Wissenschaftsbetrug: Lug, wer ist dein Vater?

11. Januar 2016
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Über Jahre und Publikationen hinweg hat ein vormals renommierter Krebsforscher nachweislich die Ergebnisse seiner Arbeit fälschen und doch in großen Fachzeitschriften veröffentlichen können. Ein Einzelfall oder sind Lug und Betrug in der Wissenschaft etwa an der Tagesordnung?

Mit dem finalen Urteil des US-amerikanischen Office of Research Integrity (ORI) endete jüngst einer der größten Skandale in der Geschichte der medizinischen Wissenschaften. Der Onkologe Dr. Anil Potti hatte zwischen 2006 und 2009 mit der Erforschung genetischer Prädiktoren für den Therapieerfolg und die Prognose bei Brust- und Lungenkrebs großes Aufsehen in der Forschergemeinde erregt und seine gefälschten Ergebnisse bis in die renommiertesten Fachzeitschriften gebracht. Auf diese Weise hatte er sogar das Krebsforschungsinstitut der anerkannten National Institutes of Health (NIH) als staatlichen Sponsor für großangelegte klinische Studien gewinnen können. Nach einer jahrelangen Odyssee wurde er nun vom ORI mit einer fünfjährigen Fördergeldsperre belegt – und zwar nur er. Viele kritisieren die Milde des Urteils und fordern Konsequenzen für Mitwisser und Mittäter.

Reputation versus Kredibilität

Schon nach der ersten Veröffentlichung hatten Biostatistiker erhebliche Zweifel an der Validität von Pottis Daten geäußert – ohne Folgen. Selbst die Warnungen eines Whistleblowers aus Pottis Labor an der Duke University und eine interne Untersuchung derselben verpufften zunächst. Bezeichnenderweise flog die Scharade erst durch eine Lüge in Pottis Vita auf – er hatte sich ein Oxford-Stipendium angedichtet – und nicht durch den jahrelangen Betrug in und an der Wissenschaft. Danach ging plötzlich alles sehr schnell: Potti wurde suspendiert, Publikationen zurückgezogen, Studien gestoppt, Fördergeldzahlungen eingestellt. Das über weite Strecken zögerliche Verhalten der Duke University rückte auch Kollegen von Potti in den Kreis der Verdächtigen, doch die seien alle von ihm getäuscht worden, hieß es. Potti selbst schwieg zu der Sache, sodass die Hoffnungen auf den Ermittlungen des ORI ruhten.

Doch zur Enttäuschung vieler entpuppte sich das staatliche Kontrollorgan einmal mehr als zahnloser Löwe. Statt nach Hintermännern und Mittätern zu suchen oder einen Strafprozesses einzuleiten, traf man eine fragwürdige Vereinbarung mit dem Hauptverdächtigen, der bis heute kein Schuldgeständnis abgelegt hat. Bereits vergangenes Jahr war ein AIDS-Forscher nach gefälschten Impfuntersuchungen mit einer Dreijahressperre vom ORI davongekommen. Der Biostatistiker Dr. Keith Baggerly und die Forschungsethikerin Prof. C. K. Gunsalus stellen dem ORI im Cancer Letter ein verheerendes Zeugnis aus: „In einem Fall von Millionen Dollar an verschwendeten Steuergeldern, gefälschter Forschung von vorne bis hinten, Hunderten von geschädigten Patienten und einer erbärmlichen, behördlichen Resonanz wird nun ein einziger Forscher mit einer Fünfjahressperre für staatliche Fördergelder belegt.“

Gerichtsbarkeit im Elfenbeinturm

Das Beispiel aus Übersee bildet traurigerweise nur die Spitze eines Eisbergs, der unter der Oberfläche beängstigende Ausmaße aufzuweisen scheint. In einer Artikelserie des Lancet urteilten die Autoren vergangenes Jahr, dass 80 Prozent der biomedizinischen Forschungen Abfall seien, da sie sich nicht reproduzieren ließen. Einer der populärsten Betrugsfälle dieser Art war die angebliche Umkehr der Zellalterung mit einfacher Zitronensäure, die es letztes Jahr sogar ins Nature schaffte, bevor der Artikel zurückgezogen wurde. Mit Blick auf die von 2001 bis 2010 um das Neunzehnfache gestiegene Zahl zurückgezogener Studien – in zwei Dritteln der Fälle sei wissenschaftliches Fehlverhalten ursächlich gewesen – fordert der Pädiater Dr. Zulfiqar Bhutta im British Medical Journal härtere Konsequenzen für die Betrüger: „Es ist Zeit, solches Verhalten in dieselbe Kategorie einzuordnen wie andere kriminelle Aktivitäten.“

Hierzulande kümmert sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) um Betrugsfälle in der Wissenschaft, meist auf konkrete Zurufe aus der Forschergemeinde, sodass von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Das deutsche Pendant zu Potti ist dabei der Onkologe Prof. Friedhelm Herrmann, dem man schon zu Beginn des Jahrtausends in sage und schreibe 100 seiner 350 Veröffentlichungen nachwies, manipuliert zu haben. Die DFG konnte ihn zwar vor Gericht zerren, doch gegen eine Auflage zur Zahlung von 8.000 Euro wurde das Verfahren rasch eingestellt. Die DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek betont aber, dass der Verlust des Ansehens die schlimmere Strafe sei: „Wer bei der DFG über Jahre keinen Antrag mehr stellen darf, dessen Reputation ist dahin.“ Für die Wissenschaft und in ihr werde daher akzeptiert, dass es ein abgeschlossenes System ist, das sich selbst reinigt.

Kitteltaschentricks für Fortgeschrittene

Wissenschaftliches Fehlverhalten ist jedoch wesentlich facettenreicher, als es zunächst den Anschein hat. Denn bei den wenigsten Verdachtsmomenten handelt es sich um unzweifelhafte Betrugsfälle. „Wenn es nicht gerade um ein Plagiat geht, kann die Feststellung eines Betrugs sehr aufwendig sein“, gesteht DFG-Ombudsmann Wolfgang Löwer. „Nehmen wir den Schatten auf einer Aufnahme eines bildgebenden Verfahrens: Zeigt sie eine Stammzelle oder nur ein Artefakt? Liegt dann eine Täuschung vor? Ist diese vorsätzlich? Oder handelt es sich um schlechte Wissenschaft?“, erläutert Löwer die Problematik. Dadurch bestehe die Gefahr, dass ehrliche Kollegen zu Unrecht an den Pranger gestellt würden. „Wir müssen die Wissenschaftler vor solchen Beschuldigungen schützen, die manchmal schon fast krankhaft sind“, erklärt DFG-Generalsekretärin Dzwonnek.

Der Großteil wissenschaftlichen Fehlverhaltens spielt sich somit in einer gewaltigen Grauzone ab, die sich im Schatten von Datenfälschungen und Plagiatsvorwürfen erstreckt. Dort wird getrickst und geschummelt, was das Zeug hält, wie Danielle Fanelli von der University of Edinburgh in einer Umfrage herausfand. Lediglich zwei Prozent der befragten Wissenschaftler gaben nämlich an, schon einmal bewusst Daten gefälscht zu haben, doch ein Drittel gab zu, unpassende Resultate unterdrückt, geschönt oder die Fragestellung den Ergebnissen angepasst zu haben. Solcherlei Vorgehensweisen werden verklärend auch als Chrysalis Effect (Entpuppungseffekt) oder einfach als selektives Publizieren bezeichnet und gelten offenbar als gängige Praxis in einem System, das erschreckende Parallelen zum Doping-Geschäft im Leistungssport aufweist – Legitimierung durch Normativität.

Herrschaft der Elite

Auf der Suche nach den Beweggründen stößt man auf zwei Motive, die ebenfalls denen aus der Welt des Spitzensports ähneln: Zukunftsangst und Geltungsdrang. „Es kommt vor allem in den Lebenswissenschaften zu einer Beschleunigung. Der Druck nimmt zu und dadurch die Gefahr und manchmal auch die Neigung, bewusst oder unbewusst Fehler zu begehen“, weiß Dorothee Dzwonnek. Angetrieben wird diese Entwicklung oftmals durch Geldgeber, sei es in Form von staatlichen Fördermitteln oder Pharma-Sponsoren, die sich von ihren Investitionen möglichst bahnbrechende Ergebnisse versprechen. Florence Bourgeois von der Harvard Medical School fand heraus, dass ein Drittel der öffentlich geförderten Studien ihre Hypothese bestätigen konnte, bei Pharma-Studien waren es absurde 89 Prozent. Das Geld drängt die Wissenschaftler in eine gefährliche Bringschuld, vor allem wenn sie darauf angewiesen sind.

Als Indikator für den Stellenwert neuer Forschungsergebnisse gilt aber heutzutage nicht etwa die Bewertung durch den Finanzier oder andere Kollegen, sondern die Veröffentlichung in renommierten Fachzeitschriften. „Wie die Wall Street mit der Bonus-Kultur brechen muss, so muss die Wissenschaft die Tyrannei der Luxus-Journale brechen“, mahnt Randy Schekman, Nobelpreisträger für Medizin von 2013. „Das Ergebnis wird bessere Forschung sein“, glaubt er. Denn die Magazine würden vor allem an der eigenen Reputation arbeiten. „Studien, die Hypothesen nicht bestätigen, werden nicht publiziert“, kritisiert Thomas Kühne, Herausgeber des Journal of Unsolved Questions, in dem Studien veröffentlicht werden, die nicht das Wunschergebnis erbracht haben. Denn das Scheitern könne die Wissenschaft sogar weiter bringen als eine Bestätigung, findet Kühne – ganz ohne Fälschungen und ohne Schummelei.

146 Wertungen (4.84 ø)
Forschung, Medizin

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21 Kommentare:

Gast
Gast

Meine Güte, kann hier nicht mal jemand der großen Fachleute zu # 20 etwas sagen und, hätten Sie, Herr Dietrich einen solchen ?

#21 |
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Gast
Gast

So erschreckend realistisch sowohl Artikel als auch praktisch sämtliche Kommentare sind: es wird aus profunden Erfahrungen heraus berichtet, der Wissenschaftsbetrieb beleuchtet, intellektualisiert etc., aber ist nicht auch klar geworden, welche Orientierungslosigkeit für die Menschen mit insbes. schweren Erkrankungen wie etwa Krebs hiermit verbunden ist ?
Warum nicht ein einziger Hinweis, welche Möglichkeiten im konkreten Fall für den Einzelnen denn nun bleiben oder gibt es sie etwa gar nicht ? Nur bitte nicht den obligatorischen wie schlichten Hinweis auf das Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens..

#20 |
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Gast
Gast

Der Artikel ist wenigstens einmal ehrlich gehalten, was ja fast schon verwundert. Wenn man gesunden Menschenverstand zum Einsatz bringt, bemerkt man ohnehin, dass längst nicht so viele und deutliche Fortschritte zu verzeichnen sind wie anhand von Studien bestätigt wurden. Das trifft ja wohl auf alle Bereiche zu ( siehe VW ) und verwundert auch nicht. Denn der Fisch stinkt immer vom Kopf her und auch der Betrug setzt sich von dort in alle Bereiche fort. Dabei ist eine gewisse Volksverdummung schon so weit fortgeschritten, dass sie wie in vielen Fällen kaum oder zu spät bemerkt wird.

#19 |
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Wirtschaftswissenschaftler

Nicht die vermeintliche Verlockung (Belohnung) ist Schuld, sondern derer der Ihrer erliegt…

#18 |
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PD Dr. Hartmut Grimm
PD Dr. Hartmut Grimm

….. es wird oft schwer sein, die Lieblingshypothese des Doktorvaters/Institutsleiters nicht zu bestätigen!! Besonders dann, wenn leicht “wenige Ausreißer” zu streichen sind!?

#17 |
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Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe-Dipl. Psychologe
Prof. Dr. Dr. Reichardt Gerontologe-Dipl. Psychologe

Zum Artikel #14 | 12. Januar 2016 um 08:39 Ex-Wissenschaftlerin
Kann man nur zustimmen! Ja es gab Fälschungen und es wird Fälschungen geben, sicher spielt dabei das Geld, Besessenheit, Kriminelle Charaktereigenschaften und Skrupellosigkeit eine besondere Rolle. Wer hat Schuld? …. Eines ist jedoch sicher damit schadet man sich selbst, den seriösen Forschern!!!
Sowie auch den Patienten, also Mitmenschen. Solange wir Ethik und Moral nicht wieder in den Vordergrund stellen, haben wir versagt. Also fangen wir bei uns selbst an den Verlockungen der Dämonen zu wiederstehe. Ich wünsche allen ehrlichen Forschern diese Kraft den Kampf aufzunehmen.

#16 |
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Dipl. Biol. Thorsten Walter
Dipl. Biol. Thorsten Walter

Eine US-Studie in der Zeitschrift NATURE von 2005 enthält erstmals Zahlen zum Ausmaß von Datenmanipulationen und wissenschaftlichem Fehlverhalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft schätzt die Situation hierzulande ähnlich ein. Demzufolge hat jeder dritteForscher (33 Prozent) im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten nach eigenen Angaben allein in den vergangenen drei Jahren mindestens ein strafwürdiges Vergehen begangen.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/47472/Forschungsbetrug-Jeder-Dritte-ist-unredlich

#15 |
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Ex-Wissenschaftlerin
Ex-Wissenschaftlerin

