Kinderernährung: Eine shreklich nette Idee

15. Juli 2011
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Wie können Kinder dazu angehalten werden, gesund zu leben und sich vernünftig zu ernähren? Inspiriert von den Methoden des Neuromarketings hat ein Hautarzt und Präventivmediziner eine Comicfigur erfunden, die den Kindern (und ihren Eltern) ans Unterbewusste will.

An gesundheitsbezogenen Informationen mangelt es wahrlich nicht im Internet. Wer wissen will, wie man sich vernünftig ernährt oder welches Verhalten vor Krankheiten schützt, der findet dutzende Portale, die sich darüber auslassen, viele auch auf sehr hohem medizinischem Niveau. Doch bringt es wirklich etwas, einfach präventivmedizinische Texte ins Web zu kippen, und seien sie noch so gut?

Wie einnisten im Gehirn der Kinder?

Der Hautarzt, Allergologe und Präventivmediziner Dr. Johannes Gutwald hat da so seine Zweifel: „Wenn man das genauer analysiert, ist das Ergebnis ziemlich ernüchternd. Es gibt unheimlich viele Informationen. Aber eine Verhaltensänderung wird dadurch nur selten erreicht.“ Einer der Gründe könnte sein, dass explizite Information am Bewusstsein ansetzt, Verhalten dagegen häufig unbewusst abläuft. „Der renommierte Harvard-Professor Gerald Zaltmann geht davon aus, dass bis zu 95% unserer alltäglichen Entscheidungen unbewusst von unserem so genannten Autopiloten getroffen werden. Seine Annahme wird durch Untersuchungen aus der jungen Wissenschaft des Neuromarketings bestätigt“, so Gutwald. Es spielt also nicht zwangsläufig eine Rolle, ob ein Mensch eigentlich und rein rational weiß, dass er nicht rauchen oder mehr Obst und Gemüse essen sollte. Solange dieses Wissen nicht im Unterbewusstsein verankert ist, hilft es nicht weiter.

Gutwald hat 15 Jahre lang in Köln in einer eigenen Hautarztpraxis gearbeitet. Als dann ein Umzug nach Wien anstand, hat er sich auch beruflich umorientiert. Er absolvierte einen Masterstudiengang in Präventivmedizin und arbeitet seither im Bereich Gesundheitsvorsorge. Eine seiner Zielgruppen sind Kinder: „Ich war irgendwann mit mehreren Kindern im Supermarkt. Und auf einmal rannten alle zum Cornflakes-Regal, weil da die Comicfigur Shrek auf der Packung war. Da war mir plötzlich klar, wovon Entscheidungen bei Kindern abhängen.“ Irgendwann war dann die Idee geboren: Eine eigene Comicfigur musste her, die Kindern gesundheitsbewusstes Verhalten auf amüsante, möglichst beiläufige Weise näherbringt. „Ich möchte die Werbeindustrie mit ihren eigenen Waffen schlagen“, so Gutwald.

Zaubern klappt nur mit Sonnencreme

Zusammen mit einer Kinderbuchautorin und einer Illustratorin wurde eine Figur geschaffen, Zabi Zauberlehrling. Ein kleiner Junge mit grünem Hut geht bei einem Zaubermeister in die Lehre. Dabei lernt er so allerlei, etwa dass bestimmte Zaubersprüche nicht funktionieren, wenn er pappige Limo statt gesundem Wasser trinkt oder dass er bei prallem Sonnenschein ein Holzstück nur dann in eine leckere, gelbe Banane verzaubern kann, wenn er es vorher mit Sonnencreme einschmiert. Tut er es nicht, bringt alle Zauberei nur eine wenig appetitliche Banane mit schwarzen Flecken, pardon: Sonnenbrand, hervor.

Anfang des Jahres startete Zabi seinen Zauberunterricht. Mittlerweile sind fünf Geschichten online, die als PDF-Dokument ausgedruckt und (vor)gelesen werden können. Auch bei YouTube kann zu jeder Folge eine „Vorlesestunde“ abgerufen werden. „Dadurch, dass die Geschichten vorgelesen werden, hoffen wir, auch die Eltern erreichen zu können“, so Gutwald. Er macht sich keine Illusionen: Solange die Eltern mit schlechtem Beispiel vorangehen, lässt sich auch bei Kindern nur begrenzt etwas erreichen.

Ran an die iPhones!

Nach fünf Folgen ist Gutwald gerade dabei, eine Zwischenbilanz zu ziehen. „Wir haben eine Reihe von Reaktionen bekommen und überlegen jetzt, wie das Ganze verbessert werden kann.“ Eine Idee ist, Zabi auf Mobiltelefone zu bringen, also eine Art Zabi-App zu entwerfen, die die Kinder interaktiv an eine gesunde Lebensweise heranführt. Auch an der pädagogischen Ausrichtung der Geschichten soll noch ein wenig gefeilt werden. „Ich bin mir im Moment noch nicht ganz sicher, ob es bei der Figur Zabi bleibt, oder ob wir das nochmal ändern“, so Gutwald. Derzeit sucht er eine neue Autorin oder einen neuen Autor für die nächsten Geschichten. Auch gibt es erste Gespräche mit Partnern, die zur Verbreitung beitragen könnten.

80 Wertungen (4.01 ø)
Medizin

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14 Kommentare:

Vorbild sein ist alles! Da sind in erster Linie die Eltern gefragt. Bei meinen Kinder hat es gut geklappt und wie ich sehe, klappt es auch bei den Enkeln weil das Vorbild da ist.

#14 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

wo ist der unterschied der zigarettenindustrie zur nahrungsmittelindustrie, nirgends, beide versuchen ihre konsumenten süchtig zu machen und umso früher umso besser,
die gesellschaft will es nicht anders.

#13 |
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Eva Stiegele
Eva Stiegele

Unbegreiflich, dass die Hersteller Produkte wie etwa die “Milchschnitte” in der Werbung als gesund und wertvoll vermarkten dürfen! Wo bleiben hier die Politiker?
Ein Thema, bei dem ich dem Autor widersprechen muss: Kinder haben an strahlenden Handys nichts verloren! Leider sind die iphone-Spielereien viel zu interessant, als dass dieser Aspekt auch nur in Betracht gezogen wird! Hier sind die Eltern gefragt, denn was nützt eine gesunde Ernährung, wenn die Kinder auf der anderen Seite durch Handys, Wlans und Dect-Telefone verstrahlt werden!

#12 |
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Tatjana Schuh
Tatjana Schuh

Ich bin von Haus aus Kinderkrankenschwester und habe den Kindern immer Brote mit Gesichtern aus Gemüse gemacht, d.h. Gurkenscheiben als Augen, Möhren als Nasen und eine 1/4 Tomate als Mund. Sah gut aus und kam gut an. Allerdings erlebe ich es auch im Bekanntenkreis immer öfter, dass Kinder wohl im Kindergarten gezwungen werden, “Gesundes” zu essen und sich daraus eine übergroße Apathie entwickelt. Wenn Kinder das nicht von Kleinauf bekommen, wird es nun mal oft schwieriger, also die Eltern sind gefordert!

#11 |
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@7: Kennen Sie noch den Comic-Biber “Biba Blendi” (oder so ähnlich), der in seinen Abenteuern auf jeder Packung Kinderzahncreme dank seiner gut geputzten Beißerchen seinen Gegenspieler Korx besiegte, der die Kinder zu zahnschädlichem Verhalten animieren wollte? So habe ich wenigstens gelernt, dass man die Zähne nicht als Werkzeug einsetzen soll. Das Zähneputzen blieb mir trotzdem extrem lästig und als Kind versuchte ich es zu vermeiden, wo ich konnte.

#10 |
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Rettungsassistent

Meine Kinder hatten früher auch eine lange Negativliste von Lebensmitteln die einfach uncool waren.
Als meine Tochter mal Blattspinat bei einer Freundin vorgesetzt bekam wurde ihr erzählt das das “Goldkraut” sei. Prompt schmeckte das Gemüse und wir durften den Spinat von der Negativliste streichen.
Die Kids werden hauptsächlich von außen geprägt, da kann man kochen was man will.

#9 |
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Ärztin

Super Idee, aber Filme bringen noch viel mehr als Vorlesen, auch wenn ich sehr fürs Vorlesen bin !!!!

#8 |
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Gabriele Haas
Gabriele Haas

Bei uns gab es (fast) immer frisch gekoches Essen, nicht konsequent vollwertig, aber immerhin… Heute ist mein ältester Sohn Vegetarier, der mittlere isst keinerlei Rohkost und nur wenig Gemüse, der jüngste isst alles. Vorbild war eigentlich für alle gleich. Ich selbst koche gern und mag lieber Gemüse und Salat als alles andere, aber wenn ich total erschöpft von der Arbeit komme, koche ich nicht mehr, dann gibts notfalls Tiefkühlpizza, sonst klappe ich zusammen.

#7 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ein guter Ansatz. Soweit ich mich erinnern kann, gab es etwas Ähnliches in meiner Kindheit in Bezug auf die Zahnhygiene. Damals allerdings als kleines Heftchen in der Zahnarztpraxis. Das soll die Qualität der Kindergebisse verbessert haben…

#6 |
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Dr. med. Wolfgang Falb
Dr. med. Wolfgang Falb

Klasse, dass Dr. Gutwald diesen Ansatz, der von zig Anbietern der sogenannten ” schlechten” Ernährung genutzt wird, in Richtung Prävention verfolgt, dass sich neben den Kindern auch die Eltern zum ” Besseren” orientieren. Als ernährungsbeauftragter Arzt und nebenbei auch begeisterter Hobbykoch sehe ich bei meinen fünf Kindern im Alter von 10, 12, 15, 16 und 18 Jahren durchaus auch durch deren sozialen Einfluss und Pubertät geprägten Widerstand gegen das, was allgemein unter gesunder Ernährung verstanden wird. Mit Verboten kommt man hier nicht sehr weit und damit meine ich, dass hier ein hohes Mass an Pädagogik einfließen muss. MacDonalds und KFC sind bei uns kein Fremdwort, allein die Dosis macht bekanntermaßen das Gift. Wenn hier in den Kommentaren steht, dass das ” so ein Blödsinn” sei, dann zeigt das eigentlich bloss, dass der Verfasser offensichtlich nichts verstanden hat, was sehr schade ist, weil der zugegebenmaßen auch hohe Zeitaufwand im Endeffekt sehr gut investiert ist.
Meine Frau und ich haben schon länger darüber nachgedacht, dass es schön wäre, wenn es eine Szenerie gäbe, die den Kindern die Lateinvokabeln genauso spielerisch beibringen könnte wie die Details von World of warcraft.
Der Ansatz, die Ernährung, die letztlich für fast alles, was wir geistig und körperlich zu leisten in der Lage sind, verantwortlich ist, mit einer Comicfigur positiv zu beeinflussen, sollte im Sinne der Prävention von ernährngsbedingten Folgeschäden auf das Allerheftigste weiterverfolgt werden.

#5 |
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Tierärztin

“Wenn sich die Eltern gesund ernähren, machen die Kinder das problemlos mit.”
– Von wegen! Wir, die Eltern, ernähren uns abwechslungsreich, mit viel Salat, Rohkost, Gemüse, Obst, hochwertigem Fleisch und Fisch, Vollkornprodukten, frisch gekochtem/zubereitetem Essen, keine Fertignahrung … und unsere Kinder (8, 12 und 14 Jahre) sind die absoluten Gegenteile. Als Kleinkinder haben sie noch alles mit Begeisterung mitgegessen und dann Monat für Monat ein neues Lebensmittel von ihrem Speiseplan gestrichen. Erst seit ein paar Monaten fängt der Große an und erweitert seine Speiseplan wieder. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung -> steter Tropfen höhlt den Stein!?
Die Behauptung, daß sich ungesund ernährende Kinder nur kein gutes Vorbild von zuhause haben, stimmt so einfach nicht! Und keine noch so coole Comic-Figur würde Gemüse in unsere Tochter gefüttert bekommen.

#4 |
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So ein Bloedsinn!

#3 |
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Man sollte bei Kindern nur darauf achten ,dass alle Milchprodukte (milch macht Anämie und das Calcium der Milch kann sowieso nicht aufgenommen werden) und Ei sowie Weizen, von zucker ganz zu schweigen gemieden werden und der Rest an möglichen Nahrungsmitteln in einer moderaten Rotationsernährung zugeführt wird. Schon eine abwechslungsreicher Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft führt dazu dass auch die Kinder mehr verschiedene Nahrung tolerieren. Aber solange kinderaerzte der scheine wegen um die Mütter buhlen müssen und sich nicht um Individualernährung kümmern werden die Kinder verlieren ( 70 % davon sind davon so ganz nebenbei lactoseintolerant)

#2 |
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Bernd Huck
Bernd Huck

Wie viele Eltern tun das zwar, aber was wird alles durch Kindergarten-/ Schulfreunde schlecht gemacht?
Eines der großen Übel ist die Beeinflussung von außen, dazu kommt eine schwache Unterstützung innerhalb der Familie. Mögen die Eltern auch noch so ernährungsbewusst auf ihren Nachwuchs einwirken, zu vieles geht einfach unter, wird institutionell ignoriert, weil möglicherweise Arbeit damit verbunden ist.

#1 |
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