Gliom: Signalweg-Stilllegung fördert Wachstum

9. Dezember 2015
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Bislang wurde vermutet, dass der weitverbreitete Notch-Signalweg zum Wachstum von Hirntumoren beiträgt, sobald er aktiviert wird. Nun zeigte sich jedoch, dass die Aktivierung des Signalwegs sogar ganz im Gegenteil die Entwicklung bestimmter Hirntumore unterdrückt.

Bisher ist nicht klar, welche Zellen Gliome verursachen können, wenn Gene mutiert sind. Forscher vermuten, dass Hirnstammzellen ein möglicher Ursprung von Hirntumoren sein könnten. Stammzellen des menschlichen Gehirns können neue Nervenzellen bilden; läuft in diesem Vorgang etwas schief und kommt es zu unkontrollierter Zellvermehrung oder gestörter Zelldifferenzierung, könnte das einen Hirntumor entstehen lassen.

Stammzellen als mögliche Tumorursache

Ein Forscherteam um Prof. Verdon Taylor von der Universität Basel hat in einer Studie untersucht, ob der Mechanismus, der die Stammzellerhaltung im Gehirn regelt, möglicherweise von Krebszellen zur Bildung von Tumoren sozusagen missbraucht wird.

Dafür untersuchten sie den Notch-Signalweg. Dieser ist zentral für die Stammzellaktivität im Gehirn, und es wird vermutet, dass er – einmal aktiviert – zum Wachstum von Hirntumoren führen kann. „Entgegen unserer Erwartungen haben wir aber festgestellt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: die Aktivierung dieses Signalwegs unterdrückt die Entwicklung von bestimmten Hirntumorarten sogar“, sagt Claudio Giachino, Erstautor der Studie. Umgekehrt ließ die Stilllegung des Signalwegs gewisse Arten von Gliomen aggressiver werden und schneller wachsen.

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Querschnitt eines durch Stammzellen entstandenen Hirntumors im Mausmodell: die histologischen Merkmale des Tumors ähneln einem menschlichen Gehirntumor auffallend. © Universität Basel, Claudio Giachino/Verdon Taylor

Neuer Therapieansatz

Aufgrund dieser Eigenschaft könnte der Notch-Signalweg in Zukunft einerseits zum Ziel neuer Therapieansätze werden und andererseits als Diagnoseinstrument dienen, um verlässlichere Prognosen für Patienten zu erstellen. „Unsere Resultate zeigen auch, dass große Unterschiede in den molekularen Signalwegen zwischen vordergründig ähnlichen Hirntumorarten bestehen. In Zukunft sollte die Art des Glioms viel genauer untersucht werden, bevor eine spezifische Therapie angewendet wird“, so Taylor.

Originalpublikation:

A Tumor Suppressor Function for Notch Signaling in Forebrain Tumor Subtypes
Claudio Gianchino et al.; Cancer Cell, doi: 10.1016/j.ccell.2015.10.008; 2015

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