Symptom-Checker im Praxistest

19. Januar 2016
Teilen

Wenn „Dr. Google“ Sprechstunde hält, erscheinen Symptom-Checker unterschiedlicher Anbieter weit oben in der Trefferliste. DocCheck hat einige der beliebtesten Tools mit zwei Fachmedizinern analysiert – die Ergebnisse lassen zu wünschen übrig.

Deutschlands Patienten gehen online: Einer repräsentativen Umfrage mit mehr als 1.000 Bürgern zufolge haben sich 55 Prozent aller Männer und 62 Prozent aller Frauen innerhalb von zwölf Monaten zumindest einmal im Web über Gesundheitsthemen informiert. Suchmaschinen stehen mit durchschnittlich 76 Prozent aller Nennungen an erster Stelle. Zu den Top-Treffern zählen neben Wikipedia-Artikeln vor allem „Symptom-Checker“ unterschiedlicher Anbieter.

Checker ohne Checkung

Mit Online-Tools versuchen unterschiedliche Anbieter, Diagnosen elektronisch abzubilden. Geben Patienten ihre Beschwerden ein, erhalten sie theoretisch ihr Krankheitsbild. Ateev Mehrotra vom Department of Health Care Policy der Harvard Medical School in Boston hatte seine Zweifel. Zusammen mit Kollegen analysierte er 23 englischsprachige Symptom-Checker – und fand etliche Defizite. Die aus medizinischer Sicht wahrscheinlichste Diagnose stand nur bei 34 Prozent aller Stichproben an erster Stelle und rangierte bei 58 Prozent unter den Top-20-Treffern. Schlechter sah es bei Handlungsempfehlungen aus. Während Notfälle noch recht zuverlässig erkannt wurden (80 Prozent Trefferquote), schwächelten Symptom-Checker bei nicht akuten Krankheiten (55 Prozent Trefferquote) und Wehwehchen ohne Notwenigkeit, einen Arzt zu konsultieren (33 Prozent Trefferquote). Deutschsprachige Tools hat Mehrotra nicht unter die Lupe genommen. Ein Fall für DocCheck: Die Ärzte Dr. med. Sven Jungmann und Dr. med. Martin Lorenz prüften wichtige Online-Tools auf Herz und Nieren.

Netdoktor

Sven Jungmann testete das Tool von Netdoktor mit Brustschmerzen im Rahmen einer Lungenarterienembolie. Nach weiteren Angaben zur Eingrenzung erhielt er Lungenembolie oder Pneumothorax als Resultate. „Allerdings hätten hier eigentlich noch weitere Fragen erscheinen müssen, wie zum Beispiel nach Zeichen einer Thrombose (Beinschwellung auf einer Seite) oder Risikofaktoren (Blutgerinnungsstörungen, aktive Krebserkrankung, Bettlägerigkeit), wie sie im Rahmen des Wells-Score für die Verdachtsdiagnose einer Lungenarterienembolie etabliert sind“, kommentiert der Kollege. „Sträflich ist, dass ein Herzinfarkt nicht als Differentialdiagnose genannt wird. Gut ist, dass hier sofort die Aufforderung erscheint, den Notarzt zu kontaktieren. Das ist in der vorgegebenen Konstellation genau richtig.“

Die zweite Analyse von Jungmann geht von Blut im Stuhl im Rahmen eines Kolonkarzinoms aus. Über weitere Schritte gelangt er zu Dickdarmkrebs, Morbus Crohn oder zu einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Jungmann: „Das System stellte viele sinnvolle Fragen, einige wurden jedoch weggelassen.“ Nachtschweiß stand nicht zur Auswahl, obwohl dieses Symptom zusammen mit Fieber und Gewichtsverlust zur klassischen B-Symptomatik von Krebserkrankungen gehört. Bei Gewichtsverlust fehlte als Eingrenzung, ob es Lebensstil-Veränderungen wie Diäten gab. „Eine Pankreasinsuffizienz als Differentialdiagnose finde ich weit hergeholt“, kritisiert Jungmann. „Diese würde sich eher mit fettigen statt mit blutigen Stühlen manifestieren.“ Andere mögliche Differentialdiagnosen fehlten.

Martin Lorenz überprüfte gleich vier Krankheitsbilder. Ein männlicher Jugendlicher hat Symptome, die auf eine Hodentorsion hindeuten. Hinzu kommen eine Frau mit Cholezystitis / Chole(docho)lithiasis, ein Mann mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) und ein männliches Kind mit Pylorusstenose. „Die Erkrankungen sind unterschiedlich häufig und unterschiedlich dringlich. Eingegeben habe ich die für das jeweilige Krankheitsbild typischen Symptome“, so Lorenz. Nach mehreren ergänzenden Abfragen kam er zu folgenden Ergebnissen:

  • Patient 1: Die Hodentorsion kommt nach Paraphimose („Quatsch“) an zweiter Stelle. Urteil: grundsätzlich ein gutes Ergebnis; die Paraphimose müsste weiter nach unten in die Liste. Gut: der Hinweis, dass sofort operiert werden muss.
  • Patientin 2: Die Cholezystitis/ der eingeklemmte Stein erscheinen an erster Stelle. Urteil: ein sehr gutes Ergebnis. Gut: der Hinweis, es könnte sich auch um eine potentiell lebensbedrohliche Pankreatitis handeln!
  • Patient 3: Die pAVK wird richtig erkannt, aber erst an dritter Stelle vor zwei sehr unwahrscheinlichen Diffentialdiagnosen gelistet. Urteil: eigentlich nicht besonders befriedigend. Schlecht: Die Spinalkanalstenose fehlt als wichtige Differentialdiagnose. Ziemlich unbefriedigend.
  • Patient 4: Die Pylorusstenose als wahrscheinliche Diagnose kommt erst an dritter Stelle. Obwohl nur Erbrechen vorliegt, werden vorher Salmonellen und Noroviren angeboten. Urteil: gerade mal befriedigend.

Onmeda

Weiter geht es mit dem Symptom-Checker von Onmeda. Brustschmerzen führten zu einer äußerst umfangreichen Liste möglicher Krankheiten. „Alles ist richtig, aber es handelt sich um viel zu viel Information“, kritisiert Sven Jungmann. Das Portal ist „eher nützlich für Medizinstudierende zum Lernen als für Patienten, die wissen wollen, ob sie jetzt einen Arzt aufsuchen sollten und ob sie den Notdienst kontaktieren müssen“. Wollen Patienten mehr zu Blut im Stuhl erfahren, erhalten sie ähnlich lange Listen. Jungmanns Fazit: „Das System stellt keine weiteren Fragen zur Eingrenzung der Beschwerden. Stattdessen kommt ein zwar gut redigiertes, aber trotzdem zu unspezifisches und nicht personalisiertes Informationsangebot, das nach meiner Erfahrung die Patienten oft verwirrt und Ärzte oft frustriert, wenn Patienten mit unsachlichen Hypothesen aufwarten.“

Martin Lorenz teilt diese Meinung: „Während ich Netdoktor noch eine Zwei minus gegeben hätte, ist für mich Onmeda eine Fünf.“ Lorenz weiter: „Überspitzt ausgedrückt: Bis ich alle drei bis vier Seiten mit zig Differentialdiagnosen gelesen habe, bin ich unter Umständen schon tot.“ Sein Fazit: „Für akut Ratsuchende indiskutabel. Für Laien mit grundsätzlichem Interesse an Medizin interessant.“

Krankheiten-Portal

Beide Kollegen kommen auch beim Krankheiten-Portal zu vernichtenden Resultaten. Abgeschlagenheit, Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen und Kurzatmigkeit führten online zu Bronchitis, Leukämie, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Lungenentzündung, AIDS, Asthma bronchiale und zu Schilddrüsenüberfunktion (laut Website „gut möglich“). Sven Jungmann: „Sehr schlecht! Weder Herzinfarkt noch Lungenembolie werden vorgeschlagen. Dafür werden einige unwahrscheinliche Ursachen gelistet, die hier eigentlich erst an letzter Instanz genannt werden sollten.“ Auch bei Blut im Stuhl und Abgeschlagenheit sah die Sache nicht besser aus. „Eine Amöbenruhr als einziges ziemlich wahrscheinliches Krankheitsbild anzubieten, ist absurd. Das macht eigentlich nur Sinn, wenn vorher eine Reise in ein entsprechendes Endemiegebiet stattgefunden hat. Danach wurde aber nicht gefragt“, resümiert Jungmann. Multiple Sklerose, Migräne, Masern, Nasennebenhöhlenentzündung, Schilddrüsenunterfunktion, Wundstarrkrampf, Schilddrüsenüberfunktion, Windpocken, Bronchitis, Lungenentzündung, Leukämie, Schlafapnoe hätten auf der „gut möglich“-Liste nichts zu suchen. Und auch AIDS sei an dieser Stelle weit hergeholt.

Martin Lorenz greift noch einen weiteren Aspekt auf: „Beim Symptomcheck der Körperregionen müssen mindestens zwei Symptome angeklickt werden, sonst kommt keine Antwort.“ Die von ihm untersuchten Krankheitsbilder stehen oft nur mit einem einzigen Symptom in Verbindung. Manche Beschwerden wie Erbrechen oder Hodenschmerz fehlen. „Man kriegt also entweder keine Antwort oder aber auch wieder eine Liste zwischen banal und Krebs.“ Sein Fazit: „Eine glatte Fünf.“

Lifeline

Mit ganz ähnlichen Problemen hat das Portal Lifeline zu kämpfen. Bei typischen Symptomen einer Lungenembolie beziehungsweise eines Kolonkarzinoms erhalten Laien ellenlange Listen. „Die genannten Ursachen sind alle richtig und sinnvoll. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Liste die Differentialdiagnosen besser triagiert“, so Jungmann. Seiner Analyse zufolge fehlen einige Krankheiten. Diese findet man, wenn „Brustschmerz“ als Differentialdiagnose angeklickt wird. Besonders absurd: Lifeline zufolge sind Brustschmerzen eine Ursache für Brustschmerzen.

Bleibt als Resümee: „Ich finde gut, dass man mit einem Klick auf eine Differentialdiagnose zu weiteren, ausgiebigen Informationen gelangt. Die Information ist aber zu weitläufig und macht es schwierig für den Laien, seine persönliche Situation richtig einzuschätzen.“ Patienten würden nur verunsichert, und Ärzten würde später die Arbeit erschwert. Dieser Einschätzung schließt sich Martin Lorenz an: „Lifeline ist ein Desaster. Man kann zwar zwischen männlich und weiblich differenzieren, aber bei Symptomeingabe kommt wieder eine endlos lange Liste an Diagnosemöglichkeiten, die nicht im Geringsten zum Ziel führt.“ Entsprechende Zusammenstellungen werden nicht nach Prioritäten geordnet, sondern alphabetisch. Auf „Hodentorsion“ kommt man nicht, weil Hodenschmerzen fehlen. Lorenz: „Das ist bestenfalls eine Fünf minus.“

TK Symptome

Zuletzt untersuchten beide Experten noch das Online-Tool „Symptome“ der Techniker Krankenkasse (TK). Sven Jungmann: „Man kommt schnell zu dem Leitsymptom. Es folgt dann eine Liste mit den wichtigsten Differentialdiagnosen, die um ein paar Stichpunkte ergänzt werden, damit der Informationssuchende rasch einordnen kann, welche Diagnose für ihn am wahrscheinlichsten ist.“ Bei den von Sven Jungmann untersuchten Symptomen einer Lungenembolie beziehungsweise eines Kolonkarzinoms sind die Listen mit Differentialdiagnosen nicht vollständig. Lorenz zufolge ist das Tool „kaum besser als die anderen drei vorigen Kandidaten“. Er stört sich ebenfalls an der „langen Latte mit Symptomen“, mit denen sich Laien allein gelassen fühlen. Ein Beispiel: „Erstmal kommen bei ‚Erbrechen‘ alle möglichen ernsten Tumoren, man muss sich erschießen, denn die ‚Pylorusstenose‘ wird überhaupt nicht aufgeführt“, so Lorenz. Sein Fazit: „Eigentlich ist das genauso eine Fünf minus. Das ist fast schon gemeingefährlich.“

Ein Blick über den Teich

In den Staaten sieht die Sache keineswegs besser aus, etwa bei WebMD. „Es wird einfach mal alles aufgelistet, was in Frage käme und am Ende hat man eine riesige Liste, die einem auch wieder nicht weiterhilft“, moniert Jungmann. Zwar warnen Popup-Fenster bei Symptomen wie Brustschmerzen User, sofort ihren Arzt aufzusuchen. Zur Abklärung spezifischer Gesundheitssymptome ist dieses Tool ebenfalls ungeeignet. Etwas besser schneiden Symptomchecker der Mayo-Klinik im Schnelltest ab. Hier erscheinen die wichtigsten Differenzialdiagnosen, insbesondere gefährliche, die einen sofortigen Arztbesuch notwendig machen. Patienten erhalten auch Informationen, was sie in der Klinik erwartet, welche Fragen der Arzt stellen wird und wie sie sich am besten auf ihren Krankenhausbesuch vorbereiten – eine gelungene Synergie zwischen ärztlicher und technischer Expertise. In diese Richtung sollten sich viele Tools entwickeln.

45 Wertungen (4.67 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

8 Kommentare:

Herr Schätzler spricht mir aus der Seele! Ergänzend sei hinzu gefügt, dass es leider so gut wie keinen “Hausarzt” mehr gibt, der sich die Mühe macht, eine differenzierte und differenzierende Anamnese zu erstellen, geschweige denn, eine gründliche körperliche Untersuchung zu tätigen. Statt dessen wird schnellstmöglich zum Facharzt überwiesen, speziell zur radiologischen Diagnostik, die zwar immer ausgefeilter (und teurer!) wird, aber dann doch ganz oft voll daneben liegt (eigene, mehrfache Erfahrung). Kein Wunder bei dem miserablen Stundenlohn nach Abzug aller dringenden Ausgaben für Praxis, Personal, Kammerbeitrag, Haftpflichtversicherung, und nicht zuletzt Regressforderungen wegen “unbotmäßigen Verhaltens”. Kein Wunder aber auch, dass sich die Patienten zunehmend mehr auf sich selbst angewiesen sehen. Zumal ihnen das “world wide web” mit seiner Werbemaschinerie, die sich ja längst zu einer Art Ersatzreligion entwickelt hat, alles verspricht, was das Leben angeblich zu bieten hat, vor allem den Glauben (und damit sind wir wieder beim Religiösen) an eine ewige Jugend, ewige Schönheit, ewige Fitness, Du musst nur funktionieren und zahlen. Und daran wird sich auch nichts ändern, so lange Hausärzte so gravierend unterbezahlt sind, dass sie z.B. auf dem Land gar keinen Nachfolger mehr finden.

dredauses@googlemail.com

#8 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

ich habe als medizinische Laie der ein ganz bestimmte Krankheit kennt, versucht anhand von bestimmte Symptome auf der Krankheir zu kommen. Auf der Seite die die meisten Frage stellte, erfuhr ich, dass offenbar ein Entzug Erscheinung aufgrund zu stark gefüllte Gläser vorhanden war. Komischerweise hatte ich die Frage bezüglich Alkool mit nein beantwortet. Die Passende Krankheit war nicht aufgeführt. Bei andere Seiten war es nicht wesentlich besser, auch wenn ich einmal ein Verweis auf der Krankheit erhielt. Bei ein andere Symptome waren die Ergebnisse desaströs. Hätte ich versucht eine atypische Form der Krankheit diagnostizieren zu lassen, hätte ich nie eine passende Angabe finden können. Nur bei ein Seite wurde die besondere Form sehr kurz erwähnt.
Foren, das kann ich bestätigen sind selten gut.

#7 |
  0

Ich glaube nicht , dass das Problem wirklich solche recht fundierten , guten Informationsseiten wie Wikipedia oder onmeda sind , sondern Foren. Viele machen sich nicht die Mühe , anspruchsvolle Seiten zu verstehen , sondern suchen lieber Rat in solchen Foren, wo sie andere Leute fragen , die zum Teil genauso wenig Ahnung haben wie sie , die die seriösen Infos im Netz gar nicht richtig verstanden haben ect….. Und in der Tat wird dort unglaublich viel Schwachsinn geschrieben , den andere dann für bare Münze nehmen …
Und diese Foren kommen so ziemlich als erste ….. Ganz vorne weg : Gutefrage.net …

#6 |
  0

@ #4:
Das Internet ist eine Tatsache. Es ist aber auch eine Tatsache, daß sehr viel Mist darin zu finden ist.
Und dann möchte ich nicht der Hausarzt sein, der für 35 € im Quartal (egal wie oft der Patient kommt) jeder Phantasie, die der Patient sich im Internet zurechtgesponnen hat, auch noch 15 Minuten zuhören muss. Diese Ihre Überlegungen können nur vollkommen irrealen Vorstellungen entstammen, was ein normaler Hausarzt so “verdient” und wie er seine Zeit einteilen muss.
Außerdem verkennen Sie die Realität. “Was man Schwarz auf Weiß besitzt…” wusste schon Goethe. Die Patienten diskutieren mit Ihnen. Und je weniger belesen sie sind, umso mehr. Ich bin da in einer verhältnismäßig komfortablen Situation. Bilder kann man nun nicht wirklich diskutieren. Entweder man sieht was drauf oder nicht. Es ist kein Zugewinn (“gutefrage.net”), was da für ein hirnloser Scheiß millionenfach geschrieben wird (“bei meiner Nachbarin war es so ähnlich, da war es dann das oder das”).

#5 |
  2
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

Nicht dass ich den gegenwärtigen Tools sehr viel abgewinnen könnte, die sind tatsächlich nicht sehr ausgereift.

Aber die pauschale Ablehnung von allem was irgendwie nach e-irgendwas riecht, und mühsam versteckte Angst, man könne die eigene medizinische Kompetenz infrage gestellt sehen, wenn sich solche Werkzeuge mehr duchsetzen würden, in den Kommentaren bringt uns auch nicht weiter.

Das Internet IST eine Tatsache, um die auch die etablierte Medizin nicht herumkommen wird. Und wenn es keine guten Tools gibt, nutzen die Patienten eben die schlechten. Abhalten können wird man sie davon nicht.

Also besser nicht den Kopf in den Sand stecken und lieber besser machen. Was hindert die, die es besser wissen daran, es auch besser zu machen oder daran mitzuwirken?

Und vor allem Patienten nicht abbügeln, wenn sie mit scheinbar sinnlosen Informationen aus dem Web in die Sprechstunde kommen sondern zuhören, sachlich und nicht abwertend erklären, warum man diese Informationen für nicht zutreffend hält (was man auf Nachfrage tunlichst auch belegen können sollte), und am besten gleich den Weg zu den richtigen Informationen zeigen.

#4 |
  4
Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Kopfschmerzen = Tumor; Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schlappheit = Meningitis; harmlose Infekte werden hochstilisiert zu schwersten Krankheiten!!! …..im Internet steht …….
Verunsicherte Eltern rufen aufgrund gegoogeltem Halbwissen an (Päd. Notfallambulanz) und machen sich selbst und andere gnadenlos verrückt….es grüßt das Internet – mit und ohne App…..

#3 |
  0
Weitere medizinische Berufe

Ich bin begeistert, dass endlich von DocCheck aus eine Untersuchung der Symptom-Checker unternommen wurde/wird. Eigentlich sollte man das noch weiter ausdehnen auf diverse, vor allem häufige Krankheiten, weil die wohl auch am häufigsten nachgeschaut werden. Danke für diese (Sau-)Arbeit!!

#2 |
  1

Skeptisch sollten wir bleiben, wenn uns eine Gesundheits-„App“ auffordert, reale Krankheitssymptome zu schildern, um dann mit Über- oder Unterdiagnostik, Unter- oder Übertreibung, Verharmlosung oder Dramatisierung zu reagieren. Oder uns an ein Facharztzentrum verweist, wo wir gar keinen Termin bekommen.
Damit geht uns selbst und allen anderen die Fähigkeit verloren, im allgemeinverständlichen, primär basismedizinischen Ansatz von Gesundheits- und Krankheitsbewusstsein zwischen banalen und suspekten Krankheitszeichen oder reinen Befindlichkeitsstörungen zu differenzieren.
Entlarvend ist die Fallbvorstellung von Babylon Health’s Gründer und Vorstand [“Babylon Health’s founder and CEO”] Ali Parsa: Er blamierte sich mit einem vermeintlich lockeren Beispiel einer Rat-Suche bei banalem Kopfschmerz per App [“Hey Babylon, I have a headache”]. Der maschinelle Rat mündete in der Empfehlung einer angeblich ernst zu nehmenden weiblichen Stimme, genügend zu trinken, der Krankheit ihren Lauf zu lassen und bei Lichtempfindlichkeit doch bald einen “echten” Hausarzt aufzusuchen [“its female voice said. Stay hydrated. Let the illness run its course. If you find it difficult to look at light, see a GP right away. I’m serious.”] Aus: “The A.I. [artificial intelligence] Will See You Now” von Parmy Olson, FORBES STAFF”http://www.forbes.com/sites/parmyolson/2015/11/12/the-a-i-will-see-you-now/
Konfus wirkt der Hype um diese “Gesundheitsideologie”: Die Implementierung von E-Health, E-Health-Card, Health-Apps, Digital-Health-Industrien, virtual Health und Health-Care-Zentren induziert einen ebenso permanenten wie virtuellen Gesundheits-Stress. Krankheit wird als Strafe, persönliches Versagen und/oder Ursache für abweichendes, krankmachendes Verhalten ideologisiert.
Krankheitsentitäten aus endogenen/exogenen, genetischen, infektiologischen, idiopathischen, hereditären, kryptogenen oder Alterungsgründen erscheinen als belastende demografische Faktoren, die gesellschaftlich zunehmend inakzeptabel und unglaubwürdig werden sollen. Sie widersprächen dem modernen Mantra von totaler Gesundheit und Health post-industrieller Gesellschaften, in denen es keine Entschuldigung für mangelhafte Fitness, hohen Bauchumfang/BMI, bedenklichen Knöchel/Arm-Index (ABI) oder metabolisches Syndrom mehr geben soll. Ganz so, wie im Mittelalter, wo Krankheit als Strafe Gottes und Gesundheit als Bonus für wohlgefällige, gottergebene Lebensführung gegolten haben.
Die Beschäftigten in einem derart euphemistisch überzeichneten „Gesundheitswesen“ sollen nicht nur bis zum Umfallen arbeiten. Sie sind dann zwar tagsüber und nachts auf höchst professionellem Niveau mit Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnose, interventioneller/konservativer Therapie, Psychotherapie, REHA, Palliation von K r a n k h e i t e n beschäftigt. Zugleich sollen sie aber dann auch noch für die Nicht-Erreichbarkeit von vermeintlichen Gesundheitszielen z. B. bei chronisch Kranken, Behinderten und eigentlich Unheilbaren verantwortlich gemacht und in Haftung genommen werden.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: