Sozialmedizin: Hoch oben lebt es sich länger

22. Mai 2013
Teilen

Die Bewohner der oberen Stockwerke eines Hauses leben im Schnitt länger als ihre Nachbarn im Parterre. Die Forscher vermuten soziale Unterschiede als Grund für das unterschiedliche Sterberisiko. Allerdings sterben in oberen Etagen mehr Menschen durch Sprünge aus großer Höhe.

Wer in einem mindestens vierstöckigen Haus in einem oberen Stockwerk wohnt, hat meist nicht nur die bessere Aussicht als die Nachbarn weiter unten, er kann diese auch länger geniessen. Das Team um Professor Matthias Egger und Radoslaw Panczak vom Institut für Sozial– und Präventivmedizin der Universität Bern hat in einer Kohortenstudie gezeigt, dass Menschen im untersten Stock ein deutlich höheres Risiko haben, an Herzkreislauf– oder Lungenerkrankungen zu sterben als ihre Nachbarn, die im vierten oder höheren Stock wohnen.

Unterschiedliches Sterberisiko

Beide Todesursachen sind mit gesundheitsrelevantem Verhalten wie Rauchen, Ernährung und Bewegung verbunden. Egger vermutet deshalb, dass die gefundenen Unterschiede im Sterberisiko zumindest zum Teil mit Unterschieden im sozioökonomischen Status der Bewohnerinnen und Bewohner der verschiedenen Stockwerke erklärt werden können. Zwar wurden in der Studie einige dieser Faktoren wie Bildung, Nationalität und Beruf berücksichtigt. Hingegen sind etwa das Einkommen und das Vermögen der Bewohner nicht bekannt.

Mehr Bewegung

Die Forscher schliessen auch nicht aus, dass das Leben in einem höheren Stock mehr Bewegung bringt und damit die Gesundheit verbessert. „Wer regelmässig die Treppen zu seiner Wohnung erklimmt, macht etwas für seine Gesundheit“ sagt Egger. Allerdings dürfte vor allem in die höheren Stockwerke doch meistens der Lift zum Einsatz kommen.

Suizidale Absichten

Nicht bei allen Todesursachen sind die Nachbarn in den höheren Stockwerken jedoch im Vorteil: Sie starben in der Beobachtungszeit von 2001 bis 2008 deutlich häufiger als die Bewohner der untersten Stockwerke durch Sprünge aus grosser Höhe in suizidaler Absicht. Gemäss Egger ist es unklar, ob dies allein an der Gelegenheit liegt. „Die Frage ist aber interessant für die Diskussion, ob die Verfügbarkeit einer Methode einen Einfluss auf die Suizidrate hat“, sagt der Epidemiologe.

In der Kohortenstudien auf Bevölkerungsebene wurden die Daten von 1,5 Millionen Menschen analysiert, die zum Zeitpunkt der Volkszählung 2000 in der Schweiz in einem Gebäude mit vier oder mehr Stockwerken wohnten. In der Beobachtungszeit von 2001 bis 2008 wurden insgesamt 142’390 Todesfälle verzeichnet.

Originalpublikation:

High life in the sky? Mortality by floor of residence in Switzerland.
M. Egger et al.; European Journal of Epidemiology, doi: 10.1007/s10654-013-9809-8, 2013

35 Wertungen (3.69 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

12 Kommentare:

Philipp Schlitt
Philipp Schlitt

Passt super in den “Hohlspiegel” !!!
(Vor allem der Leitabsatz…)

#12 |
  0
Birgit Gey-Kemper
Birgit Gey-Kemper

Oh Schreck, ich zieh um!

#11 |
  0
Chemiker

“Sie starben in der Beobachtungszeit von 2001 bis 2008 deutlich häufiger als die Bewohner der untersten Stockwerke durch Sprünge aus grosser Höhe in suizidaler Absicht.”
Der Mensch denkt halt praktisch…
In den USA greift man lieber zum Revolver. Hat man sowieso im Haus, und man braucht nichtmal das Fenster zu öffnen.

#10 |
  0
Dr. Willi Bökemeier
Dr. Willi Bökemeier

Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Wirkung von Fahrstühlen auf die Verteilung von Herz- und Kreislauferkrankungen.

#9 |
  0
Student der Humanmedizin

mein kleiner gedankenbeitrag:

wer oben wohnt, hat eine höhere umdrehungsgeschwindigkeit durch die längere radiusachse, lebt nach der relativitätstheorie – verschiedene geschwindigkeiten verschiedene zeiten – automatisch länger.

wer unten wohnt, für den lohnt sich das springen nicht so wirklich?! es sei denn zum zigarettenholen;-)

#8 |
  0

Das könnte von Loriot sein…

#7 |
  0
Astrid Coordes
Astrid Coordes

Ich find es richtig klasse im 6. Stock zu wohnen, und fühl mich jetzt noch wohler als zuvor!

#6 |
  0

Und dafür werden Forschungsgelder versemmelt? Man faßt es nicht.

#5 |
  0
Marion Wiese
Marion Wiese

studien, die die welt nicht braucht! schad um’s geld!

#4 |
  0
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Wer höher ist, fällt für gewöhnlich tiefer und länger, aua..

#3 |
  0

Wurde auch berücksichtigt, dass Menschen mit größeren kardiopulmonalen od. auch anderweitigen Funktionseinschränkungen oft in untere Etagen ziehen, damit ihnen eine gewisse Restmobilität erhalten bleibt? Dass diese Menschen auch eher versterben, liegt auf der Hand.

#2 |
  0
Stefan Kelter
Stefan Kelter

“Allerdings sterben in oberen Etagen mehr Menschen durch Sprünge aus großer Höhe.” Wer hätte das gedacht.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: