Kranke Kittel: Wer hilft den Helfern?

27. Januar 2016
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Wasser predigen, Wein trinken: Viele Ärzte vernachlässigen ihre eigene Gesundheit sträflich. Steigt der berufliche Stress, rutscht so mancher Mediziner in die Sucht ab. Doch mit erhobenen Zeigefingern ist niemandem geholfen.

Im Dezember veröffentlicht das „BMJ“ traditionell Studien mit einem gewissen Augenzwinkern, aber dennoch mit Relevanz. Ende 2015 ging es um den Kaffeekonsum von Ärzten. Karlmeinrad Giesinger wertete Daten der Kantine im Kantonsspital St. Gallen aus. Er fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen medizinischen Fachgebieten und erworbenen Tassen des Muntermachers. An der Spitze standen Orthopäden (189 Tassen pro Person und Jahr), gefolgt von Radiologen (177) und allgemeinen Chirurgen (167). Noch wichtiger war die hierarchische Position: Chefärzte (141) ließen sich deutlich mehr Kaffee schmecken als Assistenzärzte (96). Erklärungen liefert Giesinger nicht. Er ist – vielleicht eher zufällig – über ein gewaltiges Problem gestolpert: die berufliche Situation junger Kollegen.

Nachwuchs in Nöten

Dazu ein Blick in die Literatur. Douglas A. Mata von der Harvard Medical School, Boston, befasste sich detailliert mit der seelischen Gesundheit von Assistenzärzten. Seine Metaanalyse schloss 54 Studien der letzten Jahrzehnte ein. Mata standen Daten von insgesamt 17.560 Nachwuchsmedizinrn zur Verfügung. Er fand heraus, dass die Gesamtprävalenz depressiver Störungen bei 29 Prozent liegt, das entspricht 4.969 von 17.560 Personen. Je nach Instrument gab es starke Schwankungen. Beim Patient Health Questionnaire (PHQ-9) waren es 20,9 Prozent, und beim Primary Care Evaluation of Mental Disorders (PRIME-MD) 43,2 Prozent. Zu Beginn der ärztlichen Ausbildungszeit fand Mata einen Anstieg um 15,8 Prozent. Lange Arbeitszeiten, viel Verantwortung und eine niedrige hierarchische Stellung im Klinikbetrieb fordern ihren Preis. Srian Seen, einer der Koautoren, kritisiert, zahlreiche Reformen der letzten Jahre hätten ihr Ziel verfehlt. Mata zufolge erhöht sich der Anteil junger Mediziner mit depressiver Symptomatik um rund 0,9 Prozent pro Jahr. In einem Kommentar zieht Thomas Schwenk von der University of Nevada School of Medicine in Reno, Parallelen zum Burnout-Syndrom: Ärzten mit depressiver Symptomatik unterliefen mehr Behandlungsfehler, sie würden sich unprofessioneller verhalten und vor allem keine medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen.

Hilflose Helfer

Dass Mediziner kaum auf ihre Gesundheit achten, bestätigen auch Zahlen der Universität Los Angeles. Ärzte nahmen 4.000 Kollegen in eine Studie zum Gesundheitsverhalten auf. Jeder zweite Teilnehmer hatte keinen Impfschutz gegen Hepatitis oder Influenza, und jeder fünfte Interviewte trieb keinen Sport. In der Schweiz sieht es nicht besser aus, berichtet der Genfer Kollege Martin Schneider. Er befragte 1.784 Mediziner zum Umgang mit ihrem Körper. Von allen Teilnehmern behandelten sich 90 Prozent selbst. In den letzten sieben Tagen hatten 65 Prozent verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen. Dazu gehörten primär Analgetika (34 Prozent), Sedativa (14 Prozent) und Antidepressiva (sechs Prozent). Trotz gesundheitlicher Probleme gaben 47 Prozent aller Interviewten an, innerhalb von zwölf Monaten keinen anderen Arzt konsultiert zu haben. Nur jeder Fünfte hatte einen Hausarzt. Rund 35 Prozent sagten zur Begründung, es würde ihnen schwer fallen, kollegiale Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Erst die Pille, dann der Job

