Allergisches Asthma: Rohmilchkinder husten nicht

26. Januar 2016
Teilen

Kinder, die seit früher Kindheit Rohmilch vom Bauernhof zu sich nehmen, entwickeln seltener Asthma. Das liegt unter anderem am höheren Omega-3-Fettsäuren-Gehalt. Dieser geht durch die industrielle Verarbeitung verloren. Forscher plädieren für schonendere Verfahren.

Im Rahmen der Langzeitstudie PASTURE hielten rund 1000 Mütter Ernährung und Gesundheit ihres Kindes bis zum sechsten Lebensjahr regelmäßig fest. Das Risiko, mit sechs Jahren an Asthma zu erkranken, war bei jenen Kinder geringer, die ab der frühen Kindheit regelmäßig unverarbeitete Milch vom Bauernhof tranken. „Dieser Effekt lässt sich teilweise mit dem höheren Fettanteil und einem höheren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren der Bauernhof-Milch erklären“, sagt Tabea Brick aus der Arbeitsgruppe von Erika von Mutius, Professorin für Pädiatrische Allergologie an der LMU und Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU. Die Ergebnisse sind der Studie zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren

Omega 3-Fettsäuren können vom Körper nicht selbst produziert und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Ihnen werden verschiedene positive Wirkungen zugeschrieben. „Man geht zum Beispiel davon aus, dass sie im Körper zu entzündungshemmenden Stoffen umgewandelt werden “, sagt Brick.

Plädoyer für schonendere Verfahren

Die LMU-Allergologen untersuchten in Zusammenarbeit mit Forschern an der Universität Marburg verschiedene Arten von Milch: unverarbeitete und erhitzte Rohmilch sowie industriell verarbeitete Vollmilch beziehungsweise fettreduzierte Milch. Je stärker die Milch verarbeitet war, desto geringer war der Gehalt an Omega-3- Fettsäuren. Der Gehalt an Omega-6-Fettsäuren, bei deren Abbau im Körper überwiegend entzündungsfördernde Derivate entstehen, veränderte sich jedoch kaum.

Bei der industriellen Verarbeitung von Milch wird diese erhitzt, beim Pasteurisieren auf Temperaturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius. Zudem wird die Milch homogenisiert, damit sie nicht aufrahmt. Die Forscher plädieren für die Entwicklung neuer schonender Verfahren in der industriellen Milchverarbeitung, sodass die Milch ihre schützenden Inhaltsstoffe bewahrt, aber zugleich gesundheitlich unbedenklich ist.

Originalpublikation:

ω-3 fatty acids contribute to the asthma-protective effect of unprocessed cow’s milk
Tabea Brick et al.; Journal of Allergy and Clinical Immunology, doi: 10.1016/j.jaci.2015.10.042; 2016

26 Wertungen (3.65 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

13 Kommentare:

Angelika Wilke
Angelika Wilke

Heilpraktikerin
Auch dass sollte gesagt werden!
Milch von Tiermüttern gehört den Tierbabys und nicht dem Menschen!
Casein in der Milch kann für den Menschen zu über 80% Krebsauslösend sein.
Nur der Milchindustrie nützt die gestohlende Milch, wo leider das Kälbchen nur Abfall ist.
Man kann gesünder mit Mandel- oder Kokosnussmilch sein Genuss auf Milch stillen.
Liebe Grüße
Angelika Wilke

#13 |
  2
Arzt
Arzt

Eine “nested case-control study of 35 asthmatic and 49 non asthmatic children”
ist wissenschaftlich wirklich ein bisschen mager.
Das Thema “Rohmilch” ist komplexer und eher ein Infektionsrisiko, wie hier vielfach richtig kommentiert.
Also eher omega-3 ja, Rohmilch nein!

#12 |
  0
thomas götzinger
thomas götzinger

warum werden meine kommentare nicht angezeigt,andere schreiben irgendwelche studien und nummern auch noch auf fachenglisch ,damit es keiner mehr blickt, arms deitschland.

#11 |
  0
Marcus “der echte” Anhäuser
Marcus “der echte” Anhäuser

Und von den über 1000 Kindern gingen am Ende auch nur 84 Kinder in die Studie ein: 35 mit Asthma oder zweimaliger obstruktiver Bronchitis und 49 gesunden Kindern.

#10 |
  0
Marcus “der echte” Anhäuser
Marcus “der echte” Anhäuser

Am Ende des Papers heißt es übrigens: “Future interventional studies will determine whether fortification of industrially processed milk with v-3 PUFAs might be a promising approach to primary or secondary prevention of childhood asthma.”

#9 |
  0
Mitarbeiter Industrie

Dann haben wir ja vor ca. 30 Jahren zum Gluck wohl nichts gravierend falsch gemacht als wir unseren Kindern so im Alter zwischen 2 und 8 Jahren +/- jeden Tag frische Rohmilch direkt vom Bauern geholt und auch selbst getrunken haben. Es ist ja allgemein bekannt, dass zu wenig Keime nicht förderlich für die Entwicklung des Immunsystems bei Kleinkindern sind und die Entstehung von Allergien begünstigen können. Acuh übertriebene Hygiene im rpivaten Haushalt mit allerlei dafür angebotenen, aggressiven Reinigern und Desinfektionsmitteln ist da absolut kontraproduktiv. Selbstverständlich muss beim Umgang mit Rohmilch peinlichst auf Hygiene und gute Kühlung geachtet werden. Wir hatten jedenfalls in den ca. 5 Jahren, in denen wir die Gelegenheit hatten, Rohmilch direkt beim Bauern zu holen, nie Probleme. Schade, dass das heute aufgrund der Gesetzeslage praktisch nicht mehr möglich ist.

Noch eine Anmerkung: Die Milch im Euter ist praktisch keimfrei, sofern die Kuh gesund ist. Entscheidend ist die Hygiene im Stall beim Melken, um den Keimeintrag so gering wie möglich zu halten.

Und auch bei der Keimbelastung gilt: Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist. Paracelsus (1493 – 1541)

@ #7 und #5, ja, die langen Transportwege sind heutzutage eine Crux und die Hygiene im Stall bei Massentierhaltung.
Frischmilch wird aber nicht sterilisiert sondern nur pasteurisiert und homogenisiert (s. Beitrag). Nur H-Milch wird “ultrahocherhitzt” (135-150 °C für wenige Sekunden) und damit “quasi sterilisiert”, wobei die Milchsäurebakterien weitestgehend abgetötet werden, weshalb die H-Milch länger haltbar ist, was aber wiederum andere Nachteile mit sich bringt (s. z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/H-Milch).

#8 |
  0
Medizinphysiker

@5: Industriealisierung der Landwirtschaft und deren Konzentration bedingen z.B. lange Transportwege.
Daher sind aus ökonomischer Sicht möglichst lange Lagerzeiten gewünscht, was nur bei sterilisierter Milch möglich ist.

#7 |
  1
Andrea Kamphuis
Andrea Kamphuis

Zur Einordnung lese man die Interessenskonflikt-Deklaration der Autoren, die länger ist als das ganze Abstract. Man beachte insbesondere Nestlé und FrieslandCampina:

