Arzt-Arzt-Kommunikation: Ich Chef, du nix

3. Februar 2016
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Wie wichtig das Gespräch zwischen Arzt und Patient ist, ist längst bekannt. Aber auch die Kommunikation zwischen Ärzten ist für das Patientenwohl von Bedeutung – und funktioniert oft nur mangelhaft. Erst langsam setzt hier ein Umdenken ein.

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold – diese Regel wird im Klinikalltag leider viel zu selten befolgt. Grade, wenn es um Fehler geht, lassen sich altgediente Chefärzte von jungen Kollegen kaum etwas sagen – oder diese trauen sich erst gar nicht, Probleme anzusprechen. Und oft genug kommt es zu Missverständnissen, weil unklar oder fehlerhaft kommuniziert wird. Im schlimmsten Fall werden so Patienten gefährdet.

Jörgen Neumann* ist Assistenzarzt, bisher hat er vor allem in kleineren Kliniken gearbeitet. Für Nachfragen war meistens jemand erreichbar. „Eigentlich konnte ich mit meinen Chefs immer relativ gut reden“, sagt er. Klar sei aber auch: „Bestimmte Sachen braucht man gar nicht erst anzusprechen. Sobald etwas die Kompetenz des Chefarztes in Frage stellen könnte, wird es schwierig.“ Übt ein rangniedriger Mediziner Kritik, riskiert er, vom Vorgesetzten rundgemacht zu werden – vor versammelter Mannschaft, und so lange, bis Tränen fließen. Neumann hat das selbst miterlebt: „Es kann schnell passieren, dass man dann untendurch ist.“ Kritische Fragen wagt Neumann bei Chefärzten deshalb nur, wenn er mit ihnen allein ist – damit diese besser ihr Gesicht wahren können. Doch das kommt im Arbeitsalltag nicht allzu oft vor.

Eminenz zählt mehr als Evidenz?

Schwierig war es auf einer Station mit vielen Palliativpatienten. Ein Oberarzt setzte die Schmerztherapie mit Morphinen regelmäßig so hoch an, dass es den Leitlinien widersprach – und deutlich über die Symptomkontrolle hinausging. Neumann bereitete das ein mulmiges Gefühl. Er traute sich aber nicht, das Gespräch zu suchen: „Mir war klar, das würde nichts bringen, denn dieser Arzt war wirklich sehr von sich überzeugt.“ Im Rahmen seiner Ausbildung hatte Neumann ein Kommunikationstraining absolviert. In Rollenspielen hatten er und andere Nachwuchsmediziner gelernt, in schwierigen Gesprächen Ich-Botschaften zu senden. Aber was hätte er sagen sollen? „Ich glaube, dass sie den Tod der Patienten beschleunigen?“ Erst in der Abschlussbesprechung fasste er sich schließlich ein Herz und informierte einen anderen Vorgesetzten über die Praxis.

Ähnliche Beispiele kennt auch Hartmut Siebert, langjähriger Leiter einer Unfallchirurgie und stellvertretender Vorsitzender des Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS). Erst kürzlich habe eine junge Kollegin im OP die Fahrlässigkeit eines Chirurgen bemerkt, der mit den Gedanken woanders war. „Sie war aber zu ängstlich, ihn vehement genug darauf hinzuweisen. So kam es zu einem Fehler, den man verhindern hätte können.“

Zu den Zielen des APS gehört es, Kommunikationshürden zwischen den Hierarchien abzubauen. „Es ist nicht hinnehmbar, wenn Eminenz mehr als Evidenz zählt“, sagt Siebert. „Auch junge Kollegen haben das Recht und die Pflicht, sich einzubringen und gegebenenfalls zu widersprechen.“

Gemeinsame Fehleranalyse

Die richtige Kommunikation spiele auch beim Fehlermanagement eine Rolle. Untergebene sollten bei einer Nachlässigkeit nicht zu hart abgestraft oder an den Pranger gestellt werden. Das verleite nur dazu, Fehler künftig zu vertuschen – zum Nachteil der Patienten. „Wenn etwas schief läuft, ist es wichtig, nicht immer gleich nach dem Schuldigen zu fragen und sich einen herauszupicken“, sagt Siebert. Stattdessen solle die Fragestellung lauten: Was haben wir falsch gemacht? „Schließlich steckt ja immer auch das System dahinter.“

Weitere Tipps für solche Gespräche finden sich in der Broschüre „Reden ist Gold – Kommunikation nach einem Zwischenfall“ des APS. Sie basieren alle auf einer Grundannahme: Wenn das Wohl der Patienten nach einem Behandlungsfehler leidet, dann plagen die beteiligten Mitarbeiter ohnehin bereits Schuldgefühle. Es sei wichtig, sie damit nicht alleine zu lassen. „Jeder, dem ein Fehler unterlaufen ist, und jeder, der glaubt, einem Patienten einen schweren Schaden zugefügt zu haben, braucht kollegiale emotionale Unterstützung bei der Aufarbeitung des Ereignisses, ggf. auch seelsorgerischen oder psychologischen Beistand“, lautet die APS-Empfehlung.

Größe zur Selbstkritik

„Gefragt ist ein allgemein wertschätzender Umgang miteinander“, sagt Siebert. Er hat noch eine Empfehlung für Klinikchefs, Oberärzte und andere Vorgesetzte. „Diese sollten mit gutem Beispiel vorangehen, und eigene Fehler zuerst eingestehen.“ Chefs mit der Größe zur Selbstkritik ermutigen Mitarbeiter, Fehler ebenfalls offen zuzugeben. Und Untergebene trauen sich so eher, Entscheidungen des Chefs in Zweifelfällen zu hinterfragen, wodurch eine bessere Kontrolle der Abläufe gewährleistet wird.

Das APS hat auch einen Lernzielkatalog mit Empfehlungen dazu entwickelt, was Ärzte in der Aus- Fort- und Weiterbildung lernen sollten, um die Patientensicherheit zu verbessern. Darin heißt es, Mediziner sollten „die wichtigsten Regeln der Kommunikation nach einem Zwischenfall“ kennen und der Lage sein, „Bedenken und Zweifel im Team anzusprechen“. Erlernen sollten sie „Besonderheiten der Kommunikation über Hierarchiegrenzen hinweg“, aber auch eine „sichere Kommunikation bei Patienten-Übergaben“.

Tatsächlich gibt es Probleme in der Kommunikation ja nicht nur zwischen den Hierarchien, es geht auch nicht bloß um einen Mangel an Offenheit. Auch Zeitdruck und Personalmangel führen dazu, dass zu knapp oder missverständlich kommuniziert wird, etwa beim Schichtwechsel. Doch auch hierfür  gibt es Lösungsansätze.

In einer Studie, die 2014 im NEJM erschien, konnte ein Team um Amy J. Stamer vom Boston Children’s Hospital die Zahl medizinischer Fehler allein dadurch senken, dass sie Übergaben trainierten. Ärzte in der Fachausbildung aus den pädiatrischen Stationen neun verschiedener Krankenhäusern absolvierten ein spezielles Kommunikationstraining und erlernten optimale Standards für die schriftliche und mündliche Übergabe von Patienten. Die Quote ihrer Behandlungsfehler verringerte sich dadurch um 23 %. Insgesamt seien zwei von drei gemeldeten schwerwiegenden Behandlungsfehlern mit durch Fehlkommunikation verursacht, schreiben die Autoren der Studie.

Die gute Nachricht: Finden Mediziner bei der Kommunikation neue Wege, können sie dadurch leicht den Erfolg ihrer Arbeit – und somit das Wohl von Patienten verbessern.

Originalpublikation:

Changes in Medical Errors after Implementation of a Handoff Program
Amy J. Starmer et al.; N Engl J Med; doi: 10.1056/NEJMsa1405556; 2014

117 Wertungen (4.38 ø)

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33 Kommentare:

Gast
Gast

# 31 : Und wie ist es mit Ärzten untereinander ? Es geht auch nicht nur um professionell, je nachdem, wie man es versteht, sondern Empathie, Überwindung von Narzissmus, inges. den EQ. Alle Ärzte und Heilpraktiker sollten ausreichende psychologische Schulung oder auch Therapie zur Berufsausführung erhalten. Uni reicht scheinbar diesbezüglich nicht.

#33 |
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Student der Humanmedizin

Heilpraktiker sind Scharlatane und dieser mittelalterliche Atavismus muss einfach verboten werden.
Und das Wohl des Patienten ist IMMER sekundär und nur ein Indikator dafür, ob die Behandlung (sprich das Können und die Fähigkeiten des Arztes) zufriedenstellend war oder nicht. Das Ego des Therapeuten ist diejenige Triebkraft, die sein Handeln in erster Linie prägt. Er ist sich dessen natürlich nicht immer bewusst.

#32 |
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Alexandra Rommelfangen
Alexandra Rommelfangen

Gute und schlechte haben wir in allen Fachbereichen. Ob wir hier von Ärzten oder Heilpraktikern reden. Fakt ist, dass die Zusammenarbeit untereinander sehr schwierig ist. Da sprechen wir aber nicht nur von Ärzten und Heilpraktikern, sondern auch die Heilpraktiker untereinander gehen eher unprofessionell mit einer Zusammenarbeit um. Da wird der Patient solange therapiert bis gar nichts mehr geht. Vor allem bei der Homöopathie werden die Patienten zugedröhnt mit Globulis.( So ein paar Kügelchen, da kann man ja nichts falsch machen!! Grins. Oder wie war das mit den AMPs?) Das ist dann auch nichts anderes als Symptombehandlung. Wir alle sollten nicht vergessen – es geht hier um das Wohl des Patienten und nicht um den Narzissmus des Therapeuten. Alle miteinander und nicht gegeneinander.

#31 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe
Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe

#28-29
Für mich und meine Mitarbeiter haben „ Naturärzte“ – ( Heilpraktiker/in – ein gekünsteltes Wort) einen guten Stellenwert.
Es sollten doch in diesem Jahrhundert die Grabenkämpfe zu Ende sein! Wer ist der bessere, wer ist der schlechtere? Der der Erfolg hat und dem Patienten zur Linderung oder Heilung verhelfen kann ist dann der bessere. Ja wir Alle, wenn es mit Ehrlichkeit geschieht sorgen uns um das Wohl der vielen Patienten. Also „Alle Miteinander „und nicht „Gegeneinander“ zum Wohle der Patienten.

#30 |
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Gast
Gast

Sein wir doch mal ehrlich:
Der Engpass an medizinischem Personal wird immer enger, besonders in ländlichen Gebieten.
Was wäre denn, wenn man die Heilpraktiker als ausgebildetes medizinisches Personal und als Heilkundigen mit einbauen würde?
Leichtere Fälle, die nicht unbedingt einer ärztlichen Therapie bedürfen, wohl aber eine fachkundige Behandlung (akute unkomplizierte Bronchitis, Rhinosinusitis, Heuschnupfen etc), werden an den HP verwiesen.
Dieser überweist bei Komplikationen natürlich an den Arzt.
Das System wäre damit entlastet.

Aber das wird nie passieren, weil es uns im Gegensatz zu den Schweizern nie gelungen ist (Arzt und Naturarzt), eine Verbindung zwischen den einzelnen medizinischen Disziplinen herzustellen.
Gast # 28 hat da schon irgendwo recht.
Alle medizinischen Fachberufe sollten zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten.
Dazu gehört selbstredend auch eine Novellierung der HP-Ausbildung mit einer teilweisen Akademisierung (Teilnahme am Präp-Kurs, Histologie etc) und einem festgelegtem, staatlichen Ausbildungsplan, was die Berufsverbände schon lange fordern.
Dann wäre Ärzteschaft nicht mehr so misstrauisch gegenüber uns HPs und wir könnten, wie jetzt auch aber dann anerkannt, einen wichtigen Beitrag zur Volksgesundheit leisten.
Nur gemeinsam können wir die Krise überwinden, die mit Volldampf auf uns zurast.
Ex unitate vires!

#29 |
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Gast
Gast

Verehrter Herr Dr.Demiurg Hopmann:
Sie unterstellen also allen nichtärztlichen Heilberufen (Physiotherapeuten, Heilpraktikern etc) eine allgemeine Unfähigkeit, eine fachlich fundierte Diagnose zu stellen?
Ich kann Ihnen aus eigener, langjähriger Berufserfahrung eines sagen:
Soviele Ärzte, die einen Scharlach, einen Mumps oder gar eine Diskushernie übersehen haben oder nicht sehen wollten, die ungezählten Fälle der inflationären Antibiotika-Verordnungen und nicht zuletzt eine maßlose Arroganz gepaart mit fehlendem Einfühlvermögen, das geht gar nicht.
Alle Heilberufe, auch die jetzt hier nicht genannten, sollten zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten.
Befreit von Standesdünkel und Arroganz.

PS: Der Physiotherapeut darf keine Diagnosen stellen, der HP schon.
Dafür wird er ausgebildet.

#28 |
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@#19 Ihre Einschätzung hinsichtlich unreifen Verhaltens in Kliniken teile ich absolut. Ich würde es eher unprofessionell nennen. Ich habe aber den Eindruck, dass viele Mitarbeiter, egal welcher medizinischen Berufsgruppe sie angehören, sich im Klinikalltag ihrer eigentlichen Aufgabe und der Limitationen ihrer Kompetenz nicht mehr ausreichend bewusst sind. Dass “ein Physiotherapeut in seiner Pflicht eine gravierende, bis dato unentdeckte Erkrankung bei seiner Befundaufnahme entdeckt” ist nach meiner Erfahrung die absolute Ausnahme. Immer häufiger sehe ich mich hingegen mit verunsicherten Patienten konfrontiert, die durch irrige oder absurde Pseudodiagnosen von Nicht- Ärzten verunsichert wurden. Nicht jeder kann mit dem Patienten einfach über alles reden, was er “diagnostiziert” zu haben glaubt. In Ihrer Zunft werden beispielsweise gerne irgendwelche Blockierungen “diagnostiziert”, selbst bei gesicherten Bandscheibenvorfällen mit passenden radikulären Syndromen (L5/S1) dem Patienten was von “ISG- Blockierung” erzählt.
Diese Beobachtung hat nichts mit ärztlicher Arroganz zu tun, sondern mit strukturierter, professioneller und psychologisch fundierter Behandlung unserer Patienten. Dabei obliegen Diagnosestellung, Aufklärung der Patienten und Behandlungsplanung eben uns Ärzten und nicht einfach jedem der irgendwas mit den Patienten zu tun hat.

#27 |
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Elvira
Elvira

Ich stimme #1 zu. Wer hier von “Sachebene” spricht, sollte wissen, dass Behandlung von Krankheit permanent Entscheidungen verlangt und das liegt Menschen (der Mehrheit) eher weniger.
Hierarchie ist in Wirtschaft und Industrie ganz selbstverständlich, deshalb ist das stänkern über Chefärzte schon etwas auffällig. Der Chefarzt ist auch der Mensch, der den Karren permanent (aus dem Dreck) ziehen muss, daran denkt kaum einer. Es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich in dem so viele unberechtigte Vorwürfe üblich sind und die Ärztekammer will bei den vielen Anfragen natürlich nur eine Antwort vom Chefarzt, der seine Mitarbeiter nach außen zu schützen hat.
Krankheit selbst wird ja schon zum Kunstfehler, siehe Klage wegen Downs-Syndrom.
Natürlich gibt es auch schlechte Chefs. Hier wären Zeitverträge sinnvoll, wie in der Industrie.

#26 |
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Gast
Gast

# 23, 24 : Es liest sich nach Sachebene, bei der es menschelt. Doch weiß man, ob es sich im Kern hierum handelte ? Weiß man, ob den Herrn Professor mit der jüngeren Ärztin lediglich eine Arbeitsbeziehung verband ?
Ich kenne derartiges ziehen auf eine Sachebene, wo es im Kern um ganz anderes geht ( leider ) ebenfalls, da sind die Chancen dann gering…

#25 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe
Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe

Dr. rer. nat. Jürgen Boxberger
Lieber Dr.Boxberger ihr Erlebnis ist ein von vielen, leider nicht selten besonders in Deutschland.
Diese Schmalspurmediziner haben leider immer noch nicht begriffen wie sehr sie der Menschheit, Wissenschaft schaden. Diese Ignoranz ist nicht Nichtwissen, sondern pure Dummheit.
Dieses Laboratorium gehört zu den besten der schlechtesten.

#24 |
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Ich Chef – du nix: wie wahr, wie wahr! Als Naturwissenschaftler ist es noch weitaus schwieriger, in angemessener Augenhöhe mit Medizinern (nicht mit allen, aber mit den meisten, die kennenlernen durfte) zu kommunizieren, interdisziplinäre Zusammenarbeit hin oder her.

Eine Ärztin, mit der ich vor einigen Jahren zusammenarbeitete – einundzwanzig Jahre jünger, aber formal weisungsberechtigt – beabsichtigte, Zellen in einer Nährlösung in Kultur zu nehmen. Als ich sie auf die mit bloßem Auge sichtbaren Fadenpilze in der Flüssigkeit aufmerksam machte, reagierte sie ungehalten. Das seien keine Fadenpilze, sondern Eiskristalle. In dem Kühlschrank, in welchem die Nährlösungen aufbewahrt würden, sei eine besonders niedrige Temperatur eingestellt. Meinen Einwand, in einer salz- und zuckerhaltigen Nährlösung könne sich kein Wassereis bilden, ganz gleich, ob in dem Kühlschrank fünf oder 0,5° C Lufttemperatur herrschen, schmetterte die resolute Jungmedizinerin mit der Bemerkung ab, sie habe Pen/Strep (Antibiotika) in die Lösung gegeben. Folglich habe sich gar kein Pilz entwickeln können. Obwohl ich bei einer Medizinerin so viel Grundwissen voraussetzte, wagte ich den letzten, vorsichtigen Hinweis, dass es Schimmelpilzen und Hefen für gewöhnlich gleichgültig ist, ob Antibiotika im Kulturmedium sind oder nicht. Wahrscheinlich sei das Medium einfach nur schlampig angesetzt worden (in medizinischen Labors keine Seltenheit).

Von nun an wurde ich von der Medizinerin vor Augen- und Ohrenzeugen kritisiert und gemaßregelt. Ihr Verhalten mir gegenüber verschärfte sich bis hin zur offenen Diskreditierung und der faktischen Einstellung der Zusammenarbeit. Obwohl ich den vorgesetzten Professor über die spürbare Verschlechterung der Kooperation sowie über die mutmaßlichen Gründe informiert hatte, änderte sich nichts an dem schlechten Verhältnis. Stattdessen wurde ich wenig später von ihm im Beisein der Kollegin über die drohende Beendigung des Arbeitsverhältnisses unterrichtet. Auf die meiner begründeten Ansicht nach inakzeptablen Äußerungen der Kollegin sowie auf meine mehrmals geäußerten fachlichen Bedenken ging man mit keinem Wort ein. Sieben Tage vor Weihnachten, keine drei Monate nach meiner Einstellung, wurde mir lapidar die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitgeteilt. Begründung: meine fehlende Qualifizierung, die „den Beteiligten vor Arbeitsantritt bewusst gewesen“ sei. In der Einstellungsbegründung hatte es noch geheißen, ich sei „als Experte auf dem Gebiet der Zellbiologie besonders für die Stelle geeignet und für die Durchführung des geplanten Projektes unverzichtbar“.

Gestern noch der unverzichtbare Experte, heute der unqualifizierte Nichtskönner. Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich…

#23 |
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Gast
Gast

@Dr. Peter Maidry, bitte keine irrationalen Fantasiezahlen!

#22 |
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Gast
Gast

# 15: Wenn ich mich beziehe, finde ich es immer bedauerlich, auf das Geschriebene kaum einzugehen, Haltungen zu akzeptieren und stattdessen beharrlich beim Eigenen zu bleiben. Somit wäre z. B. der 2. Absatz verzichtbar gewesen; stattdessen der erneute Versuch, durch bestimmte Formulierungen zu diskreditieren, schade.
Vorrangig fordern erst einmal die Menschen und nicht die Wissenschaft. Diese ist aber sowohl bekanntlich begrenzt ( neben anderem ) als auch nicht homogen; hier haben wir es übrigens nicht mit Physik, Chemie etc., sondern schwerpunktmäßig Psychologie zu tun…
Ich denke eher, Du hast ein ziemliches Problem damit, Dir auch nur vorzustellen, daß EQ existiert, egal, wie definiert. Das ist natürlich bei Leuten, die konsequent ausschließlich auf einen IQ setzen, folgerichtig, weil ein ausreichender Zugang halt fehlt. Und genau hierdurch verpassen sie… ( ” warum sollten sie ? ” ) . Folgerichtig dann auch die Daumen…
Der EQ spielt praktisch überall eine Rolle ( da umfassend ), so selbstredend auch beim Arzt-Patient wie Arzt-Arzt-Verhältnis.
Abschließend sei dann noch u. a. auf das Buch ” Deutschland auf der Couch ” des Psychologen Stephan Grünewald, der bundesweit tausende Tiefeninterviews geführt hat, hingewiesen. Kein Zusammenhang mit EQ ? ( die Kenntnis vom Vorhandensein der Primärliteratur zum EQ setze ich mal voraus ).
p.s. : Das mit der IQ-Lastigkeit habe ich im Forum übrigens von anderen Ärzten z. T. sehr anders gelesen und wieso sollten nicht die anderen Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen ?

#21 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe
Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe

Es geht immer nur miteinander, aber die Frage ist wie? „Immer dabei die Würde des Anderen im Auge behaltend!

#20 |
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Physiotherapeut

Das in Kliniken eine kollegiale Zusammenarbeit aufgrund altbackener Einstellungen im Sinne des Auslebens einer straff hierarchischen Strukturierung oft nicht klappt, ist schon Armutszeugnis genug.
Dieses z. T. unreife Verhalten beschränkt sich aber nicht nur auf Ärzte, es verhindert auch das
notwendige Feedback zwischen Pflegepersonal und Ärzten, Physiotherapeuten, Logopaeden, Ergotherapeuten,… .
Selbst in diesen “untergeordneten” Strukturen wird von oben nach unten, z.T. gegeneinander statt miteinander agiert.
Auch ausserhalb der Kliniken wird dies weitergeführt, beispielsweise wenn ein Physiotherapeut in seiner Pflicht eine gravierende, bis dato unentdeckte Erkrankung bei seiner Befundaufnahme entdeckt (…hat mehr Zeit zur ausführlichen Befundung, Stichwort “red flags”…) und diese dem behandelnden Arzt mitteilt, kann dies u.U. zum regelrechten Eklat führen, weil anscheinend “die Kompetenzen überschritten” wurden.
Durch mangelnde Zusammenarbeit im gesamten medizinischen Bereich, gepaart mit vorschulhaftem Konkurrenzdenken kann dem Patienten am wenigsten Hilfe zukommen.
Resümee: Wer nicht in der Lage ist, Erkenntnisse von untergeordneten Personen, Konstruktive Kritiken und Fehler einzusehen und seinen Beruf eher als Profilierung denn als Berufung sieht, ist am Patienten und auch als Führungs-/Leitungsperson deplatziert.

#19 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Tja, überall dasselbe, Versäumnisse oder Fehler nicht kritisieren können oder dürfen. Doch wir haben starke Medien. Warum sie nicht mehr nutzen, um auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen. Dazu müsste Presse, nicht die typische Fachpresse erst einmal zugänglicher werden. Warum bleiben ganze Bereiche tabu? Kann nicht ‘mal eine überregionale Aktion gestartet werden, in einem bestimmten Zeitraum Offenheit für Unzulänglichkeiten als Fakten bewusst zusammen mit Presse in Presse zu bringen?

#18 |
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Gast
Gast

@15: Die Wissenschaft fordert zum Beleg von Konzepten, dass sie sich irgendwie messen, also nachweisen lassen. Das ist bisher meines Wissens nach nicht gelungen. Da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder das Konzept existiert nicht (oder nicht in der angedachten Form) oder es hatte noch niemand den richtigen Einfall. Ein unbestätigtes Konzept als Argument für irgendwas ins Feld zu führen, macht eine Diskussion schwierig.

Man darf Sachen gerne anschneiden — deine Beiträge lesen sich allerdings eher wie hingeklatscht und basta. Ich finde starke Meinungen völlig okay, aber erwarte dann, dass nachvollziehbar und passend zum Artikel argumentiert wird. Klar können sich die anderen einlesen, aber warum sollten sie? Wenn du andere überzeugen willst, musst *du* in Vorleistung gehen oder mit Daumen-runter leben ;)

Bei mir braucht übrigens nichts zu klicken. Ich weiß, dass die “Schulmedizin” ein Problem hat, aber der Ärzteschaft breitflächig einen eventuellen EQ abzusprechen finde ich zu einfach (-> Stammtisch). Ich bin selber Arzt und habe schon einige Ärzte mitbekommen; selbst in unangenehmen Abteilungen gab es immer noch den einen oder anderen, der im Umgang mit Patienten angenehm empathisch war. Ebenso erfuhr ich einst in einem anthroposophischen Krankenhaus, dass es auch dort herrische Chefs gab. Es gibt solche und solche. Umstände machen eben auch Menschen. Deshalb sehe ich das Problem eher in der Hierarchie (und der Struktur des Gesundheitssystems) als in einem eventuellen EQ. Ich habe große Hoffnungen, dass die einströmende “Generation ich-möchte-nebenher-auch-noch-leben” die bestehende Hierarchie stark aufweicht.

Ein hoher IQ ist übrigens nützlich im Studium, aber keine notwendige Voraussetzung für einen Abschluss ;) Da zählen Belastbarkeit, Wille und Durchhaltekraft mehr, genau wie für die nötige Abiturnote. Hoffentlich merkt man, dass ich vom gesellschaftlich üblichen Noten-/Bewertungssystem nichts halte.

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Pflegewissenschaftler

Als abhängig Beschäftigter ist es überall schwierig, Vorgesetzten gegenüber Kritik zu üben. Warum sollte ein Vorgesetzter fehlerfrei sein? Allein diese Denkweise ist in einer Zeit des fortgesetzten Lernens und sich Weiterentwickelns grotesk. Auch Anführer haben und machen Fehler. Jene, die das nicht erkennen, sind in Führungspositionen fehl am Platz!
Im ambulanten Bereich dürfen Ärzte froh sein, wenn die Pflege mitdenkt und Fehler vermeiden hilft. Viele niedergelassene Doktoren sind dankbar, andere beleidigt. Das liegt dann an deren schwachem Ego.

#16 |
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Gast
Gast

# 12 : Ja, mit der Meßbarkeit ist es schon schwieriger als in anderen Bereichen. Daß es einen emotionalen Quotienten deshalb nicht geben soll, hör ich dann von Dir allerdings zum ersten Mal.
Stammtisch ? Mir geht es, noch einmal, darum, dieses ganz dicke Problem mit gerade einfachen Worten lediglich anzureißen und Jeder, den es interessiert, hat die Möglichkeit, zu vertiefen.
Und, natürlich hat der Umgang in Hierarchien, aber nicht nur dort, hiermit zu tun wie der zwischenmenschliche Umgang schlechthin.
Ich habe absolut keine Lust, hier den Dampfplauderer zu geben und verweise nur mal beispielhaft auf den bekannten deutschen Psychologen und Autoren Wolfgang Schmidbauer, der nach Jahrzehnten Tätigkeit das Fazit zog, daß sich Leistungs- u. Liebesfähigkeit nicht zugleich steigern lassen. Wenn man weiß, welcher Quotient üblicherweise Leistungsfähigkeit zugrunde liegt, versteht man das auch mit der Korrelation besser. Hat es irgendwie klick gemacht ?

#15 |
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Gast
Gast

@12: Deinen Kommentaren würde es gut tun, wenn du nicht bloß flächendeckend einen EQ-Mangel in den Raum wirfst, sondern ihn auch nachvollziehbar erläuterst, inkl. Beispiele. Sonst klingen deine Beiträge eher nach Stammtisch. Aus meiner Sicht haben die Probleme, die der Artikel anspricht, eher mit Hierarchien und damit den üblichen zwischenmenschlichen Problemen zu tun als mit einem mangelhaften “EQ”. Die gleiche Art Probleme hat man in jedem anderen Beruf, in dem es steile Hierarchien gibt. Könige und Kaiser hat man damals auch besser nicht kritisiert. Ich erinnere mich an einen Beitrag über koreanischen Piloten, bei denen immer wieder vermeidbare Fehler passierten weil der Copilot sich aus kulturellen Gründen nicht traute, den Vorgesetzten und damit sozial Ranghöheren auf Fehler hinzuweisen. Umgangen hat man dieses Kulturproblem, in dem man die Piloten ausschließlich auf Englisch hat kommunizieren lassen. Im Englischen wären all die kulturellen Kommunikationshemmnisse nicht mehr aufgetaucht oder zumindest stark reduziert gewesen, weil die Sprache für alle Beteiligten fremd war.

Übrigens gibt es meines Wissens nach noch keine Beweise, dass ein Emotionalitätsquotient neben dem Intelligenzquotient existiert, oder eher, man hat noch keine Methode gefunden, ihn zu messen. Das verwässert den Begriff stark. Oder hab ich was verpasst?

#14 |
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Kommunikation und operative Fähigkeiten im engen und weiteren Sinne gehen oft Hand in Hand – was tun?

#13 |
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Gast
Gast

Offenbar ist es für Ärzte ein Graus und ziemlich unvorstellbar, daß es in einem Beruf mit Schwerpunkt IQ deutlich an angemessenem EQ mangelt und…. beides dürfte korrelieren. Statt fehlender, sich selbst und Anderen nicht zugestandener Selbstkritik wäre es jedoch eine Möglichkeit, zu erkennen, wo man auch in diesem Bereich ansetzen kann. Daumen runter ist einfach zu wenig und zu billig..

#12 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardge Gerontologe
Prof. Dr. Dr. Reichardge Gerontologe

Für Alle die es nicht verstehen wollen:
Arzt/Ärztin ….Medizinische Berufe sind kein Jobs –sondern eine Berufungen mit dem Anspruch auf eine höhere Bezahlung für ihre Aufopfernde Arbeit. Danach sollte man sich richten.

#11 |
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Mitarbeiterin Industrie

[Kommentar wurde wegen werblichen Inhalts gelöscht]

#10 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardge Gerontologe
Prof. Dr. Dr. Reichardge Gerontologe

Sicher kann man nicht alle Chefärzte /Oberärzte über einen Leisten schieben, es gibt solche und solche, die die im Rahmen einer Kollegialen Kommunikation nicht den Dialog suchen sind fehl am Platze.
Diese Chefs oder Oberen haben nicht, immer noch nicht begriffen das es nur im Team geht.
Was ist der Chef ohne Oberarzt? Was ohne Assistent, ja sogar haben manche vergessen dass es ohne die vielen Krankenschwestern/Pfleger und Helfer gar nicht gehen würd.
Was diesen Personen fehlt sind Lehrgänge zur Personalführung…. Oder wenn nichts hilft Lehrgänge zur Charakterbildung.
Mein größtes Gut sind meine wertvollen Mitarbeiter!!

#9 |
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Gast
Gast

Sisse, da ham wes wieder. Ich sags nochmal : Bei Medizinern – und nicht nur bei diesen – stimmt ” etwas ” mit dem EQ gar nicht so recht…

#8 |
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Gast
Gast

@Gast#1: Naja, hier geht es um Kommunikation auf der Metaebene, nicht um Benimmregeln. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge.

#7 |
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Dr. Peter Mandry
Dr. Peter Mandry

Das Problem dahinter: 100.000 vermeidbare Tote pro Jahr im Krankenhaus. Die Piloten haben das längst erkannt. Sonst würde heute keiner mehr fliegen.

#6 |
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Gast#1
Gast#1

zu Jan Heller#2: “Guten Morgen” sagen habe ich schon vor Schuleintritt von meinen Eltern gelernt.
Habe inzwischen gehört, dass man heute auch Kurse für Eltern anbietet, wie man Kinder erzieht. Danach ist es wohl zu früh, dieses schwierige Wort zu lernen,
dazu muss man erst Chefarzt werden und einen kostenpflichtigen Kurs machen.
Was wären wir ohne Psychologen.

#5 |
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Patient
Patient

Da ist es sicher nützlich, wenn man die gleiche Sprache spricht.

#4 |
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Gast
Gast

Als Patient hatte ich das (im ersten Fall zweifelhafte) Vergnügen auf eine Urologie zwei völlig unterschiedliche Chefärzte zu erleben. Beim ersten stationören Aufenthalt herrschte beim Personal ganz klar spürbar eine Atmospähre der Angst. Jeder war bemüht nicht aufzufallen, nichts zu tun, was ihm als Fehler angekreidet werden lönnte, und das hieß im Zweifel wirklich leiber mal nichts zu tun, auch wenn die Patienten darunter zu leiden hatten. Bei der Chefarztvisite standen alle außer ihm geduckt, außer den Oberärzten und auch die nur sehr vorsichtig, wagte keiner zu reden. Äußerungen von Patienten wurden entweder übergangen, runtergemacht oder bestenfalls “gütig” paternalistisch kommentiert.

Bei zweiten Aufenthalt hatte der Chef zwischenzeitig gewechselt und die zum Teil noch gleichen ärztlichen und nichtärztlichen Mitarbeiter waren wie ausgewechselt. Visiten fanden fast auf Augenhöhe mit den Patienten statt auch Assistenzärzte wurden um ihr Meinung gefragt.

#3 |
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Dr.med Jan Heller
Dr.med Jan Heller

Dazu (zur Gastmeinung) fällt mir nur ein, dass sich hier ein Aspirant für den nächsten Kurs zu Wort gemeldet hat.
Ich persönlich hatte das Glück, nach einem Jahr in einem mittleren Kreiskrankenhaus, mit grenzwertiger Gesprächskultur, für die Folgejahre gepflegtes kollegiales Miteinander kennengelernt zu haben. Und heute bin ich selber Chef, und schätze Mitarbeiter, die ihre eigene Meinung haben. Kommunikation ist alles!

#2 |
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Gast
Gast

typische Vorurteile, sicher wird es bald für Ärzte noch kostenpflichtige Pflicht-Kurse geben,
wie man richtig “guten Morgen” sagt.
Das kann natürlich der Arzt nicht wissen, dazu ist in externer Spezialist erforderlich.

#1 |
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