Herzinfarkt: Spürsonden auf Entdeckungstour

28. Januar 2016
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Nach einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung laufen im Herzen Reparaturvorgänge ab. Wie genau, war bislang unbekannt. Mithilfe von Nuklearmedizin, gepaart mit MRT, kann man die Zellen abbilden, die nach der Organschädigung wichtige Heilungsfunktionen einnehmen.

„Die Heilungsprozesse nach einem Herzinfarkt oder einer Entzündung des Herzmuskels sind größtenteils noch nicht verstanden“, erklärt Professor Wolfgang Bauer, der am Würzburger Universitätsklinikum den Schwerpunkt Kardiale Magnetresonanztherapie und Klinische Elektrophysiologie leitet. Der Kardiologe und Physiker beschäftigt sich mit bildgebenden Verfahren in der Inneren Medizin, mit denen Krankheitsursachen und -verläufe erforscht werden. „Wir möchten herausfinden, was nach der Schädigung des Herzmuskels mit und in dem Organ passiert. Denn bislang spekulieren wir noch, dass gestörte oder überschießende Prozesse zu einer dauerhaften Verschlechterung der Herzleistung und damit zur Herzinsuffizienz führen.“

Der Grund, warum man beim Patienten so wenig über die Heilung nach Schädigung des Herzens weiß, liegt daran, dass es keine einfachen Verfahren gibt, die relevanten physiologischen Vorgänge zu erfassen. Blutwerte sind zu ungenau, Biopsien sind für die Patienten zu belastend und es kann auch sein, dass man nicht das betroffene Areal findet oder trifft.

Molekulare Spürsonden machen Entzündungszellen sichtbar

Den Würzburger Medizinern Dr. Reiter und Dr. Lapa aus der Forschungsgruppe um Professor Bauer ist es jedoch gelungen, die Entzündungsvorgänge im menschlichen Herzen direkt darzustellen. Die Forscher nutzen nuklearmedizinische Verfahren in Kombination mit der Kernspintomographie, um die Zellen und Umbauvorgänge während der Entzündung im Herzen abzubilden. „Zunächst musste die Gruppe molekulare Spürsonden entwickeln, die die Entzündungszellen sichtbar machen“, so Bauer.

Entzündungsprozesse am Herzens mittels nuklearmedizinischer Verfahren dargestellt (DOTATOC-PET/CT). Die Pfeile zeigen auf die Entzündungsaktivität in der Herzscheidewand (Pfeile). © DZHI/Bauer

Entzündungsprozesse am Herzens mittels nuklearmedizinischer Verfahren dargestellt (DOTATOC-PET/CT). Die Pfeile zeigen auf die Entzündungsaktivität in der Herzscheidewand (Pfeile). © DZHI/Bauer

Das gelang den Forschern Dr. Li und Prof. Samnick mit einer radiochemischen Methode, bei der molekulare Strukturen auf der Oberfläche von Immunzellen markiert werden. Das Ausmaß der Gewebeschädigung im Herzen wurde mit der Kernspintomographie dargestellt. Dabei kann man z.B. das Gewebewasser, das bei einer Entzündung vermehrt ist, oder abgestorbene Zellengruppen sehen. „Durch die Kombination der nuklearmedizinischen Technik mit der Kernspintomographie war es uns letztendlich möglich, erstmals bei Patienten das Ausmaß der Schädigung des Herzmuskels nach einem Infarkt darzustellen“, erklärt Prof. Bauer.

Für Herzinfarkt- und Herzschwächepatienten sind diese Detaileinblicke in den Krankheitsverlauf von immenser Bedeutung. Denn ihre Herzerkrankung kann künftig wesentlich genauer diagnostiziert und dementsprechend schneller spezifisch behandelt werden.

Originalpublikationen:

Imaging of myocardial inflammation with somatostatin receptor based PET/CT – A comparison to cardiac MRI
Constatin Lapa et al.; International Journal of Cardiology, doi: 10.1016/j.ijcard.2015.05.073; 2016

Detection of cardiac sarcoidosis by macrophage-directed somatostation receptor 2-based positron emission tomography/computed tomography
Theresa Reiter et al.; European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehv278; 2015

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2 Kommentare:

Dr. med. Rüdiger von Forstner
Dr. med. Rüdiger von Forstner

Das gezeigte Bild ist von einem PET / CT und nicht von einem Pet / MRT. Im Origonalartikel wird die Detektionsrate von krankem Herzgewebe höher durch Pet / CT als durch MRT beschrieben. Der Artikel gibt diese Ergebnisse nicht eindeutig wieder.
Dr. med. Rüdiger Frhr.v.Forstner

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Klinische Relevanz? hatte stummen Infarkt. Indiz dafür war fehlende Kardinale Belastbarkeit. cMRT wies einen 80%igen transmuralen Infarkt nach; herzspitze 100%.
The.: i stent, 1 Dilatation. Ruhepuls + 10 bpm nach kardialer Rehabilitation.

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