Nierentransplantation: Tacrolimus mit Viren-Boost

11. Dezember 2015
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Nach Nierentransplantationen kommt es immer wieder zu Komplikationen durch BK-Viren. Schuld daran ist unter anderem das immunsuppressive Medikament Tacrolimus. Dieses fördert und aktiviert die Vermehrung von BK-Viren.

Infektionen mit Polyomaviren ­– dazu gehören auch BK-Viren – sind beim Menschen weit verbreitet, verursachen aber bei gesunden Menschen meist keine Symptome. Problematischer ist der Virus allerdings bei Patienten, die nach einer Nierentransplantation immunsuppressive Medikamente einnehmen. In zehn bis zwanzig Prozent der Fälle breiten sich die BK-Viren im Transplantat aus und lösen eine Entzündung aus. Im schlimmsten Fall wird das neue Organ dadurch zerstört und der Patient muss erneut auf eine Spenderniere hoffen.

Medikamente mit unterschiedlichem Einfluss auf Virus

Bei der Organtransplantation kämpft die Medizin vor allem gegen das körpereigene Immunsystem an, welches versucht, das fremde Organ abzustoßen. Diesen Vorgang unterdrückt man durch immunsuppressive Medikamente, wie beispielsweise das häufig verwendete Tacrolimus. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Signalübertragung der körpereigenen Abwehrzellen hemmt. Jedoch wird dadurch aber das Immunsystem so geschwächt, dass es den Körper nicht mehr ausreichend vor Infektionen durch Viren, etwa den besagten BK-Viren, schützen kann.

Die Forschungsgruppe Transplantation & Klinische Virologie am Departement Biomedizin der Universität Basel unter der Leitung von Prof. Hans Hirsch konnte nun zeigen, dass das BK-Virus ganz unterschiedlich auf verschiedene immunsuppressive Medikamente reagiert: Während das oft verwendete Medikament Tacrolimus dazu führt, dass sich die Viren in den Nierenzellen verstärkt vermehren, wird die Virusvermehrung durch den Wirkstoff Sirolimus, einem mTOR-Inhibitor, hingegen blockiert.

Anhäufung von BK-Polyomavirus-Komplikationen begründet

Die Ergebnisse der Forscher erklären, warum es in den vergangenen zehn Jahren seit der Einführung von Tacrolimus in die klinische Routine zu sehr viel mehr BK-Polyomavirus-Komplikationen bei Nierentransplantierten gekommen ist. Die Resultate bieten außerdem wichtige Ansatzpunkte für klinische Studien, um den gezielten Einsatz von mTOR-Inhibitoren wie Sirolimus bei Patienten mit drohendem Verlust des Nierentransplantats gezielt zu überprüfen, ohne gleichzeitig das Abstoßungsrisiko zu erhöhen

Originalpublikation:

BK Polyomavirus Replication in Renal Tubular Epithelial Cells Is Inhibited by Sirolimus, but Activated by Tacrolimus Through a Pathway Involving FKBP-12
Hans Hirsch et al.; American Journal of Transplantation, doi: 10.1111/ajt.13541; 2015

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