Molekularer „Dialekt“: Die Stammzellen-Flüsterer

29. Januar 2016
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Neurale Stammzellen können verschiedene Funktionen im Körper übernehmen. Umliegendes Gewebe kommuniziert über Signalwege mit den Zellen, sodass die Zellen je nach Bedarf reagieren. Mithilfe eines „Dialekts“, den die Zellen verstehen, könnten sie aktiv beeinflusst werden.

Neurale Stammzellen besitzen außergewöhnliche Fähigkeiten: Sie können sich teilen, in eine Art „Winterschlaf“ fallen oder sich in reife Zelltypen differenzieren und als solche unterschiedlichste Funktionen übernehmen. Was aber macht die neuralen Stammzellen zu diesen Multitalenten?

Insel- und Stammzellen mit gleichem Dialekt

Möglich wird dies durch bestimmte Signalwege, denn die Stammzellen empfangen Signale des umgebenden Gewebes und reagieren darauf. Entscheidend ist die Art, wie diese Zellen die empfangenen Signale interpretieren. Für die Forscher gilt es demnach zu entschlüsseln, wie Stammzellen die unterschiedlichen Signale aus ihrer Umgebung interpretieren – welchen „Dialekt“ sie verstehen – und ob man diesen dann gezielt einsetzen kann, um Zellen zu überreden, verletztes Gewebe zu regenerieren. Die Stammzellforscher um Erstautor Dr. Jimmy Masjkur vom Uniklinikum Dresden haben jetzt einen solchen molekularen „Dialekt“ entdeckt und ihn STAT3-Ser/Hes3-Signaltransduktionsweg genannt. Was ihn so spannend macht, ist die Tatsache, dass ihn nicht nur Stammzellen, sondern auch bestimmte Zellen nutzen, die ebenfalls über die Fähigkeit zur Teilung und Differenzierung in andere Zelltypen verfügen.

Zellen, die diese Anforderung erfüllen, sind die Inselzellen aus dem Pankreas, die unterschiedliche endokrine Hormone, einschließlich des Insulins produzieren. Das Pankreas kann als ein hochplastisches Organ im Rahmen der Homeostasem und der Regeneration multiple Veränderungen durchlaufen. Die Erkenntnis, dass die Inselzellen dieselben Signalwege wie die zur Regeneration fähigen Stammzellen nutzen, könnte zukünftig neue Therapieoptionen für Diabetes eröffnen. Denn ein wichtiger Faktor bei der Diabetes-Forschung ist die Erhaltung und Regeneration der Inselzellen. So werden – über die Quelle der Stammzellforschung – die für die Regeneration notwendigen Signalwege verstanden. Und die Signalwege der neuralen Stammzellen dienen als „Blaupause“ bei der Identifikation neuer molekularer Mechanismen der Pankreasbiologie.

Originalpublikation:

Endocrine Pancreas Development and Regeneration: Noncanonical Ideas From Neural Stem Cell Biology
Jimmy Masjkur et al.; Diabetes, doi: 10.2337/db15-1099; 2016

13 Wertungen (3.15 ø)
Forschung, Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Heilpraktikerin

Das klingt vielversprechend..
Gemäß Bruce Lipton kann jeder selbst mit seinen Zellen kommunizieren und Heilung veranlassen.
Wie toll wäre es, wenn mal alle Forscher im Sinne für Patienten an einem Tisch säßen und gemeinsam forschen…?

#1 |
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