Infertilität: Jetzt kommt’s dicke

25. Januar 2016
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Handys machen es, auch der Fahrradsattel, die Sauna ebenso und Alkohol erst recht – sie mindern die Spermienqualität und damit die Fertilität. Zahlreiche Studien belegen, die Samenzellen des Mannes merken auch, wenn ihr „Herrchen“ zu viel auf den Rippen hat.

Dänische Forscher untersuchten die Samenzellen von 13 schlanken und zehn adipösen Männern mit einem BMI von über 29,7. Gefahndet wurde nach epigenetischen Markern. Die Studie belegt, dass die Spermien der Übergewichtigen eine Veränderung der genetischen Muster aufweisen, die für die Steuerung des Appetits zuständig sind. Das Übergewicht des Vaters kann so auf die Kinder übertragen werden. Damit wurde bewiesen, dass Übergewicht zu einer Veränderung des Erbgutes führt.

Gewichtsverlust verbessert Fertilität

Die Merkmale eines Menschen beruhen nicht nur auf der Reihenfolge der DNA-Bausteine, sondern auch auf vererbbaren Kontrollmechanismen des genetischen Codes. Diese epigenetischen Faktoren basieren unter anderem auf Methylgruppen, die sich auf der DNA befinden und die Aktivität bestimmter Erbanalagen beeinflussen. Es stellt sich die Frage nach dem „Huhn-Ei-Problem“: Verursacht Übergewicht Veränderungen der DNA oder lösen DNA-Modifikationen Adipositas aus? Um diese Frage zu beantworten, untersuchte das Forscherteam epigenetische Veränderungen vor und nach einer Magenbypass-Operation an sechs Männern mit anschließendem drastischen Gewichtsverlust.

An der DNA der Spermien wurden über 5.000 epigenetische Veränderungen vor und nach der Operation festgestellt. Es wurde eine Studie in Kooperation mit einer Fertilitätsklinik gestartet, um epigenetische Untersuchungen an Embryonen durchzuführen, die von Männern unterschiedlichen Körpergewichts gezeugt wurden. Seit längerer Zeit wird Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, sich vor der Zeugung gesund zu ernähren, auf Alkohol zu verzichten und bestimmte Mikronährstoffe zu substituieren. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, heißt es für den Mann vor der Zeugung: „nicht rauchen, nicht trinken und runter mit dem Körpergewicht“.

Dicker Bauch, schlappe Spermien

Auch frühere Studien belegten, dass das Körpergewicht einen Einfluss auf die qualitativen und quantitativen Eigenschaften der Spermien ausübt: Eine Untersuchung von Hammiche et al. belegte, dass mit zunehmendem Körpergewicht das Ejakulationsvolumen, die Spermienkonzentration und die Gesamtzahl beweglicher Spermien deutlich abnimmt. Männer mit einem Hüftumfang über 102 cm hatten eine signifikant schlechtere Spermienkonzentration und geringere Gesamtzahl beweglicher Spermien. Einer der sechs Autoren gibt an, von der Pharmaindustrie finanzielle Zuwendungen erhalten zu haben. Da es sich bei der vorgestellten Arbeit um eine Grundlagenstudie handelt, bei der keine Arzneimittel erwähnt oder empfohlen werden, schmälert dies nicht die Aussagekraft.

Fettzellen wandeln Testosteron enzymatisch in Östrogen um. Je mehr Fettzellen, desto weniger Testosteron ist verfügbar. Eine Studie aus dem Jahr 2012 untersuchte bei 1.683 Patienten mit Kinderwunsch ihre Lebensgewohnheiten innerhalb der letzten drei Monate vor der in-vitro-Fertilisation. Erfragt wurden das Ernährungsverhalten, die Stressbelastung, Sexualverhalten, Schlafgewohnheiten, Alkohol- und Tabakkonsum, sportliche Aktivitäten, Gesundheitsstatus, Alter und BMI.

Es wurde untersucht, welche Auswirkungen diese Parameter auf die Spermienqualität, das Ejakulationsvolumen nach Samenerguss, Spermienkonzentration, -gesamtzahl und -beweglichkeit haben. „Nach unseren Erkenntnissen hat die Kombination von Alter, Gewicht, sexueller Abstinenz, Anzahl der Ejakulationen und Menge des Kaffeekonsums wesentlichen Einfluss auf Motilität und Morphologie der Spermien. Bis zu einem gewissen Grad kann also der Patient selbst die Qualität seiner Samen beeinflussen.“

Privater Stress macht Spermien müde

In einer Studie von Janevic et al. wurden die Ejakulate von 193 Männern im Alter von 38 bis 49 Jahren untersucht. Die Probanden wurden nach ihrer Stressbelastung im Beruf und im Privatleben befragt. Hohe berufliche Belastung hatte erstaunlicherweise keine Auswirkungen auf die Spermien. Mögliche Gründe sehen die Forscher in oxidativem Stress. Außerdem können auch Glukokortikoide, die durch hohe Belastungen vermehrt ausgeschüttet werden, Einfluss auf die Produktion von Spermien haben. „Männer, die sich gestresst fühlen, haben eine niedrigere Konzentration von Spermien im Ejakulat. Außerdem seien die Spermien unförmig und in der Bewegung beeinträchtigt“, so die Autoren. Männer, die während der Studie arbeitslos waren, verfügen über eine sehr schlechte Spermienqualität. Dabei ist es unerheblich, wie gestresst sie nach eigenem Empfinden wirklich waren.

Schlechter Schlaf, schlechtes Sperma

Eine dänische Studie belegte den Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Spermaqualität. Wissenschaftler an der University of Southern Denmark untersuchten 953 gesunde junge dänische Männer. Probanden mit Schlafproblemen hatten einen Rückgang der Spermienkonzentration um bis zu 33 Prozent, eine 30-prozentige Reduktion der Gesamtspermienzahl und außerdem einige schwächere Spermien mehr als Männer, deren Schlaf weniger gestört war. Bereits eine regelmäßige Schlafdauer von 7 Stunden verbesserte die Spermienqualität erheblich.

WLAN knabbert an der Fertilität

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Conrado Avendaño vom Center für reproduktive Medizin in Córdoba in Argentinien untersuchte die Schädlichkeit von WLAN-Strahlung auf die Reproduktionsfähigkeit von Männern. Die Strahlung eines in der Hose getragenen Handys oder auf den Schoß gelegten Laptops reicht aus, um die Fertilität zu mindern.

In der Studie wurden Spermaproben von 29 gesunden Probanden im Alter von 25 Jahren untersucht. Die Proben wurde in zwei gleiche Teile geteilt, die in verschiedenen Räumlichkeiten bei kontrollierter Temperatur untergebracht wurden. Eine der beiden Spermaproben wurde unter einen Laptop gelegt, der mit einer Internetverbindung mit WLAN ausgestattet war. Bei den bestrahlten Spermienproben waren 25 Prozent der Spermien bewegungslos, bei den nicht-bestrahlten nur 14 Prozent. Unter den bestrahlten zeigten sich bei 9 Prozent Schäden am Erbgut, unter den nicht-bestrahlten nur bei 3 Prozent.

Mikrostrahlung macht Maxischaden

Die Forschergruppe um Prof. Igor Yakymenko [Paywall] am Kiewer Institut für experimentelle Pathologie, Onkologie und Radiobiologie warnt davor, dass Mobilfunkstrahlung schädigende Oxidationsprozesse in Zellen auslöst. Von 100 begutachteten Studien belegen 93 Studien, dass WLAN- und Handystrahlung so starken oxidativen Stress auslösen, dass es zu Zellschäden kommen kann. Eine Ursache für die schädlichen Effekte ist die Überproduktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS: Reactive Oxygen Species). „Wir empfehlen die Minimierung der Intensität und der Dauer von Hochfrequenzeinwirkung und die Anwendung des Vorsorgeprinzips bei kabellosen Techniken im Alltag des Menschen“, so die Autoren. Professor Dr. Wilfried Kühling, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) fordert die Bundesregierung und die Industrie auf, Grenzwerte festzusetzen und wirksame Schutzmechanismen für die Bevölkerung zu etablieren.

Sitzheizung als Spermienkiller?

Ist es Mythos oder Realität, dass die Sitzheizung im PKW die Hoden so stark erhitzt, dass es zu einer Veränderung der Spermienqualität kommt? Dieser Frage ging der Leiter des Kinderwunschzentrums Goldenes Kreuz, Prof. Andreas Obruca nach. Er befragte 997 Patienten zu ihrem Nutzungsverhalten von Sitzheizungen. Diese Angaben wurden mit den Ergebnissen der Spermiogramme abgeglichen. Von den Männern, die nie eine Sitzheizung verwendeten, hatten 46 Prozent ein unauffälliges Spermiogramm. Unter den gelegentlichen Sitzheizungsnutzern war hingegen bei 53 Prozent der Spermienzustand unauffällig, bei den häufigen Anwendern sogar bei 62 Prozent. Damit wurde belegt, dass die Sitzheizung keinen negativen Effekt auf die Spermienqualität hat. Um einen positiven Effekt abzuleiten sind weitere Studien notwendig.

Der ideale „Spermienproduzent“ sollte also schlank sein, keinen privaten Stress und einen gesunden Schlaf haben, seine Sitzheizung benutzen und seine Hoden keiner WLAN-Strahlung aussetzen. Dieses Profil gehört ab jetzt zum Beuteschema zeugungswilliger Frauen.

106 Wertungen (4.25 ø)

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16 Kommentare:

Peter Klein
Peter Klein

…also los…machen wir’s noch im Auto auf der Rueckbank + Sitzheizung und ohne Ejakulostinenz….zwischen rim- und phase 4… blablabla…

#16 |
  1
Gast
Gast

Beim “Beuteschema” wurde das Monatseinkommen vergessen.

#15 |
  0
Gast
Gast

Es verwundert nicht, daß hier proportional so viele Mediziner, Professoren und Heilpraktiker schreiben

#14 |
  2

Wer noch gesunde Kinder zeugen will, sollte das beachten und beobachten!

#13 |
  1

Das Märchen von der Fertilitätsstörung durch Handys und jenes von der Bildung schädigender ROS und sonstiger Radikale durch schwache elektromagnetische Felder des Mobilfunks ist so alt wie die Handys selbst und wird immer wieder neu aufgetischt, obgleich es trotz intensiver Forschung seit 30 Jahren keinen ernst zunehmenden Beleg dafür gibt

#12 |
  8
Rettungsassistent

Wie war das mit dem Sprichwort?

“Ein guter Gockel wird nicht fett!”

Ach, wenn`s doch nur so einfach wäre………

#11 |
  1
Heilpraktiker Winfried Richter
Heilpraktiker Winfried Richter

Winfried Richter, Heilpraktiker
Vielleicht sollten es die betroffenen Paare mit Liebe, Zuneigung und Phantasie probieren um die Hormone, und somit die Qualität und Quantität der Eizellen und Spermien zu kultivieren.

#10 |
  2
franz laudenbach
franz laudenbach

Bekannt ist; Männer ebenso Frauen die mit BMI > 30 leben deren Kragenweite ~ 47 cm (Doppel-, Fließkinn), deren Gürtelweite 100 cm überschreiten, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an der Grunderkrankung;
Schlafapnoe Syndrom (OSAS / ZSA) leiden.
Das Ende der Tiefschlafphase 4 wird kaum, das Ende der REM Phase (Traumphase) wird eher mehr als selten erreicht!
Damit entfällt das trainieren der Geschlechtsorgane (Schwellkörper bleiben schlapp)
Dahingehend sollten die Experten ihr Augenmerk auch einmal richten!
Franz Laudenbach

#9 |
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Nichtmedizinische Berufe

So so. Dicke Väter kriegen weniger Kinder. Dann bitte auch mal einen Bericht über dumme Mütter und deren galoppierende Fertilität (vulgo: Die Mutter der Dummen ist immer schwanger). Ja, dieser Satz ist ehrverletzend, vorurteilsbehaftet und nicht frei von Fehlern. Aber so ist da halt mit „Studien“, die beim Hauch eines Zweifels in sich zusammenfallen.

#8 |
  3

Wenn man die Handy-Strahlung mit der WLAN-Strahlung vergleicht, vergleicht man Äpfel mit Birnen. Die Handyausgangsleistung beträgt 2 Watt, bei WLAN 100 Milliwatt. Dem WLAN vergleichbar sind die DECT-Telefone und der Fernseher. Darüber regt sich niemand auf und mir sind auch keine Untersuchungen bekannt, die eine Körperschädigung belegen. Da bilde sich doch jeder seine Meinung.

#7 |
  2
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff

Na ja, dann kann man extrapolieren, wann die Menschheit auf Grund mangelhafter Spermien ausstirbt.
Dann kann man ja die Erderwärmung vernachlässigen oder beeinflusst die dann auch nach die Hodenumgebungstemperatur?
Wann werden die Genome der Eltern von 8 – 12 Nobelpreisträgern untersucht?

#6 |
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In diesem Beitrag wird suggeriert,ein Mann soll eine Spermaqualität wie ein Zuchtbulle haben, von dem man 10 000 Besamungsportionen haben will. Will Mann das wirklich? Übrigens ist ein Spitzenzuchtbulle kein Leichtgewicht, da kommen schon mal 1200 kg auf die Waage.

#5 |
  7

Männer zeugen – Frauen empfangen! so richtig?

Eine Sitzheizung fördert die Spermiogenese? Wie warm sollte es denn sein (optimale Hodenumgebungstemperatur?
Kausal spielt vielleicht die Hodendurchblutung eine Rolle.

#4 |
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Heilpraktiker Peter Illig
Heilpraktiker Peter Illig

diese Untersuchungen beweisen nichts !

#3 |
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Dr. med. Inge Eisenmann-Stock
Dr. med. Inge Eisenmann-Stock

… und ob jeweils ca 10-13 Probanden für so etwas ausreicht?
mir würde das in der Praxis nicht genügen.

#2 |
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Dr. Heinz-Dieter Hoppe
Dr. Heinz-Dieter Hoppe

Überschrift verspricht mehr als sie hält. Nicht alle Aussagen wurden auch im Text belegt. Wunschdenken des Autors oder einfach Fakten vergessen?

#1 |
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