Lebensqualität: Oh, du schwere Weihnachtszeit!

22. Dezember 2015
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Einer Umfrage zufolge erleben viele Europäer die Weihnachtszeit als belastend. Befragte gaben an, im Advent weniger zufrieden zu sein als zu anderen Jahreszeiten. Bemerkenswert war auch, dass religiöse Menschen den Dezember offenbar weniger anstrengend empfinden.

Juniorprofessor Dr. Michael Mutz wertete umfangreiche Datenmengen aus elf europäischen Ländern christlicher Prägung aus, darunter Belgien, Estland, Deutschland, Ungarn, Irland, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und Großbritannien. Die Daten wurden aus zwei Umfragerunden im Rahmen der europäischen Sozialstudie European Social Survey zusammengetragen. Die Teilnehmenden wurden darüber befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien und wie sie ihren emotionalen Zustand beurteilen würden.

„Christen, vor allem jene, die sich selbst als sehr religiös einstufen, sind in der Vorweihnachtsphase positiver eingestellt und zufriedener mit ihrem Leben“, so Prof. Mutz. Laut dem Wissenschaftler wird das Wohlbefinden bei Christen in dieser Phase weniger negativ beeinflusst als bei Nicht-Christen.

Stress durch Geschenkekauf

Der Göttinger Soziologe führt den von vielen Menschen empfundenen Mangel an Lebensqualität und emotionalem Wohlbefinden auf den vorweihnachtlichen Trubel und die wachsende Ausrichtung auf materiellen Konsum zurück, die mit dieser festlichen Zeit einhergehen. „Viele fühlen sich gestresst durch den Druck, rechtzeitig Geschenke kaufen und die mit den Feiertagen verbundenen gesellschaftlichen Verpflichtungen erfüllen zu müssen. Finanzielle Sorgen werden oft als zusätzliche Belastung empfunden“, so Mutz.

Christliche Menschen handeln in der Vorweihnachtszeit hingegen weniger materialistisch und konsumorientiert und erleben nicht zuletzt dadurch auch weniger Stress.

Originalpublikation:

Christmas and Subjective Well-Being: A Research Note
Michael Mutz et al.; Applied Research in Quality of Life, doi: 10.1007/s11482-015-9441-8; 2015

12 Wertungen (4.5 ø)
Medizin, Psychiatrie

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2 Kommentare:

Gundis
Gundis

@ Nic. Kelling
Ich denke schon, dass da ein Zusammenhang besteht, wobei aber zwischen religiösen und nichtreligiösen Christen zu unterscheiden ist. Religiöse Christen ziehen aus der Vorweihnachtszeit und natürlich aus dem Weihnachtsfest viel mehr Positives, weil es bei ihnen nicht nur um Familienfeierlichkeiten mit opulenten Mahlzeiten und Geschenken geht, sondern der Ursprung des Festes im Mittelpunkt steht. Die Erinnerung an die Geburt des Erlösers hat ja zunächst einmal nichts mit Konsum und gegenseitigen Ansprüchen und Erwartungen an die perfekte Weihnachtsfeier zu tun, sondern mit purer (Vor-)Freude und Dankbarkeit, was sich z. B. in gemeinsam besuchten Gottesdiensten zeigt. Bei Menschen, die aufgrund fehlender Religiösität seit ihrer Kommunion bzw. Konfirmation keine Kirche mehr von innen gesehen haben, fehlt dieser Aspekt der gemeinsamen Freude. Damit wird der Druck verstärkt, sich trotzdem gegenseitig etwas Tolles zu bieten, damit es ein schönes Fest wird, auch wenn man vielleicht gar nicht mehr weiß, warum man eigentlich feiert.

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Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Interessante Studie, aber, wie ich glaube, dem Denkfehler unterliegend, dass es sich um Kausalitäten handeln würde…. Man kann ja Korrelationen herstellen zwischen Christ-Sein und nicht Christ-Sein (bzw. eine solche religiöse Einstellung haben, was ja nun auch noch zweierlei ist) oder dem Konsumverhalten und der Zufriedenheit in der Vorweihnachtszeit, aber was ist denn mit solchen Variablen wie den überfrachteten Erwartungen (nicht nur an Geschenke) an “die heile Familie” und das “gesegnete Fest”, die dazu führen, dass wir intoleranter werden gegenüber Frustrationen, wenn es nicht genau so verläuft- und wir uns dadurch gestresst fühlen? Wohlbefinden hängt doch massiv von der Deckung der eigenen Erwartungen mit dem tatsächlichen Erleben ab…, ob das was mit Religiosität zu tun hat???

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