Pille in der Schwangerschaft: Ein Kinderspiel

15. Januar 2016
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Nehmen Frauen die „Pille“ trotz einer unbemerkten Schwangerschaft weiter ein, drohen ihren Kindern nicht mehr Fehlbildungen als in einer Vergleichsgruppe. Damit bestätigen Wissenschaftler ältere Studien mit ähnlichem Resultat.

„Schwanger und mehrere Wochen lang die Pille genommen – was tun?“ Für Apotheker sind derartige Fragen im Handverkauf nicht selten. Obwohl orale Kontrazeptiva mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 vergleichsweise sicher sind, werden einige Frauen aufgrund von Wechselwirkungen, Krankheiten oder Einnahmefehlern schwanger.

Abstand halten

Der sogenannte „Quickstart“ kommt als Risikofaktor erschwerend mit hinzu. In vielen Ländern, etwa in Großbritannien oder in den USA, erhalten Frauen nach Gabe einer Notfallkontrazeption sofort hormonelle Verhütungsmittel. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) sowie das Center for Drug Evaluation and Research befürchten, dass Ulipristal durch hormonelle Kontrazeptiva an Wirkung verliert. Werdende Mütter sorgen sich über mögliche Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Dabei gaben Forscher schon im Rahmen älterer Untersuchungen Entwarnung. Jetzt bestätigen neue, methodisch hochwertige Daten diese Einschätzung.

Panne ohne Folgen

Als Basis dienten dänischen Patientenregister. Brittany Charlton von der Harvard Chan School of Public Health in Boston wertete Daten zu 880.694 lebend Geborenen aus. Die Fakten: Bei 22.013 Kindern (2,5 Prozent) diagnostizierten Ärzte im ersten Jahr schwerwiegende Geburtsdefekte. Insgesamt hatten 611.007 (69 Prozent) aller Mütter die orale Kontrazeption mehr als drei Monate vor der Schwangerschaft abgesetzt. Bei 183.963 Frauen (21 Prozent) lag der Zeitpunkt weniger als drei Monate zurück. Die Prävalenz schwerer Geburtsdefekten schwankte zwischen 24,8 und 25,1 Fälle auf 1.000 Niederkünfte ohne klaren Trend. Nach der Korrektur bekannter Risikofaktoren hatten Frauen, die bis zu drei Monate vor Beginn ihrer Schwangerschaft hormonelle Kontrazeptiva nahmen, sogar das geringere Risiko im Vergleich zur Gruppe ganz ohne Pille. Hier ist es Charlton nicht gelungen, einen möglichen Bias zu korrigieren. Übergewichtige Patientinnen nehmen Präparate wegen des Thromboserisikos seltener ein. Gleichzeitig gilt Adipositas als Risikofaktor für Fehlbildungen. Jenseits möglicher Verzerrungen bleibt Brittany Charltons Fazit: Hormonelle Kontrazeptiva gefährden das ungeborene Leben nach aktuellem Kenntnisstand nicht.

26 Wertungen (3.58 ø)
Forschung, Pharmazie

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2 Kommentare:

Hebamme Isabelle Rosa-Bian
Hebamme Isabelle Rosa-Bian

Ich kann Frau Stavenhagen-Neumann nur beipflichten. In meiner Betreuung von schwangeren Frauen kommt es auch hin und wieder vor, dass Frauen aufgrund von Unwissenheit ihrer Schwangerschaft, die Pille weiter eingenommen haben und nun besorgt sind, dass es zu Beeinträchtigungen des Kindes kommen könnte. Hier nutzt mir Ihr Artikel wirklich gar nichts. In letzter Zeit gibt es gehäuft Artikel auf DocCheck, die insbesondere von Ärzte- bzw. Apothekerseite negative Kritik erhalten, weil die Beiträge nicht ausreichend recherchiert oder nicht ausgewogen sind. Das ist sehr schade, war ich doch davon ausgegangen, als ich mich auf Ihrer Plattform angemeldet habe, dass hier, unabhängig von Pharma & Co, Artikel veröffentlicht werden.

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Selbstst. Apothekerin

Ich verstehe den Artikel nicht ganz. Wenn die Fragestellung war, ob hormonelle Kontrazeptiva unwissentlich während!! der Schwangerschaft genommen das Ungeborene gefährden, was nützt dann die Angabe von 69% und 21%, die vor der Schwangerschaft die Pille abgesetzt haben. Interessant sind doch die 10%, die bei schon bestehender Schwangerschaft weiter hormonell verhütet haben. Eine Gegenüberstellung der Missbildungsraten aller drei Gruppen wäre erhellend gewesen. Ich ziehe gern meine eigenen Schlüsse.
Dass Frauen ohne Pilleneinnahme die höheren Missbildungsraten haben, als Frauen, die bis drei Monate vor der Schwangerschaft hormonelle Kontrazeptiva genommen haben, könnte simpelst daran liegen, dass das Absetzen der Pille ein bewusster Vorgang ist und die Schwangerschaft geplant. Solche Frauen bereiten sich dann meist auf die Schwangerschaft vor, indem sie ihre Ernährung bewusster gestalten, Arzneimitteln kritischer gegenüber eingestellt sind, Folsäure nehmen etc.. Bei den anderen kommt es öfter zu ungeplanten Schwangerschaften, und damit ohne vorbereitende Maßnahmen.

Der ganze Artikel bestärkt mich in der Auffassung. ” Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”.

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