokrinologen sind hochbeansprucht. Zu über 75 % zur unberechtigten Ausschlußdiagnostik. Solche Spezialisten brauchen halt nun mal 15 Jahre Ausbildungszeit. Wenn die Politik 20 Jahre schläft und versucht nur Ärzte von Studium und Facharztausbildung abzuschrecken braucht man sich über den Mangel nicht zu wundern. Uns hat man damals als wir uns für das Studium beworben haben eine glänzende Zukunft als Taxifahrer vorausgesagt, das AiP vor die Füße geworfen, Weiterbildungsstellen wegrationalisiert. Dabei die demographische Entwicklung genau kennend. Das ist Politikversagen auf höchstem Niveau. Vom Ignorant Blüm bis zur Zynikerin Ulla Schmidt. Es hat seit über 30 Jahren in diesem Land keinen einzigen Gesundheitsminister gegeben der seinen Job gut gemacht hätte. Gröhe ist zwar nett aber ein absolut inhaltsleerer Lobbyist der Krankenkassen. Gegen Patienten, gegen Leistungserbringer. Nur die Kosten im Blick, nicht die Menschen. Nur Symbol- und Stammtischpolitik. Darum sind die Terminservicezentren gekommen. Nutzlos, sinnlos, aber gut am Stammtisch für das Stimmvieh.

#15 |
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Dipl. Med Tereza Ortac
Dipl. Med Tereza Ortac

ich bin mit den Kollegen absolut einverstanden. Viele Patienten nutzen das System aus, machen “Arzttourismus” um immer mal andere Meinung zu hören. Manche kommen mehrmals im Quartal um sicher zu gehen, dass sie gesund sind. Das ist leider Alltag in der Praxis.

#14 |
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Gast
Gast

Viele Ärzte sollten noch vor ihrer Tätigkeit bzw., zum. parallel, an ihrer Persönlichkeits- u. Herzensbildung, ihre IQ-Lastigkeit erkennend an ihrem EQ arbeiten, von jeglicher Arroganz und narzistischem Anflug lassen, einfach immer wieder zur Besinnung kommen. Das wäre für BEIDE Seiten besser.

#13 |
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Weitere medizinische Berufe

@ #7:
“Was mich als Arbeitswissenschaftler an dem neuen Prozedere stört, ist, dass kein FA aufgefordert wird, freie Termine an die Vergabestellen zu melden und auch, dass es keine Möglichkeiten gibt, einen Patienten, der einen Termin nicht einhält und das auch nicht meldet, in irgendeiner Form zu “bestrafen”.”
Herr Prof. von Restorff, das stimmt nur teilweise; die einzelnen KVen haben schwer daran gearbeitet, die von den FÄ gemeldeten Termine einzutragen und damit den “Unsinn” umzusetzen, aber die Patienten, die n i c h t erscheinen, sollten wirklich durch eine Gebühr abgestraft werden, da haben Sie Recht.

#12 |
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Dr. med. Sabine Geier-Nelles
Dr. med. Sabine Geier-Nelles

Ich habe eine Facharztausbildung als Internistin und bin seit 25 Jahren als
praktische Ärztin (Hausärztin, 2000-Seelen-Dorf) tätig. Ich “hänge” mich
täglich ans Telefon, bleibe oft bei “drücken Sie 1, 2 oder 3” hängen, bekomme aber trotzdem immer einen zeitnahen Facharzttermin, manchmal am selben Tag, für
meine Patienten. Mit ein bisschen gutem Willen von allen drei Seiten ( HA, FA, Pat.)
geht (fast) alles. Alles andere halte ich für ‘rausgeschmissenes’ Geld, eine Zeche, die wir auch noch selbst bezahlen sollen.

#11 |
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Ärztin

Ich habe die ersten Erfahrungen mit der Terminservicestelle schon hinter mir.
Ein Pat. der zum Endokrinologen soll und auf Anruf in den entsprechenden Ambulanzen/Praxen Termine Juni/Juli 2016 bekam bat mich um eine entsprechende Überweisung.
Nach mehrfachen Anrufen an der Servicestelle (Nds) wurde er an einen Kollegen verwiesen, der niedergelassener Radiologe mit gr. Praxis ist.
Was für ein Sinn dahintersteckt war nicht zu erfahren, da bei der Servicestelle kein Durchkommen war.

Mittlerweile haben die Helferinnen ihm einen Termin in der nächsten Großstadt besorgt.

#10 |
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Sehr geehrter Kollege Schätzler,
ich dachte immer es gäbe, bis auf wenige verbliebene Praktische Ärzte, nur noch Fachärzte in der kassenärztlichen Niederlassung, da ein Facharzttitel eine Grundvoraussetzung für eine Zulassung als Kassenarzt darstellt.
Somit sind die Privilegierung eines Facharztes für Allgemeinmedizin, sowohl in der Stimmgewichtung der KV oder in der Finanzierung der Gröheterminservicestelle ein stetes Rätsel für mich. Bitte erläutern Sie mir dies?
MfG

H. Schneider

#9 |
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Dr. med. Eberhard Herrmann
Dr. med. Eberhard Herrmann

Kollege Hagen hat -aber auch – vollinhaltlich Recht. Was bleibt ist,wir sollten erst
einmal fachübergreifend jeder seine Aufgaben kollegial ( ! ) erfüllen und die
“Politik außen vor lassen”

#8 |
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Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff

Die Terminservicestellen könnten durchaus, wenn sie es entsprechend dokumentieren, FA-Mangel nachweisen und damit dafür sorgen, dass in einem Gebiet neue FA-Stellen zugelassen werden, wenn es trotz intensiver Suche tatsächlich keinen Termin gibt.
Was mich als Arbeitswissenschaftler an dem neuen Prozedere stört, ist, dass kein FA aufgefordert wird, freie Termine an die Vergabestellen zu melden und auch, dass es keine Möglichkeiten gibt, einen Patienten, der einen Termin nicht einhält und das auch nicht meldet, in irgendeiner Form zu “bestrafen”.

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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Herr Schätzler Sie reden Stuss. Sparen Sie Sich bitte den Unsinn des Hausärzteverbandes nachzuplappern sondern halten Sie sich besser an Fakten. Der Stau bei Facharztterminen wird wenn er denn überhaupt vorhanden ist, durch unqualifizierte Zuweisung durch ganz überwiegend Hausärzte verursacht. Fast jeder Kreuzschmerzpatient, bekommt eine Überweisung vom Hausarzt zum MRT, zum Orthopäden und zum Neurologen. Noch schlimmer die Schwindelpatienten, da brauchen wir noch HNO dazu. Viel zu viele dieser Patienten wurden weder ordentlich klinisch untersucht, noch wurde der erste Befund besprochen, bevor die 2. Überweisung ausgestellt wurde. Die überwiegende Mehrzahl der Hausärzte macht inzwischen Terminsprechstunden. Viele Patienten bekommen bei mir, Orthopäden, schneller einen Termin als bei ihrem Hausarzt. Sehr viele Hausärzte lassen Ihre Patienten von einer Arzthelferin an der Rezeption oder Telefon abfertigen und als Notfall zum Facharzt überweisen ohne den Patienten überhaupt gesehen zu haben. SO ist die Realität. Ich bin schon auf den Missbrauch der dringlichen Überweisungen gespannt. Da werden einem wieder Gichtanfälle als orthopädische Notfälle untergejubelt, ohne das auf die große Zehe draufgeschaut und das Labor abgenommen wurde. Und dennoch schätze ich 90% meiner hausärztlichen Kollegen vor Ort als kompetent, fleißig und kollegial ein. Es sind halt wie immer die 10 % anderen, die die Stimmungslage ausmachen. Dazu kommen dann noch die Dreifachterminausmacher und Nichtkommer unter den Patienten und das völlig ungestraft! Ebenso die Zweitmeinungseinholer wegen Bagatellerkrankungen. Gesetzeswidrig übrigens. Legel? Illegal? Sch…egal!
Wir bestellen Patienten viel zu selten wieder, weil wir uns das nicht Leisten können. Quartalspauschale 18 €! Die Zeche für die sinnlosen Terminservicestellen müssen die Patienten bezahlen und sonst niemand. Den Hausärzten muss man wohl, nachdem das Anreizmodell Hausärzteverträge gescheitert ist, eine Überweisungsquote auferlegen um den unnötigen Mehrfachüberweisungen Herr zu werden, vor allem für die Schichtdiagnostik. Die übrigens obwohl von Hausärzten ausgestellt, in den Facharzttopf fallen. Soviel zur Gerechtigkeit Herr Schätzler.

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Gast
Gast

Wenn hier von ” Konsultation ” die Rede ist, halte ich es für etwas hochtrabend.
Es ist doch so einfach : U. a. Hausärzte sollen / dürfen sich nicht überarbeiten, sie sollten angemessen vergütet werden, sich aber auch bescheiden ( und bescheiden verhalten.. ), und es müssen/können daher auch mehr Ärzte her.

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Dr. med. Eberhard Herrmann
Dr. med. Eberhard Herrmann

Liegt die lange Wartezeit auf ” Facharzttermine” nicht vielleicht auch daran,dass FA(FÄ) einmal überwiesene Patienten immer und immer wieder bestellen?

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Max Bittrich
Max Bittrich

Sehr geehrter Herr Schätzler,

“…weitere Honorarkürzungen hinehmen…”. Eines ist ganz sicher die Hausärzte hatten in den letzten sagen wir beispielhaft 5 Jahren keinerlei “Honorarkürzungen”, sondern massive Aufwertungen. Schauen Sie sich doch die offiziellen Zahlen der KBV mal an. http://www.kbv.de

Ich weis auch nicht warum “die ach so gebeutelten Hausärzte” ständig schlechte Polemik auf die ärztliche Selbstverwaltung machen. Sitzen nicht alle im selben Boot? Sollte die ärztliche Selbstverwaltung nicht viel mehr gestärkt werden gegen die unsäglichen Forderungen der GKV und des “GKV-Spitzenverbands”. Diese Selbstzerfleischung ist doch irrational.

Wenn es zu wenig Augenärzte/Rheumatologen gibt, dann könenn die tätigen Fachärzte nichts dafür. Der Arbeitstag hat nur 8 Stunden und die Facharztbudgets sind massiv beschränkt bei Gesetzlichen.

Sagt ein Klinikarzt, der die ganze Diskussion von außen beobachtet.

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Gast
Gast

Muss jetzt schon wieder der Streit zwischen Fachärzten und Hausärzten wegen vermeintlich oder wirklich ungerechter Behandlung geschürt werden? Der ewige Zwist hilft doch nur der Regierung, uns noch mehr Unsinn aufzudrücken.

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Was hier noch fehlt, ist der Hinweis, dass nach den Vorstellungen der Politik, der Facharzt-dominierten KVen und offensichtlich auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wir Hausärztinnen und Hausärzte diese Terminservicestellen (TSS) ab 2016 mitfinanzieren sollen!

Und das, obwohl wir für unsere Patientinnen und Patienten i. d. R. tag-gleich oder spätestens am Folgetag je nach Dringlichkeit immer eine Konsultation ermöglichen. Und wer erst spät als Akut-Fall in der Hausarztpraxis aufkreuzt, wird ebenfalls kurz untersucht und beraten.

Gleichzeitig sollen wir Hausärzte weitere Honorarkürzungen hinnehmen, wenn irgendwelche terminlich verpeilten Facharztpraxen die 4-Wochen-Frist nicht einhalten wollen oder können, und dem Patienten dafür ein ambulanter Behandlungstermin im Krankenhaus angeboten werden muss. Die Klinikrechnung, die dann der KV dafür später präsentiert wird, dürfte doch nur und ausschließlich aus dem verursachenden Facharzt-Topf bezahlt werden?

Aber diese Honorare bzw. Personal- und Logistik-Kosten für die rein Facharzt-induzierten TSS werden von der G e s a m t v e r g ü t u n g abgezogen und damit auch auf die Hausärzte umgelegt!

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