Stammzellen: Konservation der „Alleskönner“

27. Januar 2016
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Menschliche Stammzellen, die sich in alle Zelltypen des Körpers verwandeln lassen, waren bislang schwierig zu gewinnen und zu kultivieren. Nun wurde eine Methode vorgestellt, um pluripotente Zellen in einer Zellkultur schneller aufzuspüren und ihren Zustand länger zu erhalten.

Mit pluripotenten Stammzellen, aus denen sich theoretisch jedes Gewebe des Menschen züchten lässt, wollen Wissenschaftler eines Tages eine Vielzahl von Krankheiten heilen. Anders als beispielsweise bei der Maus verlieren menschliche Stammzellen, die Embryonen entnommen werden, im Labor jedoch oft rasch ihren ursprünglichen Zustand: „Naive Stammzellen machen in einer Zellkultur meist weniger als fünf Prozent aus“, erklärt die Seniorautorin der Studie, Zsuzsanna Izsvák vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Sie und ihre Kollegen haben einen Trick gefunden, um solche Zellen zu isolieren und langfristig pluripotent zu halten.

Das Prinzip ihrer Methode hatten die Forscher bereits Ende 2014 vorgestellt. Sie hatten damals eine Gensequenz namens HERVH ausmachen können, die im Erbgut von naiven Stammzellen aktiv ist. Mithilfe eines Proteins namens LBP9, das sie an ein fluoreszierendes Eiweiß gekoppelt hatten, konnten sie HERVH im aktiven Zustand halten und die auf diese Weise pluripotent gehaltenen Zellen gleichzeitig aufspüren.

Ihre Methode eigne sich nicht nur für embryonale Stammzellen, sagt Izsvák, sondern auch für induzierte pluripotente Stammzellen. Solche iPS-Zellen gelten als eine ethisch unbedenkliche Alternative zu Embryozellen, da es sich bei ihnen um künstlich verjüngte ausgereifte Zellen handelt, die erwachsenen Menschen entnommen werden. „Mit unserer Anleitung sollte es Forschern auf der ganzen Welt möglich sein, an diese begehrten Stammzellen zu gelangen – und mit ihnen womöglich zukunftsweisende Therapien zu entwickeln“, so Izsvák.

Originalpublikationen:

Isolation and cultivation of naive-like human pluripotent stem cells based on HERVH expression
Jichang Wang et al.; Nature Protocols, doi: 10.1038/nprot.2016.016; 2016

Primate-specific endogenous retrovirus-driven transcription defines naive-like stem cells
Jichang Wang et al.; Nature, doi: 10.1038/nature13804; 2014

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Forschung, Medizin

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1 Kommentar:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

eine interessante Frage ist : inwieweit Stammzellen u. Mitochondrien von einander abhängen.
Prof. Shimon Slavin, Tel Aviv ,seines Zeichens StammzellForscher .

sagt.. was soll es , Mitochondrien produziere ich bei der Stammzell –vermehrung ?

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