Diabetesrisiko: Von DNA-Variante beeinflusst

22. Mai 2013
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Eine DNA-Variante in räumlicher Nähe zu einem Verdauungsenzym hat nicht nur Einfluss auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch auf das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung. Die Erkenntnisse bieten neue Ansatzpunkte zur Diabetesprävention und -behandlung.

Das Verdauungsenzym Chymotrypsin spaltet Proteine in der Nahrung in kleinere Fragmente auf, die vom Darm aufgenommen werden können. 20% der Bevölkerung sind Träger einer DNA-Variante, die sich in der Nähe der Chymotrypsin-Gene befindet und die Aktivität des Enzyms verstärkt. Neueste Ergebnisse zeigten, dass gesunde Probanden mit dieser DNA-Variante nach einer Mahlzeit eine bis zu 40 Prozent höhere Insulinausschüttung hatten – eine wahrscheinliche Erklärung dafür, warum sie ein vermindertes Risiko haben, Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Besseres Verständnis

„Es war bereits bekannt, dass Menschen mit dieser Variante ein geringeres Risiko haben, Diabetes Typ 2 zu entwickeln“, erklärten die Wissenschaftler Dr. Leen ‘t Hart von der Universitätsklinik Leiden in den Niederlanden und Andreas Fritsche vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung und der Universität Tübingen. „Aber in unserer Studie konnten wir zeigen, warum das so ist.“
GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) ist ein Hormon, das vom Darm als Reaktion auf eine Mahlzeit produziert wird. Eine seiner Funktionen ist, die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse zu stimulieren, so dass die erhöhten Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit schnell zu den Normalwerten zurückkehren.

Schlechtere Therapieergebnisse

Außerdem ergab die Studie, dass Patienten mit dieser DNA-Variante schlechter auf eine Behandlung mit einer neuen Klasse von Diabetesmedikamenten ansprechen, die die Funktion von GLP-1 verbessern, sogenannte DPP4-Inhibitoren. Diese Medikamente, auch Gliptine genannt, werden verstärkt zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Noch weiß man nicht, wie die DNA-Variante das Ansprechen auf diese Medikamente beeinflusst. Aber die Forscher erklärten, das könnte eine Folge der beobachteten verstärkten Aktivität von Chymotrypsin im Darm sein.
Das wird Gegenstand künftiger Studien mit dem Ziel einer individualisierten Diabetesbehandlung sein, die spezifische Therapiemethoden bei einzelnen Patienten nach deren genetischen Merkmalen ausrichtet.

Originalpublikation:

The CTRB1/2 locus affects diabetes susceptibility and treatment via the incretin pathway
A. Fritsche et al.; Diabetes, doi: 10.2337/db13-0227; 2013

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