Autismus: Die SSRI-Ausgeburt?

28. Januar 2016
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Der Gebrauch von SSRI während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Autismus-Risiko beim Kind assoziiert – mit diesem Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie machten Forscher Schlagzeilen. Doch was ist wirklich dran?

Nach der Veröffentlichung der Studie in JAMA Pediatrics [Paywall] im Dezember 2015 war die Berichterstattung von Schreckensmeldungen geprägt – kein Wunder angesichts der Tatsache, dass selbst die offizielle Pressemitteilung den angstschürenden Titel „Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft erhöht das Autismus-Risiko um 87 %“ trägt. Tatsächlich aber handelt es sich hier um das relative Risiko: Die Forscher ermittelten, dass bei 31 von 2.532 Kindern (1,22 %), deren Mütter im zweiten oder dritten Trimester Antidepressiva verwendet hatten, eine Autismus-Spektrum-Erkrankung (ASD) diagnostiziert wurde. Zum Vergleich: Von den 140.732 Kindern, die nicht in utero Antidepressiva ausgesetzt worden waren, erkrankten 1.008 (0,72 %) an ASD. Dies entspricht einer angepassten Hazard-Ratio von 1,87 (95 %-Konfidenzintervall 1,15–3,04), was gut zu den Ergebnissen eines systematischen Reviews aus demselben Jahr passt. In diesem wurde zwar nicht der Zeitpunkt der pränatalen Antidepressiva-Exposition untersucht, aber über die gesamte Schwangerschaft betrachtet ergab sich eine angepasste Odds-Ratio von 1,81 (95 % Konfidenzintervall 1,47–2,24).

Interessanterweise ließ sich in der JAMA-Pediatrics-Studie nur für selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) ein erhöhtes ASD-Risiko nachweisen, für die anderen Antidepressiva-Klassen wie SNRI, MAO-Inhibitoren und trizyklische Antidepressiva fand sich dagegen kein statistisch signifikant erhöhtes Risiko. „Es ist biologisch plausibel, dass Antidepressiva Autismus verursachen, wenn diese zum Zeitpunkt der Gehirnentwicklung im Mutterleib verwendet werden, denn Serotonin spielt bei zahlreichen prä- und postnatalen Entwicklungsprozessen eine Rolle, einschließlich der Zellteilung, der Migration von Neuronen, der Zelldifferenzierung und der Synaptogenese“, erklärt Dr. Anick Bérard, Hauptautorin der Studie und Professorin an der Pharmazeutischen Fakultät der Universität von Montreal, Kanada.

Große Fallzahl, aber auch methodische Defizite

Für die registerbasierte Kohortenstudie wertete die Gruppe um Prof. Bérard die Daten der Québec Pregnancy/Children (QPC) Kohorte aus. In die Analyse einbezogen wurden alle reifgeborenen Einlinge, die zwischen dem 1. Januar 1998 und dem 31. Dezember 2009 geboren wurden. Diese 145.456 Säuglinge wurden über einen Zeitraum von 904.035,5 Personenjahren beobachtet. Die große Fallzahl macht die Analyse aussagekräftig und stellt eine der größten Stärken der Studie dar.

Antidepressiva-Exposition definierten die Forscher als eine Abgabe von Antidepressiva während der Schwangerschaft – eine Schwäche der Studie, denn ob die abgegebenen Medikamente tatsächlich von der werdenden Mutter eingenommen wurden, ließ sich nicht aus den Registerdaten ermitteln. Um die angepasste Hazard-Ratio zu ermitteln, wurden verschiedene Variablen wie soziodemographische Daten, psychiatrische und chronisch-physische Komorbiditäten der Mutter sowie Charakteristika des Säuglings bei der Datenanalyse berücksichtigt.

Widersprüchliche Datenlage

Der Studie zufolge war dagegen eine Antidepressiva-Exposition ein Jahr vor Schwangerschaftsbeginn ebenso wie eine Exposition im ersten Trimester nicht mit einem erhöhten Autismus-Risiko assoziiert (angepasste Hazard Ratio 1,05 bzw. 0,84) – im Gegensatz zur Einnahme von Antidepressiva im zweiten oder dritten Trimester. „Während dieser Zeit findet die kritische Gehirnentwicklung des Kindes statt“, so Bérard. Das klingt zwar plausibel – doch den Beweis für einen kausalen Zusammenhang zwischen ASD und Antidepressiva-Konsum kann ihre Studie nicht liefern.

Andere Studien kommen zudem zu völlig anderen Ergebnissen: Bereits 2011 kam eine populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie (allerdings mit geringen Fallzahlen) zu dem Ergebnis, dass die Exposition während des ersten Trimesters das höchste Risiko für ASD birgt (angepasste Odds-Ratio 3,8; 95 %-Konfidenzintervall 1,8–7,8). Einer 2013 veröffentlichten Studie zufolge war nicht nur die SSRI-Exposition in utero mit einem erhöhten ASD-Risiko assoziiert (angepasste Odds-Ratio 1,65; 95 %-Konfidenzintervall 0,90–3,03), sondern auch die Einnahme trizyklischer Antidepressiva (angepasste Odds-Ratio 2,69; 95 %-Konfidenzintervall 1,04–6,96).

Wieder andere Studien kommen zu dem Schluss, dass eine pränatale Exposition gegenüber Antidepressiva überhaupt keinen signifikanten Effekt auf das ASD-Risiko hat. Hierzu gehören sowohl eine 2013 veröffentlichte, große dänische Kohortenstudie als auch zwei US-amerikanische Studien (2015 [Paywall] und 2016 veröffentlicht). Bei so vielen widersprüchlichen Ergebnissen ist nur die Unsicherheit sicher.

SSRI während der Schwangerschaft: Hui oder pfui?

SSRI sind aber nicht nur aufgrund des ASD-Verdachts in Verruf geraten, es gibt beispielsweise auch Hinweise auf eine Assoziation zwischen pränataler SSRI-Exposition und einem erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen [Paywall], Frühgeburten, geringes Geburtsgewicht, persistierende pulmonale Hypertonie und Verhaltensstörungen.

Die Entscheidung, antidepressive Medikamente während der Schwangerschaft einzusetzen, bleibt also schwierig. Einerseits gilt es, die Risiken der Behandlung für das ungeborene Kind zu bedenken, andererseits müssen aber auch die Konsequenzen einer Nicht-Behandlung in Erwägung gezogen werden. Depressionen während einer Schwangerschaft treten mit einer Prävalenz von ca. 6 bis 17 % [Paywall] auf und sind mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Mutter und das ungeborene Kind verbunden. Dazu gehören beispielsweise Spontanabort, Frühgeburtlichkeit und geringes Geburtsgewicht. Hinzu kommt, dass Suizide zu den häufigsten Todesursachen während der Schwangerschaft und ein Jahr postpartum gehören.

Ein reflexhaftes Absetzen von Antidepressiva aufgrund der nun veröffentlichten Ergebnisse ist also nicht ratsam. „Es geht immer auch darum, die Frauen umfassend aufzuklären, wie groß ein bestimmtes Risiko tatsächlich ist und wodurch es tatsächlich ausgelöst wird. Es ist wichtig, die Angst zu nehmen und die vermeintliche Schuld“, meint auch Dr. Antje Heck, Fachärztin für klinische Pharmakologie und Toxikologie und Leiterin der Spezialsprechstunde „Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit“ der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) in der Schweiz. „Ich denke, dass es primär wichtig ist, die Risiken einer psychischen Erkrankung für Mutter und Kind nicht zu vernachlässigen und diese in Relation zum Nebenwirkungspotenzial der entsprechenden Medikamente zu betrachten. Diese Einschätzung ist eine individuelle, zeitintensive und mitunter sehr komplexe Sache.“

Originalpublikation:

Antidepressant Use During Pregnancy and the Risk of Autism Spectrum Disorder in Children [Paywall]
Takoua Boukhris et al.; JAMA Pediatr., doi: 10.1001/jamapediatrics.2015.3356; 2015

76 Wertungen (4.41 ø)

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19 Kommentare:

@13
Vielen Dank, Frau Hensmann.

#19 |
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@15
bei solchen Aufzählungen rate ich zu vorsichtiger Zurückhaltung. Von den meisten Genannten wird das einfach so postuliert. Vor allem in der Retrospektive ist das nur sehr schwer zu überprüfen und ein endgültiger Beweis muss schuldig bleiben. Obwohl ich mich sehr gründlich mit den Vitae von Tiberius und Darwin befasst und durch die Arbeiten von Autismusforschern wie Baron-Cohen, Attwood, Theunissen, Tebartz van Elst, Frith und anderen sowie durch regen Austausch mit KollegInnen aus dem Autismus-Spektrum sehr viel über Autismus erfahren habe, bin ich mir der spekulativen Natur meiner Schlussfolgerung bewusst, auch wenn die Indizien erdrückend sind. Ich weise auch stets darauf hin, dass es sich um meine persönliche Meinung handelt, auch wenn sie mir wohlbegründet erscheint ( https://pagewizz.com/war-kaiser-tiberius-ein-autist-33636/ ).
Der Pianist Glen Gould ist posthum zu einem Fall für die kanadische Autismusforschung geworden. Er darf somit mit einiger Berechtigung in den Kreis der “Betroffenen” aufgenommen werden. Möglicherweise trifft das auch für andere zu. Ich weiß es nicht.
Ich stimme Ihnen in einigen weiteren Fällen durchaus zu (nicht in allen), aber es entspricht nicht guter wissenschaftlicher Praxis, ein Gutteil der genialen Menschheitsvertreter als autistisch zu vereinnahmen. Nicht jedes sonderbare Verhalten muss auf Autismus zurückzuführen sein und wenn ja, dann fehlt eben oft der wissenschaftliche Beweis. Sorry, aber ich bin eben mit der wissenschaftlichen Denke aufgewachsen. Da muss man solchen Versuchungen widerstehen können. Die persönliche Meinung bleibt dabei jedem unbenommen.

#18 |
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Doris Hofheinz
Doris Hofheinz

Interessant ist, dass unter Substitution/Chealtierung – natürlich individuell und je nach Fall – Veränderungen auftreten, die Lebensqualität und Alltagsproblematik verbessern. Insofern finde ich wichtig, nicht immer alles als “normal” anzusehen, sondern Fragen zu stellen und die Bereitschaft zu haben, quer zu denken und zu handeln.

#17 |
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Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker
Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker

Alle guten Dinge sind (leider in diesem Fall) drei:

Die autom. Fehlerkorrektur hat im voran geschriebenen Kommentar aus “neurotypischem Verhalten” mal schnell ein (in diesem Zusammenhang völlig deplaziertes) neurotisches Verhalten erzeugt; nach dem Absenden ist eine Korrektur nicht möglich – sorry.
MfG – M. Haaker

#16 |
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Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker
Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker

In Ergänzung zum Thema Asperger und “neurologische Störung” vs. “neurotisches Verhalten” hier eine kleine Aufzählung bekannter Autisten ohne die unsere Welt mit Sicherheit eine andere wäre (und deren Eltern weder mit Monsanto Produkten n o c h mit Antidpressiva in Berührung kamen:

→ Bill Gates → Albert Einstein → Ludwig Wittgenstein → Wolfgang Amadeus Mozart → Sokrates → Andy Warhol → Glenn Gould → Isaac Newton → Immanuel Kant → Vincent van Gogh → H.C. Andersen → Antoni Gaudí → Ludwig van Beethoven → Erik Satie → Béla Bartók → Charles Darwin → Samuel Beckett → Syd Barrett [Pink Floyd] → Marie Curie → Paul Dirac [Physiker] → Michelangelo → Alfred Kinsey → Nikola Tesla → Lewis Carroll → Hermann Hesse → James Joyce → Bertrand Russell → Spinoza → Henry Ford → Paul Robeson → Wassily Kandinsky → Alan Turing → Paul Erdős [Mathematiker] → Barbara McClintock → Ted Kaczynski → Stanley Kubrick → Courtney Love → Nico → Piet Mondrian → J. M. W. Turner → Archimedes → Carl Friedrich Gauss → Kurt Gödel → Herman Melville [Moby Dick] → George Orwell → Charles Richter [Richter-Skala] → Emily Dickinson → Arthur Conan Doyle [Sherlock Holmes] → Anton Bruckner → Grigori Perelman → Henri Poincaré → Gordon Brown → Charles de Gaulle → Karl XII. von Schweden → Phillip II. von Spanien → Tim Burton → Hans Asperger → Leo Kanner → Bobby Fischer → Keanu Reeves …

MfG – M. Haaker

#15 |
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Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker
Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker

Sicherlich ein Ansatz, hier mal ein anderer:

“…According to studies cited by Seneff, glyphosate engages “gut bacteria” in a process known as the shikimate pathway. This enables the chemical to interfere with the biochemistry of bacteria in our GI tract, resulting in the depletion of essential amino acids ….”

Der vollständige Artikel ist hier nachzulesen:
http://journal-neo.org/2015/01/26/mit-states-that-half-of-all-children-may-be-autistic-by-2025/

Selbst als Ziehvater und Vater zweier Asperger Autisten, Partner einer Asperger-Autistin und dadurch mit diesem Spektrum einer neurologischen Andersartigkeit ganz pragmatisch vertraut kann ich sagen, dass deren Lebenshaltung von mehr Mitgefühl und Ehrlichkeit durchdrungen als man es sonst in vielen Teilen dieser Welt vorfindet.

Der Vorwurf mangelnder Empathie der in diesem Zusammenhang gern genannt wird ist eher auf die Unfähigkeit, den Gefühlen angemessen Ausdruck verleihen zu können zurück zu führen und wird dann gern in “Tests” zur Diagnose herangezogen die dann schnell den Tatbestand der sich selbst erfüllenden Prophezeiung aufweisen.

Dennoch ist die Frage nach der deutlichen Zunahme und deren Ursachen, die ja nicht notwendig monokausal sein müssen berechtigt.

Grüsse – M. Haaker

#14 |
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Apothekerin

“Alle Geschöpfe auf dieser Erde, ganz gleich, ob Libelle, Grottenolm, Steinadler, Fledermaus oder Autist nehmen die Welt auf ihre ganz individuelle Weise und abhängig von ihrer Ausstattung mit Sinnesorganen wahr. Oder anders ausgedrückt: es gibt so viele reale Welten, wie es ökologische Nischen gibt.”

Klasse! Würde ich gerne in meine Zitate-Sammlung aufnehmen.

G.Schröter

#13 |
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Frau Silke Borowski
Frau Silke Borowski

Ich habe noch nie Antidepressiva genommen, bin Nichtraucher und habe nie etwas zu mir genommen, was in der Schwangerschaft schädlich hätte sein können. Der Vater war nicht alt und ich auch nicht.
Ich bekam ein wunderbares Kind,bei dem nach vielen Jahren die Autimusdiagnose gestellt wurde. In den Jahren, wo ich ihn bis jetzt begleiten durfte, wurde mir immer klarer , daß mein Sohn die Welt anders wahrnimmt. Ich betrachte das als keine Krankheit. Da ginge es um Heilung.Dieses Besondersein macht sein reines Wesen aus,sollte ich das brechen( lassen)!?
Nein, wer bin ich denn?Wären alle Menschen so wie mein Sohn, die Welt wäre um vieles besser .

#12 |
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Gast
Gast

Partusisten steht unter dem gleichen Verdacht….

#11 |
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In der ÄrzteZeitung vom 08.05.2015 stand zu lesen:

„Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat die im kommenden Jahr [2016] gültige Liste von 80 Krankheiten bekannt gegeben … Nicht mehr in der Liste enthalten sind“ unter anderem
Angst- und Zwangsspektrumsstörungen
akute schwere Lebererkrankung
ADHS
Störungen des Sozialverhaltens
Entwicklungsstörungen

Demnach dürfte auch Autismus (nach der Definition der WHO eine “tiefgreifende Entwicklungsstörung des Gehirns” mit Beeinträchtigungen des Sozialverhaltens) nicht mehr als Krankheit angesehen werden.

An alle, die hier so unbeschwert von Störung, Krankheit und Fehlleistungen des Gehirns sprechen: der neurotypische Mensch sollte nicht den Fehler machen, seine Wahrnehmung dessen, was er die “reale” Welt nennt, als objektiv richtig zu bezeichnen. Alle Geschöpfe auf dieser Erde, ganz gleich, ob Libelle, Grottenolm, Steinadler, Fledermaus oder Autist nehmen die Welt auf ihre ganz individuelle Weise und abhängig von ihrer Ausstattung mit Sinnesorganen wahr. Oder anders ausgedrückt: es gibt so viele reale Welten, wie es ökologische Nischen gibt.

Die autistische Wahrnehmung der Welt ist eben eine andere, keine durch vermeintlich neurologische Fehlleistungen gestörte. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die IT-Branche, allen voran SAP, gezielt und weltweit nach autistischen MitarbeiteInnen für die Softwareentwicklung sucht? Und noch etwas: auch unter den Autisten gibt es die Bandbreite von hochbegabt bis zu schwer geistig behindert. Dennoch wird man als Asperger (bitte mit “p”) mit dem Grad der Behinderung von 50 belegt. Wahrscheinlich sind damit die Behinderungen gemeint, denen man Zeit seines Lebens als nicht-neurotypischer ausgesetzt ist (90% aller erwachsenen Asperger sind trotz z.T. höchster Ausbildungsabschlüsse erwerbslos). Aber es tut sich was: immer mehr autistische Künstler und Schriftsteller bekennen sich zu ihrer Besonderheit und ermutigen hoffentlich recht viele andere, es ebenfalls zu tun.

Die Diskussionen über die Ursache(n) des Autismus führen zu nichts: Luftverschmutzung, Ernährung, Parasiten, Medikamente, alte Väter etc., etc. immer noch das leidige Denken in simplen Kausalketten, vor dem schon Frederic Vester vor fünfzig Jahren gewarnt hat.
Machen wir uns nichts vor: Autisten hat es zu allen Zeiten gegeben (autistisch wie im Lehrbuch waren m.E. Darwin und Tiberius), auch als noch keine Pharmaindustrie die Menschheit mit ihren Segnungen beglückte.

#10 |
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Doris Hofheinz
Doris Hofheinz

Liebe Frau Middendorf, informieren Sie sich gründlich über Schwermetallbelastung und Mikronährstoffmangel mit allem drum und dran …
Da SSRI in die Neurotransmitterverfügbarkeit eingreift, Mutter und Kind eng miteinander verbunden sind, das Kind über das mütterliche Blut versorgt wird, ist es nicht vorstellbar, dass die SSRI einen Bogen um das Kind machen. Wenn schon in Beipackzetteln von Vitaminen, Tees … bei Schwangerschaft gewarnt wird, wie viel mehr sollten die Alarmglocken bei SSRI klingeln … Alle Studien wurden an Erwachsenen durchgeführt, nicht an ungeborenen Kindern, dazu gibt es absolut keine Aussage.
Bitte auch mal Richtung Hormone, Progesteron, denken. Durch jahrelange hormonelle Verhütung bestehen bei vielen Frauen erhebliche Defizite (tausende Labortests), Mikronärstoffmängel insbesondere Vitamin D, Vitamin B in seiner ganzen Breite. Schon allein dadurch kann man schnell – auch ohne schwanger zu sein – in eine Depression rutschen. Das Schöne: Diese Dinge sind relativ leicht zu beheben.

#9 |
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Ärztin

Ein Verursacher für das Auftreten einer Asberger Erkrankung ist, meines Wissens, ganz speziell das Alter der Eltern,bzw. besonders des Vaters bei der Zeugung.
Je älter, desto höher die Chance auf ein Kind mit Asberger.
Unabhängig davon erlebt man häufig, dass es in mehreren Generationen einer Familie auftreten kann.Also genetische Determinierung als Ursache?
Ob es speziell in diesen Familien ein erhöhtes Vorkommen depressiver Mütter gibt. die vor, während oder nach der Geburt Antidepressiva eingenommen haben, also auch in der Stillzeit, wäre interessant zu wissen.

#8 |
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Gast
Gast

Aus meiner Erfahrung sehe ich auch einen Zusammenhang mit Depression der Mutter und Autismus beim Kind. Inwieweit die Wirkung der Antidepressiva so ausreichend und anhaltend ist ( schliesslich weiss man heute, dass Medikamente keineswegs bei jedem Individuum gleich wirken ), wäre auch noch zu klären. Es ist wie mit den meisten Studien,die Zusammenhänge sind oft so vielfältig, dass solche Aussagen auf einen Aspekt hin viel zu gewagt sind. Übrigens weiss man es auch aus der Psychologie, wie belastend depressive Mütter für die Kinder ( oder Feten ) sind. Es wäre ja auch noch zu klären, ob der Autismus auch eine Form der Depression ist. Es sollten ohnehin bevorzugt andere Therapien vor Antipressivagabe genutzt werden, besonders bei Schwangeren. Leider tendiert die Handhabung eher sehr grosszügig in diese Richtung, da sich auch Ärzte zunehmend weniger Zeit für ihre Patienten nehmen.

#7 |
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Gast
Gast

Vielleicht liegen Depressionsneigung und Autismus auch enger beieinander. Soll heißen, vielleicht ist die Rate der ASD Kinder unter depressiven Müttern per se höher? Man müsste zwischen Depressiven, die Medikamente nahmen und den Depressiven, die das nicht taten (und litten!) vergleichen.

Ich musste AD in der Schwangerschaft nehmen und mein Kind hat nicht ASD. Mein Erstgeborener, ohne Depression in der Schwangerschaft hat aber ADS.

#6 |
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GaDr.med.thomas morrst
GaDr.med.thomas morrst

Autismus ist eine Fehlreaktion des Gehirns (größter bioneurologischer Computer mit einer Analysekapazität unendlicher Größe bei einer Speichergröße von
10 hoch 180 Speicherplätzen). Mutationen und oder genetische Ursachen spielen
sicherlich eine bedeutende Rolle. Das bedeutet für die Neuropathologie genetische Forschung ohne Ende.

#5 |
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Genau, Frau Middendorf! Hauptsache ist doch, dass Ihr Sohn gesund ist (ich meine das nicht ironisch und als bekennender Aspie darf ich das wohl sagen). Im Übrigen stimme ich Ihnen zu, dass frau wenigstens während der Schwangerschaft alles aus dem Körper fernhält, was da nicht hingehört.
Die Frage, ob SSRI Autismus verursacht oder begünstigt, scheint mir noch recht offen zu sein – wie viele andere Hypothesen in diesem Zusammenhang auch. Vielleicht sucht man einfach nur krampfhaft nach einer möglichen Ursache, weil man eine so simple Erklärung wie die der Biodiversität nicht akzeptieren mag.

#4 |
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Prof. Dr. med. Christoph Schmitz
Prof. Dr. med. Christoph Schmitz

Vor zehn Jahren veranstaltete die Society for Neuroscience (SfN) anläßlich ihrer Jahrestagung in Washington (DC, USA; insgesamt >30.000 Teilnehmer) ein Satelliten-Symposium zur Neurobiologie des Autismus; ich hatte den Vortrag zur Neuropathologie des Autismus (vgl. DiCicco-Bloom E, Lord C, Zwaigenbaum L, Courchesne E, Dager SR, Schmitz C, Schultz RT, Crawley J, Young LJ. The developmental neurobiology of autism spectrum disorder. J Neurosci 2006;26(26):6897-6906).
Bei der Jahrestagung der DGPPN im November 2015 in Berlin habe ich über den jüngsten Kenntnisstand zur Neuropathologie des Autismus referiert.

Das Hauptproblem ist, daß wir nach wie vor die Neurobiologie des Autismus praktisch nicht verstehen. Biopsien aus dem Gehirn von PatientInnen mit Autismus verbieten sich aus ethischen Gründen; post mortem Untersuchungen an Gehirnen von PatientInnen mit Autismus finden in Deutschland praktisch gar nicht und in den USA nur in sehr geringem Ausmaß statt (für eine eigene entsprechende Arbeit, die wir an post mortem Gehirnen aus den USA in den Niederlanden durchgeführt haben, siehe van Kooten IA,.., Schmitz C. Neurons in the fusiform gyrus are fewer and smaller in autism. Brain 2008;131(Pt 4):987-999). Bildgebende Verfahren helfen hier kaum weiter.

Ohne Verständnis der Neurobiologie des Autismus ist die Relevanz von Tiermodellen zum Autismus aber äußerst eingeschränkt. Es gibt natürlich eine ganze Menge Literatur zum Einfluß von SSRI und anderen Antidepressiva auf das sich entwickelnde Gehirn bei Tieren, aber die Relevanz für den Autismus muß fraglich bleiben.

Mit anderen Worten: es ist uns gegenwärtig praktisch nicht möglich, zu verstehen, ob und ggf. wie die Einnahme von SSRI und anderen Antidepressiva zu Fehlentwicklungen des kindlichen Gehirns während der Schwangerschaft führen, die dann später zum Autismus führen (können) bzw. mit Autismus im Zusammenhang stehen.

Solange sich an der oben geschilderten Situation nichts ändert, werden wir weiterhin auf epidemiologische Studien angewiesen sein, um vielleicht eines Tages doch zu verstehen, was wir machen können, um die Inzidenz und Prävalenz von Autismus signifikant zu senken. Gleiches gilt auch für andere neuropsychiatrische Erkrankungen.

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Weitere medizinische Berufe

Frau Middendorf hat Recht: wir können kaum sagen, wodurch nun Autismus bewirkt wird, egal, ob man nun dringend Medikamente benötigt oder nicht, ob man sie einnimmt oder nicht…

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Birgit Middendorf
Birgit Middendorf

Ich denke es ist sehr wichtig in der Schwangerschaft genau darauf zu achten was für das Ungeborene gut ist. Genau dies habe ich getan!! Mein Sohn ist ein absolutes Wunschkind! Ich habe garnichts an Medikamenten in der Zeit zu mir genommen und mein Sohn ist Autist!! Egal was mein Sohn ist und wie er ist, ich wollte ihn haben und er ist wundervoll!! Wer von uns ist schon perfekt?

#1 |
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