Betäubungsmittel: Die anonymen K.o.-Ticker

19. Januar 2016
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Der mythologische Hades ist virtuell geworden. In schwer zugänglichen Online-Nischen, dem Darknet, tummeln sich dubiose Händler. Sie bieten BtMs, Steroide und Benzodiazepine an oder verhökern paketweise sensible Daten. Ermittlungsbehörden sind machtlos.

Spektakuläre Ermittlungserfolge gab es zuletzt im Wochentakt: Mitte Dezember zerschlug die Zollfahndung ein Untergrundlabor für Anabolika. Kurz zuvor stellten Ermittler mehr als 100.000 gefälschte Potenzpillen sicher. Schmuggelaktionen in großem Stil sind nur ein Weg, um an illegale Stoffe zu kommen. Immer häufiger beziehen Konsumenten diverse Medikamente aus dem Internet. Ihre illegale Einkaufsmeile: das Darknet.

Die dunkle Seite des Webs

Wer jetzt an dubiose Online-Apotheken jenseits der europäischen Grenzen denkt, irrt sich gewaltig. Anbieter haben technisch massiv aufgerüstet. Sie arbeiten heute mit geschlossenen Rechnernetzen innerhalb vorhandener Infrastrukturen. Nur wenige, handverlesene Personen haben tatsächlich Zugriff. Anonymisierungsdienste wie Tor helfen Betreibern und Kunden, ihre eigene Identität zu verschleiern. Der Browser verteilt Anfragen weltweit an zufällige Knotenpunkte.

Mit dieser Strategie gelingt es, IP-Adressen zu verschleiern. Gleichzeitig lassen sich über Tor versteckte Websites mit der Endung .onion aufrufen, die Google Chrome, Mozilla und Co. nicht anzeigen. Virtuelle Brieftaschen dürfen auch nicht fehlen. User arbeiten auf Krypto-Marktplätzen mit Bitcoins. Ihre Zahlungen erfolgen über gesicherte Netzwerke von Rechnern (peer to peer), ohne dass Banken im klassischen Sinne eine Rolle spielen. Damit bleiben Verkäufer oder Käufer im Verborgenen. Wer zahlt, trägt gleichzeitig das Risiko: Kein Bitcoin-Transfer lässt sich widerrufen.

Verborgene Märkte

Soviel zur Theorie. In der Praxis betreiben Händler große Portale, wie man sie aus der legalen Welt kennt. AlphaBay gilt bei Insidern als größter Marktplatz für Pharmaka, Betäubungsmittel, Daten oder Waffen. Wir haben über Tor die Website http://pwoah7foa6au2pul.onion/ besucht. Unter „Drugs and Chemicals“ befinden sich mehr als 51.000 Einträge. Darunter tauchen Benzodiazepine (4.160 Einträge), verschreibungspflichtige Medikamente aller Art (3.145 Einträge), Steroide (1.483 Einträge) und Opioide (4.097 Einträge) auf. Ähnlich funktionieren beziehungsweise funktionierten Agora, Abraxas, Evolution, East Indian Company, Nucleus Market oder Silk Road. Wie von Ebay oder Amazon bekannt, hinterlassen Kunden für jede Transaktion eine Bewertung, wenn auch anonymisiert. Dadurch gelinge es, Stores mit schlechten oder gestreckten Medikamenten das Wasser abzugraben, heißt es in einem Forum mit Fragen und Antworten (FAQs).

alphabay3web

Screenshot: DocCheck

Aus apothekerlicher Sicht verwundert die Argumentation. Verunreinigungen zeigen ihre Wirkung vielleicht erst nach Monaten oder Jahren. Zahlreiche Händler liefern auch in die EU – durchaus mit Erfolg, wie Einträge in User-Foren zeigen: Gerade Kleinmengen an Arzneimitteln, die zusammen mit wertlosen Waren aller Art in Sendungen transportiert werden, gehen Zollbeamten durch die Lappen. Besonders offensiv werben dubiose Händler damit, BtMs und Benzodiazepine nach Deutschland zu versenden. Bei uns scheint es einen entsprechenden Markt zu geben. Viele Apotheker und Ärzte achten auf abhängige Patienten und verweigern die Abgabe beziehungsweise Verschreibung. Es geht aber auch um Chemikalien zur Durchführung von Straftaten wie γ-Hydroxybuttersäure, bekannt als K.o.-Tropfen.

Daten im Sonderangebot

Kryptomärkte beschränken sich nicht nur auf illegale Substanzen oder Waffen. Besonders einträglich ist das Geschäft mit Daten, falls sich damit Geld machen lässt. Nach einem digitalen Angriff auf Seitensprung-Portale gelang es Cyber-Räubern, Millionen Klardaten zu erbeuten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie versuchen, User zu erpressen. Genau hier kommen Medizin und Pharmazie in das Spiel – es gibt kaum sensiblere Informationen als Gesundheitsdaten.

Besonders fatal: Um bei Health Professionals fündig zu werden, benötigen Kriminelle keine ausgefeilten Techniken. Arztpraxen, Apotheken und Blisterzentren tauschen eigenen Recherchen zufolge ihre Daten teilweise noch mit Windows-XP-Maschinen aus. Bereits seit April 2014 stellt Microsoft keine Sicherheitspakete mehr zur Verfügung – ein gefundenes Fressen für Hacker. Die traditionsreichen Faxgeräte sind keinen Deut besser. Auch hier können Daten abgefangen werden. Nicht nur Cyber-Kriminelle verdienen daran. Einer aktuellen Studie zufolge stieg das durchschnittliche Jahresgehalt von IT-Spezialisten um zehn Prozent auf mehr als 70.000 Euro. Arbeitslos werden Experten wohl kaum: Ende 2015 haben sich der EU-Ministerrat und Unterhändler des Parlaments auf eine Richtlinie zur Internetsicherheit verständigt. Im Dokument werden Pflichten für Anbieter essentieller Dienstleistungen, unter anderem aus dem Gesundheitsbereich, definiert. Öffentlich-private Partnerschaften zur Cybersicherheit sollen folgen. Gegen Plattformen mit illegalen Medikamentenbörsen kann die EU wenig ausrichten. Hier bleibt nur Aufklärungsarbeit durch Ärzte und Apotheker: ein mühsames Unterfangen.

60 Wertungen (4.3 ø)

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6 Kommentare:

Gast
Gast

Ein weiteres Problem bei der Strafverfolgung stellt derzeit unsere Gesetzeslage dar. Nachdem der Europäische Gerichtshof die Strafbarkeit des Handelstreibens mit sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) und Gammabutyrolacton (GBL) sowie 1,4-Butandiol (1,4-BD) nach dem AMG (Inverkehrbringen eines unsicheren Arzneimittels) gekippt hat, können der Besitzt und das Handeltreiben mit solchen “legalen” Substanzen derzeit nicht strafverfolgt werden. Anders ist es bei der Gammahydroxybuttersäure (GHB), die unter das BtMG fällt. Die Prodrugs des GHBs 1,4-BD und GBL fallen weder unter das BtMG noch fallen sie, da der EUGH den Arzneimittelbegriff dahingehend auffasst, dass einem Arzneimittel neben der physiologischen Wirkung auch eine heilende besitzt. Den Anspruch auf eine heilende Wirkung wird aber Substanzen, die zu Rauschzwecken konsumiert werden, nicht zugeordnet, weswegen sie – nach dem EUGH – keine Arzneimittel darstellen. Dies wurde vom BGH aufgegriffen. Zudem stellen die GHB-Prodrugs weit verbreitete Industriechemikaline dar, weswegen bereits aus Lobbyistengründen eine Kontrolle der Güterströme, ähnlich dem BtMG, schon nicht gewünscht wird. Eine weitere Problematik stellen die Stellungsisomere dar, die teilweise eben nicht dem BtMG unterstellt sind und deshalb analytisch aufwendig unterschieden werden müssen, um nachzuweisen, dass es sich um BtM handelt. Auch die Beschaffung von Referenzsubstanzen für die Analytik, die für eine Identifizierung von Rauschdrogen – insbesondere auch wegen der derzeitigen Flut von neuen Substanzen – erforderlich sind, gestaltet sich enorm schwierig, nicht auch zuletzt wegen des BtMG und der dazugehörenden Binnenhandelsverordnung. Das Ausmaß ist enorm, in den letzten paar Jahren kamen mehr als 400 neue Substanzen auf den Drogenmarkt. Leichte chemische Modifikationen bekannter Grundstrukturen machen es möglich. Und das BtMG umfasst nur eine endliche Liste der unterstellten Substanzen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik da nun mit einem entsprechenden Gesetzt nachbessert, zumal diese neuen Verbindungen z. T. deutlich wirksamer sind und daher auch deutlich toxischer wirken. Wer sich weiter informieren möchte, dem sei die Seite des EMCDDA zu empfehlen. Erschreckend ist dabei, wie in der ganzen Problematik dann auch noch die Legalisierung von Cannabis untergebracht wird und wie wenig professionell dann noch verschiedene Dinge miteinander vermischt werden. Die Legalisierung von Cannabis bedeutet kein Freibrief für alle Konsumenten. Es bedeutet z. B. nicht, dass unter Cannabiseinfluss nun Auto gefahren werden darf oder nun damit wild Handel getrieben werden kann. Noch ein kleiner Hinweis am Rande, unter K.O.-Mittel werden nicht nur GBL bzw. GHB verstanden, es ist ein ganz allgemeiner Begriff, der alle zentral dämpfenden Substanzen umfasst, z. B. Zopiclon, Zolpidem, alle Benzodiazepine. Das häufigste K.O.-Mittel bleibt allerdings der Alkohol! Noch weniger professionell ist allerdings die unten geführte Diskussion, die jegliche Sachlichkeit vermissen lässt und zudem äußerst lästig ist. Ich entschuldige mich schon vorsorglich für Rechtschreibfehler…

Beste Grüße

MCB

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Apotheker

@lütmann,

noch eins zur laecherlichkeit, nur weil sie die thematik nicht verstehen bedeute es nicht, dass die ganze diskussion laecherelich ist!

sowas wie sie, ich denk mal 65 jahre alter apotheker, gehoeren zu den dinosaurieren, falls ich mich im alter taeuschen sollte, dann entschuldigung! macht die sache aber dann nicht besser, sondern schlimmmer!

arbeiten sie erst mal 6 jahre in der forschung und dann melden sie sich wieder!

ich haette noch einige namen in der hinterhand die ich gerne los werden wuerde , aber der anstand und gute manieren werbieten mir das.

gruesse,

christian becker

p.s.: befor sie mir den konsum illegaler substanzen vorwerfen sollten sie schon sicher sein, worueber sie reden, weil das leicht in die richtung verleumdung geht und dann auch ned unbedingt einfach so verschwindet!

c.b.

#5 |
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Apotheker

@oliver lütmann,
es freut mich, dass sie zumindest, meinen beitrag gelesen haben!
den ihnalt zwar ned richtig verstanden, aber das ist ok!

sich im heutigen zeitalter noch ueber tipp-fehler zu beschweren ist ihr gutes recht, erhebt sie aber nicht ueber glaubwuerdigkeit hinweg.
fakt ist, dass hanf bei uns bis 1945 angebaut wurde die nazis sagar ne anbau anleitung rausbrachten!

verherrlichen , hmm tu ich die substanzen eigentlich nicht , ich sag nur man sollte ihnen eine echte schance geben! wenn sie das nich einsehen wollen, ist ihr gutes recht! weiter so! weiterhin metamizol rausgeben wie traubenzucker usw usf!

ach ja und btw.
meine schreibfehler wuerden sich zwar auf “verherrlichte substanzen” zurueckfuehren, oder aber auch nicht, da es mir egal ist!

wenn ich einen wichtigen brief zu schreiben hab, dann macht das meine sekretaerin! tja , auch solche leute brauchen eine arbeit!

nichts fuer ungut! aber wenn man zur sache nichts zu sagen hat, dann besser mal…….

gruesse,

christian becker – anscheinend auch ein kollege – leider

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Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann
Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann

Hallo, ich habe nur

Soviel
essentieller gefunden. So schlimm kann es also nicht sein.

#3 |
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Oliver Lüttmann
Oliver Lüttmann

@Apotheker Christian Becker: offensichtlich haben Sie diesen Kommentar auch in einem nicht ganz klaren Sinneszustand verfasst; die Ursache dafür liegt eventuell an den von Ihnen so verherrlichten Substanzen..? Anders lassen sich die überaus zahlreichen Fehler bezüglich unserer deutschen Orthographie, Grammatik und auch Zeichensetzung eigentlich nicht erklären.
Ich empfehle Ihnen, den von Ihnen verfassten Beitrag zu löschen um noch mehr Schaden von Ihnen abzuwenden und sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben!

Mit freundlichen Grüßen und klarem Verstand

Berufskollege Oliver Lüttmann

#2 |
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Apotheker

moin moin zusammmen,

es wird zeit , dass sich die politik, der realitaet stellt! die leute vertreten im grossteil ein recht auf rausch! ob es bier auf´m oktoberfest ist! ein joint auf der park banke! medizinales mahriuahna fuer krebskranke! die gesundheitspolitik haengt wie immer zurueck!

wenn ich als apotheker ein produkt verjoekern mus auf ein btm rezept fuer 3 thc e-inhalatoren fuer nen preis von 450€ , lol dann drehts einen den magen um ! fuer den selben preis bekommt der patient aufm schwarzmarkt nen gegenwert der ihn 6 monate reicht!
die gut gemeinten ratschlaege, das homegrow nie so sicher sein koennen wie ein gesicherter anbau , ist richtig! nur ist er 15 mal so teuer!
gebt das zeug frei! jeder 16 jaehriger kann bier kaufen! ob er damit verantwirungsvoll umgeht, bleibt der person ueberlassen! aber krebskrnaken mit kachexie …noe die duerfen ned selber anbauen, da muss der staat ran…steuern erheben usw usf…..

es gibt ein sprichwort unter uns abothekern : “wer heilt hat recht” ..ich wuerde es ein wenig abaendern “waer schmerzen lindert , kann ned falsch liegen”!!!!

jeder kann mit salbei gurglen! raucht des zeug mal! ….

johanniskraut, bei hochdosierter einnahme gut gegen dpressionen….veraendert auch die chemie im gehirn!

alles entweder frei verkaeuflich oder auf normales rezept erhaeltlich!

nur bei bestimmten pflanzen, gibts probleme!

belladonna d6 kein problem! belladonna -kirsche giftig!
es waere zum ersten und fast einzigen mal nicht verkehrt sich den us amerikanischen staaten anzuschliessen, aber das wird in deutschland wohl noch 60 jahre dauern!

gruesse, apotheker,

christian becker!

p.s. hab waehrend meiner abiturzeit schon ein manifest ueber hanf geschrieben!

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