“Disclosure of potential conflict of interest: T. Brick and M. J. Ege have received grants from the German Federal Ministry of Research (BMBF), the German Research Foundation (DFG), the European Commission, the European Research Council, and FrieslandCampina. J. Pekkanen has received grants from the European Union, the Academy of Finland, the Juho Vainio Foundation, the Päivikki and Sakari Sohlberg Foundation, and the Finnish Cultural Foundation. J. Genuneit has received a grant from the European Commission (FOOD-CT-2006-31708 and KBBE-2007-2-2-06). J.-C. Dalphin has received a grant from Novartis Pharma; has received personal fees from Novartis Pharma, Chiesi, Intermune, GlaxoSmithKline, AstraZeneca, and Boehringer Ingelheim; and has received nonfinancial support from Novartis, GlaxoSmithKline, AstraZeneca, Intermune, Chiesi, Boehringer Ingelheim, and Stallergenes. R. Lauener has received grants from the Kühne Foundation and the European Union; serves on advisory boards for Nestlé, Novartis, Meda, Menarini, MSD, and Allergopharma; and has received payment for lectures from Vifor. O. Vaarala is an employee of AstraZeneca R&D. E. von Mutius has received grants from the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF), the European Commission, the European Research Council, the German Research Foundation (DFG), and FrieslandCampina; is an Associate Editor for the Journal of Allergy and Clinical Immunology; is on the Editorial Board of the New England Journal of Medicine; and has consultant arrangements with GlaxoSmithKline, Novartis, Astellas, Pharma Europe, and Vifor Pharma.

Members of the PASTURE Study Group: A. Karvonen and P. Tiittanen have received grants from the Academy of Finland (grant 139021), Juho Vainio Foundation, Kuopio University Hospital (VTR), the Farmers’ Social Insurance Institution (Mela), and the Finnish Cultural Foundation. M.-L. Dalphin has received payment for lectures from Merck Sharp & Dohme and has received travel support from Stallergenes. B. Schaub has received grants from the German Research Foundation (DFG), the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF), the European Union, and LMU. M. Depner and S. Illi have received grants from the European Research Council. M. Kabesch has received grants from the European Union, the German Ministry of Education and Research, and the German Research Foundation and has received payment for lectures from the European Respiratory Society, the European Academy of Allergy and Clinical Immunology, the American Thoracic Society, Novartis, GlaxoSmithKline, and Bencard. The rest of the authors declare that they have no relevant conflicts of interest.”

#6 |
  0
Gast
Gast

Als Kinder haben wir früher gerne und oft Rohmilch getrunken und das ohne negative Folgen.
Was ist heute anders geworden? Warum ist die Milch heute so keimbelastet?

#5 |
  1
Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich
Prof. Dr.-Ing. Elmar Schlich

Gemäß gesetzlichem Standard muss Kuhmilch vor der Abgabe an den Endverbraucher pasteurisiert werden. Milchwirtschaftliche Betriebe mit Erlaubnis zum Verkauf von “Rohmilch” (sog.: Vorzugsmilch) an Endverbraucher unterliegen hinsichtllich der maximal zulässigen Zellzahl in der “Rohmilch” besonderen gesetzlichen Einschränkungen. Die Betriebe müssen zudem die Endverbraucher schriftlich darauf hinweisen, dass die Milch vor dem Verzehr immer pasteurisiert werden muss, um z.B. TBC oder Listeriose zuverlässig zu vermeiden. Robert Koch lässt grüßen!
Erstaunlich bleibt, wieso die Zufuhr nicht pasteurisierter “Rohmilch” seitens der Ethikkommissionen der beteiligten Universitäten offenbar als unbedenklich angesehen wird!

#4 |
  0

und Rohmilch ist ein Risikofaktor für das Hämolytisch-Urämische-Syndrom !
also schonende Verfahren: ja, aber nicht bedenkenlos derzeitige Rohmilch für kleine Kinder.
Außerdem ist im 1. LJ Stillen angesagt !

#3 |
  0
Horst Rieth
Horst Rieth

Rohmilch ist keimbelastet, was mit sicherheit auch massgeblich an der entwicklung eines gesunden immunsystems beteiligt ist.

#2 |
  1
Dr. rer.nat. Günter Döring
Dr. rer.nat. Günter Döring

und was sagt die Studie bei bis zu 2 Jahren mit Muttermilch ernährten Kindern? Soll dies hier eine Werbung für Kuhmilch im frühesten Kindesalter sein?

#1 |
  2


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: