Lieferengpässe: Gähnende Leere

18. Dezember 2015
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In Deutschlands Apotheken fehlen nach wir vor wichtige Arzneimittel. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Kollegen. Sie warten seit Jahren, dass der Gesetzgeber eingreift, sind sich über die weitere Vorgehensweise aber selbst uneinig.

Einmal mehr haben Apotheker bei der Versorgung ihrer Patienten schlechte Karten. „Die Firma Sanofi-Aventis Deutschland GmbH teilt mit, dass wegen begrenzter Herstellungskapazitäten die Arzneimittel Insuman® Basal und Insuman® Comb 25 ab Dezember 2015 nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind“, heißt es vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Der Hersteller schlägt vor, während des Engpasses nur eine Fünferpackung pro Patient abzugeben, damit möglichst viele Menschen versorgt werden können. Mischinsuline stellen eine Alternative dar. Die Präparate machen jedoch engmaschige Blutzuckerkontrollen erforderlich. Apotheker sind empört. Es handelt sich aber um keinen Einzelfall.

Ärger Tag für Tag

Jetzt befragten Wissenschaftler des Instituts für Handelsforschung (IfH), Köln, 256 Apothekenleiter nach ihren Erfahrungen. Von ihnen haben 45,7 Prozent mehrmals täglich, weitere 32 Prozent täglich und 18,4 Prozent mehrmals pro Woche mit Lieferengpässen zu kämpfen. Kollegen gelang es häufig nicht, ihre Patienten zu versorgen. Diese Konsequenz trat bei 5,5 Prozent mehrmals täglich, bei 9,4 Prozent täglich, bei 28,5 Prozent mehrmals pro Woche und bei 21,5 Prozent mehrmals pro Monat auf. Zu den Präparaten selbst: Besonders häufig kam es bei Arzneimitteln mit Rabattvertrag (91,4 Prozent), Medikamenten ohne Rabattvertrag (51,4 Prozent), Grippe-Impfstoffen (59,6 Prozent) oder anderen Vakzinen (66,3 Prozent) zu Schwierigkeiten. Hilfsmittel (1,2 Prozent) haben in diesen Zusammenhang keine Relevanz. Bei diesem Teil der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich. Der Aussage, Lieferengpässe führten zu einer „deutlichen Erhöhung des Beschaffungsaufwands“, stimmten 98,4 Prozent aller Apothekenleiter zu.

Gute Gründe

IfH-Marktforscher befragten Apotheker auch nach möglichen Gründen. Hier waren ebenfalls Mehrfachnennungen möglich. Als Auslöser sehen 93,7 Prozent die Produktionsverlagerung in andere Länder. Rund 89,5 Prozent kritisieren Rabattverträge zwischen Herstellern und Krankenkassen. Letztlich führt das Phänomen zur Gefährdung von Patienten (87,2 Prozent Zustimmung). Die Aussage „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die pharmazeutische Industrie begrenzte Warenmengen aus ökonomischen Gründen bevorzugt in Länder mit einer höheren Vergütung liefert“ unterschrieben 67,7 Prozent. Doch was bringen überzeugende Zahlen wirklich? Das Problem sind nicht nur Politiker.

Botschaften für Berlin

Beim letzten Apothekertag ist ein entsprechender Antrag an den Ausschuss verwiesen vorden – mit der üblichen Gefahr, zu versanden. Nicht alle Standesvetreter sind tatsächlich daran interessiert, das Problem anzugehen. Manche befürchten, offizielle Zusammenstellungen nicht lieferfähiger Präparate wären vielmehr eine Steilvorlage für Kassen, zu retaxieren. Ist ein Präparat nicht Teil der Zusammenstellung, könnten Apotheken keine Sonder-PZN beim Austausch verwenden, wie momentan.

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