Stress: Wenn die Angst den Kortex regiert

22. Januar 2016
Teilen

Chronischer Stress kann das Risiko erhöhen, an einer Angststörung zu erkranken. Das Enzym Dnmt3a könnte in Zusammenhang mit dem krankhaften Auftreten von Angst stehen. Eine Verringerung des Enzyms im präfrontalen Kortex von Mäusen rief ängstliches Verhalten hervor.

Angst ist eine normale Reaktion auf Stresssituationen, mit denen jeder Mensch im Laufe seines Lebens schon einmal konfrontiert war – zum Beispiel vor Prüfungen oder Voträgen. Für jeden Fünften von uns wird Angst jedoch Teil einer kräftezehrenden Erkrankung, die durch lang anhaltende oder spontane Angstzustände charakterisiert ist. Für ein Drittel der Patienten gibt es keine wirksame Therapie. Daher sind neue Behandlungsstrategien dringend erforderlich.

Persönliches Umfeld prägt psychische Verfassung

Mit ihrer Studie haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München das Wissen darüber erweitert, wie unser persönliches Umfeld unser Verhalten beeinflusst. Sie haben herausgefunden, dass chronische Stressbelastungen oder ein traumatisches Erlebnisse epigenetische Veränderungen hervorrufen können. Dies geschieht durch die Bindung von Methylgruppen an die DNA. Dies kann die Aktivität von Genen dauerhaft verändern. Doch anhand der durch die Enzymaktivität hervorgerufenen epigenetischen Veränderungen lassen sich nicht nur stressbedingte Erkrankungen ermitteln, sie können auch zur Vorhersage des Behandlungserfolges herangezogen werden. Die Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, dass stressbedingte Angstzustände mit einer Verringerung des Dnmt3a-Enzym-Vorkommens im präfrontalen Kortex einhergeht.

In einem weiterführenden Schritt manipulierten die Wissenschaftler die Menge von Dnmt3a im präfrontalen Kortex von Mäusen. Alon Chen, Leiter der Studie, erklärt: „Wir haben herausgefunden, dass eine Erhöhung der Dnmt3a-Menge angstähnliches Verhalten im Anschluss an Stress verminderte und eine Reduzierung der Enzym-Menge angstähnliches Verhalten nach Stress erhöhte.“ Die neuen Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass das Enzym Dnmt3a im präfrontalen Kortex Angst vermittelt. „Dnmt3a könnte sich als das molekulare Bindeglied zwischen chronischem Stress und der Entwicklung von Angststörungen erweisen und würde als solches neue Ansatzpunkte für die Therapie bieten“, führt Chen weiter aus.

Originalpublikation:

Dnmt3a in the medial prefrontal cortex regulates anxiety-like behavior in adult mice.
Evan Elliott et al.; The Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.0971-15.2016; 2016

23 Wertungen (4.61 ø)
Medizin, Neurologie, Psychiatrie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Zu Dr. Schlett : sehe ich genau so. GB, Walsrode

#3 |
  0
Gast
Gast

Ich danke Ihnen für diesen interessanten Artikel. Sehr lesenswert und informativ. Chronischer Stress ist sehr ernst zu nehmen. Man sollte nicht warten bis er ernsthafte Schäden anrichtet.
[Kommentar wegen werblichen Inhalts gekürzt.]

#2 |
  1
Gast
Gast

Sehr geehrte Damen und Herren,
bevor man in einem wissenschaftl. Text eine Abkürzung (Dnmt3a) verwendet, sollte wenigstens ein Mal die ausführliche Version stehen.
Dr. med. Siegfried Schlett
Aschaffenburg

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: