Hirndoping: Fairplay in der Schweiz?

16. Dezember 2015
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In der Schweiz wird ehrlich studiert: So spricht sich die überwiegende Mehrheit der Studierenden in einer Befragung gegen pharmazeutische Hilfsmittel zur kognitiven Leistungssteigerung aus. Dennoch sollte das Thema von den Universitäten aktiver überwacht werden.

Kognitive Leistungssteigerung durch Arzneimittel ist unfair – diese Meinung vertreten 70 % der Studierenden in der Schweiz. In einer Studie mit über 3.000 Teilnehmern erforschte das Team von Prof. Matthias Liechti vom Universitätsspital Basel in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung der Universität Zürich die Haltung von Hochschülern zum Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Der Fragebogen, der von Studierenden der Universitäten Basel und Zürich und der ETH Zürich beantwortet wurde, fragte nach Gebrauch und Einstellung zu Substanzen wie Ritalin, Antidepressiva, dem gegen Schlafkrankheiten eingesetzten Modasomil und Betablockern sowie einer Vielzahl an Freizeitdrogen. 22 % der Befragten gaben an, mindestens einmal einen der genannten Stoffe zum effektiveren Lernen benutzt zu haben. Studierende, die Erfahrung mit Leistungssteigerung durch Arznei hatten, bewerteten die Nutzung dann auch deutlich wohlwollender (24 % halten sie für fair) als solche ohne (11 %).

Unfair und unsicher

Ein Großteil der Teilnehmer drückte Bedenken hinsichtlich Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimittel aus. Ebenfalls zeigten sich viele besorgt, dass bei verbreitetem Gebrauch Druck auf Nicht-Anwender entstehen könnte, die kognitiven Fähigkeiten ebenfalls durch pharmazeutische Wirkstoffe zu erhöhen. Die Frage, ob die Hochschulen deren Verwendung strikt regulieren sollten, spaltete die Befragten jedoch in zwei gleich große Lager.

Fairness bleibt auf der Strecke

Der größte Kritikpunkt blieb aber die Fairness. Zwei Drittel verglichen die pharmazeutische kognitive Leistungssteigerung mit Doping im Sport und 80 % waren der Meinung, mit dieser Praxis erreichte Resultate verdienten geringere Anerkennung und seien in einem kompetitiven Umfeld nicht akzeptabel. Lediglich bei Studierenden mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung und einer ärztlichen Verschreibung wurde die Nutzung von Medikamenten mehrheitlich gebilligt (64 %).

Liechti und sein Team zeigten sich zufrieden mit dem Umfang der Meinungsäußerung, räumten aber ein, dass bei einer Beteiligungsrate von lediglich 10 % (fast 30.000 Fragebögen waren verschickt worden) möglicherweise nicht die Meinung aller Studierenden an Schweizer Universitäten repräsentiert sei. Sie kamen zum Schluss, dass die pharmazeutische kognitive Leistungssteigerung an Hochschulen künftig überwacht werden soll. Außerdem sollten Studierende umfassend über das Thema informiert werden – vor allem die Bedenken zum Mitmachzwang sei vermutlich auf mangelndes Verständnis des tatsächlich geringen Nutzens des Hirndopings zurückzuführen.

Originalpublikation:

Swiss university students’ attitudes toward pharmacological cognitive enhancement
Larissa Maier et al.; Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0144402; 2015

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Ich sehe Arzneimittel zur Leistungssteigerung auch als unfair an. Es dient zudem auch nicht der Qualität der medizinischen Ausbildung.
Wer mit Hilfe von Ritalin oder Amphetaminen seine Prüfungen bewältigt, weiß meistens schon nach den Semesterferien nicht mehr was er da eigentlich gelernt hat. Sehr schade.
Die jenigen, die ohne alles (Kaffee und Tee ausgenommen) gelernt haben, behalten vielleicht weniger Details und brauchen länger um sich den Stoff anzueignen aber behalten auf lange Sicht mehr davon.

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