Professionelle Therapien wären in vielen Fällen aber dringend erforderlich. Bereits im Jahr 2011 führte eine anonyme Online-Befragung mit 1.287 Ärzten zu erschreckenden Resultaten. Sieben Prozent sagten von sich, Alkohol und/oder Medikamente zu konsumieren, um berufsbedingten Stress abzubauen. Bei drei Prozent traf die Aussage sogar „stark zu“. Zu ähnlichen Resultaten führte eine Studie der Röher-Parkklinik in Eschweiler mit 1.287 Ärzten. Rund zehn Prozent konsumierten Alkohol beziehungsweise Medikamente aufgrund ihrer beruflich belastenden Situation. Weitere 20 Prozent stimmten dieser Aussage zumindest teilweise zu. Autor Dr. Wolfgang Hagemann spricht von einem deutlichen Anstieg riskanter Verhaltensweisen seit den 1990er Jahren. Ärzte seien deutlich stärker betroffen als die durchschnittliche Bevölkerung. Bei Angehörigen aller Heilberufe kommt es auch immer wieder zu Todesfällen durch Propofol. Laut Arbeiten des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil, Bochum, untersuchten 16 von 32 gerichtsmedizinischen Instituten mindestens einen Todesfall mit Verdacht auf Propofol-Missbrauch innerhalb von zehn Jahren. Betroffen waren 27 Männer und 12 Frauen, darunter befandsen sich 22 Ärzte und 13 medizinische Fachkräfte. Kein Wunder, dass Gesundheitspolitiker fordern, Propofol der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) zu unterstellen. Die Maßnahme wäre jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Stress, lass nach

Viel wichtiger ist, Ursachen zu identifizieren. In diesem Zusammenhang veröffentlichte der Deutsche Ärztinnenbund Anfang Januar neue Zahlen. Einer repräsentativen Umfrage zufolge überlegen 47 Prozent aller Klinikärztinnen, ihre aktuelle Tätigkeit aufzugeben. 59 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte fühlen sich psychisch belastet, und 70 Prozent gaben zu Protokoll, Arbeitszeiten würden ihre Gesundheit beeinträchtigen. Die Forderung: 91 Prozent wollen eine Wochenarbeitszeit bis 49 Stunden, arbeiten aber deutlich länger. Genau hier sollten Verantwortliche aktiv werden. Dr. Barbara Schmeiser, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, fordert „mehr Personal bei Ärzten und Pflege, um endlich humanere Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen“.

124 Wertungen (4.68 ø)

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19 Kommentare:

Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

@Heilpraktiker: mit zuquasseln wird kein Problem gelöst, trotz der wohltuenden emotionalen Entlastung. Da würde ich doch eher einen geschulten Psychotherapeuten vorziehen, ggf. Neudeutsch zum Coaching, aber bitte auf fundierter Grundlage.
Schon eher wichtig ist das was einige Kollegen ansprechen: eintreten für die Rechte der in Klinik und Praxen tätigen Ärzte. Arbeitszeit – und Menschenrechte gelten auch für Ärzte, Pfleger u.s.w.. Organisatorische Gründe und das ewige Gejammer dass kein Geld im System ist kann kein Grund sein unsere Grundrechte und Menschenwürde zu verletzen. Es ist Geld da, mehr als genug. Es wird für jeden unnützen Mist von der Osteopathie über die Homöopathie über die Selbstmedikation mit unnützen Herbalifepillen unglaublich viel Geld hinausgeworfen für Dinge die gerade Hipp sind. Unerheblich ob eine Behandlungsnotwendigkeit besteht oder nicht. Und so viele Sekundärprofiteure halten dann die Hand auf und verbreiten auch noch den Unsinn die bessere, sanftere Medizin anzubieten. Wir sollten uns als die im Gesundheitswesen tätigen Akteure mit der Besten und breitesten Ausbildung nicht länger gängeln lassen, sondern uns an die Spitze stellen um menschenwürdige Arbeitsverhältnisse zu erzwingen. Für uns und die anderen wichtigen Akteure im Gesundheitswesen mit. Ein erster Schritt wäre eine klare Ausgrenzung von unnützem Schmarrn der nur Geld kostet und nichts bringt. Das geht von unwirksamen Pillen, nichtindizierte Massagen bis zu unnötigen Operationen und technischen Untersuchungen und ganz klar Ausgrenzung wirkungsloser Pseudotherapien (Osteopathie wenn manuelle Therapie indiziert ist, Homöopathie oder Arnika wenn es ein kalter Wickel und Zuwendung tut). Das spart Zeit und Geld. Aber dann müssen wir die Zuwendung auch geben können. Das kostet Geld. Ist aber besser als jeden Kleinkram ins MRT zu schicken nur weil wir keine Zeit haben gründlich zu untersuchen und mit den Patienten zu reden.

#19 |
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J
J

Der Artikel greift auf, was ich in meinem eigenen kollegialen Umfeld tagtäglich erlebe. Nur wenige Mediziner haben beziehungsweise nehmen sich Zeit, sich und ihre Gesundheit als wichtig zu sehen und haben Schwierigkeiten zu einem anderen Arzt zu gehen. Hinzu kommt, dass allgemein erwartet wird, dass man krank zur Arbeit kommt, es gibt ja für alles ein Medikament und wenn man nicht kommt fällt das “Kartenhaus Dienstplan” bei Unterbesetzung zusammen. Der soziale kollegiale Druck kommt hinzu. Schade ist, dass man wenn man Mediziner in Deutschland sein möchte immer auch zu großen Teilen Selbstaufgabe und persönliches Unglück wählt. Warum ist das so? Auch als Mediziner ist man ein Arbeitnehmer. Man hat neben der Verantwortung für alles was auf Station im Krankenhaus passiert und neben allen Pflichten auch Rechte.
Schade ist, dass sich seit Jahren nichts ändert obwohl 47% der Klinikärzte ans Aufhören denken, in ihrem Job unglücklich sind und viele seelisch krank werden. Ich glaube in dem wenigsten Fällen ist das Problem die Belastung durch die Verantwortung, sondern vielmehr die Kombination aus dem Regelfall der über 50 Stunden-Woche PLUS Wochenenddienste und fehlendem Ausgleich. Ich frage mich schon jetzt als Berufseinsteiger nach 6 Monaten in der Klinik, ob ich diese Tortur Jahre lang (aktuell noch “nur” mit Magenschutz und Ibuprofen) über mich ergehen lassen muss oder ob es einen anderen Weg gibt. Eigentlich bin ich ein ausgeglichener optimistischer Mensch und eigentlich mag ich meinen Beruf. Eigentlich bin ich auch gerne für meine Patienten da. Eigentlich würde es mir schon reichen, wenn ich nach meinen 8 Stunden Arbeit einfach nur gehen und ein normales Privatleben haben könnte. Schade, dass es das hier in Deutschland für Klinikärzte nicht gibt. Der Job verändert vieles, leider nicht unbedingt zum Guten. In wie weit darf mein Beruf mein privates Glück einschränken?Was bin ich bereit zu geben? Für wen und was? Fragen, die ich mir stelle, auf die ich bisher noch keine Antwort habe. Schade, dass ich sie mir überhaupt stellen muss. Bei vielen anderen Berufsgruppen in der Wirtschaft würden Streiks dem Elend ein Ende setzen, Ärzte können aus ethischen Gründen nicht einfach mal der Arbeit fern bleiben. Ärzte bekommen zu hören: Das wusstest du doch bevor du Medizin studiert hast. Ich finde nicht, dass wir selbst schuld sind, weil wir uns den Beruf ausgesucht haben, sondern dass sich etwas ändern muss! Ein Krankenhaus ist kein Wirtschaftsunternehmen das Ware produziert und kann wahrscheinlich auch dauerhaft keine schwarzen Zahlen schreiben. Dennoch ist es ein Arbeitgeber, der eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter – auch die Ärzteschaft – trägt. Der erste Schritt in eine gute Work-Life-Balance wäre eine garantierte 40-Stundenwoche. Damit wäre schon viel für die Prävention der genannten Probleme und mit Sicherheit eine höhere Zufriedenheit der Klinikärzte erreicht. Eigentlich gar nicht so viel verlangt? Eigentlich…

#18 |
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Ich habe auch einen seelischen Stress durch die Praxis , ich habe aufhören müssen und habe auf Einkommen verzichtet ich konnte nicht anders . Also durch Ihren Artikel weiß ich das ich nicht allein bin und die Dunkelziffer ist bestimmt sehr hoch !!!! Dr.Schmeidler

#17 |
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Heilpraktikerin

Wendet Euch an den Heilpraktiker Eures Vertrauens – er hat Zeit sich Sorgen und Nöte anzuhören. Dann kann der Verbrauch von Suchtmitteln bestimmt reduziert werden. ;-)

#16 |
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Gast
Gast

@ 14: Ja, Sie haben das – gerade mit den Nachkriegsgenerationen – schon gut zusammengefaßt. Allerdings glaube ich an keine Liebe nach Leistung, da war es dann Anerkennung, Belobigung, auf die Schulter klopfen, evtl. auch Bevorzugung ( sh. Geschwister-Kinder etwa ) oder sonstwas.
Wenn es dennoch Liebe war – und nicht alle waren ” emotionale Krüppel ” -, kam es von woanders…

#15 |
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Student

@13
Es ist schon spannend, sich mit Unbekannten auseinanderzusetzen….
Ja, DocCheck hat es trotz mehrmaliger Faxe von Approbation und ehemaliger Betriebserlaubs nicht geschafft, meinen Status zu ändern. ;)

Glauben Sie mir, man kann es lernen. Als plastisches Beispiel nehme ich nur die Texte von Heinz Rudolf Kunze. Früher sang ich “diese komischen und unverständlichen” Zeilen mit, aber ab einem bestimmten Ereignis in meinem Leben hab ich diese Zeilen gefühlt – und damit verstanden.
Wie sagte Herr Dr. Paulus, ehemaliger Klinikleiter einer Oberberg immer:
” “Verstehen” heisst nicht “Begreifen”!”
Vom IQ verstehen viele Aerzte und Fachkräfte es, aber sie müssen es erst fühlen und damit begreifen.

Problem ist aber auch die “german desease”, unter der v.a. die ersten zwei Nachkriegsgenerationen zu leiden hatten: Gefühle wurden weggedrückt, man hatte zu funktionieren, oftmals wurde nur Liebe nach Leistung verteilt. Kein Wunder, dass wir v.a. in D diese emotionalen Krüppel “gezüchtet” haben.
Mit all den Folgen, die wir im Text vom geschätzten Herrn van den Heuvel oder der Diskussion lesen können….

#14 |
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Gast
Gast

@12 : Zum Thema Empathie etwa hörte ich vor kurzem ein Interview – allerdings mit einer Philosophin ( ! ) -, wonach bei deren Verlust zwar eine Art Training stattfinden könne, um Betroffene in die Lage zu versetzen, in bestimmten Situtionen angemessen zu reagieren, dies nicht aber Empathie selbst bedeute, eine ( Wieder- ) ” Herstellung ” ausgeschlossen wurde. Auch hieran habe ich Zweifel und würde lieber die Psychologie befragen.
Aber das Feld EQ ist ja auch weiter, jedenfalls erscheint es insgesamt erschreckend, nach meinen Wahrnehmungen übrigens in Führungspositionen jedweder Art ganz besonders.
p.s. : Den Studenten hatte ich offenbar zu wörlich genommen :-)

#13 |
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Student

@Gast#11
Der letzte Satz ist nur meine bescheidene Lebenserfahrung aus einer Mischung von ausgeprägter Analytik, Beobachtung, Selbstständigkeit, 15j. Führungsposition und eigenem Leben. ;)

Deswegen sagte ich ja: KANN. Nicht jeder lernt es, wie man auch an aktuellen Standespolitikern sehen kann, die z.B. auch im höheren Alter immer noch eine narzisstische Persönlichkeit besitzen [Kommentar von der Redaktion gekürzt] oder lernresistent sind.

#12 |
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Gast
Gast

# 6 : Ja, aber hins. Ihres letzten Satzes wäre ich mir nicht so sicher und es klingt auch absolut. Vielleicht können Sie aber fachlich zitieren ?

#11 |
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Dr. C. Kühnert
Dr. C. Kühnert

Manchmal bekommt man den Eindruck, und das immer öfter, alle wissen relativ viel über diese hinreichend bekannte Problematik, letztlich jedoch endet es immer wieder nur im gemeinsamen Disput.
Erst kürzlich habe ich mich auf einem anderen Portal dazu geäußert und kann nur wiederholen: Bei den meisten Betroffenen handelt es sich nicht um “Trinker oder sonstige Suchtkranke” aus Langeweile, sondern weil das Selbstwertgefühl, die eigene Wertigkeit durch Überforderung und mangelndem kollegialem Miteinander verloren geht. Dann trinkt man sich die Welt bund und die Anderen “erträglich”. Hat der Betreffende genug Mut und Realitätssinn geht er zum psychiatrischen Kollegen, um zu hören:”Erst wenn Sie “trocken sind” kann und werde ich Ihre depressive Phase (auch medikamentös ) behandeln.
Na hallo Herr/Frau Doktor. In > 90% kommt erst die Depri und dann das”Trin- ken”. Beides führt zur Koexistenz und gehört zusammen, wie ein Paar Schuhe!
Ich bitte um mehr Einsicht etc. und um weniger psychiatrische Arroganz.
–> Gute Besserung allerseits. MfG dokuet

#10 |
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SHG Umwelt&Medizin
SHG Umwelt&Medizin

In unserer SHG sind auch Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger herzlich willkommen.
Jeden ersten Dienstag im Monat ist offenes Treffen, auch Online.

http://selbsthilfe-hessen.net/li/vs/oho/thisid/aaaaaaaaaaabidp/

#9 |
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Ernst Soldan
Ernst Soldan

2000 veröffentlichte der Kollege Thomas Ripke diesen Artikel:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/21029
Im Mai 2001 konnte er, mit zahlreichen Mitstreiter/inn/en, noch einen Workshop in Heidelberg organisieren, im Dezamber 2001 verstarb er an dem Magen-Ca., das ihn zu diesem, man kann es sein Lebenswerk nennen, veranlasst hatte. In der Folge bildeten sich mehrere Regionalgruppen zu diesem Thema, die sich inzwischen, von ein paar Freundeskreisen abgesehen, die untereinander kaum bis keinen Kontakt mehr haben; auch die Homepage mit dem Namen der-kranke-arzt.de existiert nicht mehr.
Der Wille, sich mit diesem offensichtlich unangenehmen Thema auseinander zu setzen, ist unter den Kolleginnen und (vor allem) unter den Kollegen eben nicht sehr ausgeprägt – es überwiegt die Einstellung “mir passiert schon nix”. Im o.g. Workshop sprach eine Rednerin über “das unterschiedliche Gesundheitsverhalten von Ärzten und von Menschen” – kaum einer lachte, der Lapsus linguae fiel den meisten nicht auf.

#8 |
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Gast
Gast

In Anknüpfung : Wir leben in einer Zeit, wo teilweise der EQ gegen Null geht und der IQ umso stärker ausgeprägt ist. Abgesehen davon, daß es Leute gibt, die sagen, daß ein EQ für das Leben wichtiger ist, befinden sich IQ und EQ weitgehend zumindest nicht in einer Balance. Dies ist ein flächendeckend riesiges Problem mit enormen Auswirkunge, und zwar auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Mangelnde Sensibilität, Empathie grassieren, aber auch etwa Alexithymie.
Was kann also geschehen, sofern überhaupt ?

#7 |
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Student

@B.A.Herold
Wenn Sie die Psyche ansprechen: Aerzte und Apotheker haben eines gemeinsam – sie ziehen durch die Regelungen, Vorschriften und Gesetze Personen mit defizitärem Selbstwertgefühl an.
Die Aerzte eher übersteigert, um das Defizit auszugleichen, sind somit mehr wahrzunhemen, die Apotheker stark ausgeprägt, kuschen mehr und sind oftmals weniger wahrzunehmen.
Wer aber ein schwach ausgeprägtes Ego hat, der grenzt sich oftmals schlechter ab. Man möchte ja nicht unangenehm auffallen.

Das führt eben zu der Orientierung an Aussen und nicht auf sich selbst, womit BurnOut und erhöhter Substanzkonsum zu erklären sind.

Was den Verstand angeht: Die Konzentration auf den Verstand bringt aber nach dem Studium oftmals emotional Verkrüppelte auf den Markt, was aber auch wiederum mit dem Ursprung zu tun hat (s.o.)
Vorteil jedoch: EQ kann man lernen, IQ nicht!

#6 |
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Wen wundert’s: wer zum Medizinstudium zugelassen wird, hat gelernt seinen Verstand extrem gut zu trainieren. Mediziner gehören zu der Berufsgruppe, die extrem gut mit ihrem Verstand, d.h. mit ihrem Denken, identifiziert sind. Sie glauben, was sie denken. Die meisten behaupten, sie würden ihren Verstand benutzen. Wenn man sie aber fragt, ob sie es jemals geschafft hätten, ihren Verstand zu stoppen, bekommt man fast immer ein Nein zu hören. Wer seinen Verstand, d.h. das Denken, nicht anhalten kann, benutzt ihn nicht – der Verstand benutzt ihn! Je größer die Identifikation mit dem Denken ist, was man auch Ego nennt, desto größer ist auch die Entfernung zu dem was man als Seele oder Selbst bezeichnet. In einem solchen Zustand funktioniert man nur noch oder versucht den Funktionszustand zu erhalten, zur Not auch mit Drogen oder Psychopharmaka. Kein Witz: sowohl das deutsche “Gesundheitswesen” als auch der Verstand leben davon Probleme zu haben, nicht sie zu lösen!

#5 |
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Gast
Gast

Da so mancher Mediziner mit Psyche nichts am Hut hat, ist es eine schwierige Ausgangssituation und er weiß vor allem nicht, wie er sich selbst helfen kann

#4 |
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Student

Nicht zu vergessen, dass Suchtmittel nur die Selbstmedikation psychischer Erkrankungen sind.
Warum leiden so viele an BurnOut, der übrigens nur die gesellschaftlich anerkannte Nomenklatur der Depression ist?
Ist bei allen Gesundheitsberufen so. Die Apotheker wiederum kämpfen oft allein in ihren Buden und bekommen noch weniger Anerkennung für das, was sie leisten.

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Bernd T. Melde
Bernd T. Melde

Bei niedergelassenen Kollegen ist es nicht besser…

#2 |
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Gast
Gast

Das sollten aber vielleicht auch mal die Hochschulen in Ihrer Ausbildung verstehen. Z.T. schlecht organisierte Curricula, schlechte Lehrmaterialien und der Fokus auf Kleinigkeitenwissen anstatt auf Grundlagenwissen machen schon das normale Studium gesundheitsfeindlich. Und wir reden hier nicht von Physikum und Co-Zeiten….

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