Antidepressiva: Bluttest kann Wirkung vorhersagen

23. Mai 2013
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Antidepressiva helfen nicht jedem Depressiven. Erst nach mehreren Wochen lässt sich das Therapie-Ansprechen feststellen. Wissenschaftler haben nun Hinweise dafür gefunden, wie sich der Effekt von Antidepressiva per Blutuntersuchung vorab klären lässt.

Sie untersuchten dazu einen Gen-Abschnitt, der für die Bildung des Wachstums-Proteins “Brain-derived-neurotrophic-factor” (BDNF) zuständig ist. Patienten, bei denen an diesem Gen-Abschnitt keine Methyl-Gruppe angehängt ist, sprechen nicht auf Antidepressiva an. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im angesehenen Psychiatriejournal Molecular Psychiatry.

Methyl-Gruppe entscheidend

Depressive haben weniger BDNF im Blut als Gesunde. Die Wissenschaftler stellten zunächst fest, dass bei Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, die Konzentration des BDNF nach einer Woche gestiegen war. Daraufhin untersuchten sie das für die Bildung von BNDF zuständige Gen und beobachteten, dass bei einigen Patienten eine Methyl-Gruppe vorhanden war. Bei Patienten ohne diese “Methylierung” stieg die BDNF-Konzentration im Blut trotz Einnahme eines Antidepressivums nicht an und das Antidepressivum wirkte nicht. “Diese Methyl-Gruppe entscheidet, ob das Gen abgelesen wird oder nicht – dieser so genannte epigenetische Mechanismus reguliert die Genaktivität”, sagt Professor Dr. Helge Frieling, Oberarzt der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie.

Folgestudien notwendig

“Dies ist der erste epigenetische Marker, mit dem das Ansprechen auf eine Therapie mit Antidepressiva vorhergesagt werden konnte. Bevor der Marker routinemäßig für Patienten eingesetzt werden kann, müssen die Ergebnisse in unabhängigen Patientengruppen bestätigt werden”, sagt Privatdozent Dr. André Tadić, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Bei den Patienten, deren BDNF-Gen methyliert war, lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Antidepressivum hilft, bei 60 Prozent. „Ob die Wirkung von der Art des Antidepressivums abhängt, werden wir in einer Folgestudie genauer untersuchen“, sagt Professor Frieling. Zudem arbeiten die Forscher daran, weitere epigenetische Biomarker zu finden, um die Vorhersage des Therapieerfolgs für den einzelnen Patienten zu präzisieren.

Sinkende Wirkung

Rund einem Drittel der an Depression Erkrankten hilft das erste Antidepressivum, das sie einnehmen. Bei jedem weiteren Präparat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es helfen kann. Etwa einem Viertel aller Depressiven nützt kein Antidepressivum. Diese Medikamente unterstützen das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn und die Bildung der Synapsen, welche die Nervenzellen verknüpfen.

Depressionen schränken Lebensqualität ein

In Deutschland leiden vier Millionen Menschen an Depressionen, also rund fünf Prozent der Bevölkerung. Damit zählt diese Erkrankung zu den so genannten Volkskrankheiten, ebenso wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Trotzdem wird diese Krankheit häufig tabuisiert und mit persönlichem Versagen gleichgesetzt. Beides ist falsch, denn bei der Depression handelt es sich um eine schwere Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass bei keiner anderen Erkrankung die Lebensqualität derartig eingeschränkt ist. In aller Regel sind Depressionen gut behandelbar, beispielsweise mittels Psychotherapie und Medikamenten.

Originalpublikation:

Methylation of the promoter of brain-derived neurotrophic factor exon IV and antidepressant response in major depression
Helge Frieling et al.; Molecular Psychiatry, doi:10.1038/mp.2013.58; 2013

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Forschung, Pharmazie

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3 Kommentare:

Cody
Cody

Suizidovegetarier, ach so sie sehen ja schon etwas ausgemergelt aus, so dass man fast gigeent ist, Ihnen mal ein Care-Paket mit eingetuppertem Veggie-Gyros oder frittierten Tempeh zukommen zu lassen.Passen sie auf sich auf und vergessen sie nicht, regelme4dfig ihre B-Vitamine einzunehmen.

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Joana
Joana

Hallo,ich nehme Medikamente (Cipralex) und komme damit sehr gut zurecht. Manchmal habe ich das Geffchl, vor Medikamenten beetsht eine grf6dfere Panik als vor c4ngsten/Depressionen selbst.Vorsicht ist bei bestimmten Personengruppen geboten, weil der Angst lf6sende Effekt frfcher als der stimmungsaufhellende eintritt. GrfcdfeS.

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Emil
Emil

Ich habe Antidepressiva genommen als erste Madfnahme, um fcberhaupt wideer lebensfe4hig zu sein. Ich schlief nicht mehr, ich hatte Angst in der Stradfenbahn und inder uni, ich kontne Ne4he von Menschen nicht ertragen gegen all das nahm ich Tabletten. Um mich zu stabilisieren. Und um die Kraft zu bekommen, den ne4chsten Schritt zu tun eine Therapie.Medikamente sind keine alleinige Lf6sung und kein Alleinheilmittel aber sie trotzdem helfen.

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