Kindeswachstum: Kicken für die Knochen

19. Januar 2016
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Körperliche Aktivität im Kindesalter fördert die Knochenentwicklung, während sitzendes Verhalten diese negativ beeinflusst. Nur zehn Minuten zusätzliche moderate bis intensive körperliche Aktivität am Tag erhöhen die Knochenfestigkeit bei Vorschul- und Grundschulkindern merklich.

Ziel war es zu erforschen, wie körperliche Aktivität, sitzendes Verhalten und Muskelkraft kombiniert auf die Knochengesundheit und -entwicklung bei Kindern wirken. Die Knochenfestigkeit der Kinder wurde mit einem Ultraschallgerät am Fersenknochen gemessen. Weiterhin wurden die Kinder mit einem Bewegungsmesser ausgestattet, der ihre Bewegungsaktivität aufzeichnete. So war zu erkennen, wie viel Zeit die Kinder in sitzender, leichter, moderater oder intensiver körperlicher Aktivität verbracht hatten. Zusätzlich gaben die Eltern in einem Fragebogen an, welche Art von Sport das Kind treibt, wie viel es sich in seiner Freizeit bewegt und vor dem Bildschirm sitzt. Sprungweite und Handgreifkraft wurden gemessen, um die Muskelkraft zu ermitteln.

Die Untersuchungen zeigten, dass bei Jungen und Mädchen im Vorschul- und Grundschulalter die Knochenfestigkeit um bis zu zwei Prozent höher lag, wenn sich die Kinder nur zehn Minuten zusätzlich am Tag moderat bis intensiv bewegten. Sitzendes Verhalten war hingegen mit einer geringeren Knochenfestigkeit verbunden.

Einen bedeutenden positiven Effekt auf die Knochenentwicklung im Kindesalter haben vor allem die gewichtsbelastenden sportlichen Aktivitäten – hierzu zählen beispielsweise Ballspiele wie Fußball und Basketball, aber auch Seilspringen und Rennspiele. Dies ist mit den mechanischen Belastungen zu erklären, die auf die Knochen wirken und deren Aufbau fördern. In der Studie zeigte sich: Wenn die Intensität der körperlichen Aktivität gering war, wurde eine geringere Knochensteifigkeit bei den Kindern festgestellt.

Kinder so früh wie möglich für Bewegung zu begeistern

Prof. Dr. Wolfgang Ahrens, stellvertretender Direktor am BIPS und Mitautor der Studie, erklärt: „Die Grundlage für eine gute Knochengesundheit wird im Kindesalter gelegt und dabei ist Bewegung elementar. Eine moderate bis intensive sowie gewichtsbelastende körperliche Aktivität beschleunigt die Knochenaufbauprozesse, stärkt die Knochenfestigkeit und senkt somit das Risiko von Knochenbrüchen.“

Dr. Diana Herrmann, Erstautorin der Studie, führt fort: „Eine hohe Knochenfestigkeit im Kindesalter gilt als ein wichtiger Schutzfaktor gegen Knochenbrüche oder Osteoporose im Erwachsenenalter. Somit ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich für Bewegung zu begeistern – denn im Erwachsenenalter kann keine neue Knochenmasse mehr aufgebaut, sondern nur der altersbedingte Knochenabbau verzögert werden.“

Originalpublikation:

Impact of physical activity, sedentary behaviour and muscle strength on bone stiffness in 2-10-year-old children-cross-sectional results from the IDEFICS study
Diana Herrmann et al.; International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, doi: 10.1186/s12966-015-0273-6; 2015
9 Wertungen (4.78 ø)
Medizin, Orthopädie, Pädiatrie

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1 Kommentar:

S. Pfaue
S. Pfaue

In der Theorie schlüssig, wie aber sieht’s in der Realität aus?
Mit dem Bus oder dem Mama-Taxi zur (Ganztags)Schule, genau so wieder zurück. Dann Lernpensum bewältigen. 1-2x die Woche in den Sportverein wenns gut läuft. Zum Spielen, Bolzen, Fahrrad fahren bleibt kaum noch Zeit, und aufgrund diverser Faktoren kann man seine Kinder oft nicht mehr unbeaufsichtigt rauslassen.
Alle wilden Gelände werden für Neubauviertel oder Einkaufszentren zubetoniert, die Kids besuchen sich gegenseitig mit dem Bus statt zu Fuß oder mit dem Rad- wenn sie nicht sowieso gleich skypen.
Heutzutage werden (auch von Eltern und Lehrern) soziale Projekte und Chinesisch lernen favorisiert, Schwimmen können immer weniger Kinder, lernen dies auch nicht mehr in der Schule, obwohl sie ja heute “verlässlich aufbewahrt” werden (Deshalb gibt es übrigens auch kein “Hitzefrei” mehr, wie man mir von Schulseite aus mitteilte).
Wo ist der Lösungsansatz zu dieser Misere?

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