Ich kann mich Herrn Boxberger und Herrn Niklas nur anschließen. Statt mit dem erhobenen Zeigefinger in der Luft zu wedeln, sollte die DFG (und alle anderen Geldgeber) mal darüber nachdenken, ob sie selbst nicht vielleicht einen Anteil daran hat, dass immer mehr Wissenschaftler das Gefühl haben, fälschen zu müssen, um überhaupt weiter zu kommen. Die Bedeutung des Impact Factors als nahezu einziges Qualitätsmaß des Forschungs-Outputs wird auch von der DFG immer mehr forciert. Ich erinnere mich lebhaft an einen Vortrag eines hohen Tiers der DFG während meiner Doktoranden-Zeit und die sinngemäße Aussage, wenn man sich für ein Postdoc Fellowship bei der DFG bewerben wolle, sollte in der Publikationsliste schon ein Cell, Science oder Nature auftauchen. Keine bzw. nur „low impact“ Publikation während des Doktors sind quasi gleichzusetzen mit einem Versagen. Und da wundert sich noch jemand, das Ergebnisse manipuliert oder überinterpretiert werden, wenn man es nur mit den bahnbrechenden Resultaten in „gute“ Journals schafft?
Sicher gibt es Wissenschaftler, der nur wegen Ruhm und Ehre fälschen und natürlich ist das Fälschen falsch! Aber statt nur anzuprangern sollte sich die wissenschaftliche Community mehr Gedanken über die Gründe machen. Nicht selten haben sie existentiellen Charakter – besonders bei den „Mittätern und Mitwissern“ (= Doktoranden und Postdocs)

#14 |
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Dr. Carsten Kettner
Dr. Carsten Kettner

Der Impact Factor ist ein perverses Marketinginstrument der Verlage und wird durchweg von der community kritisch gesehen, ebenso wie die Anzahl an Publikationen pro Jahr. Und beides, JIF und Publikationszahl sind die Währung der Wissenschaftler, um an Fördergelder heranzukommen. Wenn sich der Staat immer weiter aus der soliden Grund-Finanzierung der Wissenschaft herauszieht und dann bei der Vergabe von Fördergeldern wirtschaftswissenschaftliches Kennzahlen-Origami betreibt, muss sich die community entsprechend anpassen. Die Hauptkritik ist doch, dass weder der JIF noch die Publikationszahlnichts über die wissenschaftliche Qualität aussagen – und dennoch bestimmen diese Kennzahlen bei Förder-Bürokraten über die Vergabe von Geldern (weil die Expertise fehlt, sowohl den Antrag als auch die Publikationsgeschichte zu verstehen).
Folge dieses immer schneller drehenden Hamsterrades sind Salami-Publikationen, Schlampereien, ggfs. Manipulation (die gar nicht als solche erkannt werden, sondern eher als “Recycling”) und Plagiarismus.
Eine Abkühlung täte dem Publikationsbetrieb sehr gut.

#13 |
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Herr Niklas (#6) spricht einen der problematischsten Aspekte der Wissenschaftsvermarktung an. Der Journal Impact Factor (JIF) ist eigentlich eine bibliometrische Kenngröße für Bibliothekare. Er sagt wenig bis gar nichts über die Qualität eines Artikels aus. Es bietet Autoren jedoch die Möglichkeit der Manipulation und des Missbrauchs, die von “Spezialisten” und Kennern der Szene fleißig und phantasievoll genutzt wird (da geht die Betrügerei schon los).
Seit vielen Jahren wird immer wieder beklagt, dass dieses belanglose Prestigeetikett lediglich Opportunismus befördert. Der in der Wissenschaft ständig steigende, absurde Druck, möglichst viel in Fachzeitschriften mit möglichst hohem JIF zu publizieren, trägt sicher auch einiges zu den angesprochenen Reproduzierbarkeitsproblemen bei. Solange diese Messgröße notorisch in Antragsgremien und Berufungskommissionen als Leistungsbewertung herangezogen wird, wird sich daran wohl auch nichts ändern. Martin Luther würde heute vielleicht sagen: wenn ich wüsste, dass ich morgen eine nobelpreiswürdige Entdeckung mache, würde ich sie in einem Journal mit dem lausigsten JIF publizieren.

#12 |
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PD Dr. Ullrich Keller
PD Dr. Ullrich Keller

Stimmt aber nicht ganz. Letztes Jahr ist ein HIV Forscher für seine Fälschereien nicht mit einer Dreijahressperre davongekommen, sondern bekam 57 Monate Freiheitsstrafe mit anschließender dreijähriger Bewährungsaufsicht und 7,2 Mio Dollar Geldstrafe. Kam aber nur so, weil sich ein Senator des geschädigten Staates Iowa hinter die Affäre stellte und das Gerichtsverfahren erzwang. Es geht aber, wenn man es nur konseqeunt durchzieht.

#11 |
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klöö

#10 |
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Dipl.Ing. Winfried Duven
Dipl.Ing. Winfried Duven

Ich stimme dem Auto ja zu. Man wird an der Situation aber nicht viel ändern können. Da ist eben viel “Menschliches”, was zu diesem Ärgernis beiträgt und davor sind Naturwissenschaftler genausowenig gefeit, wie andere Disziplinen. Sensationen verkaufen sich eben seit ewigen Zeiten besser als Triviales. Wirtschaftlicher Schaden ensteht natürlich durch verlorene Forschungsgelder. Das passiert aber ohne Fälschungen auch, denn Erfolge sind so oder so nicht planbar. Spätestens aber, wenn sogenannte bahnbrechende Erfolge praktisch ungesetzt werden sollen, entlarven sich die Fakes dann von alleine, zumindest das sollte beruhigen.

#9 |
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nach meinen eigenen Erlebnissen als Doktorand in der Wissenschaft hat mich nichts aus dem Artikel erstaunt! Junge Studenten und frische (damals noch) AIP’s, die ihrem Prof. und den dazugehörigen Oberärzten am Rockzipfel hängen, um irgendwann Einzug im Am J of … oder dem Skalpell zu halten, widerlich war das. Gelegenheiten, Ergebnisse zu fälschen hätte ich ohne Ende gehabt, und niemand hätte es jemals bemerkt. So läuft das halt!
Sehr guter Artikel!

#8 |
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Gast
Gast

Mit Rum und Geld kann man Menschen kaufen, auch Wissenschaftler. Der Vergleich mit Doping ist treffend. Aber traurig ist es schon.

#7 |
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Wenn man ein Arbeitsfeld (Wissenschaft, Gesundheit etc.), für das es per se keinen Markt geben kann, versucht in ein “Marktkorsett” zu pressen (“Impactfaktoren”), muss man mit den beschriebenen Folgen rechnen und auch leben wollen.
Wenn das Showbiz die Gesellschaft dominiert, warum sollte es in der Wissenschaft und im Gesundheitswesen anders sein?

#6 |
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Was dringend erforderlich wäre, sind mehr Replikationsstudien. Die sind nämlich gegenwärtig Stiefkind.

#5 |
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Gast2
Gast2

Ich gehe auch davon aus, dass die echten Betrugsfälle selten sind und nicht das Hauptproblem darstellen. Die “Selbstreinigung” halte ich jedoch für eine Legende – daran darf glauben wer möchte. Viel schlimmer ist m.E. das Problem der schlechten Wissenschaft. Die Fa. Amgen hat bei einer internen Studie nur 11% der publizierten “Landmark Studies” reproduzieren können!

Zitat: “Fifty-three papers were deemed ‘landmark’ studies (see ‘Reproducibility of research findings’). It was acknowledged from the outset that some of the data might not hold up, because papers were deliberately selected that described something completely new, such as fresh approaches to targeting cancers or alternative clinical uses for existing therapeutics. Nevertheless, scientific findings were confirmed in only 6 (11%) cases. Even knowing the limitations of preclinical research, this was a shocking result.”
http://www.nature.com/nature/journal/v483/n7391/full/483531a.html

#4 |
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…”der Wissenschaft” sollte man schon glauben, doch “den Wissenschaftlern” sollte man ein gesundes Misstrauen entgegenbringen, erst recht, wenn ihr Vorgehen dem wissenschaftlichen Ethos widerspricht.
Leider ist nicht alles, was in wisseschaftlichen Fachzeitschriften publiziert wird, auch tatsächlich Wissenschaft….

#3 |
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Gast
Gast

Ich denke, wir haben heute eine industriegestützte und abhängige Forschung, durch deren Drittmittel Arbeitsplätze finanziert werden und die weitgehend keine Objektivität mehr hat. Gut, daß man über sein Berufsleben Erfahrungen gesammelt hat, an denen komische Wissenschaftsergebnisse abprallen können. Der Wissenschaft heute pauschal zu glauben, hieße, die Gesundheit der Patienten aufs Spiel zu setzen…….

#2 |
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Rettungsassistent

Warum überrascht dieser Artikel mich nicht mehr? Vorsitzender eines medizinischen Personalratsgremiums

#1 |
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