Prostata-Ca: Störung in der Molekül-Übertragung

19. Januar 2016
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Prostatatumoren lassen sich nicht mehr von den verantwortlichen Hormonen steuern, wenn dem Protein LSD1 eine winzige Molekülgruppe fehlt. Die Zellen entwickeln sich nicht mehr zu einer aggressiveren Krebsform weiter. Ermöglicht dies eine neue Klasse von Prostatakrebs-Medikamenten?

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern in Deutschland. Männliche Geschlechtshormone wie Testosteron beeinflussen die Genaktivität der Zellen maßgeblich und halten so den Tumor am Leben. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg haben jetzt einen wesentlichen Teil dieser Hormonsteuerung entschlüsselt.

Mechanismus geklärt, Suche nach Wirkstoffen beginnt

Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Roland Schüle, Leiter des Zentrums für Klinische Forschung des Universitätsklinikums Freiburg, hatten in früheren Studien gezeigt, dass das Protein LSD1 in der hormonellen Steuerung der Genaktivität bei Prostatatumoren eine wichtige Rolle spielt. Nun zeigten sie, dass LSD1 nur dann mit Proteinen der Hormonsteuerung wechselwirkt, wenn das Protein EHMT2 eine nur vier Atome große Methyl-Molekülgruppe auf LSD1 überträgt. Unterbanden die Forscher die Anheftung, war damit auch der Einfluss der Hormone blockiert. Die Übertragungshemmung von EHMT2 wirkte sehr selektiv, andere Moleküle waren davon nicht betroffen.

„Wir haben einen wichtigen Mechanismus in der hormonellen Steuerung von Prostatakrebs aufgeklärt. Unsere Hoffnung ist, dass sich dieser Schritt mit den richtigen Medikamenten sehr gezielt hemmen lässt. Diese Wirkstoffe gilt es jetzt zu finden“, sagt Schüle.

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Nur wenn die Proteine LSD1 (farbig) und CHD1 perfekt zusammenpassen, können Geschlechtshormone die Prostata-Krebszellen zum gefährlichen Wachstum anregen. © Universitätsklinikum Freiburg

Prophylaxe gegen aggressivere Krebsform?

Ohne die LSD1-Anheftung entwickelten sich die Krebszellen auch nicht mehr zu einer besonders aggressiven Form weiter, wie sie bei etwa zwei Drittel der Prostatatumoren auftritt. Diese entsteht, weil zwei Bereiche des Erbguts miteinander verschmelzen und dadurch ein für die Zelle wichtiges Gen der Hormonsteuerung unterliegt. „Indem wir die Veränderung des LSD1-Proteins blockieren, können wir den krankhaften Umbau des Erbguts unterbinden. Im besten Falle ließe sich damit prophylaktisch eine Verschlimmerung der Krankheit verhindern“, sagt Dr. Eric Metzger, Erstautor der Studie.

Originalpublikation:

Assembly of methylated KDM1A and CHD1 drives AR-dependent transcription and translocation
Eric Metzger et al.; Nature Structural & Molecular Biology, doi: 10.1038/nsmb.3153; 2016

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1 Kommentar:

Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

“damit ließe sich eine Verschlimmerung der Krankheit (Krebs in aggressiver Form) verhindern.” Das wäre wunderbar. Ich drücke Herrn Prof. Dr. Schüle und seinem Team der Uni Freiburg die Daumen, dass dies gelingt!!

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