Parasitologie: Wen juckt das noch

12. Januar 2016
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Skabies hat sich auf mehreren Inseln des Fiji-Archipels ausgebreitet. Durch den flächendeckenden Einsatz von Ivermectin ist es gelungen, die Erkrankung inklusive möglicher Sekundärinfektionen nahezu vollständig einzudämmen.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 100 Millionen Menschen an Krätze, sprich Skabies. Auf mehreren Inseln des Fiji-Archipels waren zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung infiziert, berichten Ärzte. Ivermectin gilt bei der Therapie als Goldstandard, was dem Nobelpreiskomitee eine Auszeichnung wert war. Neue Untersuchungen zeigen, welche Potenziale im Wirkstoff stecken.

Therapien im Vergleich

Andrew C. Steer hat vor Ort verschiedene Therapieregimes getestet. In der ersten Gruppe erhielten Patienten Anweisungen, um eine individuelle Behandlung mit Permethrin durchzuführen. Nach zwölf Monaten sank die Skabies-Prävalenz von 36,6 auf 18,8 Prozent. Unter Permethrin-Massentherapie ging der Anteil von 41,7 auf 15,8 Prozent zurück. In der dritten Gruppe erhielten alle Teilnehmer, die einverstanden waren, Ivermectin zur oralen Anwendung, gegebenenfalls mit Nachbehandlung. Hier erzielten Ärzte sensationelle Erfolge. Die Prävalenz sank von 32,1 auf 1,9 Prozent – ein Rückgang um fast 95 Prozent.

Keime ausgebremst

Die erfolgreiche Behandlung bringt wünschenswerte Nebeneffekte mit sich. Andrew C. Steer zufolge gelang es Ärzten, Impetigo contagiosa als Komplikation fast auszurotten. Bei dieser gefährlichen Hautinfektion sind Keime wie Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus im Spiel. Sie können systemische Erkrankungen bis zur Sepsis auslösen. Unter Ivermectin ging die Prävalenz von 24,6 auf 8,0 Prozent zurück – eine äußerst erfolgreiche Strategie.

Die Galenik macht’s

Als Grund sehen Forscher vor allem die unterschiedlichen Anwendungsformen. Vielen Patienten fällt es leichter, Tabletten zu schlucken, als Dermatika korrekt aufzutragen. Anders als in Deutschland fehlt auf den Fiji-Inseln ein dichtes Netz an Apotheken, um Patienten bei der Anwendung zu beraten. Trotz aller Euphorie hat Ivermectin mehrere Nachteile. Für Kinder oder schwangere Frauen ist der Wirkstoff ungeeignet. Erhalten Patienten Warfarin oder Antiepileptika, kann es zu Interaktionen am Cytochrom-P450-System der Leber kommen.

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Forschung, Pharmazie

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