Autismus: Furche lehrt das Fürchten

1. Februar 2016
Teilen

Eine unzureichend ausgeprägte Hirnfalte kann ab dem zweiten Lebensjahr als Hirnmarker für Autisten dienen. Je geringer der sogenannte „sulcal pit“ ausgeprägt ist, desto stärker sind die Kommunikationsfähigkeiten des Kindes eingeschränkt.

Forscher des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung haben durch MRT-Untersuchungen einen für Autismus typischen speziellen Hirnmarker entdeckt, der ab dem zweiten Lebensjahr auftritt. Bei der entdeckten Anomalie handelt es sich um eine weniger ausgeprägte Falte des Broca-Areals. Diese Region des Gehirns ist für Sprache und Kommunikation verantwortlich. Diese Entdeckung basiert auf den Ergebnissen der MRT-Untersuchungen und einer Kohorten-Studie an Patienten, bei denen bereits im frühen Alter Autismus identifiziert wurde. Sie ermöglicht eine verbesserte und frühzeitigere Diagnose bei diesen Patienten.

Augenmerk auf „sulcal pit“

Die charakteristischen Windungen und Furchen des Gehirns entstehen schon in den letzten Schwangerschaftsmonaten durch mechanische Kräfte: Die Nervenfasern zwischen den unterschiedlichen Arealen der Hirnoberfläche geraten zunehmend unter Spannung, wenn die Hirnrinde des Fötus wächst. Gehirnregionen, die durch viele Nervenfasern miteinander verbunden sind, werden während der embryonalen und frühkindlichen Entwicklung des Hirns zueinander gezogen und wölben sich zu Hügeln auf. Furchen entstehen in den weniger stark vernetzten Regionen zwischen den Hügeln.

Die Forscher beschäftigten sich insbesondere mit dem „sulcal pit“ – dem tiefsten Punkt jeder Hirnfurche. Sie untersuchten Jungen im Alter zwischen zwei und zehn Jahren, die in drei Gruppen unterteilt waren (Autisten, Kinder mit autistischen Symptomen und Kinder ohne Autismus-Spektrum-Störungen) und stellten fest, dass die Hirnfurche bei autistischen Kindern deutlich geringer ausgeprägt war als bei den beiden anderen Gruppen. Daraus lässt sich schlussfolgern: je flacher die Furche, desto schlechter sind die Kommunikationsfähigkeiten.

Gehirnentwicklung auch noch nach der Geburt

Diese spezifische Anomalie bei autistischen Kindern könnte als Biomarker für diese Erkrankung genutzt werden und so eine frühzeitigere Diagnose ermöglichen. Bislang erfolgt die Diagnose hauptsächlich über klinische Symptome, die durch Beobachtung und Gespräche mit den Kindern und ihren Eltern festgestellt werden. Dies geschieht in Frankreich durchschnittlich im Alter von 4,5 Jahren.

Im Laufe ihrer Untersuchungen stellten die Forscher zudem fest, dass die Entwicklung des Gehirns – wie bislang angenommen – nicht mit der Geburt abgeschlossen ist. Sie konnten beobachten, dass sich bestimmte Furchen in den oberflächlichsten Schichten auch später noch weiter ausbilden. Diese Entwicklung verläuft bei autistischen und gesunden Kindern gleich.

Originalpublikation:

Localized Misfolding Within Broca’s Area as a Distinctive Feature of Autistic Disorder
Lucile Brun et al.; Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscienes and Neuroimaging, doi: 10.1016/j.bpsc.2015.11.003; 2016

23 Wertungen (4.48 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

6 Kommentare:

Gast
Gast

Es ist schon unglaublich welch dreiste Äusserungen Herr Kehr von sich gibt zu gerade den Eltern, die sich ganz sicher die meisten Gedanken zum Thema überhaupt machen. Und wie man es aus der Wissenschaft kennt, ändert sich doch recht oft etwas an vorerst vehement vertretenen Meinungen. Genau aus diesem Grund sind solche Äüsserungen auch noch mangelnder Intelligenz zu zollen.

#6 |
  4
Thilo Kehr
Thilo Kehr

Glücklicherweise ist die die tägliche Diskussion wissenschaftlicher Beiträge eine öffentliche Angelegenheit. Dazu ist allerdings häufig eine gewisse Vorstellungskraft sowohl von der Natur der Sache, als auch vom Wesen des Erkenntnisgewinns sinnvoll. So ist durch aus denkbar, das zu naheliegenden Zeitpunkten sowohl eine mögliche Ursache (SSRI-Einnahme der Mütter) als auch ein anatomisches Korrelat (Hirnfurche) besprochen werden. Das Impfen nicht zu einer Zunahme des Autismus führt ist mittlerweile bewiesen, allerdings darf man als Arzt immer wieder nach einer Maserinfektion und Enzephalitis behinderte Kinder und Erwachsene behandeln, weil ich kann es nicht anders sagen ihre Eltern zu bescheuert waren sie zu beschützen.

#5 |
  0
Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Da französische Forschungsergebnisse in Deutschland wenig rezipiert werden,
finde ich eine solche Veröffentlichung auf jeden Fall lobenswert! Es lohnt sich, diesem
Hinweis nachzugehen und zu überprüfen, inwieweit er in praxi von Bedeutung sein
könnte.

#4 |
  0
Gefeu
Gefeu

Der Autismus wird mit genetisch bedingten Entwicklungen begründet, was es früher vor der Impfwut nicht gab. Wie im vorletzten Absatz berichtet wird, sind die Hirnfaltenbildungen auch noch im ersten und zweiten Jahr nach der Geburt im Gange. Wenn in diese Zeit mit Frühimpfungen (versehen mit allerlei Giften) hineingepfuscht wird, braucht man sich über Fehlentwicklungen im Hirnbereich nicht wundern.

#3 |
  11
Heilpraktikerin

Wie peinlich, das ist nun die x-te Autismusursache…
Und es wird nicht besser…
Waren vor kurzem nicht die depressiven Mütter mit ihrer SSRI-Einnahme schuld?

#2 |
  3
Mela
Mela

Wenn es um Autismus geht ist anscheinend keine Überschrift zu alarmistisch oder zu peinlich.

#1 |
  3


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: